Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 18 (29.4.1932)
- Date
- 1932-04-29
- Page
- Seite 173 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berlin L'TV IOO, und deren Filialen. Ar^-igenpreise: 6,20 JIJk für die Igrspaltene Zeile nach Rudolf Mossro NorrnalzeUenmesser Rc. 4, Familienanzrigen und Stellengesuche (nicht StellenanZroote) für llllitglirdrv Leo Centralnereins 0.45 JUL, die H2 mm breite ReNameZeile 3,50 JÜ.-tf* Zu Beginn des Jahres 19*22 wurde die Umwandlung der Zeitschrift des Centralvere'ms „3m Deutschen Reich" in die wöchentlich erscheinende „C. B.-Zeitung" vollzogen. Bis dahin hatten wir nur von Monat zu Monat die Möglichkeit, die Mitglieder und die Oesfentlichkeit mit den Fragen des deutschlüdischen Lebens und der Tätigkeit des C. B. bekanntzumachen. Diese Monatsschrift bot zwar den Vorteil, daß ihr verhältnismäßig großer Umsang die Verossentlichung wichtiger unterrichtender Abhandlungen größeren Ausmaßes ermöglichte — neben der Tagespolitik konnten dadurch auch theoretische .Fragen grundlegend in ihr erörtert werden. Ab^r die Nachteile übernwgen: Bis unsere Mitglieder die Zeitschrift erhielten, waren wichtige Bemerkungen überholt, die Polemik hinkte nach, neue Ereignisse, und neue Probleme traten inzwischen in den Brennpunkt des öffentlichen Lebens. Tie Masse der Leser wünschte immer mehr besonders die Behandlung der lebensnahen Fragen. Das Zeitalter der Zeitungen" verminderte die Bedeutung der Monatsschrift und überließ sie einer kleinen Zahl für bestimmte Fragen besonders interessierter Menschen. So war die UmgestalUmg der Zeitschrift ,Lm Deutschen Reich" in die auf Lebensnahe eingestellte „C. D.-Zeitung" ein Erfordernis der Zeit. Für diejenigen Mitglieder, denen die Beleuchtung und Erforschung deutschjüdischer Probleme am Herzen lag, schuf der mit dem C. V. verbundene Philo-Berlag deshalb etwas später die bekannte Ziveimonatsschrist „TerMorgen", die sich die Erforschung und Vertiefung des weltanschaulichen und kulturpolitischen Programms unserer Bewegung zur Aufgabe stellte und in ihrem literarischen Begründer Julius E o l d st e i n den denkbar besten Herausgeber fand. Die „E. V.-Zeitung" wnrd>e zu dem, was sie heute ist: zu einem lebendigen Faktor im d e u t s ch j ü d i s ch e n Leben unserer Zeit. Alle politischen Fragen, die uns als Inden und als Deutsche berühren, sind in ihren Blattern erörtert. Gewiß, man könnte sich den Rahmen noch wesentlich erweitert denken, vier ist aber dadurch eine Grenze geseht, daß die „E. B.-Zeitung" allen Mitgliedern unentgeltlich zngeht und daß sie im Verhältnis zu ihrer besonders hohen Auflagezisser nur wenige zahlende Bezieher besißt. Ein besonderes, in nichtjüdischen Kreisen durchaus anerkanntes Auillärunasmittel wurde in der M o n a t s n u s g a v e der ,.E. B.-Zeiinng" geschaffen, in der die wichtigsten Aussätze der 'st <4* s> c a> 4 y L. EL In England, dem Lande des Parlamentarismus, vollzicht sich der Wechsel einer Regierung Völlig reibungslos. Das Volk ist so geschult, daß es selbst die stärksten Veränderungen in Bau und innerer Gestaltung der Regierung in Ruhe / entgegennimmt. Als MacDonald sich im Vorjahre an die Spitze einer Bewegung zur Rettung Englands stellte und die Arbeiterpartei den Konservativen Platz machte, erlebte man dort den sogenannten „lariMip“ —- Erdrutsch. Es war aber ein Erdrutsch ohne Krachen, ohne hemmungslose Aufpei-schnng der Gefühle und ohne Störung des inneren, vaterländischen Friedens. Einen Erdrutsch haben wir auch erlebt. Ter demokratische Gedanke hat eine schwere Einbuße erlitten. Wie die Dinge sich auch entwickeln mögen: es wird der stärksten Arbeit bedürfen, bis er wieder seine in unserem Zeiraller schließlich doch unbiegsame Kraft neu entralten kann. Gewiß hat die Weimarer Koalition in Preußen verhältnismäßig wenig Stimmen verloren. Gewiß haben in Bayern, in Württem- Wochenausgabe neben besonderen aufklärenden Berichten zu einer ausdrucksvollen Einheit zusammengefaßt sind. . Ter Erfolg der „E. V.-Zeitung" und ihre Anerkennung im nichtjüdischen Lager beruht in erster Linie aus ihrer politischen Leidenschaftslosigkeit und aus der Wahrheit, der Ruhe und 'Bestimmtheit, mit der sie ihre Ausgaben verficht. Darin beruht ihre moralische Ueberlegenheit über diejenigen ihrer Gegner, die mit demagogischen, häufig unnwralischen Mitteln arbeiten. Tie „E. V.-Zeitung" bekämpfte solche Vtethoden. Sie h-at es niemals nötig gehabt, sich demagogischer Mittel zu bedienen. Zwar haben Judenfeinde immer wieder den Versuch gemacht, in unsere Angaben Ziveisel zu setzen; - sie haben unsere Ausführungen wiederholt entstellt und gefälscht. Unsere Anerbieten aber, - bte Richtigkeit unserer Behauptungen zu beweisen, verhöhnt. Man kniff vor einer Feststellung .der Wahrheit. Wenn einmal ein Suellenwerk über die Fälschung der Bolksmeinnng in Deutschland geschaffen Würde, so könnte die ' Schristleitung der ,',C. V.-Zeitung" Tausende von Belegen über Fälschung und Entstellung des Inhalts ihrer Zeitung nnsühren. Einen Kampf der Meinungen wird es iminer geben: seine Notwendigkeit wird auch von uns .nicht verkannt. Was wir erstreben, ist: diesen Kamps zu veredeln und aus das Geistige zurückzusühreu. Tie „E. V.-Zeitung" war immer be- ' müht, den inneren Frieden zu wahren und zu vertiefen sowie deutschem Geijt und deutschem Land zu dienen. Diese Tendenz des Ausgleichs und des Frie- . dens war für uns auch in der Erörterung aller jüdischen Fragen maßgebend. Atan kämpft für die Ehre 'und Würde der deutschen Judenheit anders, wenn man von der Gr u n M a g c ausgeht, daß man Deutscher 'und nichts als Deutscher ist. Hier darf es kein Zwielicht und keinen Nebek geben. Diese Einstellung muß mit dem tiefsten jüdischen Idealismus und mit einer starken, innerlich empfundenen g e s a m t j ü d i s ch e n Anschauung von religiöser Würde und Ehre verbunden werden. Das war unser Ziel in diesen Fragen, und von diesem Ziele sind wir niemals abgewichen. Die Presie, die sonst über alles schreibt,- spricht im allgemeinen nicht gern von sich. Nur' an Ptinktcn entscheidender Wendung und an Jubiläumstagen macht sie eine Ausnahme. Von diesem Rechte machen wir heute Gebrauch. Wir blicken jetzt auf eine zehnjährige Tätigkeit zurück, für eine Zeitung ein immerhin erhebliches Alter. Wer aber die Jahrgänge unserer Zeitung durchblättert und den Kreis unserer . Mitarbeiter betrachtet, wird nichts von Atterserscheinungen finden. Wir haben die Jugend um uns gesammelt und sind in keiner Frage starr genwrden. Das Leben führt uns täglich neue Erscheinungen zu. Sie mit unserem letzten Endziel zu vereinen, war, ist und wird stets unsere Aufgabe sein! Viele von der alten Generation, die unsere Freunde und Mitarl^eiter waren, mußten wir begraben. Eugen F u ch s, Paul Nathan, Isidor Levy. Julius Gold stein, Hugo-- S o n n e n f e X b, Jaqnes Stern, unser früherer Schriftleiter und Freund Ernst Goth und viele andere, die an unserer Zeitung mirwirkten, sind nicht mehr. Aber ihr Geist lebt in uns. „Das Banner bleibt stehen, wenn der Ätann auch fällt." So treten wir in ein neues Jahrzehnt der- Arbeit. Unser Ziel, ..Kampf für Wahrheit und' Recht", bleibt das alte.