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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. Seite 53

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
Seite 53 (sequence 1)
Language
German
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'S s erlin, 12.§ebruac 1dZ2 XI. Jahrgang * Nr. 7 EiNZsLnrrmMSr 20 pfrrr«L§ , X^X I ""■? -> ' J v y ■o’ «■ v j -7 <i *> \. y ■v?. J ‘V ,’’#5 V ^WKLM^MS! LLM LANLsKSÄK ^Utzsrnsins ^situnZ cjss IuclsnturnZ j*y VrsrtrliQh r Sabon rr sm 2 n t 2.25 Sri,*. (zuzügl. AefteU^eLÄ). Verlag und Lchriftleitung: Berlin ^'15, Emser Str. 42. Fernsprecher: ll2 Oliva 5074. .:. Postscheckkonto: Berlin 8M 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Depositenkaffs H2, Berlin-Wi l in e rs d o r f 1, Hodcnzollernd-nmm Illtz, und von GolLlü-rnid: - NoUnckild <L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzsigenannahme: Annoncen.Erpeüiuon Rudolf Lllossr, Berlin 8w 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0^0 &JL fllr dir 7gesv2l^nr Zeile nach Rudolf Mosses Norrnalzeilenrneffer Nr. 4, Farnilienanzeigen. und EteLengesuchr (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralorrsins 6,45 #Uf., dir 62 mm breite Reklamezeilr 3,50 JtJL 9 \ nf f\ ' ' d N y a a.a a„ J )! ' ‘ ., ■y ■ : 3' : ' : 5 §' I r f . -/ : :! I f ■; | ‘; ’ 5 i U 9 s e\ jr*\ s *1* ** 9 t v\/\ A A; \ ,<a -Ar st * i > A ". ' A /y a aa a a fa a,-A Aa A rA a;\ /! ' * ■ i ili/,, ri f I \ $ \:: { H;! U ■ i ■ 3 A 1;! :I : \ '! ’ t M!; U{ N ‘A # I •h; y y y y v v;y v -y* y»/ v v -- V v y v y y v y y y L fTf \ -A A \0?yy y v Der Reichsmimfter des Innern, Gro euer, hat dieser Tage die Vorsitzenden des Centraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Jrrstizrat Dr. Vrodnitz mü> Rechtsanwalt Dr. Weil, den Syndikus Dr. Wiener, sowie den Vorsitzenden der Reichsarbeitsgemeinschaft der Landesverbände jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat Wolfs, den Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Loewenstein, und den Staatssekretär Professor Dr. Hirsch zu einer Unterredung empfangen. Die Herren trugen derp Minister Proben der maßlosen nationalsozialistischen Agitation gegen den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung vor, wiesen aus die hierdurch erzeugte Unruhe hin und machten besonders auf die durch die Duldung einer zügellosen Agitation gegen eine religiöse Minderheit entstehenden Folgen für Ruhe und Sicherheit im Innern und für das deutsche Ansehen nach außen aufmerksam. Die Erschienenen gewannen aus den ausführlichen Darlegungen des Ministers die Ueberzeugung, daß die Reichsregierung die Angriffe gegen die jüdische Religionsgemeinschaft und ihre Bekenner scharf mißbilligt und fest entschlossen ist, die verfassungsmäßigen Rechte aller deutschen Staatsbürger mit äußerster Entschiedenheit und mit Einsetzung aller Machtmittel zu schützen. Der judenfeindliche Terror gegen friedliche Bürger in Deutschland ist allmählich unerträglich geworden. Bereits ant 16. Januar wurde in drei großen Berliner Kundgebungen des Centralvereins eure tags darang vom Hauptvorstand bestäugte^ Entschließung angenonnnen, in der aus das nichts mehr Zu überbietende Maß der Bezchnnpsnngen 'bingewieien wurde, dern die deutschon Juden ausgeseirt sind. Dw gerecht Denkenden aller Glaubensbekennrmsse, dre sür die politischen Gezchehmsse int deutschen Vaterland Verantwortlrcherp r:nd die Fuhrnrng der Nation wurden aupAzorderh die deutschen Juden in dent Darups ums Recht, der gleichzeitig ein Raums für das deutsche Ansehen irr der Welt sei, Zu unterstützen. Bis Code 1631 war die Zahl der F r i e dp o s s s ch ä n d u n g e n an 110 herangekounnen. Nachweislich gehörte ein erhevltcher Teil der wenigen ergriffenen Täter der rechtsradikalen Bewegung an. CelvaliLätigleiten gegen Jllden waren in ^tadt und rand irichts llnaewöh-lliches Mehr. Bald drangen NationalsoZialisten in die Wohnung eines jüdischen Bürgers ein, demolierten die Wohnung vollständig und bedrohten die Bewohner, bald lockten Nationalsozialisten Söhne raues jüdischeii DtiLLelstandsuiannes aus dem Hause und schlllgen die Ahnungslosen aus ein Kommando f)hi mit Stöcken und Schlagriemen blutig. Solche Vorgänge ereigneten sich in R h e i n! a n d und W e ft f a l e n mrd wiederholten sich in Ostpreußen. Dort wurde ein jüdischer Kaufmann, der seine Frau von der Bahn abholen wollte, von Nationalsozialisten so schwer mißhandelt, daß er Schulter- und Arnrbrüche davontrug. In Würzb u r g kam es anläßlich eines Castspiels des Moskauer Jüdischen Theaters „-Ha- Lima" Zu schweren pogromartigen Skandalszenen vor dem Theater, und nn Historischen Museum in Düsseldorf wurde die Heine-Büste von Bubenhänden mit Hakenkreuzen bestldelt, so daß eine Erneuerung der Büste notwendig wurde. Ein Vorgang, der sich in der Naäst zum 5. August 1631 abspielte, beleuchtet blitzartig die Situation. In Witzenhausen überfielen Schüler der Kolonialschule das Lager des jungjüdischen Wanderöundes auf der Burg Ludwigstein und schlugen mit Zaunlatten und Baumästen auf die überraschten Jungwanderer ein. Die Ueberfallenen trugen Verletzungen davon. Einem der Hakenkreuzler wurde bei der Festnahme ein geladener Revolver abgenommen. Daß der wütende Terror dazu führte, daß Juden besonders auf dem Lande, wo sie und ihre Eltern, ja ihre Kroßeltern, ein ruhiges und arbeitsames Leben geführt hatten, ihre Wohnungen fast fluchtartig verladen mußten, zeigt ein Beispiel aus einer mecklenburgischen Stadt, beweist aber auch besonders augenfällig ein Rettimgsschrei, der aus Mitteldeutschland zum C. D. drang. In einem Städtchen Mittelfrankens wurde ein 22jähriger jüdischer Viehhändler t von einem Nationalsozialisten ohne jeden Gnrnd mit der Stahlrute derartig über Kopf und Gesicht geschlagen, daß er sich blutüberströmt durck) Flucht zu retten suchte. Er wurde von dem Rowdy eingeholt und konnte sich nur mit Mühe und Not in das Haus eines anderen jüdischen Bürgers retten; so entging er der Gefahr, erschlagen zu werden. In demselben Ort wurde ein 13jähriger Realschüler von zehn Nazischberfallen und schwer mißhandelt. Selbst jüdische Frauen von mehr als 70 Jahren werden auf der Straße angepöbelt, und zwar von 15- bis 20jährigen "Jungend, die sich nicht M? 113. S/l: Ern Grabstein auf hctn israelitischen Friedhof in Gleidingen (Kreis Hildesheim) wurde Zur NachLZeit von seinem Platz entfernt rrnd aus einen Feldweg geschleppt. In den Gedenkstein sind auf der einen Seite ein Hakenkreuz und darunter die Namen zweier Glcröiugcr NaLianalsoZraUstcn r;ud aus der anderen Seite ein Sowjetstern ciugcrncißelt worven. Aus die Ergreifung der Täter ist eine BcLohrtung arrogesetzi worden.

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