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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. Seite 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 6 (sequence 9)
Language
German
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6 Neue §LHs§ Lörr Lsösrchrs «KZ vssgshrndss &an$ Äohrr: L’humanisnie iiiif. Quinze essais sur le juifr 1ö monde ct Dieu. L63 editions Rieder, Pari?. ' °sn fünfzehn gut stilisierten Aussätzen erforscht der^Derfasser das Wcken des modernen Judentums, das nach seiner Au^avung — durch zwei Erscheinungen bestimmt wir), die geheimnisvolle chassidische Lehre und den auf dem Boden der Wirklichkeit wurzelnden Rationalismus; denn' diese beiden grundverschiedenen Strömungen verlangen — im Gegensatz Zur rabbini'ch-scholastischen Gelehrsamkeit — die Freiheit des Individuums und betonen die Bedeutung der Gegenwart und ihrer Forderungen. Im ersten Lei! seiner Ausführungen setzt sich Kohn mit dem „jucka^one Occidental" auseinander. Nach einer Charakteristik Heinrich Heines Zeigt er den Ursprung des zeitgenössischen französischen Judentums. Tie dem Ghetto Entronnenen schüttelten die ehrwürdige Ueberlieserung ab und erstrebten eine neue Lebensstrin. was sich schon in den Arbeiten junger fran'ösischer Dickster des 19. Jahrhunderts ausprägt. Ten Abschluß dieser Epoche, die mit der Revolution von 1759 cinsetzte, bildete die Astäre Trehsuß, die das jüdische Gewissen wachries. ,Bezeichnend dafür erscheint Kohn das Schassen des früh vollendeten Henri Franck. Als Prototyp des modernen Juden, der französische Verstandesschärfe mit orientalischer Innigkeit verbindet, lernen wir Andre Spire kennen. Kohn nennt den nächsten Abschnitt seines Buches: „Auf der Suche nach einem jüdischen Menschentum/ Hier schildert er unter anderen I 3 h a l Leb P ere tz, den Sänger des Chassidismus, dem die Masie als solche göttlich erscheint, und der kein naiv Gläubiger ist, sondern Skeptiker nud Mystiker zugleich. Ter letzte Teil der Abhandlung behandelt ausschließlich Probleme des Nationalismus und beleuchtet seine Repräsentanten, zunächst Moses Heß. Kohn vertieft sich auch in die Ecdankengänge Achad H a a m s, der dem Wirken des Juden der Diaspora neue Jmpullr gab, und Aron D. Eordons, der die Freiheit jedes einzelnen erstrebt Zum Zweck der Befreiung aller. - Das geistvolle Buch zeugt dom vielseitigen Wissen seines Versagers sowohl was literarischem, historischem wie auf Philosoph'? chem Gebiet, was zum Beispiel der Aufsatz über jüdische Moral" im Anschluß an B r o d s „Rcuöcni" beweist. Es wird deutsche Leser besonders interessieren, wie verständnisvoll der sranzösisckze ^triftfteller Hans Kobn den Wert des Philo-Derlages und des „Morgen" erfaßt. Leider betrachtet er aber die jüdische Frage einseitig vom zionistischen Standpunkt aus und vermag daher keine nur annähernd befriedigende Lösung des Problems anzudeuten. Gertrud Lichtenberg (Hannover). I. Gonlven: -JLes Mellalis de Rabat- Sale“ Pani Genther, Paris. Das talmudisch-ravbinische Judentum in seiner klassischen, vom Mittelalter überkommenen Gestalt geht langsam, aber unrettbar dem Untergangs entgegen. Man hat sich darum in gelehrten Kreisen, solange es noch Zeit ist, darangemacht, von dieser besonderen Offenbarung eines eigenartigen Menschentums zu sammeln und festzuhalten, was immer sich literarisch fcstbalten läßt. In den Kreis dieser Sammler tritt auch der Franzose I. E o u 11> c n mit seinem Buche: „L c s M e 11 a h s de Rabat-Sale.“ Tu? innerhalb der Ccsamtbevölterung zahlenmäßig ziemlich starke marokkanische Judemum hat bis in die jüngste Zeit hinein den. Essarakter des Ghetto (Mellah) bewahrt. Erst die Errichtung des französischen Protektorates im Mär; 1912 ließ den Wind der Emanzipation immer stärker und stärker auch in die trostlosen Judenvier! e! Marokkos hinrinblastn. Ilnd heute stehen sich bereits in der europäisierten Jugend und in der der Tradition treu gebliebenen älteren _Generation zwei Welten gegenüber. Gou!- ven läßt seine Ocker aut Grund jahrelanger Ermittlungen an und Siebe, die freilich von der mißtrauischen Zurückhaltung der Juden erschwert wurden, nur in die jüdichen Verhältnisse der Doppelstadt Rabat-Sale blicken, die, im Norden des Landes an der Ailantichen Küste zu beiden Seiten der Mündung des Bu Regreg gelegen, in jedem Stadtteil ein sisillüan birgt. Indessen will dicke - enge Beschränkung auf einen Teil in diesem Falle deshalb wenig besagen, weil die Tinge an ArckHllu Lochchn r'o.22 G-e-ä'chL und rote Hände. Ein probates Mssttel: Creme Leodor. Versuchen Cie es mit einer Tube zu 60 Pst 0 ts f) m Dann Dr.Fromms avks NäbrmiUsI. prsisducb frei! Niederlagen werden gern unverbindlich nachgewiesen anderen Stellen Marokkos kaum ein anderes Gesicht Zeigen. Goulven weiß von jüdichcn Tiugen im allgemeinen offenbar nicht viel. Wenn daher sein Buch auch keine zuverlässige Quelle für Einzelheiten darstellt, so hat er, ausss Ganze gesehen, Menschen und Dinge doch gut beobachtet und schildert das Gesehene mit ansprechender Anschaulichkeit von feinem Standpunkt aus, der ihn das Versinken des Alten und dessen Ersatz durch die französische Kultur als einen Segen empfinden läßt, ohne ihm jedoch zu verbergen, daß mit dem Alten auch manches Wertvolle dahinschwindet, woraus das Judentum seelische .Kräfte zur Sicherung seines Bestandes zog. Wer Freude an der Kulturgeschichte des Judentums hat. lese das Buch. L. Steinfeld (Paris). Em friss dBS ÄH3im lMÄ Wir haben bereits in der Nummer 50 der „E. V. -Zeitung' des 25jährigen Bestehens des American Jewish Committee am 6. Dezember 1631 gedacht. Nachträglich werden uns von amerikanischer Seite noch folgende Einzelheiten dazu mitgeteilt. Tie Geschichte des Committees bildet ein sehr interegantes Kapitel nicht nur für die amerikanischen Juden, sondern auch für die Juden in vielen anderen Teilen der Welt. Bald nach den beklagenswerten Judenverfolgungen in Rußland, die, wie alle vorhergehenden, mit gesteigerter Auswanderung nach Amerika, insbewnders den Vereinigten Staaten, endeten, taten sich 1606 führende Juden in Amerika zur Gründung des Corr.TLittees zusammen, um verfolgten Juden in allen Teilen der Welt vor Einschränkung ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte zu bewahren und ihnen im Falle drohender oder bereits eingetr-tener Nachteile hilfreiche Hand zu bieten. Unter den Gründern des Committee befanden sich u. a. der jetzige Vorsitzende, Tr. Eyrus Adler, der als Präsident des Dropsie College in Philadelphia und als Präsident des demisü Schule der Frauen. Donnerstag, den 7* Januar 1932, abends 8 Uhr, im Konferenzsaal des CV.-Büros, Emscr Strasse 42 EINFÜHRUNG: Direktor Dr,Ludwig Holländer: „Geist und Idee des CY.W Dr. Eva Ueicb mann-Jung mann2 „Der Judenhass und das Denken.45 Die Einführung von Gästen ist zu diesem ersten Vortrag gestattet. SdiriDiidie oder telephonische Anmeldung (Büro Landesverband Gross-Berlin des CV., V' 15, Emscr Strasse 42, Oliva 5074 — 5070; genügt. Theolo^ical Seminary in New Pork und als Mitorganisator der Jevrisli Agency großen Ruf genießt. ferner der bereits 1929 verstorbene New Porter Rechtsanwalt Louis M a r s h a l l _ sowie der bekannte Philanthrop Juli u s N 0 s e n fe l d , dem auch deutsche Institute, ohne Rücksicht aus religich'e Einstellung viel, zu verdanken!'allen. Im Weltkriege leitete das Committee ein großzü'bzes Hilsswerk für Juden, die unter den Ereig- N!'chu zu leiden hatten. Ihm war cs auch zu verdauten. daß nach dem Kriege eine w.ckrssck-chstreue, inn aus amtlichem Material beruhende ^tatissst der jüdi'chen Kriegsteiluolnuer Amerikas ausgestellt wurde; seitdem verstummte in den Vereinigten Staaten der Vorwurf, daß der Jude nicht, wie jeder andere Bürger seine Pflicht getan habe. Louis Mackchlls "Anteil an der Beratung der Minderbeitenrechtsfragen auf der Versailler Fricdenskonchrcnz ist von besonderer Vweutnng gewesen. Bedeutsam für alle Juden der Welt war es auch daß Henry Ford seine Verunglimpfung der Juden, dar er sich durch die Verbreitung der sogenannten Vre to-olle der Weisen von Zion in einer cussackmster Zeitung sämldig gemacht llatte dem Präsidont.n des Committcc3 gegenüber zurücknahm. Unter seiner Oberleitung steht das sich von Jahr Zu Jahr erweiternde Statistical Department, das Die Ermittlung zahlenmäßiger Angaben über die Juden in Amerika und anderen Erdteilen bezweckt. Tie Zahl der Mitglieder des CommstteeZ ist im Lause der Jahre, nachdem der lebenswichtige Zweck der Organisation erkannt war/ ständig gestiegen. Ter ' stellvertretende Gouverneur von New Wrk, Herbert H. Lehman, der Präsident des höchsten Gerichtshofs im Staate New Port, Benjamin N. Eardozo, ferner Felir Nt. Warburg und viele andere Prominente gehören zu seinen Mitgliedern. Dr. Rutt pariser gestorben Mit Tr. Kurt Pariser verliert der Centralverein eines der ätte’ten und verdienstvollsten Mitglieder. Kurz nach Begründung des Vereins trat er dem Verein bei und wurde, nachdem er in mehreren Versammlungen seine Begeisterung für unsere Sache und seine Gewandtheit in der Widerlegung der Angriffe unserer Gegner erwiesen hatte, in den Vorstand gewählt. Von besonderer Bedeutung wurde der Vortrag, den er im Oktober 1895 in einer öffentlichen Versammlung gehalten hat und dessen Thema „A ntisemitismus, Anarchismus" noch heute, und heute erst recht von aktuellster Bedeutung ist. Wie mit prophetischem Blicke legt er dar, wie der Antisemitismus zum Anarchismus führen müsse, und was er damals warnend prophezeite, ist jetzt erst recht seit den ^eptemberwahlen des vorigen Jahres und den folgenden Heldentaten der Nationalsozialisten über die Kreise unserer Glaubensgenossen hinaus von den poliuchen Parteien erkannt worden, daß nämlich, was scheinbar unser Kampf ist, in Wirklichkeit ein Kampf aller ruhigen und bürgerlichen Elemente gegen Anarchismus und Zügellosigkeit ist. Als ob das Vorheimer Programm ihm schon Vorgelegen hätte, zeigte er, wie der Antisemitismus alle bürgerliche Freiheit, nicht nur die der Juden, unterdrücken würde, wie jede Sicherheit von Besitz und Leben gleich von Juden und von Christen gefährdet sei. Es lohnt sich wohl, diesen Vortrag heute noch einmal zu lesen. Tr. Pariser hat stets durch seine eigene Begeisterung seine Zuhörer mit fortgerissen und dem Vst'rein viele Freunde und Anhänger gewonnen. Mit schmerzlichem Bedauern sahen wir ihn dann aus Berlin und aus unserer Vkitte scheiden; im Herzen aber ist er unserer Sache und den alten Freunden stets treu geblieben. Ehre seinem Andenken! Professor Dr. Julius Schneider. Rldne Chronik Am 27. Dezember wurde der Etadtrerordnete a. D. Siegmund Wronkom in. Iohannisburg, der Leiter und treue Mitarbeiter der Ortsgruppe des Central- Vereins, 70 Jahre alt. Dronkom, der zu den geachtetsten und angesehensten Bürgern der Stadt gehört, arbeitet in einer Reche von Vereinen und rvohltätigon Anstalten ehrenamtlich mit. Er wurde jetzt zum Ehrenvorsitzenden des Kanfmännischen Vereins ernannt. — Unser langjähriges Mitglied Adolf Schustermann, Berlin, der Senior des bekannten deutschen Adrenen- und Zeitungsausschnittewesens, feierte am. 23. Dezember seinen 70. Eeburtstag. Sein Betrieb kann am gleichen Tage auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Schuster, mann kam sei'.zerzeit als erster auf den Gedanken, dem Adreiienwesen durch Angliederung eines Zeitun.gsausschnittebürrs eine moderne Richtung zu gellen, und entwickelte so sein heute weit über Deutsch, land hinaus bekannt gewordenes Unternehmen. — Der verdiente frühere Vorsitzende des Landesver- Landes Grotz-Verlin, Otto I. Kraft, feierte am 25. Dezemdrr das Fest der ^'.'berhoch-eid. — Am 1. Januar d. I. feierte das langfährigr Mitglied des Central. Vereins Bruno Goldüeur, Cbarlottenburg, Ditzlebenstraßo 16, sein 25jähriges Jubiläum im Hause Julius Ieidel. Wir gratulieren auch an dieser CLelle her;. Uchst. — Am Ü8. Dezember veckchied im 79. Lebensjahre unser früheres Mitglied Moses S e l i g m ü n n aus Rosbach. Seine Frau, die über 56 Jahre an seiner Seite gelebt hatte, folgte ihrem Manne einen Tag später in den Tod. — In Grochow starb kürzlich im 70. Lebensjahre Johanrm G n t e r m a n n, die Gattin unseres treuen Freundes Paul Guterma-.in, früher Zielenzig Die Juden in der deutschen Kultur. Georg H e r - m a n n, der Autor des „Iettchert Gebert", spricht aus Veranlassung der Jüdischen G.-mein.de am 6. Ja« nuar d. I. um 11U Uhr in der Synagoge Berlin- Wilmersdorf, Prinzregentenstrasie 69/70,' 'über die „Juden in der deutschen Kultur'. Der Vortrag wird durch ntusikalische Darbieturrgen eines erftcit Solisten umrahmt. Eintritt frei. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Oilaubens e. V-, Berlin \V 35, Ern.fer Str. 42. Tel.» Adr.: „Centralglaullen Berlin", Postscheck: Berlin 501-72. Hauptschristleiter: Dr. Ludwig Holl ü u d e r. Verantwortlich für die Schrift leitung i. V.: Dr. Alfred L Ir f ct) h c x g. Beide Berlin 15' 15. — Um« verlangte Manuskripte werden' nur zurückgesandt, wenn Freiunu'chlag bcilicgt. — Verantwortlich für den An« zeigentei!: Hel! :n. n t Sohn, Bin.-Ssttachtensee. -- Druck: Rudolf Mo s s e, Berlin-

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