Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 28 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- Seite 293 (sequence 9)
- Language
- German
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Orsses0© .Leser sdhreSibesi Hass zerstört die Dorigsmeinsdiaff Ich habe jetzt während meiner . Ferien m einem kleinen ■wes*- lailscbeii Dur! mit etwa 1500 Einwohnern die furchtbaren Auswirkungen der antisemitischen Hetze mitansehen müssen. Seit Langem lebten die jüdischen Einwohner dort mit der ganzen Bevölkerung in bestem Frieden. Was sie jetzt seelisch unter den Hetzereien der jungen Menschen zu leiden haben, ist furchtbar. Die ältere Generation keimt die Vergangenheit von jedem einzelnen jüdischen Mitbürger, sie weiss, dass sie ebenso schwer arbeiten und genau so sauer ihr Brot verdienen, wie sie selbst. Die jungen Menschen, die davon nichts wissen und nichts wissen wollen, überbieten sich in Feindseligkeiten. Nicht ganz so schlimm ist es mit den älteren. Auch sie sind grösstenteils -Nationalsozialisten geworden. Wenn sie dann aber einer von ihren alten jüdischen Jugendger.osscn und Freunden fragt: „Wie ist das eigentlich mit eurem Antisemitismus?“, so erhalten sie immer wieder die dumme Antwort: „Euch meinen wir doch nicht, die OstJuden sind es, gegen die wir kämpfen!“ Dabei bin ich überzeugt, dass keiner je einen Ostjuden sab und weder geschäftlich mit ihnen in Konkurrenz stand, noch sonstwie mit ihnen zu tun hatte und Erfahrungen sammeln konnte. Angesehene, alteingesessene jüdische Einwohner versicherten mir, dass auch sie vor den Dudeleien der jungen Bauemhcrschen nicht sicher seien. Dabei seien die meisten nur Idealisten im Versammlungslokal, aber auf ihren Höfen seien sie Materialisten und machten für einen zwei Pfennig höheren Preis beim Viehhandel das Geschäft sehr gern mit den Juden. Ein Bauernhof, von dem meine Grosseltern seit Jahrzehnten regelmassig Lebensrnittel bezogen, weigerte sich jetzt, ihnen noch weiter etwas zu liefern, weil der junge Bauer, der vor kurzem die Wirtschaft übernommen hat, Nationalsozialist ist mal mit Juden nichts zu tun haben will. Sie können sich denken, wie sehr solche Dinge besonders alteJLeute treffen und verletzen. Um so mehr wird von allen die Arbeit des Centralvereins anerkannt, und ich hörte immer wieder, dass das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu dieser grossen Gemeinschaft der deutschen Juden noch der einzige Rückhalt sei. der den Menschen dort den Mut und die Kraft gibt, auszuharren. Edith J.‘r ' Urlaub in der Wahlzei! Wer es bei den heutigen Verhältnissen überhaupt noch ermöglichen kann, einen Kurort zur Erholung aufzusuchen, steht als Jude vor der schweren Frage, welche Plätze er wählen kann, ohne politischen Belästigungen ausgesetzt zu sein. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, dass einsichtige Badeverwaltungen langst dem Wunsch der Mehrzahl ihrer Gäste nach einer ruhigen, ungestörten Erholungszeit Rechnung tragen und Kundgebungen politischen Inhalts während der Kurzeit verbieten. In der Wahlzeit lassen sieh derartige Verbote natürlich nicht so streng durchführen, und es ist heute kaum'zu vermeiden, dass hier und da kleinere politische Trupps durch die Strassen ziehen und dabei ein Lied singen. Sie tun damit dem Kurgast ebensowenig zuleide wie die durchziehenden Wandervogel. Ebensowenig sind auch die Versammlungen der Radikalen in Lokalen zu vermeiden, denn alle Parteien halten Wahlversammlungen ab. — Das sind Tatsachen, mit denen heute jeder rechnen muss, an seinem Heimatort ebenso wie in Kur- und Badeortes. Aber die Juden sollten nicht immer alles als gegen sich gerichtet empfinden, denn schliesslich richten sich die politischen Demonstrationen irgendeiner Gruppe gegen alle Andersgesinnten. Um so mehr ist es aber Pflicht jedes einzelnen, durch sein eigenes vorbildliches Verhalten zur Entgiftung der Atmosphäre beizutragen: statt dessen gibt es immer Wichtigtuer, die jede Unliebsamkeit zu einem grossen feindlichen Akt auf bauschen und dadurch Unruhe in die Kreise der Erholungsuchenden tragen. Wenn sich jeder der schwierigen Lage, in der wir uns befinden, bewusst bleibt und sein Auftreten danach einrichtet, wird er in den meisten deutschen Bädern von judenfeindlichen Belästigungen 'ungestört seine Erholung? zeit verbringen kennen. A. L. (Kndowa). Dewey Scoifeld Der „Angriff“ vom 27. Mai berichtet von einem Schwurgerichtsproze's gegen den ,.22jährigen Juden jungen Dewey Saalfeld*1, der seine Mutter ermordet hat. Nach Ansicht des „Angriff“ handelt es sich um einen „völlig verkommenen und dekadenten Juden“. In Wirklichkeit ist Dewey Saalfeld nicht jüdisch und hat au eh kein jüdisches Blut in seinen Adern. Er ist vielmehr der uneheliche Sohn eines nichtjüdischen Amerikaners und einer nichtjücischen Mutter, die aus Potsdam stammt. Die Mutter hat sich später mit einem Herrn Saalfeld (Jude) verheiratet und das uneheliche Kind in die Ehe mitgebracht. Der Junge hat dann den Namen seines Stiefvaters bekommen. E. L. (Berlin). Ter Rcischienst deö Cen- Lralverrins, Berlin VT 15, (fstier Straße 42, gibt auf schriftliche Anfragen-, denen Rückporto bdgehtßt sein muh, bereitwillig Auskunft, ob bestimmte Crfe und Hauser Zudnn zutu Besuch empfohlen werden können und ob sie nach einer Erklärung der Geschäftsleitung Vor Belästigungen aus judenfeindlichen Gründen sicher sind. »:a:£cr:aS:Äi $öaa SSasIar* liz frcGeiri her urcutSt'cfn^ c: 2 g2gie ntr.a, hui btrer Zcct tircs längeren Erlaub uurrtrirra. rare er ref) £aof ber xs krischen Torgängr rdq* mehr yuriräkrhrrn re'.rd. 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Störölingex, der Schai'uützrer und T.r'7-r-r S^artan 3. Gin* n ein und das Au-'chuhutitglied üieernund Gin* stein durch Ueöerreiaaung ran Etzrenuckundrn geehrt. Alle drei haben irr* Tl-nntcr fei: 36 Jahren in ne und sind treue 3li:g luder des C. L. Bsrnchng. Dir nernen rar einem adc"ac, chr bei unseren freunden in Ort-erurrrn sich als Huur:> fchrisrleitcr rnridm Uzt und Leännotet, für die ,.C. D.» Feitun-ch unter dnn uuun H;u san-ri.r-n. r:a cuf dir st Lrrist rtnngnu yu erlang::?, uer Terra-* fände, der ans An.karr nanrnnn ml-, in uns ranz unbekannt. Zur des S* ar'rrechrns 5ei_ ^eiucur unserer Freunde wäre eins Fesisiellung ecraunschr. Eefchaftliche Ttoll^n Zizilie Verbindung rach rundend irr Lchma?* rvald. crit 1. Juni, führ: der GGnellzug D 32 yncr. lirt Ana-alter 3-aanraf cb 9.C*3 Gar) nieder cintn iircLeti'Saasn 2l und 3. Kla^n.ach Lildrad^itn ega-enr-ü, für den die neueingmährten uns u) äsra* zent er.n.'äy.gten FeritnlmrLn. gelten. Ter 3-chn-Il* zug-zuschlaz ist acä-anntlerz allaerarin auf Sie pachte heraaaLstZt. Tie Gruttrerbarztit in Cchreiberhetr, dnn bedeutend nan chr'tnlnrart -umesiens, lagt siad nach der bisaLrigen Te'uchnrgahl und den rrrliegenden Lnmeldunarn. recht out en. Furt zuletzt dürste dir-'er eure Le'uch darauf zurÜd-u'Üärrn sein, dah tu Preise in Schraiderhau fr kauf ebretaut find, _hai di» Larkrügsrrrist zuna Teil unt-rschrattLn und. mm kann heute in Lchrrmrhau für die §l-ich-n Lewa re unterlanttnen, die man in den Ifsrr.sn und unbedrutenden Orten 5erI:# algne die AnnehtnÜch feiten eines gechlorten Kumtes -nabehren zu tnugrn. Tie Ordercrrt-altunz des bcka.nn b«2des Gunnentünbe bat einen ne: schritten, um einmal den Sküttt: einer Dicklichen Gthrlung zu gerat andern aber auch den Gedanken Kindern lebenw in dir Tat rmtzust: ,^mderdirnsch eingerichtet. Hie staatlich geprüne Aindergäcknertnr mittelbar am u-.-teresurand etnaen die Klein* und Gchulkender des 3a :en ectrrv er!* .Lagt uns ccn .en, unb ha: einen : betreuen zrrei rtetrn Kinderrarf egastes rcäig unentgeltlich. 20 Fanr lang iübrt nun die Lahn znm b-aneri'chen LeudeMrin. 2-) Iahte lang rrandert" der ^andrster mit ihr über Dielen und Ottos, über Zach und Canr. empfehlen wir zur Pf’eae ihres Körpers und zuglenh zurStirkunc Ihrer Nerven TERAS EAU DE COLOGNE RUSSE ein Kölnisch Wcsser, das mit erfrisch ander, kr 5 ft i ,qe n de r Wirkung deoCharc'<- r€r eines vernehmen, erhellend-würzigen Parfüms verbindet. Eins kleine Tcschenflascha kostet C,83 RAT, und ein Versuch wird Sie überzeugen, dass wir nicht zuviel versprechen. 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VICTORIA zu BERLIN ALLGEMEINE VERSICHERUNGS-ACTIEN-GESELLSCHAFT Bilanz für das Geschäftsjahr 1931. Aktiva Reichsmark I I Passivs ■ £eich-r:ark Forderungen an die Aktionäre für Grundkapital... * 3i' **G nc-oh nicht eingezahkes Aktien¬ 12 kapital . — I \ Prämien recerven und Fee ertrage . i9it j*:-ö Grund: •:sitz. 21 84o (27 l 4 eoC.4 Hypot holten. 1oÖ84I48ü| . ...... Schuldscheinfordeningen gegen öffentliche Körperschaften .... 17^'KO* Sonstige Reserven .....II. L2 üib b I Guthaben v n Banken mm.... 21 4i -> '-G Wertpapiere. i 18 57? a74 Darlehen an Versicherte. 28 8? 5 955 ‘ 16o S11 i *3 Beteiligungen an anderen Yer- 4 0(4 570 sicherungsunternehmungen . . . Guthaben bei Banken u. a. Aussen-Lände bei Agenten .... Teiipramien, fähig jüoÜ. Rückständige Zinsen und Mieten . Bare Kasse und Postscheckguthaben Aufwertungsfonds. 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