Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 20 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rrert sucht, und nicht dann, wenn man irgendwelche sicherlich vorhandenen Fchler, die man bei einzelnen sieht, zu einem Gesamtbilde vereinigt. Las dann aus Strichen Zusammengefügt ist, die dem wirklichen Bilde, das man nachzuzelchnen unternimmt, völlig fremd sind. Will man die Wahrheit, so vermeide man die Konstruktion! Wiü man Klärung^ so kann man-sie erlangen durch eine große Reihe von An diesem 19. Mai wäre Walther Heymann 50 Jahre alt geworden. Aber er ist seit mehr als 17 Jahren tot. Er ist in der Nacht vom 8. Zum 9. Januar 1915 bei einem Sturmengriff vor SoissonZ gefallen. Wir aber haben heute aus mehr als einem Grunde Anlaß, dieses jungen Dichters Zu gedenken, der mit 33 Jahren dahinging und der kurz vorher schrieb: „Mein Leben wäre ganz Anfang, wenn cs bald enden solltet Walther Heymann stammte aus einer jüdischen KanfmannZfamilie in Königsberg. Und die Liebe zu seiner Preußischen Heimat war es, die ihn Zuerst zum Dichter machte. 1909 erschien im Teutschherru-Verlag in Königsberg ein Band ehrungsbilder*, in dem beinahe überall die großartige Küstenlandschast Ostpreußens den Versuchen des jungen Dichters dienen mußte, sein Weltgesühl ausZudrückcn. Tann hat Walther Heymann bei Lebzeiten nichts mehr veröffentlicht — aber rastlos^ sorlgearbeitet — aus seinem Nachlaß sind noch drei Bande Verse erschienen. Ob der Erfolg nicht ausreichte, ihm Verleger zuzuführm, oder ob sein eigenes, schr kritisches Bcwußt'ein die Tinge immer noch nicht zur Oeffentlichkeit reif fand, mag dahingestellt bleiben. — Ter Krieg kam, Walther Heymann meldete sich als Freiwilliger, ging hinaus und war nach vier Monaten tot. Aus seinem Nachlaß aber erschien ein Band ,Friegsgedichte und Feldpostbrief e" (ebenso wie die später aus dem Nachlaß veröffentlichten Bände „Die Tanne" und „Fahrt und Flug" bei Georg Müller). — Und dieser Band gehört zu den erschütterndsten Dokumenten der deutschen Kriegszeit. Wir haben seither mehr solche Bekenntnisbücher früh Gefallener kennengelernt, aber keines, das reiner, wahrhaftiger und stärker das Grundgesühl dieser schicksalsschweren Zeit ausdrückt. Es war nicht nur die Liebe zu dem bedrohten Land, die Walther Heymann ins Heer trieb, diese Liebe zu der Landschaft, der Sprache, dem Geist, in dem er lebte. Es war nicht nur die tiefe Sehnsucht des geiftig Einsamen, aufzugehen in einem großen „Wir". Es war vor allem jenes Eefühl der tiefsten Solidaritäk allen Volksgenossen gegenüber, das kein Außenbleiben im Moment der höchsten Gefahr ZLstütlele. Weniger Heymann har dies Gefühl in einem seiner schönsten Gedichte „Die Ausziehenden" ausgedrückt. Und es wird auch in seinen Briefen laut, wenn er schreibt: „Do steht es geschrieben, daß andere für rnichbezahlen und an meiner Stelle fallen müssen?" Don der Wut eines blinden Hasies war in Walther Heymann sehr wenig. Niemals ist ec für ,Has hohe Wort Menschheit" taub geworden. Und mit Ergriffenheit lesen wir, wie es ihn selbst überwältigte, als am Weihnachtstage zwischen den Schützengräben plötzlich etwas Schriften, die von Juden und Nichtjuden geschrieben sind, auch von solchen, die keineswegs etwa alle Fehler, die Juden an sich haben, wegretuschieren wollen. Aber Juden im luftleeren Raum gibt es nicht. Sie zu konstruieren, ist sicherlich literarisch interessant. Aber dies jo konstruierte Bild bleibt immer innerlich unwahr, und die Vorstellungen, die man sich nach ihm macht, müssen notwendig zu falschen Folgerungen führen. wie eine Verbrüderung ausbrach. Aber was ihn trotzdem aufrechterhielt in der Mühsal des Soldatentums, für das er weder körperlich noch geistig vorbereitet war, im Kampf mit den Wanzen und dem Kasernendrill, der Tornisterlast und der körperlichen Fron und dann in den Schützengräben, in den Lehmlöchern, auf Posten im Novembersturm, Wasser schleppend aus Schrapnell bestreuten Wegen, Erdbuden bauend, Kartoffeln schalend — denn all das war viel mehr Soldatenschicksal als das bilderbogenartige Heldentum—, was ihn da aufrechterhiclt, das^ war eben jener religiöse Wille zur Mitverantwortung, der Wille, keinen anderen die eigene Rechnung bezahlen zu lassen. — Walther Heymann wußte, was auf dem Spiele stand, und trotzte zuweilen mit einem düster wilden Fatalismus der Todesgefahr entgegen. Am Ende seines letzten Brieses, drei Tage vor dem tödlichen Sturmangriff, schreibt er: ,T-rei Mann freuen sich künftiger Taten, schimpfen, daß es ihnen so oft durchs Herz Den Ansziehenden Kennt keiner das Buch, in dem geschrieben steht, daß dieser falle und jener heil heimwärts geht. Doch später ist in Stein und Lied zu lesen, die im Kampfe sielen, sind unsere Besten gewesen. Diele aber glauben, es sei vorbestimmt, ob einen die Kugel ausläßt oder hinübernimmt, lind bliebest du zu Hause und wärest nicht dabei, in Kriegszeiten irren viele Kugeln frei. Wo aber steht cs geschrieben, frag ich, daß von allen ich übrigbleiben soll, ein andrer für mich fallen? Wer immer von euch fällt, der stirbt gewiß für mich. Und ich soll übrigbleiben? warum denn ich? Am dem Band ,JCnegsgedichte und Feldpostbriefe*, Tanncnschweigcn Wie ich nicht sagen kann, was wohl mag Freundschaft sein, Wie ich nicht wissen will, warum ich liebes alles dein, und wie niemand ahnt, wann ihm der Tod eins geigt, lieb ich den Daum am meisten, der stillehält und schweigt. Lb die Tanne im Nebelgrauen zur Sonne späht oder im Abendtauen ins tiefe Dunkel geht, ob sie leise winket, wenn die Wolke reist, oder grün crblintct und hoch ins Blaue weist; ob sie schwarz hinausragt zu der Sterncnvracht, oder die grünen Decken in Sternen stuft und sacht, ob sie des treibenden Regens Perlen löst und sängt, oder sich, grüner Kristall, mit klarem Eis behängt: Sie ist eine kreisende Wiege und ihrer Sprossen Schoß: sie dreht sich, rundum wägend, bei des Zeigers Auswärtsstoß. Ciirpf S-yiff/üi' <$vtfrAkwU{i$' ‘ darf „Kaiser-Dorax" nicht fehlen, sonst ist alle Schönheitspflege vergeblich. Lei» iungswasser ist hart und macht die Haut spröde und rissig. „Kaiser-Borar" nimmt jedem Wasser sofort die zerstörende Wirkung und gibt gesunden, frischen Teint. Dabei ist ec ausgiebig, billig und einfach, daher zeitsparend in der Anwendung. „Kaiser-Borax" ist nur erhältlich in der bekannten roten Original-Packung von Heinrich Mack Nächst, Alm a.D. .r:r~m geht. Ich könnte stundenlang noch trinken ohne zuviel. Prost!" Tie drei Mann waren drei Tage später tot. „Leben herrlich, verwundet heimkehren — schwer schöne Sterben — schad' um zehn ungeschriebene Bücher. An mein Weib denke ich dabei anders. Als wäre cs für mich nicht so schwer, als ohne sie zu leben. Für Hunderte sterben — herrlich'." Auch das steht in Walther Heymanns letztem Brief. — — Ist es nicht an der Zeit, heute dieses oftpreußischcn Dichters, dieses deutschen Juden zu gedenken, der für sein Vaterland so wissend unb frei den OPfertod starb? Soll man sich heute nichr seiner erinnern — heute, da wütende Verleumdung tausendmal den Anteil der deutschen Juden am Kriegsopfer weglügt, und da Menschen nach der Macht greisen, die den Brüdern und Erben eines solchen Mannes das Recht nehmen möchten, deutsche Bürger zu sein?! Julius Bab. hält recht in ihrem Baue ein ruhsam Gleichgewicht, daß sie sich immer traue, zu bleiben aufgericht'. Und doch ist sie so schüchtern, daß fast es verborgen bleibt, wenn sie im Lenz mit Stäuben und Seim ihr Dlühn betreibt. Und ihren Zapsensrüchten ist sie ein Netz, das hütend schwebt, bis jedes wohlgeschuppte Fischlein zu Grunde strebt. Tie Buche, die so feierlich ihr Blättervvlk in Schwärmen führt, die Birke, Maid in Schleiern, die am Rain der Haare Fließen rührt die Eiche, wilder Trotz, der ausbegehrt, sich stemmt und Zwängt, und die schöne Linde, die das Herz so süß bedrängt; auch Ahornöaum, der Narrenbaum, voll Nasen und Kragen vielverzackt, die Pappel, welche, riesengroß, ein Flammenstoß mit Strauchwerk stackt, die Weide, die sich weinend geißelt, die "Erle — ^puk im ^umpsrevier. die müssen alle blätterlos und kahl zu Zeiten stehn vor ihr. Doch noch an all dies Som/nerschön erinnert dann ihr einsam Grün, das doppelt glänzt, wenn ihre Stacheln eng umschmiegt schneeweißer Hermelin; sie kann ihr Wesen nickt hehlen, königlich steht sie da. Nun sagt, die Tanne kann erzählen jedem, der sie sah. Wahrlich, kaum wüßte ich, was man sonst lieben soll, als was verschwiegen steht und traut geheimnisvoll: das lehrt uns ja glauben an Liebe, die Treue wahrt. Gut hören, gut schweigen, gut reden, die drei sind einer Art. Am „Die Tanne \ Zum 19. Mai 1932 Gedichte von Walther Hepmann