Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 17 (22.4.1932)
- Date
- 1932-04-22
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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'tfRcim dich oder ich beiß dich", z. V., wenn im Band 2 (Bild 371) Granaten in einer Berghöhle -liegend abgebildet werden und dazu der Vers aus dem zweiten Buch Samuel angeführt .wird: „Biel Wurfgeschosse wurden geschleudert", — eine etwas eigenartige, fast komische Verb'mzdung. Bei vielen dieser Bilder und ihren Crklärun- - gen besteht die große Gefahr, daß der Beschauer vvermutet, das, was ihm heute in dem Werke als (Erläuterung z. B. eines Bibelverses bildmaßig rvorgeführt wrrd, entspreche nun auch in jeder ^Hinsicht den Zuständen im biblischen Zeitalter. Äor solchem Fehlglauben muß eindringlich gerwarnt werden. Obwohl sich vieles an Sitten tmnd Gebräuchen, an Werkzeugen und Kleidung irm Heiligen Lande seit der Erzväter Seiten bis in unsere Tage erhalten hat, dreckt sich doch anderes, das wir heute sehen, rmit dem, was die Menschen des biblischen, talnmudischen und koranischen Zeitalters in PalLästina vor Augen hatten, gar nicht.- Verzeichnisse der durch Aufnahmen gekennzzeichneten Bibelverse, Talmudzitate und Koranvverse sowie ein Verzeichnis der benutzten (-Schriften, deren Auswahl keineswegs erschopi-^nd ist, beschließen die Bande. Die vorstehende Kritik ist dem Dersasjer dieser Besprechung nicht leicht gefallen; denn die t Aufnahmen des Wertes sind von einer derart kkünstlerischen Vollendung, daß man sie wieder und wieder, freudig und gerührt betrautet. Wer . also als Palästinafreund in der Lage ist, sich das . einzigartige Werk anzuschaffen, sollte es unter allen Umständen tun. Ä. W. Max Freiherr von Oppenheim: „Der TeÜ Halaf". Eine neue Kultur im alten Mesopotamien. Mit 131 Abbildungen. Leipzig 1931. Verlag F. A. Vrockhans. Der Tel! Halaf, ein Numenhügel, halbwegs zwischen Aleppo und Mogul, am Nebeniflusse des Euphrat, Chaöur, gelegen, wurde von Max von Oppenheim, als Forschungs- - reisender und Kenner der orientalischen Sprachen allgemein anerkannt, in verschiedenen Grabungsperioden seit Anfang dieses Jahrhunderts durchforscht. Es gelang Oppenheim die ungemein wichtige Feststellung, daß im alten vorderen Orient neben der Kultur von Aegypten und der .von Babylonien eine dritte große, die sabur ä i s ch e Kultur, vorbanden war, die bis in das vierte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung nachzuweisen ist. Bisher bezeichnete man ' diese Kultur und ihre Kunst als hettitisch. Jetzt i scheint festzustehen, daß dre hettrtische Kultur ferst um etwa 2000 vor unserer Zeitrechnung?in Borderasien eingedrungen ist. Aus der Zeit tder so.buräischen Kultur haben sich in Tell Halaf -Bildwerke gesunden, die ein späterer a r a m ä i - sfcher KönrgKapara für seine Palast- und "Tempelbauten wieder verwandte. Eine bes sondere, ursprüngliche Kunst schlichter Art zeigte fsich in Reliefplatten und in Steinbildern. Die ^Funde aus Teil Halaf sind im Original, soweit;sie dem Freiherrn von Oppenheim zugesprochen ssind, sonst im Gipsabguß, in einem besonderen (Museum in Berlin vereinigt. Riesengreife, '.'Bogelmenschen, Götter und Göttinnen als Steinlbilder sind in bisher noch nie vorhandener -Eigenart ans Tageslicht gefördert worden. Die 'Reliefdarstellungen von Löwen und Menschen, .von Gazellen und Straußen sind von einer (Schärfe und Lebensnahe, daß sie mit den 'besten Bildern aus den Nuinenhügeln Assyriens und Babyloniens wetteifern können, ja, sie lteilweise übertreffen. Tie einzigartigen Ergebnisse der Oppenchemischen Grabungen zeigen die orientalischs <Ge schichte*), die Zeit um etwa 3090 bis 4000 vor unserer Zeitrechnung, in neuern, Hellern Lichte .und dienen auch dazu, die Angaben unserer Bibel zu beleuchten und zu ergänzen. *) Welche wissenschaftliche Bereicherung wir immer von neuem aus orientalischer Erde zu erwarten haben, zeigt die spannende Schilderung Albert Herrmanns von „Lou-lan", der von Sven Hedin entdeuten Stadt in Ostturkestan, an der vor 1500 Jahren die uralte Seidenstratze China—Indien—Rom vorbei» führte. (Verlag F. A. Broähaus, Leipzig IM.) Das Oppenheimsche Werk, das mit zahlreichen trefflichen Abbildungen geschmückt ist, dem kunstwissenschaftliche Untersuchungen^ u. a. von Professor Ernst Herzseld, keilschrifAiche von Professor Meißner beigegeben sind, wird jeden, der sich für den alten Orient interessiert, ungewöhnlich fesseln. Allerdings ist es ehert als wissenschaftliches Werk als etwa gar als leichte Lektüre anzusprechen. Den Gebildeten werden Lektüre und Bilder Belehrung und Genuß bringen. A. W. Josef Cohn: „England nnd Palästina. Ein Beitrag zur britischen Empire-Politik." Berlin - Gruncwald 1931. Kurt Vohwinckel Verlag, G. m. b. H. Preis 6,80 M. Tie Arbeit von Cohn bringt zuerst einen geschichtlichen Rückblick auf die geistig-religiösen Beziehungen der Engländer zu den Juden und aus Palästina im Rahmen der englischen Orientpolitik. Sodann werden die einzelnen Stufen der Derwirk- Uchung des Palästinamandats geschildert, < endlich die jüdische Heimstätte in Palästina im einzelnen (Mandatssiage, Agency. Staatsbürgerschaft, Einwanderung und Anncdlung u. a.) dargestellt und schließlich die zionistische Politik beleuchtet. Das Buch gibt eine gute Uebersicht, ist auch eine fleißige Zusammenstellung aus einer umfangreichen Literatur mit vielen nützlichen Anmerkungen. In der Beleuchtung der englischen Politik, inder Wertung Weizmanns als Führers und in anderem Entsprc-ä-endem stützt es sich aus die -soziologischen Untersuchungen Alfred Webers. Es liegt im Rahmen der Arbeit, daß neue Ergebnisse kaum zutage treten. Die Grundhaltung des Buches ist durchaus Zionistisch. Tie zionistische Literatur wird durchgängig herangezogen, Nichtzionistisches übergangen, der arabische Standpunkt und auch die Objekrivirär kommen demgemäß zu kurz. Die Deutung der Unruhen vom August 1929, wie sie Cohn gibt („Der Ausstand ist von diesen arabischen feudalkirchlichen Kreisen und der dahinter stehenden Piene mittels eines systematnchen Verleumdungsfeldzuges gegen die Juden planmäßig verbereitet worden"), kann in diejer Unbedingtheit so lange nicht richtig sein, wie sie nicht ganz anders belegt wird. T-aß jüdisch-revisionistische Kreise an der Entwicklung von damals nicht schuldlos sind, kann man selbst in zahlreichen zionistischen Pressestimmen nach den Ausschreitungen Nachlesen. A. W. Jüdisches Jahrbuch für Hessen- Waffan und Hessen 1932/33, Ausgabe Frankfurt a. M.-Wiesbaden, Verlag sür Jahr- und Adreßbücher Berlin- Frankfurt a. M. Das Jahrbuch vermittelt dem Leser mehr als eine Zusammenstellung der Einrichtungen und Organisationen der jüdischen Gemeinden Frankfurt a. M. und Wiesbaden. Es ist den Herausgebern Hanns L o e w e n st e i n und Willi Tisch gelungen, durch gut unterrichtende Artikel aus berufener Feder das Interesse an den Vorgängen im jüdischen Leben in der Vergangenheit und in der Gegenwart .zu wecken. und zu heben. Ter größte Teil der Schrift ist naturgemäß der großen jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M. gewidmet. Die Reche der Beiträge über die verschiedenen innerjüdischen Richtungen und Strömungen wird mit einer Darstellung der vielseitigen Tätigkeit des Eentralvereins beschlossen. Dr. Martin All a r x , Franksnrcha. M., der Syndikus des Landesverbandes Hesscn-Nanau und Hessen des Eentralvereins. gibt einen knappen lleberblick über die umfassende politische und die AustlärungstäLigkeit des C. A. sowie über seine Arbeiten auf juristischem Gebiet. Dem Jahrbuch sind drei interessante Aussätze über ..Rabbiner in West- und ^üddeutschland um die Jahrhundertwende" (Heinrich I a u! u s , Aachen, Marcus H o r o v i tz, Frankfurt a. M.. Abrabam Frank, Köln) vorausschickt. E. G. L. Generalversammlung des Vereins ESra in Berlin Der seit 50 Jahren bestehende Verein Esra 3itr Förderung der neutralen Palästinakolonisation hielt am Mittwoch, 13, April, seine Generalversammlung ab. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Siegfried Hirsch. erklärte Dr. Eduard Diberfeld von gesehestreuer Seite her seine warme Sympathie für die Arbeit des Esra, die seit Jahrzehnten, wenn auch im bescheidenen Rahmen, sich segensreich auswirke und dessen Neutralität von allen Richtungen im Judentum anerkannt werde. Professor Dr. Otto W ar - bürg gab einen! Neberblick über wirtschaftliche Fragen irr Palästina und zeichnete - in wenigen Zügen die Möglichkeiten der Weitcrarbei: des Esra durch Förderung bestimmter Einzelausgaben. Syndikus Dr. Assred Wie?: er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß in der wirklich neutralen Arbeit des Esra eine chvwttform jüz clie Richtungen des Judentums geschossen sei. Der Esra müsse, sobald die Zeiten sich geändert dazu übergehen, ein Symbol deusschMssctzer ssatäninaarbeit durch eine abgeschlossene jüdische .n.tssst im Heiligen Lande mit deull-chcm Einschlag zu evriäuen. Er versicherte die einmüssge Lympatssie der^ Religiösen Vtittelpartci für Frieden und Einchssck in der Gemeinde, der er angehöre, für diese Arbeit und glaube auch, daß seine Freunde im Ecntralverein ebenfalls diese Arbeit fördern würden. Diel bemerkt wurde in der Aussprache eine Erklärung des Vorsitzenden der Liberalen Fraktion in der Berliner Repräseniantenversanrmlung. Dr. w.ed. Kurt Fleischer. Er habe sich überzeugt, so erklärte er, von welchem wahrhaften neutralen Güste die Arbeit des Esra getragen sei, und er könne versichern, daß er seine Freunde wärmstenda'ür interessieren werde, die dem Esra auch weit wehr als bisher als Mitglieder bettreten würden. Zunr Tode Hermann Gurckclö. Kürzlich starb in Halle a. d. Saale einer der bekanntesten Theolv-gieprostooren der Gegenwart.- si-ermann Gunkel, im Alter von 70 Jahren. Sein Name bedeutet ein theologisch-wisserAchaßliches Programm, dessen A.uAühruvg und Weitersübrung für alle Zukunst Früchte tragen wird. Gunkels eigentliches Arbeitsgebiet war die a!tt e st a m c n 11 i cf; e Wissenschaft. Mehrfach aber bar er auch aus das Gebiet des Neuen Tessanlcr.'es hinübergegrissen. Er hat der Brveuvrssewmait un-, verlierbar den Satz eingehämmert, daß sie nicht nurden Inhalt, sondern auch die Form zu unter-' suchen hat, und ferner den ziveiten Satz, daß die Bibelwigenschast nach der Herkunft, den ge'wi.chtlictzen Zusammenhängen, der Umwelt, nach der spezifischen Gattung und Art des Inhalts und der Formen der biblischen Aussagen zu fragen hat. Es ist nicht zufällig, daß diestr mit einem feinen Sinn für die Form begabte Gelehrte vor allem der Erforschung des Psalters eine Lebensarbeit gewidmet hat. Hier, wie sonst, sah er die typi'chen Formen, die aus einem bestimmten „Sitz im Leben" des Orientalen folgenden, literarisch dann echcheinenden stereoLypen Gattungen, die festen 111« formen, in denen gerade antik-orientabl'ches Leben verläuft. Ton ihm vor allem ist daher die sogenannte „FormgeschichteA auch auf ncutestamentlichem Gebiet, angeregt worden, die — rich-' tig gehandhabt — wefenlliche Fortschritte bringt. 9?ichk minder gilt das von der religion-vergleichenden Arbeit, ohne die heutzutage wewr auf alttestamentlichem Gebiet noch auf dem Gebiet des Neuen Testamentes eine ernst zu nehmende wissenschaftliche Arbeit denkbar ist. Das für weiLoste Kreise zugängliche, bekarmte und bedeutungsvolle Nachschlagewerk „Die Religion in Geschichte und Gegenwart zatzlt Gunkel vor allem zu seinen Herausgebern. Don sei-- nen Schriften haben nainentlich die Psalmen, ferner seine ^chrift .Zum religionsgeschichtlichen Verständnis des Neuen Testamentes" mehrere Austagen erlebt, ebenso sein Kommentar zum 1. B u Q t Mose. Für weitere Kreise bestimmt sind seine „Ausgewäblten Psalmen", auch andere seiner Schri'- ten jedem Gebildeten leicht zugänglich. Professor D. Fiebig (Leipzig). Kleine Ehronik Am 23. April vollendet Frau Iakobine Leon. Derlin-CharloLtcnburg, dir Witme unseres unvcrgrßlickm Mitarbeiters, des langjährigen ChefredakLcärs der „Voffischen Zeitung", Dr. I. L e v y, ihr 80. Lebens, kahr. — - Frau Calnrann Tobias, Aendom, wurde am 21. April k) Jahre alt. — In Berlin feierte Frau Jeanette Cohn in voller Nüftigrci: ihren SO. Geburtstag. — Wir gratulieren unseren Freunden herzlichst. — Moritz Strauß, Dort i. W., in im Alter von 7ö Jahren, gestorben. — Das langftihrie; D!itglied des Centralrereins Benno V a s dj, Btagde. bürg, starb kürzlich mit 61 Jahren. — In Königsberg starben zwei treue Mitglieder des Centralversins, Eanitätsrat Dr. G c n u e [ f o!) n und Juftizrat Lip . mann. — Vor kurnem starb der Fabrikbestzor Dr. Hans L e ro e n z in Berlin. Der Verblichene war ein warmer Freund des Centralroreins, der stets kur seine Bestrebungen herzlimftes Verständnis und eine offene Hand hatte. Mir werden das Andenken ' unserer Freunde in Daren halten. — Das Hauxtvor. standsmitglied des «eentralvereins Professor Dr. Car! ^teuberg, Dircckro: des Kalser-WUhelm-Instituts für Biochemie in Berlin-Dahlem, ist von der Dsni'chen biologischen Gesellschaft in Kopenhagen zum Ctzren- Mitglied ernannt worden. — Das lanaiäarra' AUtAst) des Centralvereins Inftizrar Arthur' il oC) :n c‘u r., (5Iciir.it>, ist in seiner Eigenschaft als Notar vom preußischen Staatsministeriam zum Mitglied des Dienststrafsenats für richterliche Beamte beim stat'.-uner- - «ericht ernannt worben.