Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 49 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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564 rümpfen die Nase, air’taü zu jauchzen, rvelche unbändige Kraft sich da entääd:. Und auf der anderen Seite ist Geschrei, daß einer ein Gra» sein kann und doch kein Schneachkopf. Ist es so schwer zu lernen, daß der Btann sich erweisen mutz? Es scheint. Und greulich zerfetzt der Kampf um die Bildung das deutsche Volk. Tort pochen sie auf ihre Rechte, als fei Bildung ein Privileg, hier gellt's: Tu sollst nicht mehr lernen als ich. Ach. stritten sie doch nicht, sondern möchten sie nur beherzt zutzreisen und sich ans der Fülle sättigen, die beseligt mir einem Taumel des Entzückens, kühlt mit dem heilig nüchternen Dauer der Erkenntnis, die Hölle und Himmel brausend enislaminr in winziger Menschenbruft. Der hat recht, der da sagt, daß im Belt Rcclams ein wahrhaft Unglücklicher nicht denkbar ist. Und sprietzr es doch in der deutschen Disienschaft. die sich den Banden des mörderischen Posirivismus — vielleicht allzu haftig — entroindet. wie einst die Aufklärung dann Würgeengel der Systematik. Es war der Name eines deutschen Gelehrten, der, als wäre die Kriegsseuche nicht gewesen, die zerschmetterten Völker der Erde auf Höheres wies: Albert Einstein. Leider — das in nun Prosenorenart — bestehen auch hier viele auf ihrem Recht und an unblnngem, alvr nicht minder mutiertem Kamg'e rehir es nicht. Tüs alles wird sich klären, rascher, als wir lwnte alanl'en, nur über rvenig Kämpfe lächelt inan" nach zehn Jahren nicht, verdämmert doch gar schon der Krieg, und wir zweifeln, rö wir uns freuen sollen oder nicht. _ Von außen aber drohen Gefahren. <rie heißen New chork und Aloskau. ^ie scheinen nur verschieden, so sehr sie sich untereinander belämwen. Sie sind es nicht. Ihr Generalnenner heißt: Mechanisierung. Gegen die BerUachung anzukämpfen aber ist immer die Ausgabe der Deutschen gewesen, und ne wird und muß es ewig sein, oder d.ts Dort deutsch har frineu Sinn verloren. Und darum bedrohen diese Mächte unser Leben. Es ist möglich. daß wir unterliegen, und tun wir das. so Dürr:: wir uns Glück wünschen, daß nur nicht mehr auf verödeter Erde zu wandeln haben." Dus öer Paläsimaliksrakur der letzten Jahrs von Dr. Alfred ivienor 1. Tr. Sco Hacfcli: „Tnricn und sein Libanon." Nacbex L Erc., Luzern und Leipzig. 1926. Mk. 11,20. 2. Victor Qttmann: ,,Tas Wunderland arn Nil." Reisen nach Aegypten r:nd Palästina. Rcimar Mobbing, Berlin. 192^ 4 Hobcrt Koeppcl, 'S. I.: „Palästina. Tie Landschaft in Karten und Bildern." Mohr, Tübingen. 1930. M5. 18 —. 4. Leo Mathias: „Griff in den Orient." Bibliographisches Institut A.-G., Leipzr§ 1931. Mk. 12,—. Tas Buch von Haeselr über Syrien und den Libanon hat de-wegen seinen Nutzen, weil der Versager, mit der Geschichte Palästinas und Syriens vertraut, wichtige win-nschaftliche Werke darüber veröffentlicht hat, und weil er katholischer Priester ist, den einmal in allen biblischen und besonders katholischen Ueberlieferungen genau Bescheid weiß und ein anderntal ßlM, was vom katholischen Standpunkt aus Jnterene hat, eingehender als gewöhnlich beschreibt. Erfreulicherweise bringt er auch manches, was für uns Juden von Wert ist. Zum Beispiel besucht er verschiedene galitäische Synagogen, das Gräberfeld bei Sased (S. 319 ss.). Ten Zionismus beurteilt er unrichtig, wenn ijranv-. Juden ermordeten sieht er im Kloste rasel des angeblich ton Luden Paters Thomas (1840). Man wundert sich, daß der gelehrte Derfafler nicht^viel schärfer vom Ritualmordmärchcn ab rückt (^. 52). Tas Buch Haefelis, das mir einer Reihe guter Bilder und Skizzen versehen rr, kann als brauchbare Borbereitungslektüre für eine Reise nach Syrien und Nordpalästina neben anderen Schriften wohl angesprochen werden. Victor Cttmonn hat ein frisch geschriebenes Reisewerk über Aegypten, das Prachtvolle Bilder zieren, und das eine gute Einführung für eine Aegyptenreise darstellr, verfaßt. Tie Ausführungen über Palästina nehmen die Seiten 258 bis 303 t>C5 Buches ein. sind also gewissermaßen, wie üblich, nur ein' Anhängsel einer ägyptischen Reise. Uns interessieren besonders seine Eindrücke vom Zionismus lS. 296 ff.), die manches Richtige enthalten. Treffend ist seine Bemerkung bei der Schilderung der Stadt Tel Aviw (S. 300-301); „Tas Judentum ist durchaus nichts Homogenes, hier in Palästina am allerwenigsten. Dazu sind die Gegensätze unter d-en Zionistischen Einwanderern oft zu groß, auch in Fragen der politischen Glaubensbekenntnisse, die von einem auf ruhige Entwicklung bedachten Konservativismus bis zum wildesten Bolschewismus alle Stufen durchstachen. Es hat deshalb in Tel Aviw schon recht stürmische Konfinre grub euch Bei der Kürze seiner Betrachtungen über Palästina ist das Bild, das wir wünschen, nicht vollständig*). Tas Buch als Ganzes aber, insbesondere der ägyptische Teil, ist durchaus lesenswert. Tie Bücher von. K o e v p e l und vrn M a t f) i a s äbn.eln sich im Entscheidenden und in: Erfreulichen: beide Vchchstr neben mit einer neuen und zweifellos glücklichen Betrachmngs- und Tarstcllungsweise an den Eni ent und seine Länder heran. Koeyrel bckchäftigt geh allerdings nur mit der Landwichchast in Karten nnd Bildern. Es wäre äußerst verdienstlich, diese Art der Kartendarstellung einmal nach der geschichtlichen und kulturellen achte hin zu versuchen, wie es auf deutschem kulturellen und wur'chastlichen Gebiete in den letzten Jahren Wiederbast ge'che den ist (Kulturatlas). Die unterrichtend ist z. B. eine Ovhenkarte^ von Palästina (S. 13), eine Karte der Berggipfel (^. 11), die Kacke *) Daß hü3 dem ßarmcl eine Zahnradbahn führt (oder sichren, sau), ist allerdings eine erstaunliche, nur nicht Lnnreffendr Äeuigleit. Aus Leo Mathias: „ Griff in den Orient“ l L’r in Cha'clia Einsi P<z fnerch: n \etmahcaic B ihnsiöiion 0ioeckl-^Kandschuhe ein Geschenk fl gleich willkommen Tli */er Dame dem Herrn % der Talfvnnen und Bergformen (^. 22), die Karle des Bodenwachstums (S. 18).^ Sehr iuterenant und auch neuartig ist die Karte ^cite 51 mit der Einzeichnung der Gegenden, die bisher bildmäßig ausgenommen worden sind. Koeppel hat durchaus recht, wenn er schreibt: „Bei einer Zusammenstellung fast des gesamten Bildermaterials von Paläsiinalandschasten war zu ersthen, wie vor allem die üblichen Städte, Pilgergcgcuden immer wieder aufteuomnnen werden, wie wegen des brauchbaren Vordergrundes Architektur- und Tppenausnahmen alles andere verdrängen/ -Als Ergänzung gehört dazu die Karte <chte 57, in der die 3labte und Gegenden genau eingetragen sind, wo Koeppel ausgezeichnete Ausnahmen vorgenommen har. Vergleicht man beide Kacken, so sicht man den großen Fortschritt. Ist der erste Teil des Buches (S. 1 bis S. 57) der Landstchast im allgemeinen gewidmet, z. B. Ausbau des Landes. Gesteine, Land'ch-ast und Klima, Pflanzen und Tiere, der Mewch und das Landschaflstüld, 'o beschäftigt sich der zweite Teil 5. 61 bis 153> mit einzelnen Landschaften. ie Ausnahmen sind wundervoll, wichtig die Erläuterungen zu jedem Bild. Tie Fliegerpbotograpbie. die Gustav Kaiman in feinem Grundwerte „H undert deutsche F l i e g e r b i l d e r' zum erstenmal nach dem Kriege den Palästinastennden geschentt hat, wird ar:ch von Koeppel ausgiebig nnd mit überra'chendem Erfolg benutzt. Einzelne Bilder auszuwählen und hier zu neunen, fällt schwer, da fast alle entweder photographisch schön oder wollnschaftlich bedeutungsvoll sind. Ten Schluß des wertvollen Weckes bildet ein Anhang „P a last in erst u d i r: m", wo weitere Werke, Karten nnd Bilder genannt, und Vorschläge für Diapositive gemacht werden. Zum Schluß weist der Vertaner auf seine bedeutsamen Oochreliefkarten über Palästina hin. Koeppels Weck ist eines der brmtchbarstcn Buttel zur Erlenutnis des Palästina der Gegenwart und Vergangenheit, zum mindesten nach der landichastlichen Seite hin und nach dem vielen, was mit der Landschaft zusammenhängt. Leo Mathias nennt sein hochinteressant.s Buch „Eine Reife und etwas ui e h r'. Meint er mit dem „etwas mehr* die ganz neuartige Photographieummmlung mit Text, die fast 130 Seiten umfaßt, so stimmen wir vollkommen mit ihm überein. Tas ist ein wertvolles „3Rehr". Meint er dagegen seine weitausholenden Erklärungen oricnKvlischer Erscheinungen, wie etwa der Trusenreligion oder der Finanz::rrrng von Aufständen durch Kapitalisten (Seite 162—163), so wird man zweifelhaft. So wichtig für die Erkenntnis des Orients von heuten und so anregend geschrieben einzelne Kapitel sind, wie etwa im 3. Kapilck: „Sachliche Beschreibung der Verkehrsmittel, Wege und sonstiger abenteuerlicher Tinge', oder im 1.Kapitel: „Tie Straßendes Triruts sind keine Märchen', oder das 5. Kapitel mit der Aussprache über Sklaverei, Bolschewismus und dergleiä)cn mehr, oder die Bemerkungen über die französische und amerikanische Universität in Beirut im 6. Kapitel, oder die Bemerkungen über Frauen im 8. Kapitel, — so lehrreich diese sind, so wenig!>ofriedig! das, man möchte sagen, Philosophisch-Grüblerische, Gekünstelte an dem Buche. -Mathias ist dort immer der Wertvollere, wo er seine Beobachtungen in einer so geschickien und üb.riegenen Art und Weise ohne Zierat niedcrlcgt. Zweisellos ist vieles, nicht alles, was er gesehen hat, bis auf den I-Punkt richtig beobachtet, und wer een Araber und d:n Orientalen überhaupt keuuenlernen will, wird wiä)tige Grundlagen dieser Erkenntnis in der Mathiasschen Schrift sammeln. Der V i l d t e i l ist besonders hervorzuheben. Zwar finden sich in den Unterschriften hier und da kleine Fehler*-, aber was wollen sie bedeuten gegenüber den äußerst geschickten Zusammenstellungen der Bilder, die bisher ohne Vorgang sind, z. B. „Tie *) Jerusalem hat keine Trambahn (3. 219). Kapee aus henkellosen Tassen, manchmal in einen cierbecherartigen Unter'atz gesetzt, trinkt man nicht mir in Arabien (L. 2t£). Der Basar (6. 312), der persisch sein soll, ähnelt ganz auffällig dem Hamidijeba'or in Damaskus. Aeber die Ieziden (Teufelsanbetergibt cs verschiedene unterrichtende Büä^cr, auch in drr Preußischen Staatsbibliothek. (6. 99.)