Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 3 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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2ö sie und dabei sehr gewachsene Natur. Das schönste dieser Bilder ist vielleicht der Totenschädel, vor dem ein Paar rote Nellen liegen, wie vergessen. Das Bild könnte von Lerbl sein, so stark ist sein Ausbau. Sehr h<rt Urh daZ alte Testament geliebt. Es gibt erne Reihe Bilder von ihm, die ganz auf Indischen Gefühlen beruhen. Er hat diese Bilder sehr geliebt, einige von ihnen sind gleichfalls in der Ausstellung. Sie sind sehr eindringlich empfunden und sehr bekenntnishast, als Visionen groß und vom letzten Ernst. Aber es scheint, daß die Form hier nicht immer so stark nachkam, wie wennsie vor Augen stand. -Ein besonders schöner Raum der Ausstellung ist das Mittelkabinett. An seinen Wänden hängen die Selbstbildnisse, und wie eine letzte Huldigung hat die Ausstellungsleitung besonders sä)öne Blumenbildec zwischen sie gehängt. Diese Reihe ist wahrhaft erschütternd. Sie beginnt 1331 mit zwei Bildern, die einen sehr gepflegten, sogar etwas eitlen jungen Menschen darstellen und wird immer ernster; das Gesicht wird immer zerfurchter, die Augen immer müder. Zuletzt bleibt der Blick eines Enttäuschten, der nur seiner selbst gewiß ist. Es ist bezeichnend, daß Lester Ury so wenig Bildniste gemalt hat. Er war wirklich menschenscheu geworden. Und er hat doch die Welt um sich so sehr geliebt. Lrnsl Cohn-Wiener. Deutsch-jüdische Jugend In Barnberg. Mit einer ganz ausgezeichnet durchgesührten Freitagabendfeier in den Räumen der Gesellschaft Ressource 1x31 sich die Deutsch-jüdische Jugend Bambergs kürzlich eingeführt und ihre Existenzberechtigung in einer Weise gezeigt, daß dischönsten Hoffnungen an diese ersichtlich kraftvoll vorwärtsstrebende Zugendöewegung geknüpft werden dürfen. Nicht nur eine zahlreiche Schar von jungen Menschen, sondern auch viele Ehrengäste und Freunde dos Erstarkens der jüdischen Jugend in der Gedankenwelt'der Synthese von deutsch und jüdisch konnte der einberusende Vorsitzende, Referendar Aron, begrüßen. Ter Vorsitzende der Ortsgruppe des C. D., Tr. Michael Wassermann, beleuchtete die Bedeutung des Freitagabends nach seiner religiösen und ethischen Seite. Rabbiner Tr. Katten wies in einer von innerer Ergrifsenheit getragenen Rede auf den Kampf hin, den gerade die jüdische Jugend in der jetzigen Zeit zu bestehen habe, und Altrabbiner Tr. Eckstein baute seine Ausführungen aus die Worte „Deutsch. Jüdisch, Jugend" auf. Aehnliche Freitagsabendseicrn sollen in angemestenen Avischenraumen wiederholt werden. Sind die Juden Semiten? Im Rahmen der Montagsvorlesungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sprach Tr. Ludwig Ferdinand Clauß über das Thema „Sind die Juden Semiten?" Ter Vortragende stellte zuerst fest, daß „semitisch" nur ein Kulturbegrifs sei und keine Rassenbezeichnung. Man kann von der Psychoanihropologie, die den Ausdruck der Seele und des Leibes betrachtet, an die Frage Herangehen. Hier unterscheidet inan Stilthpen, deren Kern immer gleich bleibt, die aber durch äußere Einflüsse verändert werden können. Im semitischen Typ sind nur zwei Grundrichtungen vorhanden: der wüstenländische oder Berufung-- und Ofsenbarungsryp und der vorderasiatische oder Erlösungstyp, die mehr durchgeistigte Richtung. — Tie Juden gehören nur zum Teil dem semitischen Typ an: die zweite Grundform ist bei diesen dann meist vorherrschend. Eine allgemeine Lösung ist aber nickt zu finden. — Au eigenen Aufnahmen erläuterte der Vortragende seine Worte. F. Ar. Zum Coöe Julius Rsfrnrsalös Mit dem kürzlich in Chicago verstorbenen Großkaufmann Julius Nosenwald ist ein großer jüdischer Wohltäter dahingegaugen, der in gleicher Weise in jüdischen und nichchüdischen amerikanischen und nichtcuncrikanischon Kreisen eine selten rege und segensreiche soziale Wirksamkeit entfaltet hat. Wir haben die Persönlichkeit dieses weit über die .Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannten und verehrten Phüanthrovcn anläßlich seines letzten Geburtstages iw. Aug:st v. I. cm dieser Stelle gewürdigt. Erinnert sei nocknm.s insbesondere an feine zur Errichtung einer st; ul klinik der Stadt Berlin bestimmte 3tii(r;U' i.n 1 Million Dollars, an seine unzäb'i." r ß- Zügigen Stillungen für kulturelle, wirst' und soziale Zwecke aller Art in Amer..a u::d! Rabbiner Dr. Raphael Breuer s. A. Jäh und unerwartet wurde am vergangenen Samstag nach kurzer Krankheit Bezirksrabbiner Dr. Raphael Breuer (Aschafscnburg) im Alter von 51 Jahren seiner Gemeinde und der großen, weit über seinen engeren Amtsbezirk hinausreichenden Zahl seiner Verehrer und Freunde entrissen. Rabbiner Tr. Raphael Breuer wahrte in Lehre und Leben die großen Traditionen seines Großvaters Rabbiner Samson Raphael Hirsch und seines Vaters Rabbiner Tr. Salomon Breuer s. A., Frankfurt am Main. Was aber seiner Persönlichkeit ein ganz besonderes Gepräge verlieh, ist die Tatsache, daß er wie wenig andere als wahrhaft genialer Mensch von tiefem allgemeinen und hervorragendem jüdischen Wisten, als glänzender Kanzelredner und als grundgütiger, hilfsbereiter Mensch es verstand, diese außerordentlichen Fähigkeiten in den Dienst des Judentums zu stellen, daß nicht nur unabhängig von ihrer religiösen Einstellung die Mitglieder seiner Gemeinde, sondern auch die nichtjüdische Welt, die irgendwie mit ihm in Berührung kam, durch ihn von Hochachtung und Anerkennung für das von ihm vertretene Judentum erfüllt wurde. So wie er im Jahre 1928 (Rr. 21) es in einem seiner Artikel in unseren E. V. - Blättern zum Ausdruck brachte, daß gerade die Orthodoxie dazu berufen sei, iin Äbwehrkampf sich mit allen Kräften zu betätigen, hat er selber es in vorbildlicher Weise getan. In seltenem Maße wurden ihm nicht nur die Sympathien derjenigen jüdischen Mitglieder seiner Gemeinde zuteil, deren Weltanschauung erne andere als die seine war, auch die nichtjüdische Welt tonnte sich dem Schwünge seines Geistes, der Hoheit seines Charakters und dem Zauber seiner Persönlichkeit nicht entziehen. In seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des C. D. in Aschassenburg hatte er noch in den letzten Tagen in der Presse auf nationalsozialistische Angriffe reagiert, und noch am vergangenen Sonntag,' als bereits der sonst - so beredte Mund verstummt und der Hand, die den Artikel geschrieben, die Feder entfallen war, hatte ein Pfarrer (der von dem inzwischen erfolgten Heimgang noch keine Kunde hatte), in dem Orte Obernau in der'Rühe Aschafftnburgs, von der Kanzel herab sich gegen die nationalsozialistische judenfeindliche Kampagne gewandt und mit Bezugnahme auf den Artikel von Rabbiner Tr. Breuer seine Gemeinde aufgefordert. zu beten, daß dieser Rabbiner Tr. Breuer m i t w e i t e r e m Leben linb Kraft zur A b w ehr gegen die A u g r i f fe auf seine Glaubensgemeinschaft begnadet werde . . . Ungemein charakteristisch ist auch der Nachruf. den die „Aschaffenburger Zeitung" dem Heimgegangenen widmet. Sie schreibt darin u. a." „Ter jähe Verlust dieses Mannes trifft die Israelitische KultuSgemeinde in Aschasienüurg und des Distriktes ungeheuer schmerzlich in einer Zeit: allgemeiner seelischer Not, furchtbar schwer in einer Zeit, in der das Judentum von inneren und äußeren Gefahren schwer bedroht ist . . . Es ist ein Äbwehrkampf, in dem sich heute die deutsche Judenheit befindet, ein Kampf, der mit geistigen Waffen, mit dem Rüstzeug des Wissens und des Charakters ausgesuchten werden muß. ' Zu einem solchen Abwehrkamps braucht man Männer wie Dr. Breuer, Männer, die durch den tiefen Ernst ihres Wissens, durch ihren untadeligen Charakter, durch ihren lauteren Lebens- : Wandel auch dem schärfsten Gegner Achtung und ' Ehrerbietung abnötigen ... i Das gute Beispiel einer ehrbaren Lebens- ' führung, das Beispiel vornehmer Gesinnung und : männlicher sagenden war es, womit Tr. Breuer auch Andersdenkende, Andersgesinnte, ja auch Gegner des Judentums davon überzeugte, daß es; nicht auf die Konfession und auch nicht aus den Stammbaum aukommt. sondern daraus, was der Mensch wert ist. Dr. Breuer hat auch den widerstrebenden Gegner, sofern er nur für die Reinheit des Denkens und Handelns Verständnis hatte, das Zugeständnis abgerungen, daß der gute Mensch mit vornehmer Denkungsart und i Mitgefühl für die Not der Allgemeinheit ebenso : vaterländisch gesinnt sein kann wie jemand, der ' imstande wäre, die absolute völkische Reinheit, seines Blutes zu beweisen. Tr. Breuer hat durch ' die Tat überzeugt. Alle, die ihn kannten, ob Freund oder Gegner, konnten an dem edlen Eharalter dieses Mannes und an seiner geistigen Größe nicht achtlos vorübergehen, und dursten/ wenn sie selbst ehrlich waren, diesem Ehrenmanne, vom Scheitel bis zur Sohle den schuldigen Respekt nicht versagen. Gerade deshalb war der- Lebensgang dieses Mannes eine Tat, durch die er für seines Glaubensgenossen in Aschasfenburg gewirkt hat ... -j Sein Glaube war nicht unser Glaube, aber ' unser Gott ist auch sein Gott. Möge ihn unser Gott in Frieden ruhen lasten!" - s Tie Verehrung, welche Rabbiner Dr. Ra-; phael Breuer s. A. von allen, die ihn gekannt hatten, gezollt wurde, fand ihren Ausdruck in einer selten imposanten Beisetzungsfeier. Bei der Trauerfeier in der Synagoge Aschasfenburg wurde namens des Hauptvorstandes des E. V. durch den Mund des Gemeindevorsitzenden Dipl.- * Ing. Freund die Gefühle der Teilnahme in' wärmster Form zürn Ausdruck gebracht. Unter den Trauergästen wurde der E. D. durch den Syndikus Tr. M a r r (Frankfurt) vertreten. In Vertretung der nichtjüdischen Bevölkerung Aschafsenburgs bekundete Oberbürgermeister Tr. M a tz u e r "außerordentlich tief empfundene Worte der Verbundenheit der nichtjüdischen und jüdischen Bevölkerung in der Trauer über die schwere Lücke, die der Tod geschlagen. Das Andenken des Rabbiners Tr. Raphael Breuer s. A. wird im E. V. in Verehrung und; Dankbarkeit hochgehalten werden. ' E. Europa, sticht vergessen sei aber auch Rvsenwalds langjährige führende Mitarbeit im American Jewi^h Committee und im Joint Distribution Committee. Als ein Verfechter der Idee, daß den Juden, nur in ihren Heimatländern geholfen werden kann, ist er seinerzeit der von Louis M a r - s h a l l und Felix M. W crlutro geschaffenen erweiteren Jcwish Agency nickt beigetreten. Ein beredtes Anzeichen dafür, welchen Ansehens sich Julius Rosenwald in Amerika und Europa erfreute. ist darin zu erblicken, daß sich unter den vielen Leileidslundgebungen auch solche de? Reichskanzlers Tr. ^Brüning und de? Präsidenten der Bereinigten Staaten, Herbert H o o v e r, befanden. Rkitie Chronik Hermann Treidel, Mayen, Wird am 19. Januar in voller geistiger und körperlicher Frische 89 Jahre alt. — Den. CO. Eebnrtsiug feierte kürzlich der verseife Bo rächen, de der Orte gruppe ^.ch.mstusturt dep r B. Lndmig Mohren rei st. —. Felir Adler, Werne, murM vor ku./e.u 1 J Ja' r. alt u..d feierte gleis' ntig sein Mst 7-me - Das eisrM Mitglicd dev Om. r: rüm'-'i.'. d : C. B. Benno M u r - Ins »e °"'t 0"\ 1 ' Im er> ,*>, mcourCiUm. — Der ,.i C../.. .si.grer um, 'rer Ortsgrrxp? Enden, Martin Stern, feiert am 16. Januar seinen 60. Geburtstag.—Unser verehrter Mitarbeiter Msttelschullehrer Dr. H. Stern, Mitglied des Hauptvorstandes des Centraloereins, wurde kürzlich zum Rc'tor der jüdischen Mittelschule für Knaben und Mädchen in Berlin ernannt. — In Natibor wurde Adolf P i n k u s für seine Verdienste im Kriegerverein mit dein Lnrcnkrcuz 1l. Klasse ausgezeichnet. — Josef Me Lh, Nürnberg, steht seit vielen Jahren i:n aktiven Dienst der frciWilligerr Sanitätskolonne und bekam, in Anerkennung seiner Verdienste die Aus;? ich:m ngsbor te mit einer vom Negiornngopräsiden- Leu Unterzeichneten Urkunde. Wir gratulieren unseren rcunden herzlichst. — Das unierfränrische Städtchen o f h e l nt zählt insgesamt^ 1163 Einwohner, davon sind 4.1 Juden. In diesem Städtchen wurde vor kurzem das Kriegerdenkmal -cntchüüt, auf dam die Namen von 23 gefallenen und 5 vermissten Hosheimer Bürgern verzeichnet sind. Unter diesen 28 Namen definden sich sechs jüdische. — Am Gefallenen- Gedenk lag beschlog der Gtaotrat in Neustadt c. Ai sch mit Mehrheit, am Nothaus eine Hakenkreuzfahne aufzuzichen. Diese Cr es ch m a ä! o si gk ei t ist um so schärfer zu. verurteilen, als die Vrozent-ahl der sttdist-sten Lwiegsgefallenen in Neustadt <r. st.isch bel'nders hoch ist. Während nämlich die Zahl der 1.:\ ch'allcncn Der: insgesamt nur Prozent der Ber bllerui.g ansr..all'.t. beklagt die jüdische Oerneinde deu. auiergcmohniich rohen Anteil von 12 Prozent.