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Central-Verein-Zeitung · 1932-06-17 · 25 (17.6.1932) · p. Seite 253

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
25 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
Seite 253 (sequence 1)
Language
German
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23 6.1532 Oy - Srrlin, 17. Juni 1HZ2 X3. Jahrgang ♦ Nr. 25 «inzrlvuiAmrr 2» Pfennig V i e r t e {? a 5 t z a & r» n n? r: *; 111 2.25 tl'^U Lrs^ugrlL). Allgemeine Zeifung des Judentums 6«tlöß rrnL Echrrs.krrLuNg: DE» ^1S, EvrfrrStr. 42. Frrnsprrchrr: ^2 Oliv- 5074. PoftschEsnto: Berlin 20472. .:. Bankrortts: DrrsLner Da».', Devositerckass, oc . r Be-lin^ili»»72d2rf 1. L?^n':llernde--r Ib>, mllr von SoldschE-Rochfchilü L Co., Berlin W8. Sn^s/.r?^^2rnan»Lhmr: Bnnsnrrn-C^rdrt-.sn ^nrLolf dloff;, Der!:» 15), ^nd Ler-n FMolL». AnZris^preise: 0,50 für Sie larfp-rlrear Zeile nach RuLolf Moffr» «orma^^t..nn:suer Nr. 4, §armllerrQNzrrgen urd> Cte^rnsrrnchr (nicht EtLllrnLNLr^trZ für LlitglieL«: Lrs Centralvsreins 0,45 die 62 mm breite Retlanrezeile 3,SO SSKMWWSAWZsW Mö Bmöjizzflz 1'UuiatcI'zng beschäftigte die deutschen Gerichte ein Besrechungsprozeß aus der Stadtverwaltung Berlin, und monatelang berichteten deutsche Zeitungen über diesen Prozeß. Wenn wir auch vom juristischen Standpunkt aus nicht in der Lage sind, zu entscheiden, ob dieser Prozeß des Staatssäckels wegen nicht in viel kürzerer Frist hätte abgewickelt werden können — der berechtigte Wunsch weiter großer Bolksteile war es jedenfalls. Aber immerhin kann man verstehen, daß für die Berichterstattung über diesen Prozeß eine nicht unbeLrüchLliche Menge Druckpapier zur Verfügung gestellt wurde, denn für viele ging es in Wirklichkeit dabei um den politischen Hintergrund, vor dem der Prozeß spielte. Kaum ist dieser Prozeß 31^ Ende gegangen, da nimmt schon wieder ein ^ensationsprozeß die große Oessentlichkeit in Anspruch. Mit einer Gründlichkeit wird fast in der gesamten deutschen Presie, in den Zeitungen der ReichshauPtstadL, den rechten wie den linken nicht minder wie in dem Kreisblatt irgendeiner kleinen Stadt über diesen Prozeß berichtet, wird in Krankenzimmer, Eeldschränke, verwandtschaftliche Beziehungen, Mitgiftquit- Lungen und andere privateste Angelegenheiten hineingeleuchtet, daß es einem fast den Atem verschlägt. Es ist nicht unsere Ausgabe, sachlich über diese Dinge ein Urteil zu fällen, zumal das Verfahren noch schwebt. Uns scheint es aber wichtig feftzustellen, daß alle Lüche privatesten Erörterungen die Oessentlichkeit in so ernster Zeit nichts an gehen. Wir glauben, daß diejenigen Zeitungen, die ihre Spalten mit diesen „Sensationen" füllen, irren, wenn sie meinen, daß die einsichtigen Leser daran ein Interesse haben. Prozesse solcher Art sind bei den Gerichten wirklich nick:s allzu Seltenes, aber man liest über sie in den Zeitungen kaum eine Zeile; wenn die Presse meint, daß dieser Fall eine Ausnahme bilde, weil die Beteiligten höheren sozialen Schichten ca gehören, so entnehmen wir aus zahlreichen Aenßeruugen jüdischer wie nicht- .jüdischer Persönlichkeiten, daß die ernst- .zunehmende deutsche Leserschast, in welchem .politischen oder religiösen Lager sie auch immer stehe, keinen Unterschied darin sieht, ob Kläger und Angeklagter bekannte Persönlichkeiten der Industrie oder sogenannte „kleine Leute' sind. Wir haben keinen Anlaß, zu wünschen, daß irgend etwas vertuscht werde, weil die Beteiligten jüdische Persönlichkeiten sind. Uns leitet lediglich das Gefühl der Verantwortung der Gesamtheit gegenüber, und deshalb meinen wir, daß die großen Zeitungen von Ruf, ob rechts oder links, Gut gewiß alles tun sollten, um die Berichterstattung über diesen Prioatprozeß auf das Maß zurückzuführen, das auch ihrer sittlichen Berwwwortung entspricht. In einer Zeit so ungeheuerer wirtschaftlicher Not und so hoher Politischer Spannungen gibt es wahrhaftig andere Themen, die der ausführ^ lichen Behandlung wert wären, die man jetzt einem bedauerlichen Familienstreit widmet. Spür, r*v“r C'1*S**> * vp -> Mr* -A 4> & if v i Jeder, ob Politiker oder Nichtpolinker, weiß, daß am Rande von zwei Sommermonaten — Juni und Juli — dunkles Gewölk auszichen wird: die Reichstagswahl. Und mit einer Eindringlichkeit, wie sie nur Menschen aushringen, die in einen kurzen Zeitraum alles an innerer unv äußerer Erfrischung, Befreiung, Krästesammlung hineinprcssen muffen, geben sich alle dem kurzen Sommer hin. Tie warmen Monate bringen einen großen Auwruch der Städter in die Abitur, aus das flache Land. Tie Gegenwart mit ihren zahllosen Fechangelu und Selbüschüffen auf allen Wegen zu sreiheirlrchem Tun und Denken hat vielen Menschen die Raiolcät in ihrem Verhalten außerhalb ihres engsten Lebenskreises geraubt. Aber trotzdem haben wir mit Genugtuung und Freude feststellen können, wie außerhalb der Enge der Städte auch der angeblich durch die Asphaltkultur verbildete und verkrümmte Großstädter mit Innigkeit und Andacht immer wieder den kleinsten und einfachsten Naturvorgängen als Wundern der Schöpfung gegenübersteht imd wie der modernste Roman, das kritischste Essay, das anklägerifchste Pamphlet der Hand des Lesers entfällt, wenn sich über die Buchseite die Blüte einer Waldpflanze, der Kamm eines Bergzuges, das Leuchten der Brandung streckt. Naturvorgänge betrachten — das liegt seit Urzeiten im Blut; Lesen — das kann der Mensch erst seit wenigen tausend Jahren. Anders als der mittelalterliche Satz „Stadtlast macht frei", gilt für den Städter die Er- Für dös Dedhbe der ä amt selbem Juden kdurTd den CAL h Das na üb sammaüf sofort für den- _ __ E fr U chch vLij U u Li? :rj) y * j V r..,v n ,;.y 7) ry 7- -n Ü i; ii; ~jj : l ] ij :1 j. tj it- ■ ^'2 Irj \ -1 O Die C.V.-Hi!g!?eder eus Ännalf. Brandenburg, Grenzmark, Gross-Berlin, Provinz und Freistaat Ssdisen zahlen ihre Spenden auf Postscheckkonto 30472, Berlin, eile änderen w. V.er überweisen Ihre Spenden auf die Posfsdieckkonlen ihrer Landesverbände.

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