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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-29 · 31 (29.7.1932) · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
31 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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ALS S0o$6«f R» .«imur Dann empfehle wir zur Pfleg« Ihre* Körper* cnd zuc^ch zuvStärkung Ihrer Nerve« TERAS EAU DE COLOGNE RUSSE vin KöJoisd» Wasser, des mit erfrischender, kräftigender Wirkung den Charakter eines vornehmen, enhaifend-würzigen Parfüms verbindet. Eine kleine Tasdtenflascha kostet 0,80 RM., und ein Versuch wird Sie überzeugen, dass wir nicht zuviel versprechen. TERAS EAU DE COLOGNE RUSSE cur echt mit demTerashaus, ist in allen guten einschlägigen GeschärtenerhältKch „TE RAS-HAUS" MAX SCHWARZLOSE scheinen. So kann allein eine immanente Kritik an seiner Grundemstellung uns den Standpunkt geben. Von dem aus wir leine Theorie, die der Ueberzeugung und dem Fühlen der Mehrzahl der deutschen Juden widerspricht, erschüttern. In einem Von wundervoller philosophischer Klarheit durchleuchteten Buch gibt Professor Jaspers (Heidelberg) einen Einblick in „Tie geistige Situation der Zeit" (Sammlung Göschen, Band 1000). Dieses Buch fei hier erwähnt, weil es so viel tiefer und richtiger eine Antwort auf die Frage nach dem „Mas ist"' erteilt, als dies Hugo Marx in seinen einleitenden Ausführungen, die die Voraussetzung zu seiner Problemlösung darstellen, tut. Während Marx einer Mafsenassirnilatiou an die Produktionsverhältnisse das Wort redet, sieht^ Jaspers die höchste Form des Daseins Lm selbst sein. Während Marx nur die sich entwickelnde wirtschaftliche Lage im Auge behält, die eine beruflich angepaßte nationale Minderheit, speziell für das Judentum, als exrstenzgeftchert weiß, sagt Jaspers: „Es gibt die in keinem Vertrag zu fixierende Bindung, welche stärker ist als nationale, staatliche, parteiliche und soziale Gemeinschaft oder - als die Rasse/ Diese echten Bindungen lassen sich nicht machen, „sie werden von dem einzelnen in seiner Gemeinschaft frei erzeugt". Es geht nicht an, eine Gemeinschaft, deren Wesen stets die Bindung freier Geister in dem Bewußtsein des Adels der Gottesidee gewesen ist, einfach gleichzusetzen mit liberalem Bürgertum, um dann, von dieser Voraussetzung ausgehend, ein Rezept politisch - ökonomischer Zielsetzung. sei es kommunistisch (Otto Helle r), sei es national-kollektivistisch (Hugo -i)l a r x'j, zu geben. Wer in dem Adel einer Idee steht, wie das Judentum, verliert sich nicht, „sondern erfährt die Wahrheit seines Aufschwungs als Bewegung des endlichen Selbstseins auch im Scheitern, eine Wahrheit, aus der ihm alles, was in der Welt borfommt, nicht m e h r sein kann, als er sich selbst ist" (Jaspers). Wichtig ist immer und immer nur, daß das Judentum diesen Adel seiner Idee festhält, lebt, formt. neugewinnt; m aller Krise imb allem Aufbruch der Welt in eine neue Daseinsform mitnimmt seine geistige Substanz. Wenn Hugo Marx glaubt, aus der Feststellung, daß „der Stent in die Wirtschaft dringt^ folgern zu müssen, daß sich das Judentum als nationale Minderheit im Staate aufmachen müsse, um wirtschaftlich bestehen zu bleiöech dann ist das eine recht armselige Auffassung vom Judentunr. „Wenn der Zwech des Staates die Wirtschaft wird, hört dieser 'ctaat als Kulturoebilde auf. Er wird zur Firma." (Georg Lange: „Erziehung als Zeugung", Verlag Reinhardt, München, S. 53.) Wird nicht ein Judentum, dem Dasein wichtiger ist als seine Idee, auch nur zur Firma? Was wird werden? — Tie Frage ist zweifellos eine Weltfrage. Aber die Zukunft wird nicht durch Bildung nationaler Mnderheiten im Staate gewiesen, sondern durch den kulturellen Witten zum Eigensein in der Bindung der Gesamtheit. Der Weg zur Gleichberechtigung ist weder in individueller Assimilation, noch in kollektiver Anerkennung zu suchen, sondern in dem Gefühl der unentwegten Zugehörigkeit zum Staate auch dann, wenn er vom Kulturweg abirrt. Gerade dann wird ja der Kampf um Gleichberechtigung der Kultur des Einzelrvesens zum Kampf für das Neuwerden der Gesamtkultur! Rabbiner Dr. Davin Schönberger {Aachen). Schönheit im Schatten ösr Tl)S?a / von LuSwrg Meröner ' Es scheint so, als ob heutige jüdische Literaten und Intellektuelle, von ein paar bekannten Beispielen abgesehen, der jüdischen Religion nicht das mindeste Interesse abgewinnen könnten, und wenn man solche danach befragt, dann kann man sicher sein, die teilnahmslosesten Antworten zu bekommen. Jüdische Intellektuelle, soweit sie religiös interessiert, werden sich stets recht heimisch zeigen aus dem weiten Gebiet der christlichen Problematik oder gar sich als Kenner ausweisen von Augustinus, Pascal. Kierkegaard oder Kardinal New man, wahrend ihnen Gestalten wie Raschi, Ram- -am, Joseph Karo und Jizchak Luria zu meist nicht einmal dem Namen nach bekannt sind. Sie vermeinen, daß das Faszinierende der Mystik und des Wunders, der imposante Bau der christlichen Dogmatik und was es sonst Reizvolles gibt in hieratischem Kultus und schönen Gebräuchen, dem Judentum vollkommen abginge. Und da das Fremde und Fernliegende immer mehr anzieht als das Eigene, ja, da man. zu eigener Art und eigener Schöpferkraft nicht allzu Vertrauen mehr zu haben scheint, wird man heutigentags immer geneigt sein, das Andersgeartete vorzuziehen, wie ja auch die europäische Geistigkeit der drei letzten Jahrzehnte ihrer abendländischen Seele müde geworden schien und ihre Blickrichtung nach indischem und ostasiatischem Seelentum rvandte. Der Unterrichtete freilich weiß, daß alles das, was geistige Sensationslust, Neugierde und tatsächliches religiöses Bedürfnis ersehnt, im alten, überlieferten Judentum im Uebersluß da ist: eine ganz selbständige, aus eigener Offendarung gewordene Mystik, Geheimnis und Bedeutung des Magischen — das kürzlich erst durch die „magische Welt sicht" des Edgar Dacque dem heutigen Bewußtsein näher ge- .rückt ward —. ein unendlicher Fein sinn und eine Kultiviertheit in allen Formen und Gebräuchen der Gottesverehruug, dieser reichgestaltete und innige Verkehr des Gläubigen mit seinem Schöpfer, und die zahllosen weisheitsvollen Vorschriften, das Moralische, das Wvhltun unb die Sittlichkeit betreffend, die große Strenge und dennoch - auch wunderbare Menschlichkeit, die alles durchwaltet und die vielen ergreifenden Geschichten jüdischer Blutzeugen. Und wenn das alles nichts fruchtet, so mag man jenen, das eigene Seelenland fliehenden Intellektuellen Vorhalten, daß unsere Religion göttlicher Herkunft und eine originale Schöpfung ist, daß sie in mehreren Jahrtausenden unseren Vätern und Müttern Genüge getan hat,' und daß sie, trotz aller Drangsale, unter der göttlichen Huld blieb bis zum heutigen Tag. Viel weniger abweisend dem Judentum gegenüber verhalten sich bildende Künstler, und abgesehen von jenen Malern, welche einen betenden Juden mit über das Haupt gezogenem Tallith darstellen und damit meinen, ihr Judentum zur Genüge bekräftigt zu haben, find Künstler im allgemeinen viel naiver und ursprünglicher als Intellektuelle und auch bereitwilliger, die ästhetischen Seiten der jüdischen Religion anzuerkennen. Ja. die mehr gefühlsmäßige Tärigkeit des Bildners und Malers scheint auch all die feinen, über das Zeitliche hinausweiscnden Regungen der Seele heraufzulocken, die sonst in der Tiefe des Unbewußten schlafen, und so wird man zumeist aus dem Munde von KünAern niemals so herzensrohe Worte hören über Gott und seine Welt wie heutigentags von manchen Literaten. Es scheint indessen den meisten Künstlern nicht aufgegangen, welch gervaltiges Reick) der Schönheit auch innerhalb der jüdischen Welt vorhanden ist, oder schärfer ausgedrückt: im Gefolge der Thora aufblüht; und darum find diese Zeilen geschrieben, den noch nicht Sehenden die Augen zu öffnen für die bestrickende Welt malerischer Schönheit die überall dort sichtbar wird, wo der Jude noch eng mit seiner Thora verbunden ist. Es gibt zwei wesentliche Formungen der Schönheit: die eine, von den Griechen h^-rkommend, .ist eine plastische, statuarische, lineare und fand ihre höchste Vollendung in der Blütezeit der Antike, bei Praxiteles und Phidias. Die andere ist malerischer Natur und wird von den großen malerischen Schöpfern des Abendlandes dargestellt, deren höchster Rembrandt ist. Und so war es kein Zufall, daß dieser Künstler sich in' ber Nähe des Ghettos an fiedelte, mit der malerischen Pracht derjenigen Ausdruck zu geben, die noch im strengen Knechtstum der Thora gewandelt find. Diese malerische und tief innerliche Schönheit R e m b r a n d t s ist das ewige Vorbild aller bedeutenden Malerei geworden, und es ist uns immer wieder ausgefallen, daß dieses Malerische gerade dort offenbar wird, wo der Mensch noch in enger Abhängigkeit zur göttlichen Lehre steht. Es sind hier nicht etwa die bauschigen Gewänder, Gebetmäntel und Kaftane und vor allem die wallenden Bärte der Alten, welche diese malerische Wirkung ausmachen — ein Generaldirektor kann auch einen wallenden Bart haben und braucht darum nicht malerisch zu sein —, es scheint dem noch eine geheimnisvolle Essenz deigemischt, die nicht zu erklären ist; denn warum find denn nur LHorat reue Juden und orthodoxe Synagogen malerisch, oder auch der Typus des Mönchs oder des russischen Popen, oder das alte, biedere, protestantische Holland, während die mehr rationalistisch!!! Bereiche, etwa die kalvinistischen Amerikaner, die aufgeklärten liberalen Gotteshäuser des . heutigen Judentums und die evangelischen Kirchen unserer Tage mitsamt ihren Besuchern fast jeglichen malerischen Zug vermisien lassen. Wenn man nun demgegenüber einwendet, daß vielleicht das Ungehobelte und Unzivilisierte mit dazu beitrage, den Anblick etwa von betenden oder lernenden Ostjuden so malerisch Zu machen, so möchten wir auf andere Menschengruppen verweisen, die zwar auch verwahrlost und i.icht unmalerisch ausseheu, aber diesen Zug herber Größe entbehren, der meist die frommen Gesichter verklärt. Oder wir vergleichen, um ganz drastisch zu werden, die Grenadierstruße mit ihren volkstümlichen Gestalten mit den Tcmpelgängern der Synagoge Fasanenstraße: daun haben wir ein deutliches Beispiel dessen, was hier gemeint ist. Im Schal ha der Thora, das heißt des unverfälschten, erlebten und geübten EotLesworwZ, ersteht eine Schönheit so vorzüglicher und dergeistigter Art. daß das kosmische Schimmern antiker Statuen daneben merkwürdig blaß und wesenlos wird. Und mag man heute jener Schönheit innewerden oder nicht — sie ist da und legt ebenfalls Zeugnis ab von der Wahrheit und Herrlichkeit: der göttlichen Lehre.'

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