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Central-Verein-Zeitung · 1932-03-11 · 11 (11.3.1932) · p. Seite 93

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
11 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
Seite 93 (sequence 1)
Language
German
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/\ - V I V 7 v" :-^X O fl /\ r~' J > n/ 7 x, ■-• 2,/S.. Serttn, 11. März 1932 XI. Jahrgang ♦ Ar. 11 / Einzelnummer 20 Pfennig >V ,'-'X >7 ... 4H* * - fy < *, .1 fei»#? V«? vsa uzit) li’:zi/izür'"^ ■ ' fr Viertel rahrsaLounemerrL 2.25 ÜiCL (zuzügl. BLstLllZrld). v-v> O / •' * » V *<? *> <«✓ w» v N.- ✓ *%/■ “t/ •> * > *••*'* ♦ Allgemeine Zeifun^ des Judentums Setlag urd) Schriftleitung: Berlin W 15, Enrser Str. 42. Fenisprech^c: J 2 OHra 5074. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Zank, Deposttenkasss H 2, Derlin-DUlnrersLorf 1, ^ohenzollernL-rnrin 136, und von Soldschmiüt-NochschUL L To., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-T-i^eLition Rudol'« Moffr, Berlin 8 vv 100, unü deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,W Jl& füt die 7gespalL-:nr Zeile nach Rudolf Mog'.rs Normal-eil:nme;ser Nr. 4, Familienanz:igen und Stellengesuche (nicht Stell-rr-ana-eLotc) für Mitglieder des Lentralvereina 0,47 JlJl, die 62 izm breite Ncklamezeilr 3,57) £2JL Of 7 ..j x - J V';; > AAA r C- 7 y A, 1 1? cm Wahlrufe sollten jetzt unnötig sein. Tenn jeder muß wißen, worum es geht. Der Mann darf nicht gewählt werden, deffen Partei unsere Entrechtung fordert, dessen Erfolg ein Unheil für Vaterland und Freiheit sein würde. Reichspräsident von Hinvcnburg hat sich Ln hingebungsvoller Treue als aufrechter rrrrv uuöeirrter Hüter der deutschen Neichsverfassrmg bewährt. Ihn Zn wählen, ist Pflicht jedes verantwortungshewuhten jüdischen Deutschen. Die Gleichgültigen und Mutlosen, welche die Tragweite der politischen Entscheidungen immer noch nicht erkannt haben, müssen aufgerüttelt werden. Jeder einzelne unserer Freunde hat sich als Wahl- Werber zu bewähren und Wähler und Wählerinnen zur Urne zu bringen. ' Gewiß, wird mancher sagen, das ist richtig. Aber stiftet ihr nicht Schaden, wenn ihr für Hindenburgs Kandidarur eintretet? Kennt ihr nicht jene verächtliche Weise, in der Nationalsozialisten die Kandidatur Hindenburgs zu beeinträchtigen suchen, indem sie in die Masse hineinsaweien: ,.Hindenburg ist der Kandidat der Juden!?" Wir kennen diese Behauptung und wissen von ihrer trüben Quelle. Aber wir wissen auch, daß für einen anständigen Menschen Hindenburg nicht deshalb minderen Wertes wird, weil Juden sich für ihn einsetzen. Wer solche Ansichten vertritt, dem ist jedes Gefühl für politische Rechtlichkeit geschwunden. Deshalb lasse:: nur um nicht hindern, uns Zu .HiuDrnbnrg zu bekennen, wie wir es auch vor seiner ersten Wahl Zunr Reichsvräsi- Denterr getan haben. Auch ' damals haben wir Hindenburgs vornehme Gesinnung anerkannt und danwar 'begrüßt. Denn schon aus seiner Stellung im Kriege wußten wir, daß er ein vorurteilslos denkender, gerecht abwügeuder und jedem das Seine zubilligender Mann ist. Niemals würde er Deutschland durch Duldung ungesetzlicher, verfassungswidriger Handlungen vor der Welt bloßstellen. Ihr'wißt, daß er der Bürge des inneren Friedens ist, und daß er Deutschland vor noch schlimmeren Erschütterungen bewahren \v;,xh' als sie unserem unasiümichen Lande schon in reichlichem Maße beschieden sind. Darum wählt Hindenburg! Wer politisch anders denkt wie der Reichspräsident, wer gar kommunistischen Gedankengängen nahesteht und deshalb meint, sich der Wahl' enthalten oder Thälmann wählen zu müssen, dem sei gesagt: Es ist jetzt keine Zeit für theoretische 'Auseinandersetzungen. Denn jede ^tinnne, Die Hindenburg nicht erhält, kommt rnittelbar Hitler zugute. Gibt es irgendeinen jüdischen Temschen, der das verantworten kann? Demokratische Gleichberechtigung oder Entrechtung hcistt Die Parole. Darum werden alle jüdischen Deutschen Ln dem Augenblick der Wahl aus dem Gefühl der höchsten Verantwortung für ihre Heimat und' für ihre Gleichberechtigung Hindenburg ihre Stimme geben. Ws ftcht öts DgserZr Fast in allen Zeiten hat sich die Jugend in ihrer Weltanschauung und ihrem politischen Streben im Gegensatz zur älteren Generation befunden. Tie psychologische Wurzel dieser Gegensätzlichkeit ist von der modernen Tiefenpsychologie ansgedeckt worden: der jugendliche Mensch mutz sich um selbständig zu werden, von der Autorität der Aelteren loslösen, er beschreitet dazu mit Vorliebe den Weg der radikalen Verneinung alles dessen, wes die Datergeneration als Jdail ausstellte. Für die k u l L u r e l l e Entwicklung ist diese stets erneute Rebellion der Jugend von größter Bedeutung: neue Ideen haben sich vielfach auf diesem Wege durchgefetzt. Die geschichtliche Wirklichkeit ist aber keines^vegs so einfach, daß nun das R e ch t immer aus seiten der Jugend stände. Tie Jugend hat den Vorzug großer Bogeisterungsfähigkeit, aber in trüben und verworrenen Zeiten läßt sie sich schr leicht für trübe und verworrene Bestrebungen gewinnen. Wo steht die Jugend heute? In ihrem politischen Wollen verneint sie zum größten Teile die Prinzipien, die das Leben der letzten Generationen beherrschten. Tie Entwicklung des IO. Jahrhunderts hat sich unter der Leitidee vollzogen, daß cs darauf ankomme, die menschlichen Verhältnisse möglichst vernünftig zu regeln. Kant batte gezeigt, daß inan zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll, scharf unterscheiden muß. Las Larsächliche Leben vollzieht sich nicht nach den ,Fo oder nagen der sittlichen Vornun ft. aber das Streben nach einer den VernunftprilTzipiell gerecht werdenden Ordnung wurde trotzdcnr als umunflötzliche sirrlichü und politische AuchcW betrachtet. Ter Kampf rnn persönliche Freiheit, um eine gerechte Verfassung und um die Eleichoerechtiglmg aller Staatsbürger hat in diesem Streben seine weltanschauliche Wurzel. Die heutige Jugend nun verwirft diesen großen Grundgedanken als Rationalismus, als intellektnalistischen Idealismus und stellt ihm irrationale Momente als wahren Ursprung des Lebens gegenüber. An die Stelle d^er sittlichen Forderung tnitt die gefühlsmäßige Bindung durch Blut und Rasse. Wie ist diese Sinnesänderung zu erklären? Warum lehnt die heutige Jugend die alten Ideale der Demokratie und Frecheit ab? Ein wesentlicher Grund liegt ohne Zweifel in der trostlosen wirtschaftlichen und weltanschaulichen Lage, in der sich der jugendliche Dckusch heute befindet; aber auch in der Auflehnung gegen einen gewissen OpLimrsnrus, der in der Vorkriegszeit in den Schulen gelehrt und durch die bitteren Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit vor allcun in der junger^ Generation Zutiefst erschüttert wurde. Man wurde mißtrauisch gegen die alte Anschauung und ihre Grundlagen. DK Politischen Bewegungen derstanden diese Stimmung der Jugend geschickt aus-. Zunützen, und auch die Wissenschaft kmn der Haltung der Jugendlichen entgegen. Zahlreiche Diese Ausgabe enthält die Beilage GV.-©rp.a" mit Beiträgen:.Zur Berufswahl, Sc \Cj der rr^yert u. a, m.

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