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Central-Verein-Zeitung · 1931-12-11 · 50 (11.12.1931) · p. Seite 570

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
50 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
Seite 570 (sequence 2)
Language
German
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Vkii(B(3Dl!ü <3© ü ü ©o an dsss deutsch e VoSEt rrei. In diesen Tagen verließen deutsche Bürger ' ether wenige Wochen m5, dieser Tante kreis ihre mecklenburgische HcimakZtcrdt, in der sie und ihre Familien feit Ge::cratisnen gelebt hatten: im Landesmuseum hänge die Uniform eines ihrer Bor fahren, der in den Freiheitskriegen als Freiwilliger gekämpft har. Haftet an diesen Menschen ein Makel, der sie zwang, ihre Existenz aufzugelten und die Wurzeln zu zerschneiden, die sie in mehr als einem Jahrhundert mir der Heimaterde fest verbnud-cn haben; Hatten sie sich durch politische oder wirtschaftliche Maßnahmen in Gegensatz zu ihren Mitbürgern gestellt? £bcr hatten sie, wie so viele in dieser Krisenzeit, die wirtschaftliche Existenzgrundlage verloren? Nein! Sie waren Juden, und diese Tatsache allein stempelte sie zum Symbol der Schuld und machte ihr Leben unerträglich. „Tie Not, die heut in jedem deutschen Hans bebt, muh doch eine Ursache haben", denken die Menschen. Wirtschaftliche Einsichten und Erkenntnisie der machtpolikischen Konstellationen eignen nur wenigen. Tie Mam sucht nach sinnfälligeren Ursachen ihrer Nor. Und so primitiv und banal es klingt: Ter Jude ist zum Schnldsymbol geworden, gemacht worden. Seit den Tagen der Revolution haben Erüppchcn, Gruppen, Bünde und Parteien sich bemüht, die deutschen Inden zu dissamicren. Manchem überhitzten Fanatiker mag es ernst um dieses Bemühen geroesen sein: manchem mochte das Programm seiner Gruppe nur als Bestätigung volkstümlicher judenfeindlicher Stimmung erscheinen; den Hetzern, die .chie Judensrage als Schlüssel der Weltgeschichte" ausgaben und ausschrien, war dieses Programm nur eine Leche des politisch-demagogischen Kalküls. Je nach dem agitatorischen Bedarf stimmte man die judenfeinoliche Tonart und paßte sich dem Geschmack des jeweiligen Publikums an. Man zog alle Register vom Nitualmord bis zum Kulturantisemitismns der Vornehmen, man dämpfte und steigerte oder konnte auch schweigen, wenn die Lage es erforderte. Noch ist unvergessen, wie es plötzlich in den Tktobertagen des Jahres 1950 still wurde um die Judensrage, deren Lösung wenige Tage zuvor noch als dringendste Ausgabe in den Versammlungen und in der Presse gefordert wurde. Damals hatte Herr Hitler den Tiplomatensrack angezogen, um sich dem Auslande, das kein Verständnis für Pogrom- Politiker hat,als seriöser Staatsmann vorzustellen. Damals mußte sogar Herr Tr. Goebbels sich im Sportpalast entschuldigen, daß „wir jetzt so wenig von unserem Antisemitismus sprechen". BÖ Ursprung 1835 leSsns-, BsntelilMs- und! IgcMeraasslaser-FerMsnüigsa. MitzrhaUr gesjdit. 1 _J ©IzzzzzzZl J und lobte man wieder in alter judenhetzerischer Manier. Ter Regiernngstranm war cusgelräumt und die enttäuschen Wähler brauchten Ablenkung. „Mancher Jude des Berliner Westens bat bei diesen Ausschreitungen seine Thrseigen bezogen. Zwar war er nick© persönlich schuld an dem, was man der N^DAP. antat. Aber die Matze kennt nun einmal diese seinen Unterschiede nicht. Sie nimmt sich den, der greifbar ist, und wenn zwar auch Herr Cohn oder Herr Krow'chiner vorn Kurfürstendarnm das Pollzeipräüdimn in keiner Weise teeinstutzten, immerhin gehörten sie zur _ Dieme, immerhin waren sie Partei, immerhin sah der Mann ans dem Volke in ihnen die Schuldigen." So spiegelt sich unsere Situation im Kops von Tr. Joseph Goebbels („Kampf um Berlin", S. 152, Verlag Franz Eher, 1952!) Deshalb also sorgt jeder nationalsozialistische Agitator für die judenfein liehen Pointen, deshalb jagte man am 12. September 1951 die Inden am Knrfürstcndannn und prügelte sie blutig, deshalb müssen deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens ihren mecklenburgischen Heimatsort verlassen, und deshalb bereiten die Boxheimer Auguren des Tritten Reiches die Hungerkur für die Juden vor. Aber die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei weist den Ruf des Radauantisemitismus von sich. „Sei kein Radauantisemir", warnt Tr. Goebbels in seinen „Zehn Geboten für jeden Nationalsozialisten", und Hitler hat sich wiederholt, meist vor ausländischen Pressevertretern, vom Radanantisemitismus distanziert. Tie Führer der nationalsozialistischen Bewegung mögen uns den Begriff „Radauanlisemitismus" definieren, wenn sie ihn nicht in den Dokumenten verwirklicht sehen, die in fast jeder Nummer dieser Blätter der Lefsentlichkeit übergeben wurden und mir denen wir heute erneut anklagend vor das deutsche Volk treten. Wir sollten Verständnis für die Notwendigkeit übersteigerter und sanatisierender Agitation haben, meinen Politiker der Rechten, die in Hitler den Vollstrecker ihrer wirtschaftlichen und politischen Ziele sehen. Nein, wir haben kein Verständnis für eine Gesinnung der Roheit und des Zynismus, für eine Propaganda törichter Verallgemeinerung und blinden Hasses. Es gibt keinen politischen Preis, der eine blutrünstige Agitation rechtfertigt. Niemals werden wir uns einreden lasten, daß um des Parteizieles willen das Spie! mit aufstachelnden Reden, ja, das Spiel mit Menschenrecht und Menschenleben notwendig war. „Meistens sonderten sich dann kleine Sprengtrupps von den empörten Menschenmasten ab, die ihr politisches Vergnügen darin suchten, auf den Kurfürstendarnm zu ziehen und an den harmlosen Paffantcn jüdischen Aussehens ihre Wut durch Ghrseigen und gelegentliche Derprügelung abznreagieren." Das stellt ohne ein Wort der Verurteilung Herr Tr. Goebbels in seinem oben zitier'en neuesten Werk nüchtern fest. (S. 169/70). Jawohl, so war. cs und so kann es wieder werden, jeden Tag, wenn diverwirrte und tatendurstige Maste, deren Ohr systematisch jahrelang an den Klang der Parolen vonder „Abrechnung" gewöhnt wurde, sich im Ueberschwang des Machtgefühls auf schuldlose Menschen stürzt. Wir wissen sehr wohl, aus welchen Beweggründen gerade gegenwärtig überlaut und bramarbasierend Worte der Einschüchterung gebrochen werden, und wir hoffen, datz die Bemrmn.mgen mancher Freunde sich nicht bewahrheiten werden . . . Aber schon heute wollen' wir die Verantwortung klar fefrstellcn: Wir kennen die Methoden, mit denen man sich der Verantwortung zu entziehen sucht: „Bedauerliche Ausschreitungen", „Ncbergritzc unverantwortlicher Elemente", „bezahlte Spitzel- und Pr o vo ka t e u ra rbe it So leicht geht es nicht! „Nicht der ist Katastrophenpolitiker, der die Katastrophe Katastrophe nennt, sondern der, der sie v e r u r - sacht." Darin Pflichten wir Herrn Dr.Goebbels (S. 172 a. a. £.) durchaus bei. Das Brandmal der Schuld wird an jenen Männern hasten, die diese Art der Dolksauswiegelnng systematisch organisiert, das Gefühl für Gesetz und Moral abgestumpft und die Berzweislungsstimmung auswcg'uchender Menschen zu fanatischem Judenhaß geschürt haben. Mitschuld tragen auch jene Millionen deutscher Volksgenossen, die aus ganz anderen als judenseindlichen Beweggründen sich unter das Banner des Ha kenkreuzes stelltest. Sie suchen den Weg ans unserer wirtschaftlichen oder nationalen Not. Es störte sie nicht, daß aus den Meilensteinen diests Weges die Thesen oinaezeichnet sind, die frivol 609 000 deutschen Menschen den Anspruch aus Existenz und gleiches Recht absprechen. Wir haben diese Volksgenossen schon oft aufgerusen, an. ihr moralisches Gefühl und an das deutsche Gewitzen appelliert. In vielen mag es schlagen; aber Worte des Bekennermutes kamen fast nur aus den Reihen der deutschen Linken, die in der Vergewaltigung einer Volksschicht das Ende der Volksrechte überhaupt sieht. Trotzdem! Nock; scheint uns eine Frontbildung aller anständigen Menschen über die Parteigrenzen hinaus in unserm Vakerlande möglich, die Deutschland die Schrecken des Bürgerkrieges und den Makel der Barbarei ersparen wollen! Aber die andern, die stumpf geworden sind gegen moralische Forderungen, sollten wenigsten? das ,L9ehe-wenn-sie-losgelassen" . bedenken. Es war kein Zufall, daß noch bei jedem gewalttätigen Unternehmen die Unterschiede in den Anariftsobjektcn sich verschoben. Bei den Plünderungen in der Leipziger Straße zu Berlin wurden Geschäfte jüdischer und nichtjüdischer Inhaber demoliert, und die Zahl der nickstjüdischen Lpfer vom Kurfürstcmd.mrrn-„Spaziergang" ist großer als die der jüdischen. Wenn in dieser Stunde Worte so ernster Mahnung und Warnung gesprochen werden, ge-, schielst es nicht, weil wir mit Ereignissen rechnen, für die die Vorheimer Dokumente vorgesehen waren. Wir wissen uns mit der überwiegenden Mehrzahl des deutschen Volkes eins in der schirmen Ablehnung solchen verhängnisvollen und wahnwitzigen Treibens. Wir begrüßen deshalb die energischen Worte des Reichskanzlers Tr. Brüning, die er spät, aber hoffentlich noch rechtzeitig zur Ablehnung verantwortungsloser Polink gefunden hat. Aber wir halten es für unsere Pflicht, *die Wachsamkeit der Männer zu schärfen, denen als Hüter der Trdnnng und als Wahrer der Verfassung der Schuh aller deutschen Staatsbürger anvertrant ist.' Ihr Wille ist rein, aber sie wissen wenig von den berechtigten Sorgen der deutschen Inden. Dieses Witzen wollten wir mehren, nicht allein um unseres Schicksals willen. Im gleichen Maß steht das 'Ansehen unseres Volles und unseres Staates auf dem Spiel! VickScZnt consules, ne quid d.afnn'enti res publica capist! 1£

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