Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 14 (1.4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Tenn Tpinoza ist sich bei aller philosophischen Gegensätzlichkeit zum Judentum bewußt, daß Gottes- und Menschenliebe die Grundforderungcn des Judentums seien. Vielmehr scheint Kant, so wie er das Christentum und seine Togmcn willkürlich in Ideen der Vernunftreligion umdentete, um das Christentum zur Einführung der Vernunftreligion zu benutzen, bewußt die Juden vor die Alternative haben stellen wollen: entweder Aufgabe des Judentums und Annahme der Vernunftreliaion oder Verweigerung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung an Bürger eines fremden Staates. Tenn, so umint Kant, Toleranz ehre wohl die Negierungen, nicht aber die Philosophen, denen allein au Ausbreitung der Bernunftreligion gelegen sein müsse. Tie bedeutendsten jüdischen Kantianer nahmen zu dieser Kanrischen Auftastung des Judentums Stellung. L a z a r u § Beudavid solgte Kant unbedingt und empfahl die Gründung von Tchulen, in denen die jüdische Jugend alles Wissenswerte, nur nichts von jüdischer Religion erfahren sollte, um sie zur Annahme der Bernunftreligion vorzubereiten, denn die jüdische Religion ist auch für Bendavid lediglich ein politisches Tystcm. Salomo n All a i in o n hingegen lehnte die Kantische Ausfassung des Judentums ab. da das Judentum nicht lediglich ein nationales Gebilde, sondern die religiösnationale Organisation der Juden sei. Ebenso aber wendet er sich gegen die Mcndelssohnsche Trennung der jüdischen Religion von der jüdischen Nation. Tarum hielt er den Ausweg für möglich, gleichzeitig aus der jüdischen Religion und dem jüdischen Ttaat auszutreten, um Bürger eines europäischen Staates zu werden, dem es frei stehe, sich zur Vermmftreligkon zu bekennen. Im Gegensatz zu diesen ersten jüdischen Kantianern hielten die Erneuerer der Kanrischen Philosophie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Moritz Lazarus und Her m a n n E o h e n, au der BIendelssohi:scheu These fest und erwiesen den religiösen Charakter des Judentums durch die llcbereinmmmung des Judentums mit der Kautischen Vernunftreligion. Auch für üe ist das Judentum ausschließlich eine Religionsgemeinschaft, und das jüdische Gesetz bedeutet allein die Tymlwlisierung sittlich-religiöser Ideen. Tieft Auffassung des Judentums hat eine Ausschaltung der geschichtlichen und irrationalen Grundlagen des Judentums zur Folge und ist eine Verwandlung des Judentums in eine universale Ethik oder in eine Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums. Im Gegensatz zu dieser Rationalisierung des Judentums unter dem Einfluß Kants begründet Herder die geschichtliche Erkenntnis der Bibel in der Einheit ihres nationalen und meuschheitlichen Gehalts- Er stellt aber auch zugleich die Frage, warum die Juden nicht eine Erneuerung ihrer nationalen Telbstandigteir in einem eigenen . ctaat als Grundlage ihres kulturell-religiösen Lebens erstreben. Wie Herder durch seine geschichtliche Anschauung der Bibel nicht allein die Bibetwissenschast. sondern auch die geschichtliche Erkenntnis des nachlnbtischen Judentums methodisch ermöglichte, so ist die Zukunstsgestaltung des Judentums von der Entscheidung der Herderschen Frage abhängig. Frankel und ~ Geiger folgen dem Wege Mendelssohns, dem Wege der Begründung des Judentums als einer Religionsgemeinschaft, G r a e tz. der ans die Epoche der Tiaspora eine Epoche der Wiedererneuerung der Einheit von Volk, Land und religiös-geistigem Leben des jüdischen Volkes erwartet, dem Wege Herders. Trotz aller tiefgreifenden Tnsereuzen zwischen diesen drei Begründern der Wissenschaft des'Judentums sehen sie alle gleich Herder das Wesen des Judentums in der Einheit seiner historischen Individualität und religiös-menschheirlichen Universalität. R a t i 0 n a l i s m u s und R 0 in antik und die zwei großen Richtungen des europäischen Geisteslebens im 19. Jahrhundert, denen die Geistesgeschichte des Judentums in der Auffassung des Judentums folgt, stärker als diese beiden Richtungen droht d i e Richtung deseuropäischen Geisteslebens zu werden, mit der aller religiöse und sittliche Idealismus zu ringen hat: die Wacht des R a t u r a t i s m u s. LnniÄM des Cßniralvsrsfns Delegiertentagniig, Sonntag, 3. April, Königsberg, Hotel Berliner Hof. Artur > c li w c r i n e r (Berlin); „Vor der Ent-, st hei düng’1; Kurt Sabatzky (Königsberg): .»Was ist in Ostpreußen getan undwas ist jioeh zu tun*': Günther Growald (Königsberg): nDer C. V. und die Jugend". Bei der. Bedeutung der Tagung ist stärkste Vertretung^ aller Ortsgruppen und Nitgliedergen 1 e i u s c h a f t e a e r f 0 r d e r I i e h. Ter hüwrische Materialisutus des Marxismus sieht den Menschen lediglich als Angehörigen einer sozialen Klage und seine Ideen als Ausdruck seiner wirtschaftlichen Jnteren-eu. Ter Positiwsmus Spencers setzt der BMenschheitsgeschichte das Ziel des friedlichen, bürgerlichen Industrialismus, Rietz s ch e bejaht "im Gegensatz zu dem Ideal der klassenlosen Gesellschaft'und des irdischen Paradieses den tragischen Charakter aller Wirklichkeit als Willen zur Macht. Allen drei Richtungen des Naturalismus aber erscheint der religiöse und sittliche Idealismus als Utopie. Angesichts dieser Kulturlage unserer Zeit ist die Anerkennung notwendig, daß das Leben des Bien scheu menschliches Leben nur ist durch die. geistige Gestaltung des Lebens.. Aller Geist aber ist. individuell, und alles- Individuelle ist historisch bedingt. Eo gilt es gegenüber dem Naturalismus, aber auch gegenüber dem Rationalismus die geschichtlich-geistigen Grundlagen menschlichen Lebens zur Geltung zu bringen. Tas bedeutet für das Judentum die Erhaltung der unlöslichen Einheit des Jüdischen und Menschheitlicheu, wo immer jüdisches Leben zu formen ist. To Helsen wir au unserem Teil, das Chaos unserer Zeit durch den Geist zu überwinden. Zwei koschere Fftonzenfette so sparsam, so bequem! noD bv neD KOSCHER FOR PESSACH Tomor, hergestellt unter Aufsicht Seiner Ehrwurden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, ist reinste Mandelmilch-Margarine 1 Sie können sie als Brotaufstrich unter Fleischbelag verwenden und für Kuchen und Torten, die Sie unmittelbar nach der Mahlzeit reichen wollen. Tomor enthalt keine tierischen Fette und darf daher zu allen Speisen ohne Unterschied gebrauch! werden. Palmin koscher besteht zu vollen 100% aus reinemCocosfett. Beim Kochen, Braten,Backen — immer freuenSie sich über seineAusgrebigkeit und seinen reinen Geschmack. 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