Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 17 (22.4.1932)
- Date
- 1932-04-22
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1HL •v-’v *'<&> V V & A-'W?" '•-‘V-a Df. M. ULMden 18. April IW. Bei der RsichZpräDcntenwabl erhielt Hindenburg in W.ärLtemöergim 1. ^uI1U::;:.:^ 53,5 Prozent sämtlicher abgegeoenen Stin::.:en, im 2. Wahlgang 63.8 Prozent. Tiefe Ziffern zeigen, daß Hindenburg das Vertrauen der württembergischen Wählerschaft in reichem Maße genießt. Tie besten Wahlresultate erzielte Hindenbürg in den Städten und in den katholischen Bezirken. In Stuttgart z. B. erhielt Hindenburg im 2. Wahlgang 66,5 Prozent, Hitler 21.8 Prozent und Thälmann 11,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Im allgemeinen war in Württemberg, wie wohl in den meisten anderen ' Wahlkreisen, im zweiten Mahlgang die Wahlbeteiligung geringer. Für Hindenburg wurden in Württemberg fast 300 060 Stimmen mehr abgegeben, als Zentrum und Sozialdemokratie bei den letzten Reichstagswahlen erhielten. Schwer festzustellen ist, wie sich die Wühler Düsterbergs und Thalmanns im zweiten Wahlgang verhalten haben. Die Thälmannschen Stimmen sind von 145 142 aus 108 075 zurückgegangen. Wahrscheinlich hat . ein größerer Teil der kommunistischen Wähler sich im zweiten Wahlgang der Stimme enthalten; immerhin ist zweifellos ein großer Teil dieser Stimmen Hitler zugesallen. Tie Tinge liegen aber in den Städten und auf dem Lande sehr verschieden. Tie ländlichen Tüsterberg-Stimmen scheinen in der Hauptsache Hindenburg zugefallen zu sein, während in den Städten ein sehr erheblicher Teil der Tüsterberg-Wähler im zweiten Wahlgang Hitler wählte. So scheinen sich in Stuttgart z. B. zwei Drittel der Tüsterberg- Wähler für Hitler entschieden zu haben. Ebenso ist es in Mm, der zweitgrößten Stadt des Landes, wo Hindenburg seine Stimmenzahl nur um etwa 200 gesteigert hat. Hitler dagegen um 3000. Zn den ausgesprochen katholischen Bezirken haben die Hitler-Stimmen gegenüber der ersten Wahl erheblich abgenommen, während die Stimmen für Hindenburg bedeutend Zunahmen. Tie evangelischen Dauern dagegen, welche bisher zu den zuverlässigsten Wählern des Bauernbunds zählten, sind zrrm-größten Teil zu Hitler übergegangen. Wenn man das Gesamtergebnis in Württemberg betrachtet, so wird man zu dem Schlüsse kommen, daß auch in Württemberg die Nationalsozialisten große Fortschritte gemacht haben. Es wird aber weiter wohl mit Nccht gesagt werden können, das; die Auswarlsbewcgung der Nationalsozialisten in Württemberg znm Stillstand gebracht und sogar in einzelnen Landesteilen ein erheblicher Nirckgaug der nationalsozialistischen Stimmen fcstzttstcllcn ist. Daß die württembergische Bevölkerung, die schon seit bald 100 Jahren politisch geschult ist, den Verkündern des Dritten Reichs nicht so blindlings nachläuft, durfte man von Anfang an annehmen. Immerhin wird es für die Gegner der Nationalsozialisten nicht leicht sein, sie aus den Stellungen, welche sie sich in den letzten Jahren durch ihre skrupellose Agitation verschafft haben, wieder hinauszulversen. Die Landtagswahl am 24. April wird wahrscheinlich ein wesentlich anderes Bild ergeben als die Reichspräsidentenwahl; bei der LandtagZ'.vahl gehen die einzelnen Parteien wieder gesondert vor, und dann erst wird sich ermessen lasten, welche Fortschritte die Nationalsozialisten tatsächlich gemacht haben. Gin sehr großer Teil der ländlichen Wähler, welap bei der Präsidentenwahl für Hitler gestimmt haben, wird seine Stimme wohl wieder den ernheimi- 2 scheu DauornbunLZkandidüLen geben; dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß ein Teil der bäuerlichen evangelischen B wölkerung derart verhetzt ich daß er ihren bisherigen Bauernbundsfuhrern nicht mehr folgt. £;?.* Führer drS Baucrnbrrrrdes und Wohl auch ein Teil der rcchksstcherrderr städtischen Bevölkerung bekommen jetzt die Quittung dafür ausgestellt, das; sie schon seit Jahren die Nationalso-ZralLsten nicht nur nicht bekämpft, sondern teilweise unterstützt haben. Das Z e n t r u m wird voraussichtlich wieder in der alten Stärke in den Landtag einziehen. Bei der intensiven Arbeit, die das Zentrum geleistet hat, ist sogar eine Vermehrung der Zentrumsstimmen möglich. Ob die Sozialdemokratie in ihrer bisherigen Stärke wiederkehren wird, läßt sich schwer sagen. Sie ist in Württemberg energisch in den Wahlkampf eingetreten-und entfaltet eine rege Bersammlungstätigkeit. Auch die Mittelparteien, insbesondere die Demokratie und die Deutschs Vollspartei, kämpfen mit letzter Anstrengung, um ihre bisherige Stärke zu behalten; neben ihnen stehen auch noch Splitterparteien, wie z. B. die Auf-? /V *, m~ wertungspartei, die sich Volksrechtspartei nennt, und der Christliche Volksdienst mit eigenen Listen im Wahlkampf. Wenn das Zentrum und die Sozialdemokratie ungefähr in der gleichen Stärke wie bisher in den Landtag einziehen, so wird, da wohl auch die Natiormlsozwlisten mehr Sitze bekommen werden, als sie bisher hatten, und der Bauernbund, die Vürgerpartei (Deutfchnationale Volksparwi) jedenfalls durch die Wahlersolge der Nationalsozialisten geschwächt werden, die Negierung nur durch Zusammenarbeiten der Sozialdemokratie und des Zentrums unter Zuziehung der Demokratie gebildet werden können. Das Z e n t r u m hat in der letzten Zeit durch seine Führer deutlich zu erkennen gegeben, daß es eine solche Regierungsbildung nicht mehr ablehnen wird. Wenn die Reichsprasidentenwahlen auch gezeigr haben, datz es uns um den Fortbestand von Demokratie und Gleichberechtigung in Württemberg nicht bange zu fein braucht, so heißt die Parole doch auch hier: Jeder wärtkembergische Jude, jede württembergische Jüdin muß am 24. April ihre Wahlpflicht erfüllen! Dr. c. Dessau, den 19. April 1932. Seit der Revolution regiert in Anhalt eine sozialdemokratische-demokratische Koalitiondie den Juden Gerechtigkeit widerfahren ließ. Eine kurze Zwifchenregierung der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei, die im Jahre 1924 durch vier Monate bestand, hat an diesem Zustand nichts geändert. Dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Deist, der seit bald 14 Jahren im Amte ist, und dem staatsparteilichen Staatsminister Dr. Weber, der auch schon an 10 Jahre sein Amt verwaltet, gebührt das Verdienst, daß sie im Nahmen des Lckaatswohles die Interessen aller Glaubensgemeinschaften mit gleicher Unvoreingenommeuhert gefördert haben. Das gleiche gilt auch von dem sozialdenwkratischen Staatsminister Voigt und dem volk-parteilichen Staatsminister Dr. Müller, die zeitweilig in der Koalition der Linken mitregierten. Jetzt branden die Wellen der Rechtsbeweguug auch in das früher so links gerichtete Anhalt hinein. Dis Kommunalwahlen von 1931 ergaben einen vollen Erfolg der Nationalsozialisten. Daran freilich, daß die Landtagswahlen von 1932 die Nationalsozialisten zur allein herrschenden Partei machen, ist nach dem Ausfall der Reichspräsidentenwahl nicht zu denken. Es ist aber auch nicht wahrscheinlich, daß sie zusammen mit den übrigen Rechtsparteien das Staatsruder in die Hand bekommen. Die Sozial de in okraten werden an ihrer bisherigen Stärke von 15 Mandaten von im ganzen 36 kann: eine nennenswerte Einbuße erleiden. In L r st e n v e r b i n d u n g mit dem Zentrum werden nach aller Voraussicht auch die St a a t s p a r t e i l e r zwei Mandate erobern. Die Mehrheitsbildung wird in der Hand der K o m m u niste n liegen, die kaum geneigt sein werden, der Rechten in den Steigbügel zu helfen. Liber freilich kommt es auf jede Stimme an. Die Juden in Anhalt haben ein starkes Interesse daran, das; in Anhalt nicht eine Regierung einzieht, in der die Nationalsozialisten die entscheidende Stimme führe;;. Nicht als ob sie den gerechten Forderungen der Juden gegenüber dauernden Schaden aurichten könnten! Aber sie würden es an Schikanen und Bloßstellungen nicht johlen lassen, die in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Notlage den anhaltischen Juden das Leben erst recht schwer machen würden. Es wäre darum ganz unverständlich, wenn die anhaltischen Juden nicht mit aller Kraft für den Sieg der Linksparteien eintreten würden. Gewiß gibr es auch unter den anhaltischen Juden nicht wenige, die schon aus ihrer wirtschaftlichen Lage heraus Sympathie etwa für die Volks- Partei oder für die Wirtschaftspartei haben. Aber ihre Entscheidung wird nicht unbeeinflußt bleiben von der Tatsache, daß Volkspartei und WirtschaftsPartei keinen Zweifel daran gelassen haben, daß sie im neuen Landtag zusammen mit den Nationalsozialisten die Negierung bilden wollen. Auf jede Stimme kommt es an. Nichts ist verloren, wenn jeder zur Wahl geht, der verhindern will, daß in dem kleinen, aber schönen Lande Anhalt die Nationalsozialisten ans Ruder kommen. Darum trete jeder anhattische Jude, der wahlberechlig! ist. am 24. April an die Wahlurne und wähle eine der Parteien, die die erklärten Gegner der Nationalsozialisten sind! GEÄKW A. B. Hamburg, den 19. April 1932. Nach den zwei großen Kärupfen um die Wahl des Reichspräsidenten hat Hamburg an; nächsten Sonntag sein Parlament neu zu wählen. Von Wahlmüdigtcit kann keine Rede sein: Sämtliche Versammlungen sind gut besucht, das Straßenbild wird von Flugblattverteilern beherrscht, und das gesäurte bürgerliche Hamburg ist sich wohl bewußt, daß es sich dieses Mal nur eine Entscheidung von nngchenrer Tragweite handelt. Der Kampf der Mitielpartcien. von der Volkspartei bis zu den Sozialdemo, traten, richtet sich vor allem gegen jegliche Autarkiegedanken; denn dies Schlagwort darf gerade in dieser Stadt, die mehr denn je vom Gr Port abhängig ist, keinen Platz finden. Man kennt hier die geistige Haltung des Auslandes Fortsetzung Seite 16i