Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 32 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Abschluß gef.oir.nuu zu \tu\ scheint, wird eine solche ruhige Aufklärung innerhalb der Familien nrtwindig und erfolgreich sein können. Diese Broschüre ergänzt die llllonaisausmbe der „C. B.-Zei:unZ", die in diesem Wahlkampf als Protest gegen Entrechtung-Versuche und als Aufruf zürn inneren Frieden erschienen ist. Ueberfullte Protestkundgebungen in Gross - Berlin Dem gleichen Protest galten die viele?! Versammlungen, die noch in den letzttn Tagen vor der Wahl in fast allen Teilen Deutschlands unter stärkster Anteilnahme aller C. D. er ftattfanden. Tie Srrß-Berliner Kundgebung des Centralvereins im Logenhaus Kleiststraße am 28. Juli war so überfüllt, daß zwei Parallelversammlungen noch im letzten Augenblick angeseht werden mußten. Wir übertreiben nicht, wenn wir hier feststellen, daß uns aus den Kreisen unserer Mitglieder und Freunde noch in diesen Tagen immer wieder gesagt wird, sie harten eine so erschütternde und erhebende Kundgebung des Centralvereins noch niemals erleb:. Die unermüdliche Aufmerksamkeit der .Hörer, der spontane Beifall, der die Redner immer wieder unterbrach, bewies, in welcher seelischen und politischen Spannung sich die mehr als 1500 Besucher der Versammlungen befanden und wie dankbar sie dem Centralverein für die Einberufung der Kundgebung waren. Diese Stimmung wird uns aus allen Städten, in denen solche C. B.-Wahlkund gedungen stattfanden, bestätigt. Tie Tagespresie hat über die Berliner Kundgebungen ausführlich berichtet. Wir tragen hier nur nach, daß die drei Versammlungen unter Leitung des Vorsitzenden des Centralvereins, Justizrat Dr. Brodnitz, des Vorsitzenden des Landesverbandes Croß-Berlin, Dr. Bruno Glaserseid, und des Hauptvorstandsmitgliedes des Centralrereins, Landgerichtsrat Dr. Seligsohn, standen. Justizrat Dr. Brodnitz stellte die Versammlung unter das Motto: Kampf gegen Judenfeinde und Judenhasier. Rabbiner Tr. Leo Baeck bezeichnete die Ausbreitung des Judenhasses als das Anzeichen einer schweren religiösen Krise, die von den Inden nicht nur wegen der sie unmittelbar treffenden Folgen, sondern auch als deutsche und religiöse Menschen tief beklagt werde. Ten deutschen Juden beschleicht heute oft ein Gefühl der Einsamkeit, und es ist ein hartes Ding, im Vaterlande, mit besten Geschichte die eigene Eeschichte seit Jahrhunderten verknüpft ist, einsam zu sein. Millionen von Menschen sind heute aus das Programm der Judenfeindschaft eiugeschworen. Wie soll sich die J'adenheit demgegenüber verhalten? Es wird viel zur Aufklärung getan, aber wer lügt, will nicht widerlegt werden, er will die Unwahrheit sprechen. Wir können die Judeusrage nur durch unsere persönliche Haltung, durch unsere Zukunjtsgaoißheit lösen. Wie wir sein werden, wird unsere Zukunft sein! Polizeivrzepräsident Dr. Bernhard Weiß wurde bei seinem Erscheinen in allen drei Sälen mit langanhaltendem Beifall empfangen, den er, wie er sagte, wohl richtig dahin deutete, das; seine Amtsenthebung ihm in den Augen der deutschen Juden nicht Abbruch getan habe. Er bezeichnete den „Fall Weiß" als snmpüurwllsch für die Lage der Juden im heutigen Deutschland und bewies das an der Art. wie der politische Kampf durch Verleumdungen und Vcrdächtigungcn gegen ihn und seine Gattin geführt worden ist. Ten Zumutungen einzelnec Freunde, in Armsgeschästen aus Taktik mehr Zurückhaltung zu wahren, begegnete er mit dem Hinweis aus seinen Leitartikel in Rr. 23 der „D. V.-Zeitung" vom 3. Juni d. I. und fügte hinzu: „Hüten wir uns vor den Weichlingen, die in einer Zeit wie dieser Zurückhaltung predigen, und halten wir unbeirrbar an den Errungenschaften der Emanzipation fest! Freiwillig dürfen und werden wir von unserer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung keinen Schritt zurückweichen!" Rechisanwalt Dr. Bruno Weil zeigte an Hand zahlreicher Beispiele, wie wir sie auch in der vorigen Rümmer dieser Zeitung veröffentlicht haben, die schweren Gefahren, die durch die Jeüenhetze für .das Ansehen Deutschlands im Auslände entstehen. Eine Entrechtung der Juden in Deutschland könne sich verhängnisvoll au? die rechtliche Lage der zahlreichen deutschen Minderheiten in fremden Staaten auswirken. Syndikus Tr. Alfred Wiener schilderte die bekannten judenfeindlichen Ausschreitungen der lützwn Wochen, zeigte die unermüdliche Kleinarbeit des Centralvereins dagegen und schloß mit dem Bekenntnis: „Wir glauben an die guten Kräfte im deutschen Volk, wir glauben an das baldige Erwachen dieser Kräfte auch im rechten Lager. Wir bleiben, wie wir sind, und weil wir so bleiben, werden wir das Judentum und das Deutschtum in uns zu Ehren bringen." In den Parallelversammlungen sprachen außer dm genannten Rednern noch: Dr. Friedrich Brodnitz, Amtsgerichtsrat Dr. Fritz Goldschmidt, Dr. Margarete Edelheim, Tr. Lblfred Hirschberg, Dr. Hans Reichmann und Arnold St e i n. Einstimmig wurde cine Entschljessung angenommen, in der es heißt: „Wir in der Kundgebung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. vom 28. Juli versammelten deutschen Juden erheben flarrrmenden Protest gegen die Schmähungen, Drohungen urü) Gewalttätigkeiten, die von judenfeindlicher Seite Tag für Tag gegen uns verübt werden. Wir sind zu stolz, als daß wir unsere Verdienste um unsere deutsche Volksgemeinschaft wieder und wieder bervorhcben. Wir wissen auch, daß Tausende unserer Volksgenossen unseren Appell nicht hören wollen, weil sie durch antisemitische Demagogie fanatisiert worden sind. Tenn seit Jahren, und in diesem Wahlkampf verstärkt, dient die antisemitische Propaganda als Kampfmittel für politische Zwecke. An alle Volksgenosten aber, die noch hören wollen, ergeht unser Ruf: Tie judenseindliche hemmungslose Agitation, als deren Folgen 125 Friedhossschändungen, 49 Stznagogenbesudelungen, Terrorakte und Bluttaten gegen deutsche Juden sestzustellen sind, gefährdet das Ansehen unseres Vaterlandes als Kultnrnation. Ter Name Tcuischlands, mit dem die Begriffe Recht und Humanität bisher unzertrennlich verbunden waren, wird durch jenes schändliche Treiben besteckt. Im Auslande kämpfen Hunderttausende von Teutfchen um ihr Recht und ihre Anerkennung. Ihnen leisten jene Kreise einen schlechten Timst, die gegen die eigenen jüdischen Volksgenossen Intoleranz predigen und EntrechiungsplänL schmieden. Wir deutschen Juden, die wir nicht bester und nicht schlechter sind als irgendeine andere Gruppe in der deutschen Volkseinheit, erwarten von unseren gerecht denkenden Mitbürgern, daß sie den unwürdigen Entrechtungsversuchen gegen eine religiöse Minderheit Einhalt gebieten. Lange genug wüten Haß und Zwiespalt in unserem deutschen Daterlande. Wer nicht hilft, sie zu Der Kampf gegen das Schlagwort in Bild und Text (Noch ein Beispiel ans der Broschüre „Wir deutschen Juden“) «^oo oö BEAMTE i nanzamt ° QROSS - B K 0 & & <a »i n cf - Dj-LAw -Cf^r^ooooooö|NDUSTRlS \ O°^0^ooo<4^ o A/ •1^-U HANCWERK o o oo HANDEL 1/77 000000 Af T GcLßp'M C taj&ded J&fM Die Unterscheidung zwischen „reffendem“ und schaffendem“ Kapital ist irreführend und unwissenschaftlich. Unter „raffendem“ Kapital wird Bank- und Börscnkapiial verstanden. In Wirklichkeit rollt das Geld von den Banken und Sparkassen zur Industrie, zum Handwerk, zur Schiffahrt and durch jeden einzelnen Haushalt. Die Grossindustrie, deren Kapital als „schaffendes“ bezeichnet wird, tritt als Käufer und .Verkäufean der Börse auf. Im übrigen gibt es jüdische Industrielle und nicht-jüdische Bosianer. Selbst wenn man also die Begriffe „schaffend“ und „raffend“ anwendei, bleibt die Gleichsetzung von ^schaffend“- christlich, „raffend“-jüdisch falsch.