Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-07-15 · 29 (15.7.1932) · p. Seite 297

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 297 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277968--07450-2288353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

V \i/A~ t''~ß 1 / / <■ r. c ) 1S. 7.133? SerUn, 1§. Juli m% XI. ^ahrganI ♦!7?.,2- CinZeinummsr 2- Pfennig utt) jßE/SZözmi. - } v-^ '/nJ* Vi > *:>*■}^'}fy? i ,' >v->^ VO / CpJo'72j LyNIÄKÄM A7Ä)Ärss.V. Allgemeine Zeifung des Dudenfums Verlag unö Schriftleitung: Berlin W15, Cr.fer et?. 42. Fernsprecher: J2 01:3« 8074. .:. Prft'ch.eÄonts: Berlin 304 72. .:. DanNonto: Dresdner Bant, Dep-sitenra^r B\ Berlin^Zilnrer-dorf 1, Hshrn-sürrudLmm 196, und ron Er WmmiLL. 5Isth5chi!d & Lo., Berlin W 8. «Hetnise Anzsrg-nannahine: Annor.rrrr.E^rditisrr Sluäolf. Ler'.in STT ICO, ur.5 deren Filialen. AnZrigenpreile: 0,90 ^'für dis Igrspaltrne Zeile nach Budalf Birffrs «onnalzellerrmeffer Nr. 4, FanrilirnaNari^Ln und Srellengesuche (nicht SLrlenLULsbote) K-üimeL des Lenrralvsreins 0,42 &J/L, dir 62 mm Lreits Rctlarnezri!- 3,50 JtJL ViertcliabrSaoonnement 2.25 UZU (zuoügl. BefteLgeld). fl \ "A '7 A$ T'^ C>, <t5j) 7;y Vy 1 ft ' l s >> ch Der neue Reichstag ist noch nicht gewählt, aber schon munkelt man in politisch angeblich ' igLwechten Kreisen, daß er alsbald nach seinem zammentritt vertagt werden solle, bloch lere Kopse wollen sogar wissen, daß im Fall eines nationalsozialistischen Wahlsieges die antiparlamentarische Mehrheit das Parlament auf unbestimmte Zeit ausschalten werde. Auf jeden Fall steht scsi, daß die Stimmabgabe am 31. Juli vielleicht für lange Zeit die letzte fern wird, zu der die Wähler unter formal noch bestehender Meinungs-, Versammllmgs- und Prep Freiheit schreiben können. Man kennt auch die Absichten, die die NationalsozialisLen mit der Erlangung der absoluten Mehrheit gegenüber den "staatsbürgerlichen ReLüen^der deutschen Juden verfolgen. Sie lauten kurz und dürr: der deutsche Jude darf nicht mehr wählen. Aber noch haben wir den Derfafsungsstaat. Noch ist es möglich, mit den Mitteln der Verfassung für die Aufrechterhaltung der Rechte als Staatsbürger emzutreten. Es ist so beschämend wenig, was von dem einzelnen jetzt und für den 31. Juli verlangt wird! Kein Rus auf die Barrikaden, keine ermüdenden Propagandasahrten und -reden. Nur selbst zur Wahlurne soll er schreiten und seinen Bekanntenkreis zu gleichem Tun bestimmen, (rs tzibt keinen Grrmd und keinen Vorwand, der von dieser Verpflichtung entbinden könnte. Wenn sich Pessimismus und Resignation heute in der Wendung äußern, „es hat ja doch keinen Zweck", so mug diese Stimmung überwunden werden. Freilich, wenn sich MaWn solchem Fatalismus hingeb<n, dann hat es keinen Zweck. Wenn aber jeder einzelne und damit di e Massen ihre Pflicht km, dann hat es wohl Zweck. Wer an seinem Wohnsitz wählt, rnusz in drn"err Lagen die Wächlorlisten e'rn- V . Wer verreist ist, rnusi sich den W )tit% besorgen, und wer sich im de anshält, rnnJ wenigstens in einem deutschen Grenzort seiner Wahlpflicht genügen. Wer diesmalni HLwmh!L, tragt die Schuld au Der rnögll '::: Entrechtung der deutschen Inden. Wer diesmal nicht wählt, hat diese Versäumnis nicht allein vor sich, sondern vor dem ß e s a nr t e n deutschen Fudcrrt rr rn . ^2 vor dem gesamten demokratischer b e u ch ch en Volke z u verantworten Jede stimme, die heute nicht für eine der dersassungstreuen Parteien abgegeben wird, wirk! sich für die Entrechllmg der deutschen Juden f /? ß V i •: / j aus. Für diese Versäumnis gibt es vielleicht kein Nachholen. Aber was sollen wir wählen? fragen uns zahlreiche Freunde. Daß wir eurer.Parole folgen und die Kandidaten der Antisemitenparteien nicht wählen, ist doch sebbstverftäwdllch. Ans, so meinen sie, quält die Sorge, ob den Parteien der bürgerlichen Mitte noch genügend _ Anziehungskraft innewohnt, ob unsere Summen, wenn wir sie diesen Parteien geben,^in dem ent- ■ scheidenden Ringen, das die deutsche Republik ' heute zu bestehen hat, auch wirklich zur Eelnmg t kommen. - Wer die deutschen Juden wirklich kennt. weiß, daß unter ihnen jener Typ d-es ruhelosen politischen Wanderers, der mit jeder 5wmjunkLur und bei jeder Wahl zu einer anderen Partei überschwenkt, kaum zu finden ist. Lw sind gewohnt, Parteientscheidungen weltanschaulich zu Lressen. Und weil sie gewohnt sind, all diese Fragen so ernst zu nehmen, und weit sie sich der wahren Tragweite des 31. Juli bewußt find, nehmen sie die Entscheidung, welcher Partei sie ihre Stimme geben sollen, so schwer. Die alten Wähler des Zentrums und der Sozialdemokratischen Partei kommen gewiß bei dieser Wahl in keine Konflikte, ^bber aus die Schwierigkeiten, die sich für die alten Wähler der SLaatspartei ergeben, haben wir bereits voriges Mal hingewiesen. Inzwischen bat der Parteivorstand den Beschluß gefaßt, keinerlei Listenverbindungen mit einer der großen Parteien einzugehen. Wer die Reichshauptsiadt und das Land so genau kennt wie wir, wer die zahlreichen Zuschriften und mündlichen Nachricktcn sachlich Prüft, kann daran nicht vorüber geben, daß sich zwei Strömungen unter den früheren Wählern der Deutschen Staatsvartei denilich abzeichnen. Die einen sagen: „Wir möchten gern der erprobten Partei unsere Treue Hallen, wenn wir wissen, unsere Stimme geht nicht verloren; doch wir sehen eine solche Sicherheit nach den Erfahrungen der Preußenwahlen nicht." Tie anderen sagen: „Die Mandate von Berlin, Petsdam II, Hamburg, Sachsen und Württemberg betrachten wir llls sicheren Parieibeütz. und daher sürchten wir nicht, daß unsere Stimmen verloren gehen. Ta wir außerdem das steutrum aus religiösen Gründen, die ^oz'.aidemokratie aus wirtschaftlichen Gründen wichwäblcn rnögen, so bleiben wir bei unserer alten Fahne." Dem Centralverein, der niemals Wahll Parolen für bestimmte^ Parteien, sondern stets nur solche gegen Parteien ausgegeben hat, kann dem einzelnen die Borantworimig für die Lösung dieses Konfliktes nicht abnehmew. Es steht ihm nicht zu, die alten staatsparteilichen Wähler zu beeinflussen, sie müssen das Für und Wider ihrer Stimmabgabe sorgfältig aüwügen und sich nach ihrem Gewissen entscheiden. Es geht dieses Ätal mit seltener Klarheit um letzte Entscheidungen des Staatswrhls. Möge jeder seine Wahl unter diesem höchsten Gesichts- Punkt treffen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.