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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-27 · 48 (27.11.1931) · p. Seite 541

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
48 (27.11.1931)
Date
1931-11-27
Page
Seite 541 (sequence 1)
Language
German
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Auch die jüdischen Frauen leben heute unter grundsätzlich anderen Verhältnissen als in der Zeit bis zum Weltkriege. Sie sind heraus' gerisien ans der still-kontemplativen Ruhe des Hauses, der Familie und ihre? engsten Bezirkes. Zu d-er Sorge um Haus, Familie, Berus sind weitere Anforderungen an sie herangetreten: Ta s aktive und passive Wahlrecht, das ihr 1918 Anerkannt wurde, hat sie in den Tageskampf der Meinungen, in das politische Leben hineingezogen. Tie Gleichberechtigung. die den Frauen durch die Verfassung gewährt wurde, hat ihre Stellung grundlegend gewandelt. Sie hat ihr Schutz zugesichert und sie ausgenommen in den Verband i>c? Staates. Aber dann; hat die Frau ein erhöhtes Maß an Pf.ichteu und Ausgaben, übernommen. Sie muß mit Verantioortungsbewußtseiu ihre st raste der Allgemeinchcit, dem Staate zur Verfügung stellen, muß innerhalb der Parteien, die diesen Staat stützen und die Verfassung tragen, Mitarbeiten; sie nach als Frau. 3itfainmcu mit den nichtjüdischen Frauen, guten Willens, ganz gleich, wo sie stehen, ihrem Vaterlande dienen — heute in ganz besonderem Maße, da die Not den Staat und jeden einzelnen überall aufs schwerste I» drangt. Das Fraueuwahlrecht ist als ein Stück Miw.-nmtwortung aller zur Führung des geweiwamen Schicksals erkämpst Worten. Ties gemeinsame Schicksal haben wir deutschen Frauen insofern ganz besonders in unserer Hait. als es zwei Millionen mehr weibliche als männliche Wahlberechtigte gibt. Von diesem Zahlenmäßigen Vorrecht müssen wir den riehtigen Gebrauch machen. Wenn wir sehen, wi? die rechtsradikalen, wie staatsfeindliche Parteien hüben und drüben ihre Frauen schulen, wie sie in Pflichtversammkungen, in Zrvangsvereinigungen, in Orden und Bünden jeden crfanen und zu jenen Anschauungen vergewaltigen, die ihnen die einzig heilbringenden zu sein scheinen, dann müssen wir uns sagen, daß die Frauen Wer Mitte weit weniger diszipliniert und aufgeklärt, weit w-eniger ihrer P'lichten bewußt sind als jene. Unbeschadet um die politische Meinung jedes Diese Sondernummer soll 616 Mitwirkung der Frauen an der Verlebendigung der C.V.-ldee im deutschen Judentum und die MitarbeitderJüdin im deutschen politischen und kulturellen Leben zeigen. Zugleich will sie die Lauen aufrütteln, die trotz des Ernstes derZeit noch immer zurückstehen. Die Nummer enthält u. a. Beiträge von: Dr. Else Ulich-Beil, Dresden Paula Ollendorff, Breslau Jella Lepman, Stuttgart Erna Kaufmann, Krefeld Hertha Schlesinger, Gieiwitz Agnes Jungmann, oppein San.-Rat Dr. Löwenstem, Herten Hannah Karminski, Berlin Elsa Wolffheim, Königsberg Agathe Grünebaum, Düsseldorf Margarete Fried. Berlin Georg Hermann, einzelnen wollen und müssen wir die Frauen über die großen gemeinsa m e n Aufgaben unterrichten zum Dohle d-es Staates, in d-em wir leben und in dem uns jüdischen Staatsbürgern heute vielfach noch die Gleichberechtigung versagt wird. Aus diesen Grinden inüüen wir Frauen uns auch in die Reihen des G. V. stelle^, der deutschen Juden-Notgemeinschast zur Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Rechte. * Neben diese rechtlichen und politischen Gründe treten noch andere: Tie seelischen, wirtschas.lichen und politischen Nöte und Kampfe des Tages haben die Frau viel stärker als früher k a m e - r q i>} dj q f i i i cf) an d i e Seite des Nt a n - ne? und ihrerKinder gestellt. Hier verstehen und Mitarbeiten bed-eutet, sich auch um all jene Angelegenheiten bekümmern, die uns selbst n:.d unsere Kinder aus Schritt und Tritt bedr-ängen. Früher rhu es hauptsächlich der Mann, dem im Beruf und Leben diese feindlichen Mächte begegneten. Heute starrt der Antisemitismus auch den Frauen, ja schon den Kindern in der Schule, auf der Straße, bei -Sport oder Spiel entgegen. Und wer steht der Jugend. l>em Kinde näher als die Mutter, die cs stärken und trösten kann, die in ihm Abwehrkräfte wecken und ihm gleichzeitig edelste Werte wahren Teutschtums vermitteln kann? Die Frau schafft die Atmosphäre, in der das Kind aufwüchst, sie ist es, die ihm Glaube und Heimat zuerst nahebringt und vermittelt. Und wenn diese Mütter, in der richtigen Weise vorbereitet, an ihre Aufgabe Herangehen, so wird das Kind allen Anfeindungen gegenüber gerüstet dastehen und von selbst zmn Mitstreiter sür die gemeinsame Sache heranwachsen. So wird der la. B. aus dieser Jugend jene Mitstreiter und jenen Nachwuchs haben, den er zu seinem Bestan.de braucht. Atich in ihrem Berufsleben hat sich die dcmfche Jüdin mit den gegnerischen Aussassungen auseinanderzusetzen. Von 100 deutstchn Frauen stehen heute 40 im Berufsleben, und lüttin 90 Prozent unserer Jugend ist erwerbstätig — roenn sie nich durch die bittere Not des Tages arbeitslos ist! Bei Ausübung ihres Bernses, ja, oftmale schon Wi der Berufswahl,

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