Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 37 (9.9.1932)
- Date
- 1932-09-09
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
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r Joden im Kuoisahsndwerili Eine kunsfgesdiichfliche Befrachtung Von Dr, Hermann Gur.dersheimer, Kunstgewerbemuseum Frankfurt a. Main Daß zu allen Zeiten .der Geschichte urj) überall, wo Juden wohnen, jüdische Handwerker zu finden sind, bedarf keiner ausführlichen Darlegung. Tie liwrarische Ueberlieferuna, die Namen der Juden, die soziale Schichtumz. besonders bei den JiÄen des Ostens, beweisen es eindeutig. Nicht ebenso klar sestzustellen ist die Rolle der Juden im K u n st h a n d w e r k, also in jenen Zweigen gewerblicher Betätigung die, aus der Sphäre des reinen Gebrauches hmausragend, Anspruch auf künstlerische Wertung erheben. Wie der Anteil der Juden an der Entwicklung der freien Künste, das heißt der Malerei und Plastik, zu einem Teil von den Bildnisverboten der Heiligen Schrift, zum anderen von wirtschaftlichen, politischen intb sozialen Gegenkräften bestimmt wurde, so ist auch die Tätigkeit des Juden aus dem Gebiete des Kunsthandwerkes ein bewundernswertes Eichdurchsetzen gegen die stärksten Widerstände. Eine Geschichte der jüdischen Kunsthandwerker — sie zu schreiben wird erst möglich sein, wenn die Sammeltätigkeit der Museen"jüdischer Altertümer weiter und systematischer ansgwaut sein wird — würde zugleich ein Berichtest eter Zurücksetzungen, Ausschließungen und Boykottierungen sein, denen die Inden bis in das 19. Jahrhundert, ja beinahe bis in unsere Tage, ausgesetzt nmreir. Es spricht für die den Juden innewohnende Gestaltungskraft, daß sie, allen Schwierigkeiten entgegen, auch hier mit beachtlichen Beiträgen zur kulturellen und künstlerischen Entwicklung der Völker hervorgetreten find. Aus biblischen und geschichtlichen Quellen sind wir in der Lage, ein in Umrissen zutreffendes Bild ton dem Leben und der Tätigkeit jüdischer Kunsthandwerker itn Altertum zu machen. Wir wissen, daß, um nur wmw? Beispiele zu nennen, die Soldblechblleg? im salomonischen Tempel aus den Werkstätten jüdischer Handwerker stammten. Neben römischer Einsuhrware bat der palästinensische Boden Erzeugnisse der Kleinkunst bewahrt. wie lieget, deren jüdische £vrfuiift nicht umstritten ist. — In einem talmudi scheu Bericht über die groß?, im Jahre 117 zerstörte Synagoge in Alexandrien wird erzählt, daß die Pläne für die Goldschmied?, Silberschmiede, Erzaräber, Weber usw. voneinander geschieden waren. Es scheint also eine zunftmüßige Gliederung der Gemeinde bestanden zu haben, die eine große Zahl jüdischer Handwerker, darunter auch kunstgewerblich tät'ger, voraussetzt. — Bon den Schöpfungen der jüdischen Kunsthandwerker des Altertums ist nur sehr wenig auf uns gekommen. Tie erhaltenen Gegenstände bercchngen nicht, auf eine national-gebundene, be-'anders jüdische l'.eberliefernng zu schließen. ^;on damals bestand eine weitgehende Angleichung an die Formen- und Vorstellungswell der Umgebung. Im Mittelalter war den Juden in vielen Ländern die Ausübung von Handwerken, besonders jener Zweige, die wir Kunschandwerk nennen, außerordentlich erschwert, wenn nicht verboten oder durch Not unmöglich gemacht. In Deutschland war den Juden jedes zünfstg? Handwerk streng verboten; den christlichen Meistern war es untersagt, Juden in ihre Werkstätten auszunehemn. Daß trotzdem eine sehr große Anzahl jüdischer Kunsthandwerker auch 377 im mittelalterlicher: Temschkand wirkte, ist zugleich ein denkwürdiges Teispstl für den immer wachen Eifer, zum Sckmmck? des Eotwwwnstes in Synagoge und Hans bciz-ürngm. und eine Bestätigung unserer Ust.ustwwnng von;:r nicht zu unterdrückenden kün.stterrl'chen Begabang der Juden. Bon den Bwürsnifstu des jäd schen Kultus ging die stärk de Anregung ans die Kunsthandwerker aus. Ter Schmock der Synagoge, der Thora recke, des Sabbmtisches verlangten Arbeiten der Goldschmiede, Zneleure, Brokatsticker, Kupferschmiede, Graveure; die Ausmalung der Synagogen und der Schmuck der Haggada beschäftigee Tekorationsmaler und Miniaturisten, die Verbreitung der heiligen und gelehrten Bücher macht? ihre frühe Trucklegung erforderlich. So wird das jüdische Knnsthandwerk durchaus vom Religiösen und .Kultischen her bestimmt; die Form aber, die den besonderen jüdischen G-ehasten diente, ist häufig eine Lehn form. Tie Nimonstu, stkLern? oder silbervergoldete Auf'ätze für di? beiden Stangen der Thorarolle gäz-chajim). sind m.eist gotischen Stadt- oder Kirchtürmen nachgiölldot, die Vesiomrm-Büchse, der Gewürzbehälur für den Saböatausean.g, bilde: zc-itzenösstsch? Architekturen mit leichten Bastierunaen um. sin der Formung der Kiddusch Wecker werden Lidverschiedenen Entwicklungsstust'n der Geldschmie-dekunst deutlich: häufig ist es nur die hebräisch? Inschrift, die den Zweck verrät. Obwohl es den Juden nicht gestattewar. Meistermarken aus ihren Erzeugnissen anzubringen, ist die Tängkeit jüdischer Kunsthandwerker gesichert. So gab es um 1540 mehr als 10 000 jüdische Handwerker in Bolen; unter ihnen stehen die des täglichen Bedarfs. dw^Tuchmacher und Kürschner, an vorderster stelle. Dann folgen die Goldschmiede. Noch im Jahr? 1857, also bereits nach Beginn der Auswanderung nach den westlichen Ländern, wurden in Polen, ohne Warschau, fast 550 Goldschmiede tg m r>-~' vs C../; 7 "3 ki-7M,.,aüZ c »äks wJ yJ y ** O iw Lü D ^7 y J\5 i h i n p fjb [ ir j CJ ö L jtij för Ar&©stsäGsck awung 322^-^- ■ VOm 1t» bis 13« September 1032^ Tsuenizienstr« 4 (am Wittenbsrgplatz, gegenüber Kadewe) unter dem Protektorat des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, veranstaltet vom Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, E. V. zu Berlin GescHSLftssfcell©: NO 18, Grosso Frankfurter Str. 80 81. KÖnlgstadt E3 249D. Eintritt frei! Täglich geöffnet von 10 Uhr früh bis 8 Uhr abends, an Eröffnungstage ab 1 Uhr mittags. Eintritt frei! Führer dardi die üeitesta! Direkt c!> Febrile f Kfubmöbeij Couchs, Matratzen, Aufu. Umarbeitung, Dekorationsn. 1 Polstsnnübd-ond L. fclatrahrenfaiT;!?, (früher iu Posen), Berlin, Aitüedslt SS, Fabrikgeb., 2. HoL Telepb.; C 9. Tiergarten Vertreter besuch unverbindlich. 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