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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-20 · 47 (20.11.1931) · p. Seite 538

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
47 (20.11.1931)
Date
1931-11-20
Page
Seite 538 (sequence 6)
Language
German
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53$ herein Gegner des Kriegs, und er stand mit dieser lleberzeugung faft allein. Während des Krieges schrieb er daorüntatisckp Gedicht e r e nt i a es handelt von dem Geschick des Propheten, der sein Volk vergeblich warnt, es taumelt in den Krieg und geht unter. Tann siedelte Zweig nach Salzburg über. 6s war, als habe er sich einen Befehl zugerufen und allen leinen Kräften zum Sammeln geblasen, seitdem schafft er mit einem unermüdlichen, äußerst zuchtvollen, konzentrierten Werkwillen, und in diesen zwölf Jahren ist der wesentlichste Teil seiner Lebensleistung entstanden.- Gedichte, Dramen, Novellen, Essays. Es ist natürlich nicht möglich, aus beschränktem Nauru dies Lebenswerk in allen seinen Verästelungen nachzuzeichnen, nur einiges ist anzudeuten. Wienerische Elemente bleiben auch fernerhin spürbar: Erben und „Herren des Lebens" treten ans, im Reichtum der gepflegten Sprache wirk: Wienerische Sprachkultur nach. Aber entscheidend ist, wie das Wienerische überwunden wird. „Brennendes Geheimnis" hatte eine seiner ersten Novellen geheißen: ein Knabe erlebt, wie feine Mutter von der Leidenschaft eines Mannes bedrängt, bcdredt. gefährdet wird, und es ist nun, als ob> dies brennende Geheimnis, das unter der ^Zweigschen Dichtung geschlummert hatte, empor'chlägt. „Amok" beißt ein^ Novellenband.- die „Unterwelt der Leidenschaft" klaut auf und greift mir Flammen und Finsterninen in den oberen Tag. "Amokläu'er sind viele Gestalten der Zweigschen Novellen. Sie stürzen einem Weibe, einem Manne nach, von Sucht geblendet, schwarzes Rauschen der Ge trieben heit über sich, Fluch im Blut. Zn der Novelle „Vicrundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau" prallen zwei Amokläufer zusammen. Eine englische Aristokratin verfällt einem jungen Polen, der selbst vom Roulettespiel besessen ist: zwei Leidenschaften ra'en widereinander. Amokhast jener ..Kamps mit - dem Dämon", den Hölderlin, Kleist, Nietzsche kämpfen müpen, und den ein Essay band Zweigs darstellt: amokhaft das Leben der Baker - Eddy, welche dis „Christian scienee" schasst und mitten im neunzehnten Jahrhundert eine neue Kirche gründet. Zweigs Etzays sind mit höchster Gründlichkeit geschrieben. Uebsrhaupt ist seinem leidenfchastlichen Enthusiasmus ordnende Besonnenheit zugesellt. Ties zeigt sich auch Jn der Art, wie er die Novellen und die Estays zu einheitlichen Bänden komponiert. „Drei Meister" handeln von den großen Erzählern Dostojewski, Dickens, Balzac, „Drei Dichter ihres Lebens" von den Autobiographen Ewarwva, Stendhal, Tolstoi, die „Heilung durch den Geist" außer von der Baker von Mesmer und Freud, und alle fügen sich zu einem Etzah-Werk Zusammen: „Die Baumeister der Welt." Im Umkreis dieser Blätter, an denen Stefan Zweig durch wertvolle Beitrages mitgearbeitet hat, beschäftigt uns die Frage, inwieweit Zweigs Werk den jüdischen Leöensraum berührt. Tas Prophetendrama „Jeremias" ward erwähnt. Es schildert den Untergang des Volkes Israel, aber hinter dem Schicksal des einzelnen Volkes steigt das Geschick der europäischen Völker auf: der biblische Stoff scheint mehr als Gleichnis, denn uni seiner selbst willen ergriffen. Diese Dichtung steht vereinzelt in Zweigs Werk, dem das -religiöse Element durchaus mangelt. Auch das jüdische Milieu, den Juden als Erscheinung, den Juden als Problem — vielfältig Stofs und Thema der Schnitzlerschen Dichtung —, finden wir bei Zweig kaum. Auch die Novelle „Untergang eines Herzens" schildert nicht ein soezifisch oder ausschließlich jüdisches Schicksal. Ein jüdischer Kommissionsrat erkennt, daß'Frau und Tochter *) „C. V.-Z:g/' S>c. 20, Iahrz. 1927, „Flüchtiger 6?!cgeltürd" t>cr: Gtcfarc Za-cig: „C. V.-Zkg." Nr. 27, Zchrg. 1929, „Zu Theodor Herzls Todr?:ag. Persönliche Erinnerungen" von Stefan Zwerg. Cenfralvereln deutscher Siaoisliürger jüdischen Gäus E.V. Lnnüesuerönnü llannoysr Landesverbandstagung Sonntag* den 22. Xovembcr, 11) l Lhr pünktlich, in Hannover, Pension am Opernhaus, Theaterstr.15. Tagesordnung: 1. Bericht der Geschäftsstelle. 2. Hauptreferat: Syndikus Dr. Alfred Wiener (Berlin): Vertrauliche politische and wirtschaftliche TagesHagen. 3. Allgemeine Aussprache. 4. Neuhzw. Ergänzungswahlen des Landesverbandsvorsta ndes. 5. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit des Punktes 2 der Tagesordnung rechnen wir mit stärkster Beteiligung aller Freunde, auch deren Damen. (gez.) Liehtenberg. (gez.) Wittelshufer, 1. Vorsitzender. Syndikus. in ihm nur den „Brotvcrdiener" sehen: sie lieben ihn nicht, sie schönten sich seiner. Lcks er entdeckt, daß die Tochter die Geliebte eines Offiziers ist, der ihn selbst'mit Geringschätzung behandelt, fängt der Untergang seines Herzens an. Er kümmert sich nicht mit Frau und Tochter, d-ernachlä'sigt sich und sein- Gchchäst, verkommt: Untergang feines Berüand-es, Untergang seines Lebens. Dies Geschick könnte auch einem nichtjüdischen Selfmademan widerfahren, aber es ist doch charakteristisch, daß dieser Mensch der jüdischen Bourgeoisie angehört: er wurzelt in der Familie, und als sie ihn verrat, geht er zugrunde. Liber es ist ein Diener Jude: letztlich ein nnrobuster, nervöser Spätling, der keinen Augenblick daran denkt, seine Mach: zu gebrauchen und sein eigenes Leben von neuem zu finiten wie „der Brotverdiener" in Hem Maughamschen Stück. Den Kern des Ztveigschen Werkes bilden die Novellen und — mehr noch — die Epays. Beide Bereiche, so schars sie voneinander ^abgehoben sind, berühren und durchdringen uch gleichwohl. Tie Lebensläufe, welche die (Mays darstellen, sind mit dichterischer Fülle gestaltet, sie sind mit spannender Kraft erzählt, wie etwa die Geschichte Mesmers oder, vor allem, die der Baker-Eddy.^ Und umgekehrt: wenn eine Novelle von dem Lebenswerk eines Literarw.storikers berichtehso erscheint, organisch derEr'äblun-g cingefügt, ein Miniaturesiay über die Frübzeit des englischen Dramas. Auch die kleineren Arbeiten Zweig-, die zumeist nicht in Buchwrm gesamw.ckt wurden.zeugen von seiner überrauschend ordnenden Geistigkeit und seiner Fermenten Künstlerschast, zum Beispiel der Eck'ay über Rimbaud, der vor vielen Jahren in einem I nsel -Almau a ch st and. Es ist viele Jahre her, daß ich Ste'an Zweig zum ersten Male begegnete; der große, über viele Länder und Erdteile reichende Erfolg hak sein Wesen nicht verändert. Er freut sich der Wirkung, die nun schon die zweite Generation ersaßt, aber er ist einstach geblieben und für viele ein hilfreicher Freund und Förderer. Er ist ein besessener Arbeiter, und dennoch Hat er Zeit für andere und fährt einen umfänglichen Briefwechsel mit Bekannten und Unbekannten. An der Grenze zwischen Deutschland und Oesterreich, über dein alten Salzburg, wohnt er auf dem Kapuzinerberg, froh der fernen Schau, und verwaltet in Pflicht und Zucht getreu die Gaben, die ihm zuteil wurden Aufgaben öes Geistes Zum vierten Heft des „Morgen" lieber die Ausgaben des Geiste? in unserer Zeit wird in drei Aussätzen des neuesten ,wtorgen^-Hostes gesprochen. Bon drei Ri ch- Lungen her werden Art und Möglichkeit des Geistes in seiner Wirksamkeit ans die Gegenwart beleuchtet. Hans H e r z f e t d untersucht grundsätzlich die in unserer Zeit herrschende „Geistwindlichkeit und ihre politischen Auswirkungen" von einer fuRurfritifdicn Stellung her, die uameutilich zu dem von Klag es gesehenen Problem der Spannungen zwischen Geist und oeele Stellung nimmt. Der Verfasser_ erwähnt^den Zusammenhang dieser irrationalistischen Strömungen mit den aniilioeralistischen Tendenzen, die das politische Leben der Gegenwart beherrschen, und siebt die Lösung in einer Neuwerdung des Geistigen aus den Kräften urtümlichen Lebens. Um das gleiche Problem ringt Lore Seebigmann in einem Anssatz, der fragend „Negativismus?" überschrieben ist und der von der jüdischen Geisteshaltung handelt, die. wie Eva N e i ch m a n n - I u n g m a n n in einem ausgezeichneten „Nachwort cs ansdrückt, durch Erfassung der Ursachen schlagwortartig gefaßter und symbolhaft verabscheuter Phänomene zur Durchleuchtung, Auflockerung und schließlich zur veränderten Wertung des Negativismus fort schreitet und damit einen richtigen und notwendigen Einbruch in die judenstuudliche Borstellungsuoelt mit Geist und Grundlicfjfeit vornimmt. Ins Philosophische hinein wird das Thema, die Ausgabe des Geistes in der heutigen Zeit von E r n st von After im Gedeukblatt zum hundertsten Todestage Hegels durchaesührt. In der Darstellung der Hegelschen Philosophie.des Geistes kommt Ernst von A st e r zu einer glücklichen Formulierung der Zeitsicktation: „Die Einordnung, die Ueberwindung des Individuums, die Ileberwolbung des subjektiven durch den objektiven und den absoluten Geist ist der Sinn der Geschichte, wie Hegels sie deduziert und damit schließlich auch der <ainn des einzelnen Menschenlebens selbst. Denn das einzelne Menschendasein erhält seinen Sinn durch die Geschichte." Das reichhaltige, nach vielen Richtungen bunte Heft bringt außer diesen drei Aussätzen einen Bericht über den W e l t f r i e d e n? * kongreß d e r N e l i g i o n e n aus der Feder von Hans Hart.mann, der aussührlicy die Möglichkeiten der Religionen im Kampfe um die Befriedung der Welt untersucht. Ferner eine besonders intcrefjante Darstellung der Lage der Juden in Polen von Hans N e i ß n e r, ,,'^chu! und Schule im neuen Polen", lind endlich einen Liesen, literarisch besonders bedeutungsvollen Aussatz über das Grundthema d-es Werkes von Rainer Maria Rilke, über Liebe und Tod im Werke des Dichters, aus der Feder eines anderen Dichters, Friedrich Franz von U n t i: h. Nicht unerwähnt darf schließlich die kritische Stellungnahme Zu den Tendenzen der Judenmission von Rabbiner Hltgo Hahn bleiben, weil dieses Thema durch eine neu? Veröffentlichung in der repräsentativen katholischen Zeitschrift „Hochland" seine besondere Aktualität gerade in den allerletzten Wochen bekommen hat. , M. K. if&D* mm. |v|f '* 'ej [* " > i ,/V. Zs*" \* Wh L'0. Uj-'-iV» CTf".'*«'

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