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Central-Verein-Zeitung · 1932-03-25 · 13 (25.3.1932) · p. Seite 117

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
13 (25.3.1932)
Date
1932-03-25
Page
Seite 117 (sequence 1)
Language
German
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ßeciin, 25. März 1932 23. 3 1S32xi. Jahrgang ♦ Nr. 13 Einzr'.aummer 2» Pfennig a ♦♦ 4k 4 r\ fj 1' TT^tJ T) vr^fm (p^VwVV^y jJ VV\^ J >s>v<i <£>* - * VWi) I ft i i* p f? *> •* A «fr A, -i :V .* - *4 «V-VSJr *©><**«& fci -iV' U,«V^,AA\^ «j >A-|^':: ' •> «AV*-* v *£? <iS"Vs4 &%>%>vv•> t/•*.>4vvä^ v/ ispW*X j ^vvLy-»;3J3S" , - iJfp* A ■ ** \ r~>A .-v R-:^''; s/v ■%?■&<*>%• Allgemeine Zeifung des Judentums Vierteljahrs abonnement 2.25 RM. (öUZügl. Bestellgeld). Verlag und EchrifUeUung: Berlin 15, Einser Str. 42. Fernsprecher: 3° 2 Oliva 5474. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Dank, Dsposttenkaffs H4 Berlin-Bilmersdorf 1, Hohenrollsrndarnm 1&6„ und von Goldschmidi - Rothschild L Co., Berlin V/ 3. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-E;pedition Rudolf Ttoffr, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,50 juk für die 7g;spaltsne Zeile nach Rudolf Mostes Rormalzeilsnmssser Nr. 4, Familirnanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 31.M, dir 62 mm breite Reklamezrilr 3,50 &JL KJsjteai Die Natur ist noch recht weit zurück irr ihrer Frühlingsentwicklung, und die Blumen spielen neben den in Schnee und Regen Zerfallenden Flugblattmasten eine nur sehr bescheidene Rolle. Und wenn auch die Eisesfesseln langsaur schwinden, die Fesseln des Oster-Burgfriedens zwingen die Menschen zu srühlinghafter Versöhnlichkeit. Der Eindruck ist aber nicht unbegründet, als ob die Gemüter der großen Massen in diesen Tagen auch ohne Zwang nicht allzu stark von Politik beherrscht würden. Ebenso wie die politischen Argumente, mit denen Menschen zu bestimmten Ansichten gebracht werden sollen, ist auch die Fähigkeit, sie zu verstehen, erschöpft, und das Atemholen zu den großen politischen Entscheidungen der nächsten Wochen mag für manche mehr als nur der Wunsch nach persönlicher Erholung, mag auch das natürliche Säuberungsbedürsnis von Schlacken und Schlag- Worten des politischen Kampfes bedeuten. Es besteht aber ein großer Unterschied zwischen jenen, deren Auftriebskraft anscheinend zmn Stehen gekommen ist, die aber ein großes Gebiet erobert haben und noch behaupten, und jenen anderen, in deren Reihen der Gegner eingedrungen ist oder für die — wie für uns deutsche Juden — die Existenz von Millionenmassen ihnen feindlicher Menschen, auch wenn sie zeitweilig nichts aktiv unternehmen, eine immerwährende Bedrohung bedeutet. Nicht „irgendwo in der Türkei" schlagen die gegensätzlichen Anschauungen klirrend aneinander. Unaufhörlich vollziehen sich auch jenseits der Volksversammlungen, Straße u au f lä ufe, Press cf am pagn en Auseinandersetzungen in Vereinen, in Geschäften, in Fabriken, in Hochschulen und Schulen. Und was in der letzten Wahlstatistik aussichtsreich und hoffnungsvoll aussieht, stellt, wenn man diese Snmmen in ihre einzelnen Posten auflöst, eine immer noch ungeheuer schwere und lebensnotwendige Aufgabe für jeden einzelnen von uns dar. An anderer Stelle dieses Blattes zeigen wir, welches Echo eine. einmalige geschlossen durchgeführte Aktion wie die Herausgabe der Sondernummer der Monatsausgabe gefunden hat; es bringt den Nachweis, daß von der Sturmflut überschwemmte Gebiete wieder zurückgewonnen werden können, wenn man zielsicher die Buhnen vortreibt. . . All!!■ «y«VW jf Vf/J * ff .* >< :: &fr-vvvv' ' Es ist schrecklich, von seinem Vaterlands mit Haß behandelt zu werden; aber es wäre tausendmal schrecklicher, fern Vaterland zu Haffen. Gabriel Rießer. Ebenso groß wie die äußere Gefahr, die der Judenhaß für den jüdischen Deutschen herausbeschworen hat, ist die innere: die Bedrohung seines seelischen Standortes. Nicht etwa eine vereinzelte Gruppe verhetzter Menschen, sondern eine mächtige, politisch organisierte Massenbewegung gibt ihm tagtäglich in gehässiger und ehrverletzender Weise zu verstehen, er sei der ausgemachte Schädling' der deutschen Nation. Verheerend sind die Folgen solchen Tuns. Sogar der Gukmeinende, freundlich Gesinnte erlahmt allmählich in seinem sittlichen Widerstand gegen die allseits niederpraffelnden Verleumdungen; kopfschüttelnd meint er, es muffe doch wohl an der Sache irgend etwas dran sein. Und der jüdische Deutsche selbst? Mit Unmut stellen wir fest, daß auch er häufig — namentlich der deutsch-jüdische Jugendliche — der Massensuggestion erliegt und sich daran gewöhnt, aus den Händen seiner unerbittlichen Gegner seine Wesensbestimmung zu empfangen. Dagegen erheben wir unsere warnende Stimme und machen darauf aufmerksam, daß das Gesetz unseres Daseins nur durch uns selbst — durch unser deutschjüdisches Lebensgesühl — gegeben und vertreten wird. Dieses Lebensgesühl wird aus einer unversieglichen Quelle gespeist:- aus dem Dätererbe der deutsch-jüdischen Ueberlieserung. Nur ein Mittel taugt, um jene Quelle quicklebendig und sprudelnd zu erhalten: Geschichtliche Besinnung, geschichtliche Nückerinnerung an die Ursprünge und Grundstoffe unseres Werdens. Die moderne Eeschichtswiffenschast steht im Zeichen der Geopolitik. Was bedeutet dieser Weg der wiffenschastlichen Erkenntnis? Er geht von der grundlegenden Annahme aus, daß der Lebensraum eines Bollevon seinen geographischen Verhältnissen abhängig ist. Tie geographischen Bedingungen des Bodens sind die Formkraft, die dem Schicksal der einzelnen Böller das Gepräge gibt. Indem nun der jüdische Deutsche seit den Uranfängen der deutschen Geschichte mit dem deutschen Boden verwachsen ist, wurde er in gleichem Maße wie der christliche Deutsche in das Aus und Ab, in die wechselvoLen Schicksale der deutschen Landschaft hineinverstochten. Die Geschichte der Juden in Deutschland — bisher ungeschrieben und angesichts der gegenwärtigen Zeitnmstände ein in maile Ferne gerücktes Ziel — ist an die besonderen Bedingungen des deutschen geographischen Lebens raumes geknüpft. Es würde eines gewichtigen Buches bedürfen, um diese Behauptung an Hand der Zerstreuten und noch keineswegs genügend gesichteten Geschichtsquellen im einzelnen zu beweisen. Wir muffen uns an diejer Stelle begnügen, die gaopolitische Problem- Verbundenheit des jüdischen T-eutschen mit der deutschen Geschichte mit wenigen Strichen anzudeuten. Zunächst das Mittelalter, das trotz aller ehrlichen oder erheuchelten Bemühungen die dunkle Geschichtszeit des neuen Europa bleiben wird; wie herrliche Zeugen eines unverstandenen und unverständlich gewordenen Zeitalters recken die gotischen Dome ihre Maffe gen Himmel. Denn nur rührend begeisterte Romantik form darüber hilNvegtäuschen, daß wir den Schlüffel zum Mittelalter verloren haben, seitdem mit Beginn Feiertagsfrohe Menschen in Sonntagskleidung werden vor den Toren der Städte ihren Osterspaziergang machen und in der frühlingssrohen Stimmung wird man den Gesichtern nicht ansehen, welches politische Abzeichen im Knopfloch blüht. Naturempfinden und .Heimatverbundenheit prägten die Gelichter zu gleichmäßiger Freude und Frische, und die Abzeichen sind Fremdkörper in der von Natur aus zu erneuter Einheit, zu starkem Lebenswillen und neuer Volksblüte strebenden Volksgemeinschaft. A.H. D fl üOFaara /I WSPf /m. c ' \ ’ | /• \ // jJ If JÜa •st das Postscheckkonto für die Spenden der C. V.-Mitgiieder aus Anhalt, Brandenburg, Grenzmark, Gross-Berlin, Provinz u. Freistaat Sachsen. Alle anderen C.V.er uberweisen ihre Spenden auf die Postscheckkonten ihrer Landesverbände.

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