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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-08 · 2 (8.1.1932) · p. Seite 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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Seelr», S, Januar 1952 XI. Jahrgang ♦ Ar» % LivZrlnllMlNrr 2S Pfennig •1 ,1 b J 'T f r'^3 ADA")st : -yy> - :• : ' v r.-v- - > ^^v.y^ v»....... * j? £ jwVV-i l'j^.StO >A r-M\ sä; / •‘■V „ „ *y *.S a -V Ü ir:’i'r»,'.",.)2-r;'^ >• s> •fs, V v .'V 's/ «*.-■ » s/ ' Allgemeine Zeifung desJudentums SI e?t 2?kabr >3 2 b 2 n rr 2 :r. rnt L.L2 Slwl* (P3-2I. Lrstrllci^ld). Verlag und SchrifLlsitunZ: Berlin W15, Emser Str.42. Fsrnsp-ccher: J 2 Oliva 5074. .:. Ponscheckkrnto: Berlin 504 72. .:. San??or.io: Dresdner Barrl, Dspssilenkcffs H2, __ . . _ Berlrn.<dilnrersüorf 1, Hodenzollerndamm 1L0, und von Goloianridt > Rothschild L Co., Berlin Y^8. ALemrgs Anzerg-nannahnre: Annonern.Crpedition Rudolf r?.of-e, Berlin SW ICO, und deren Filialen. Z\mh~crJ?ni}t: 0,CO ML für die T^'pnltene Zeile nach Rudolf BloueL ^.ormal-erwmr.rurr Rr. 4, Fannlieuanznoen und Elellenoesuche (nicht SteNenangrdote) für Bcirglicdn: des CLntralvereins 0,45 SUil, dis G^inm bziiii SUn-arra’aiUe S,:o JU‘U Küch Ksm S. nT;?}Ci? poRiischee Ausölick von Dr. Alfred Hrrschtrrg Der Burgfrieden endete sormgemaß mit d^m 3. Januar. Wir wissen nicht, wie groß die Zahl derer ist, die mit ihm unzufrieden waren. Der allgemeine Eindruck ist, daß nur diejenigen über das Ende erfreut sind, für die Politikgleichbedeutend mit Ausschreitung ist, und die deswegen glauben, bedeutende Politiker zu sein, weil sie die umfangreichsten Ausschreitungen rednerisch, publizistisch und handgreiflich zu inszenieren imstande sind. Da aber in der politischen Auseinandersetzung der böse Wille von wenigen nach außen hin wirkungsvoller zu sein pflegt' als der gute Mlle von vielen,, müssen wir uns damit abfinden, daß der Burgfrieden nunmehr auch tatsächlich Zum Abschluß gekommen ist. Eine Anzahl von Kundgebungen, die aus Anlaß des Jahreswechsels von holzen und hochstrebenden Persönlichkeiten an die Allgemeinheit gerichtet wurden, hat die Fronten und die Ziele klarer gemacht, zwischen denen und Zu denen hin sich der Machtkampf abfpielen wird. Ter ReichZPräsident hat „ganz Deutschland zu gleicher treuer schicksalverbundener Einigkeit' aufaerufen, und bei der Bedeutung, dieses Mannes, den Leistung, Lebensalter und Gesinnung für zahllose Deutsche außerhalb der politischen Kampffront stellen, ist zu erwarten, daß diese Worte, dem Aether anvertraut, nicht in den Wind gesprochen wurden. Neben ihm hat Minister Gr 0 ener, der Mann, der als I n - nenminister die Weimarer Verfasiung zu Nationalsozialisten auf der Flucht festgenommen ‘ Auf dem alten jüdischen Friedhof in der Rentzelstraße in Hamburg wurde in der Nacht vom 4. zum 0. Januar eine schwere Grabschändung verübt. Sechs Grabsteine von Kirrdergraöern 'wurden herabgeworfen, drei groste GranrLsteine und zwei grotze Sandsteine wurden rrnt,.Gewalt umgesiürzt, so daß sie das eiserne Gitter zerdrückt haben.. Ein Ordnungs- Polizist tonnte die beiden Täter, den 27jähriaen erwerbslosen, vielfach vorbestraften Ludwig" Krausdörfer, Mitglied der NSDAP., und den 25jahrigen gleichfalls erwarbslosen Franz von Jordan, Sohn eines Oberregllrungsraics in Berlin, sestnehmen. als sie nach der Tat die Mauer überstiegen. Von Jordan gibt an, mit den S^ai tonals0zialisten Zu s y m p a t h i s i ererr. In dem Versah reu vor dun 'Sch mll Achter am 6. Jauner wurde '^raa'. 'Grser zu 0 -Junten, reu Jordan Zu 6 Monaten Gefängnis ohne Bewährungsfrist verurteilt. Beide wurden rn Hast behalten. Auf diesem so geschändeten Friedhof liegt der unvergessene Vorkämpfer der jüdischen Emanzipation, Gabriel Rießer, begraben. Von den umgestürzten Grabsteinen trägt einer den Namen von Dr. Daniel Herz, einem früheren Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft; auch der Stein des Lohnes des verstorbenen Tempelrabbiners Dr. Salomon siel den UeücUüiern zum Opfer. L -. schützen und als Wehrminister diesen Schutz zu stellen hat, das „Dritte Reich' als „romantischen Traum' gekennzeichnet, vor Illusionen gewarnt, Verfasiung und Gesetz als einzigen Weg gewiesen, aus dem ein gestaltendes Eingreifen in die Geschichte des deutschen Volkes möglich sei und als Voraussetzung die uneingeschränkte Anerkennung der AutoStät des Staates gefordert. Der bayerische Ministerpräsident Hel) erklärte, daß man sich abwende „von einem innerpolitischen Macht- und Beherrschungswillen, der sich vielfach in Formen Zur Geltung zu bringen versucht, dir weder menschlich noch christlich sind', und Vizekanzler Dietrich sprach auf seiner Stuttgarter Rede aus: „Das Ueberlaufen eines großen Teiles des Bürgertums zum Nationalsozialismus ist ein Zeichen der schlimmsten geistigen Verwirrung. Mit dem Geschrei: Es muß anders werden! ist nichts anzusangen - Vergleicht man mit der ruhigen Sachlichkeit dieser.Bekundungen reiner Gesinnung und sittlichen Wollens die Verlautbarungen derer, gegen die sie sich ausgesprochen und unausgesprochen wenden, so entsteht das Gefühl einer starken Peinlichkeit gegenüber der Maßlosigkeit, dem überhitzten Pathos, der Cüsarenhasrigkeit in den Erlaffen Hitlers, Rosenbergs, Goebbels — um die maßgebenden Führer zu nennen. Hitler erklärt in seinem Neujahrscrlaß im „Völkischen Beobachter' Demokratie und Zentrum „aus innerer Wesensverbundenheit heraus' zu „fluchbeladenen Helfershelfern des Bolschewismus', desien Sieg das Ende der Religionen bedeuten müsse, und verkündet, daß die Welt — auf Grund der Ereignisie, die er ins Nöllen gebracht — einer Entscheidung entgegensetze, „d i e sich in Jahrtausenden oft nur einmal vollzieht'. Er verheißt: „Der Allmächtige selb st schafft durch seinen gnädigen Willen die Voraussetzung zur Rettungunseres Volkes.' Erreichen will Hitler sein Ziel auf dem Wege, den „das Gesetz genehmigt' und „mein Gewisien und meine Einsicht vorschreiben'. — Es wird einer späteren Auslegung Vorbehalten bleiben, sestzustellen, ob das „und' zwischen Gesetz und Einsicht und Gewisien diese verschiedenartigen Begriffe miteinander verbinden, oder das eine ohne das andere gelten lassen soll. Alfred Rosen berg spricht „von der schleichenden Falschheit des im Zentrum verkörperten politischen Falschspiels', und Goebbels, der 1932 als Jahr unseres Sieges sieht — ein anderes Blatt nennt 1932 vieler glücklicher Vorzeichen' wegen „I a h r H i t l e r'—, kündigt an, daß, ..wenn die Schleusen der öffentlichen Agitation wieder geöffnet werden, die

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