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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-01 · 1 (1.1.1932) · p. Seite 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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Anzeigenpreise: 0,90 J?Ji für die 7gespalLene Zeile^nach RndolhMoffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JIM, die 62 mm breite ReUanrezeUe 3,50 JIJL 1. 1931 war nicht ein Jahr der Enischeidung. Entwicklungen, die sich angebahnt hatten, stei- .ger Len sich. Umschlvung und 'Wendepunkt blieben aus. Ob' sie das neue Jahr bringen wird, bezweifeln nicht nur die Pessimisten. Undurchsichtig erscheint die wirtschaftliche Zukunft und auch die Linien der deutschen innenpolitischen Entwicklung zeichnen sich nicht so klar ab, wie die Ungeduldigen und Resignierenden es wünschen. Trotzdem wird gerade das Jahr 1931 denen eine Bestätigung sein, die bei klarer Erkenntnis des steinigen wirtschaftlichen Entwicklungsrveges und bei richtiger Abschätzung politischer Derwicklungsmöglichkeiten vor Mutlosigkeit und Derzweiflungsstimmung gewarnt haben. Schon im Ausgang des Jahres 1930 sah mancher entgeistert. „Hitler ante portas* und hielt deshalb Jnnktivität für geratener als Kampfwillen. T?r Ruf „Hitler ante portas' har im Jahre 1931 Deutschland wiederholt durchgellt. Wenn bei irgendeiner Länderwahl die wirtschaftliche Mißstimmung sich in der Häufung nationalsozialistischer Stimmzettel ausdrückte, schien den Skeptikern die Hitler-Regierung „unvermeidbar".' Zu ihnen gesellten sich di--Vertreter der „Abnützung-theoriech die die Heldew-der Volksversammlung einmal auf die Pwnrorm der verantwortlichen Regierung erhoben wissen wollten, damit sie sich dort dem Volk in ihrem hilflosen Dilettantismus offenbaren. Die deutsche Reichsrcgierung hat dieses gefährliche Spiel, rücksichtslosen Staatsfeinden den staatlichen Machtapparat anszuliefern, nicht gewagt. Jedesmal, wenn Herr Hiller, wie zuletzt im Dezember, mit kühnem Schwung vor den Augen seiner großen Partei Zum bombastisch angekünd'gten Sprung auf die NmSrungsbank angesetzt hatte, flog er bisher zu Loden. Es scheint, als ob gerade in den letzten Machen der Widerstand der maßgeblichen politischen Macht- Zentren sich verstärkt hätte. Hoffentlich ge km sich zu den entschiedenen Worrcn des deutschen Reichskanzlers auch die entscheidende Tat: die geistigen, h itierisch geschulten Ohren verständliche Auseinandersetzung zwischen verantwortungsvolle r"Politik urrd D erna aogen tum. Erwin wird die fort schrei! ude 'LwUchan-. wpe a.w weiterhin 3Ris;verg"äw'? i'..l -inler-b-' -.er tr-ewem?Aer c? .nun ^la-ur H\Vn, s;~ N' Bewegung etwa mir den A .'wziffcru, :w |,o tu Hessen erzielen konnte, auch ihren Sättigungsgrad erreicht hat. Ter Einbruch in die sozialistische Front ist kaum gelungen, und die Wähler des Zentrums sind fast bis auf den letzten Mann ihrer Führung treu geblieben. Deshalb scheint es so, daß Hitler und die . NSDAP auch bei einer Verschärfung der Wirtschaftslage niemals die Dinglichkeit haben werden, auf demokratischem Weg die Mehrheit des deutschen Volkes für sich zu gewinnen. Der Wegder Gewalt, den einzelne Unterführer und die murrende, hundertmal vertröstete Prätorianergarde wünschen mögen, scheint dem Führer, der die überlegenen Kräfte der Widerstandssront richtig wertet, nicht geraten. ■ Da aber gerade die finanziellen Sorgen um die Prätorianer und um die Erhaltung des ins Riesenhafte geschwollenen Pmereiapparates gebieterisch Taten fordern, wird im neuen Jahr der Herr des Braunen Hanks noch lauter und anmaßender als bisher an die Pforten des Regierungsgebäudes klopfen. Hoffentlich werden die Defaitisten sich wenigstens durch den Lärm bei der kommenden Preußen- und der — vielleicht doch noch vermeidbaren — Reich-Präsidentenwahl aus ihrer Resignation wecken lassen. „Hitler ist nicht schlimm, aber die Angst vor Hitler -ist schlimm" meinte kürzlich ein bewährter Praktiker der Agitation. Und er hat schon deshalb recht, weil die Gegenseite diese Depression als Faktor einsetzt und die eigene „unüberwindbare, zukunftsträchtige" Bewegung dem Smdst das Sudiivm^z i na „Dokumente von unserer Zelten Schemde* nennten tvir kürzlich ehe Zusammenstellung von Aeusserungen führender Nationalsozialisten gegen Juden und Judentum. Dokumente von noch erschütternderer Ehdrucl(sJ?raft enthält eine kleine Schrift „Friedhofs Schändungen in D e u t s c h l a n <T\ die, nur mit Tatsachenmaterial in Wort und Bild angefüUt» vom Centralverein soeben der OÖffentlichkeit übergehen wird. Rabbiner Dr. Leo Bacck schrieb hierzu folgendes Vorwort: Es gibt eine Geschichte menschlicher Worte, des Sprechens und Aufrufens von Menschen, aber es gibt auch eine Geschichte dessen, wozu Menschen geschwiegen haben, und sie ist eine Geschichte menschlicher Enge und Niedrigkeit. Wenn so oft Verbrechen und Untat sich weithin dehnen konnten, es ist fast immer geschehen, weil die Gewissen verschlossen und die Lippen stumm blieben, die sich zum Worte des Rechtes und der Sittlichkeit hätten öffnen sollen. Schuldig sind die, welche ein Böses verüben, aber schuldig, zumal vor dem Gericht der Geschichte, sind die auch, die einen Frevel sehen oder um ihn wissen und still dazu sind; sie sind die, welche, ohne zu wollen, ihm erst den Weg bereiten. Nur wo Unfreiheit ist, kann die Gewalt ihre Balm haben, und niemand ist unfreier als der, welcher stumm ist dort, wo er reden, wo er mahnen und warnen sollte. Wenn solches Schweigen über den Lande lastet, dann will eine Hoffnung noch daran festhaltcn, dass manche deshalb nur schweigen, weil sie von dem Frevel noch nicht wissen. Und es wird darum zur Pflicht, ihn jedem, der einer der Freien sein will, aufzuzeigen und darzutun. Es ist so eine Pflicht auch gegen Volk und Vaterland. In jedem Volke sind Unrecht und Sünde; sie kommen und gehen, und das Volk bleibt. Aber wenn das Volk als solches, als Ganzes mitschudig-wird-durch Schweigen, durch Dulden, durch Zuschauen, dann zerstört die Untat den Boden, auf dem allein ein Volk besteht; er bricht unter ihm zusammen. Völker sind versunken, erst wenn sie vorher verstummt waren, wenn der Widerspruch gegen die Sünde, der Spruch des Rechts seine Menschen nicht mehr gefunden hat. Es ist darum Hoffnung für das Vaterland, darauf zu hoffen, dass die, welche erfahren werden, auch vermögen werden zu sprechen. AUS EVM INHALT: Dr.Gertrud Kfousn: /, Dr.Michael Möller-Claudius: Wie wir L 3nrer das jüdische Kind sAien. Seite 3. Kammergerichtsrcf Leo Wo!ff: Von den deutschen Juden. Seile 5 \

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