Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 16 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- Seite 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/' •i \ J V V ■J"'*} ^-> . BierteljahrsaLonnemsut 8.25 MM. (zuzügl. Destrllgrld)^ /^Utzsrneins Üsiwntz 6ss Ciuclsnturris Verlag urrd Schrifrleltuns: Berlin W15, SmfecStt. 42. Fernsprecher: J 2 Ollra 5074. .:. PoftschrckkonLo: Berlin 304 72. Dankr-Ints: Dresdner Bank, DepofltrnkLssr 8^ Brrlin^Zilrnersdorf 1, Hohenzollrrndamm ICO, und con Coldschwidt - Rsthschild L Co., Berlin W 8. * Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-ELpedirion Rudolf Mossr, Berlin 8^7109, und deren Filialen. Anzeigenpreise: V,S-9 für die 7gesvaltene Feil» noch Rudolf Mosses Nomralzeilenmesser Nr. 4, Fanülienanzeigen und Stellengesuchs (nicht EtLUrnangebsts) für Mitglieder des Centralvereins 9,45 JcJi. die 62 mm breite Rrklarrrzrilr 3,50 A US 4 UZ /-'i; j \ X-N \ <ri % <yL> "/vy vNy ^s> .Lehrrrr öss Wahlkampfes / von Dr. §mft §s-sr 6roL5-8Sriinsi' Wahlkun r’gebung Beachtet Seite 150 I : Brennende Röte der Scham auf den Wangen. Hab die Mehrheit des deutschen Volkes diesen Wahlkamps miterlebt, in welchem dem bisherigen Reichspräsidenten ein Hitler als Mitbewerber gegenüberstand. Tem Feld mar schall, der das Kriegsglück im Osten zugunsten feines Landes wendete, dem General der Republik, der nach militärischer Niederlage und politischem Zusammenbruch die Millionenheere in voller Ordnung in die Heimat führte, dem Reichspräsidenten. der sieben Jahre lang mit Regierungen der Linken wie der Rechten Ordnung und Sicherheit aufrecht hielt, trat der Demagoge entgegen, der sich in seiner Parteipresse als „Retter Ostpreußens" feiern laßt, und selber öffentlich erklärt, bei einem Angriff auf die deutsche, Ostgrenze werde er seine Privatarmee 8um Umsturz im Innern verwenden. Im zweiten Wahlgang schwieg Hindenburg. Er hatte dem, was er im ersten Wahlgang gesagt hatte, nichts hinzuzusügen. „Wer mich nicht wählen will, der unterlasse es." Hitler toste im Flugzeug und im Kraftwagen von Ort zu Ort. um mit der immer gleichen Rede, mit dem falschen Pathos und den Gesten eines schlechten Provinzmimen, sich und sein Diesmal ist er dem Mitbewerber Hitler um fast sechs Millionen Stimmen voraus. Im Jahre 1925 blieb Hindenburg hinter der absoluten Mehrheit weit zurück. Diesmal vereinigt er aus sich zwei Millionen Stimmen mehr, als die übrigen Kandidaten zusammen, und mit fast zwanzig Millionen Strrnmen hat er die größte Wahlerzahl erlangt, die jemals in Europa für eine Person erreicht worden ist. - Hindenburgs Sieg ist der Erfolg einer Persönlichkeit. Tie knappe Mehrheit, mit der er vor. sieben Jahren über die republikanischen Parteien siegte, die große und sichere Mehrheit, die ihm die republikanischen Parteien dieses Mal zuführten, bezeichnen beide die Superiorität des Mannes über die Partei. Hindenburgs Sieg ist zugleich ein Erfolg des Systems. Des Systems fester und verfassungsmäßiger Staatsordnung über das System staaisauflösenden Umsturzes. grotesker Wahlversprechungen nach allen Seiten und schmeichelnder wie drohender- Suggestion. Der Nationalsozialismus hat seinem Programm der Programm- und Ideenlosigkeit in diesem Wahlkamps die Treue gehalten. Was Herr Julius' Streicher herausgibt./Die Titelseite trägt in Niesenlettern die Ueberschrift „Der Mädchenmord von Paderborn", mit der über die ganze Seite sich erstreckenden Unterzeile: „Eine Deutsche von Juden geschändet, geschlachtet und zerstückelte Dann folgt das umscitig wiedergeaebene Bild, das im Hintergrund eine Hindenburg-Karikatur zeigt, vorn eine Fratze, die jüdisch sein soll. Ueber dem Bilde steht: ..Der Jude wählt Hindenburg", darunter: „Er weiß warum. Darum wähle du Adolf Hitler." Hindenburg andeutungsweise zum Schützer des „Ritualmvrdes" gemacht — wüßte man nicht, daß die moralischen und intellektuellen Möglichkeiten des Antisemitismus keine Grenze haben, so könnte man meinen, hier sei der Gipfel der Gemeinheit erreicht. Was lehren die Zahlen der Abstimmung vom 10. April? Hindenburg hat seine Wahl- Ziffer um siebenhunderttausend Stimmen vermehrt. Man kann annehmen, daß, dem persönlichen Treugelöbnis preußischer Konservativer folgend, etwa eine halbe Million Deutschnationale ihm ihre Stimme gegeben haben. Hitler hat einen Zuwachs von zwei Millionen Stiml immer anspruchsloser werdendes Publikum über die gemeinsame geistige Oede hinwegzutäuschen. Bor dem ersten Wahlgang hieß es: Hitler ist gewühlt. Bor dem zweiten Wahlgang klang es. Hitler wird bestimmt gewählt. Nach dem . zweiten Wahlgang heißt es: Der grandioseste i Sieg ist erfochten. Hindenburgs Sieg ist stärker und siche- : rer, als er vor siebenJahren gewesen ist. Im Jahre . 1925 schlug Hindenburg mit 900000 Stirn- \ men Mehrheit seinen Gegenkandidaten Marx. sich in seiner Presse und feiner Literatur nur in den Umrissen deutlich abzeichnet, verschrvamm vollends in der geschriebenen und gesprochenen Propaganda, und aus taktischen Gründen trat in der großen Agitation sogar der Antisemitismus, sonst der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, in den Hintergrund. In der lokalen Propaganda freilich gab es eine Fülle von Exzessen der widerwärtigsten Art. Mir liegt die Wahlnummer des Nürnberger Wochenblatts „Der Stürmer" vor, das men erlangt.- Ihm haben vermutlich anderthalb Millionen Wähler Duesterbergs im z'.veiten Wahlgang die Stimme gegeben. Die weitere halbe Million, die Hitler gewonnen hat, stammt aus dem kommunistischen Lager, wie die Analyse einer Reihe industrieller Wahlkreise und kleinerer Abstimrnungsbezirke unwiderleglich erweist. Das wichtigste Ergebnis des 10. April ist also dieses: Die nationalsoziali'ttsche Flut, die uu September 1930 gewaltig gestiegen und am