Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 32 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- Seite 333 (sequence 1)
- Language
- German
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/ , .X t mm mrA) *tk-•'*-r-'-*>^Zß♦ .-A A <? / Serlin, 5. August 1932. XI* Jahrgang ♦ Ur. 52 CinZelnummes 20 Pfennig A, /A X* X X- \ y V -'■ j4v J.j, &~SrJ vj%i V ^'/^^v7/y /y*^ sJäsK® 73'3?ji 3yj; .XX3 r-^f'*^( _ \ .-,y-y~* öi?M Allgemeine Zeifung des Dudenrums Bankkonto: DresLner Dank, Ds^ositenkaffr H i» VlertclzQlzrsQ-'sorr^rrrrerrt 2.25 NM. (zurück. LrstsLLrlL). Verlag unL Schriftleitung: DerUrr 12, Erifer SW. 12. Fernsprecher: 3 2 Olioa 5071. .:. Poftscheckkonto: Berlin 304 72. BerUn*TNlNiersDsrs 1, HohrnZsLrrndarnm 155. Wleir 5gr AnzeigLnannahmr: Dnnsnern.CrpeLiLlsn Rudolf Msssr, Berlin SW 159, un d deren Filialen. Dn^izenprelse: 0,90 JUL für dir 7grfxaIt2NS ZsUs nach Rudolf Ztc \i* Xonnalzrilsnureuer Re. 4, FaNüliendnzrigeir und Strüengsfuchr (nicht Stellruangröstr) für Mitglieder des Centralvereins 0,42 JIM, dir 62 mm Lrritr Reklaniezrilo 3,52 JZmL H ss Wd'ßt GLM GMgftNZD </ f -X,:\ ’! 1 : - ' i ■! : / . ] - - •’ Vv‘ WLM ls. - .v.., v<^s) -7 vy <r v> M/ Ter Nationaisozialismus hat einen großen Sieg errungm und eine große Niederlage erlitten; einen Sieg durch das ungeheure Anwachsen seiner Abgeordnetensitze, eine Niederlage durch die Unmöglichkeit, die Mehrheit der Stimmen des deutschen Volkes Zu erringen —< aus friedlichem, d. h. „heute legalem Wege* zum „Dritten Reich" Zu gelangen. Das Wahlergebnis hat erneut gezeigt, aus wie verschiedenartigen Schichten die 13 Millionen Wähler Hitlers stammen. Sicherlich befinden sich unter ihnen auch wertvolle ernste Menschen. Tiefe glauben, im NationalsozialiZmus die echte nationale Bewegung gefunden Zu haben. Wir haben schon oft dargelegt, wie auch wir deutschen Juden und mit uns die gesamte deutsche Kulturwelt die Bedeutung des Nationalismus anerkennen, weil die Nation alles das umfaßt, was wir wie alle anderen als wahrhaften Charakter des Deutschen lieben: Ehre, Heimat, Kultur, Sprache und Sitte. Aber im Nationalsozialismus ist das Nationale ins Nationalistische verzerrt.' Wer die echten Werte aus dem Verschütteten ausgrübe — ein neuer, richtig verstandener Fichte —, den würden wir loben. Tie Verzerrung aber schadet so sehr, daß der Nationalsozialismus trotz aller Wahrheitswrnchen, die er enthält, sein Ziel nicht erreichen wird. Wie zügellos und ungebärdig der Nationalsozialismus sich auswirlt, beweist erschreckend und abschreckend der Katalog der Schande, den wir heute veröffentlichen müssen. Vielleicht sind alle diese Gewalttaten nur äußere, krampfhafte Anstrengungen, um die innere Schwäche Zu verdecken; vielleicht sind sie Auswirkungen eines verabschemmgswürdigen Planes. Von unserer Seite wird alles geschehen, was in Menschenkrast und Menschenmacht liegt, um für diese. Untaten Sühne zu erzielen und Wiederholungen zu verhindern. Hoffen wir, daß die Regierung die Kraft hat, den inneren Frieden für eine wirklich nationale und wirtschaftliche Wiedergeburt aufccchtzuerhalLenl Sie kann es, wenn sie sich durch keinerlei Einflüsterungen von nationalsozialistischer Seite beirren läßt. Dann werden ihr — hinter Zurückstellung mancher Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen — alle folgen, die für die Erhaltung des Rechtsstaates gegen Willkür und Diktatur kämpfen. Wüjfrmsuchs auf Mölschsm §r!r-hsf— Han-§rcmÄrn m KreuZöurg uns RonsiaöL—Menrat auf Öen C v.-Szmöikrrs fn K§rr.'§s5r?g—Klirrende Scherben in Königsberg unö Grtslsöurg — UrLrrfall in Neiösnöurg — Vombsnattentat auf öle ©ynsgoge in Kiel München-Gladbach, 2. August. Am Vormittag des 31. Juli erschien die Polizei auf dem jüdischen Friedhof, um nach dort angeblich versteckten Waffen zu suchen. In Gegenwart des Vorsitzenden der Synagogengemeinde wurde das Tach eines an die Straße angrenzenden Friedhofspavillon geöffnet, weil man darunter die Waffen vermutete. Dieses Tach war in der vorhergehenden Nacht böswillig beschädigt worden. ■ Tie Untersuchung verlief selbstverständlich ergebnislos. Tie Polizei hat Zunächst jede Auskunft über die Person des Anzeigeerstattenden' abgelehnt. Veuthen, 1. August. In der Nacht vom 31. Juli zum 1. August wurden in Kreuzüurg (Eberschlesien) zwei HarrdgranaLcnatLcntaLe auf jüdische Bürger verübt. Morgens^gegen *44 Uhr wurde bei dem Testillateur Cmanuol Tauber in das hinter dem Scharrkraum liegende Kontor, das zugleich als Lagerraum dient, durch die Schaufensterscheibe eine Eierhandgranate geworferr, durch deren Explosion ein erheblicher Sachschaden entstand. Kurze Zeit darauf rvurde in die Wohnung des. .Kaufmanns Ebstein gleichfalls eine Handgranate geworfen, die auf einen Klubsessel fiel und dort erplodierte. Menschen und in beiden Fallen glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Tie .Zlrrnüualpolizei hat die Ermittlungen ausgenommen.; Gegen Tauber wurde von nationalsozialistischer. Seite seit längerem eine starke Hetze geLriclle?;. Fn einen: anonynrerr Schrci- . ben wurde rhu: und seiner Frarr bereits . hn Januar der Tod angedroht. In der . nationalsozialistischen „Deut s ch e n O st - front"' "von: ' 27. Juli war zuletzt ein Artikel erschienen: „K P D. - S ch n a P s j u d e seht Kopfpreise für SA.-Führer a u s"ll In diesem wurde behauptet, Tauber hätte einem Konnnunisten 500^ Mark zugcsichert, wenn er einen dortigen. ^rl.-Sturmsührer kaltmache. Selbstverständlich ist diese Meldung völlig erfunden. Eine sofort eiugcsaudte Bcrrchtrgrrrtg wurde von der „Osiiroat-' nicht gebracht. Ter Artikel ’ wurde statt dessen rot angesirichen in Kveuzburg bis zum Tage nach dem Handgranatenaweniat crusgehangenE Gegen die Zeitung ist Strafanzeige erstattest ' Königsberg, 1. August. In den frühen Morgenstunden wurde ein mistglücktes Attentat auf den Syndikus des Landesverbandes Lstpreutzcn des E. B., Kurt Sabatzky, verübt. Am swckm'.uag des gleichen Tages wurden die grahan Schaufensterscheiben der Kaufhäuser Sommerfeld und Lachmanski und des Geschäfts von Grüne- Wald durch Steinwürfe zertrümmerst (Sonderbericht über die Königsberger Ereigniffe geben wir am Schluß der telegraphischen Meldungen. Tie Schriftleitung.) Konstadt (Oberschlesten), 2. August. In der Nacht zum 2. August wurde ein HandgrauaLcuaLLcrrtaL ans das Grundstück des jüdischen Kaufmanns Ehurantr .verübt. Glücklicherweise entstand nur Sachschaden. Tie Tater konnten bisher nicht ermittelt werden. Ncidenburg, 2. August. Ter jüdische Kaufmann Behr wurde überfallen und blutig geschlagen; er muhce in? Krankenhaus gebracht werden. Ortclsburg (Ostpr.), 2. August. In der 'Nacht vom st zum 2. August wurden fünf grotze Schausettstcrscheibett des Warenhauses Atotulski, vier Scheiben bei den: jüdischen Kaustnaun Mendel und ciu großes Fenster bei dem jüdischen Lederhäudwr Behr eiugeschlagon. —- Tie Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Kiel, 3. August. An der Shnagogerttuaucr wurde tln Sprengkörper Zur Entzündung gebracht^ der erheblichen Sachschaden verursachte. Sie Polizei hat Ermittlungen nach den Tätern eingeleitet.