Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 43 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- Seite 501 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Herlin, 23* Oftober 193! X. Jahrgang ♦ Nr. 43 Clnjtlnummcr 2- Pfennig ' ij jp \ * % ) v| ■ ■ * 7 T* '' > | x J m . .'. *; ^\ t >•$ \J ijp «J> iif ü <?V/^ <<>✓ -W* 1«- V <>.. VlerteNaLrSabonnrment \ x—'-"fe/0 Allö v> n 2.50 NM. (zuzügl. D-stellgetd). ^— -^ Beitaa u?.d Gduiftleltung: Berlin. W 15, Cmfer 6tr. 42. §ernsxresi«r: J2 Olisa 5074. .:. Po Brrlin-TZUrnersdOrf 1, Hohe^Herndiri!'.^ 1-6. und von C LLeiruge Anzeigsnannahme: Annor.cen.Eyoedition Rudolf Möge, S-ilin 8'.'.' wo, und deren £ Rc-tmalseilenmeilec Rr. 4, ftamilicr-auacisen und eteSensefuctc (r.:^t LrrLrnongebs:-)? 9^ Es fyd lebhaftes Aussehen errc-gt, daß der Reichskanzler in seiner letzten Rede vor der Abstimmung mehrfach auf den „Offenen Brief" Bezug genommen ha!, den Adolf Hitler im „Völkischen Beobachter" in 15 Spalten des großen Formats an den Reichskanzler gerichtet l>at. Brüning unterstrich, daß er den Brief im ganzen noch nicht habe _ lesen können, dost ab<r ^einzelne an gewerkte Absätze ihn mögen des Tones und der Gesinnung, die aus ihm sprechen, angenehm berührt haben. Wir glauben, das; selbst die vollständige £ef* Lüre des langen Offenen Brieses dem Reichskanzler m>ch keinen erschöpfenden und geschlossenen Eindruck vom Nationalsozialismus wird verschaffen können. Ter Brief ist interessanter durch das, was nicht in fei steht, als durch das. was er enthält. Nichts von der chchärie und Rücksichtslosigkeit. die den Nationalsozialismus und seine S.-A.-Trupps auszeichnen, ist darin zu finden; nickst s von den Paragraphen des nat i ona lso ziali st i s chen Pa rtc; Programms, die von Ausnahmerecksten, Entrechtung. Frcmdenrecht für große Gruppen von Bürgern, nicht nur von deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens, sprachen. Vielleicht sieht Hitler, wie er es auch in seiner Ansprache in Braunschveig am 18. Oktober dieses Jahres ausdrückte. den Sieg so nahe, daß er vorerst die für die Agitation bedeutungsvollen, für die Nebernahme der Verantwortung aber hinderlichen Forderungen durch Verschweigen ehrt. AlatuMa Die abscheulichen Verbrechen von Jüterbog und Bia Torbagy scheinen aufgeklärt. Em Mann, von dem man nicht weist, ob er ein Verbrecher oder ein Geisteskranker ist, hat die Untaten eingestanden. Es mutet fast wie ein Hinter» treppenwitz der judenfeindlichen Geschichtsllitterung an, daß Matuschka den meisten Halenl t c u 5 b a n b e n des ungarischen Oberleutnants Hejas angehort haben soll, die nach der Räteberrschast in Ungarn in fürchterlicher Weise Mord und Gewalttaten begingen. — nachdem der „Völkische Beobachter"' in einer nur verbrecherisch zu nennenden Leichtfertigkeit kurz zuvor gemeldet hatte, daß ein Jude im Auflage geheimer jüdischer Kräfte am Rosel)- Haschono-Tage die Entgleisung verursacht habe. Wir verzeichnen diese Tatsachen nicht, weil wir nunmehr erleichtert ausatmen, daß kein Jude der Verbrecher war. sondern weil wir der Meinung sind, dast nur eine allgemeine menschliche Solidarität wirkungsvoll einen Gchutzwall gegen Gemeinheit und Verbrechen auf- .-urichten im Stande ist, die frei ist von parteipolitischer Einseitigkeit, von rasjenschützlerischer Engherzigkeit. Herr Stapel „erklärt öre KurförsisnSamm-Llnruhsn Schon häu'ig ist in diesen Spalten von der Zeitschrift .Deutsches Volkstum" die Rede gewesen. Es ist eine vorzüglich ausgestattete Monatschrist mit einem weltan'chaulich fest gebundenen, höchst eh enden Mitarbeiter kreis, die es sich nach ihren eigenen Worten zur Aufgabe gemacht hat, „von einer festen geistigen Position aus frei und osten die großen Angelegenheiten unseres Volles zu behandeln". Je Ws neue Heft nimm: man mit Spannung zur Hand, und niemals legt man es enttäuscht zur Seite. Zwar grün: und sprießt es auch sonn allerorten im nationalen und im nationalistischen Lager. Tie völkischen Theorien und Phantasien sind große Diode und es gibt wohl kein rühmendes Eigenschaftswort mehr, das nicht in kühner Vergesellschaftung schon einmal der jeweils eigenen Nation als höchste Besonderheit zugesthrieden worden wäre. Wassenlust und Friedfertigkeit, sachlifer Wi"ensfeftsgeist und scköferische G-efühlsüefe — jeder Teil dieser und tausend and-erer feaensatzvaare mußte sich schon einmal zum angeblich alleinigen Schl such l nationaler Souderart mißbrauchen lasten. Im „T-eutsichen Volkstum" Wilhelm Stapels und Alörecht Erich Günthers ist das ganz anders. Was hier getrieben wird, ist wohl auch eine Verherrlichung der deutschen Nation aus tiefster bejahender Liebe heraus, aber die Mittel sind keineswegs plump und widerspruchsvoll. Die zum großen Teil hervorragend komponierten Hefte suchen d-en deutschen Geist und bas deutsch-c Leb.'n auf den mannigfachsten Gebieten. Staats- Philosophie, Literatur. Pädagogik. Justiz, bildende Kunst — alles wird durckackert. um deul'che Kräne daraus zu gewinnen oder um unfruchtbares Gelände mit ihnen zu vurchdringen und fruchtbar zu machn. Wären die vielen Verstöße nicht, d-ereu sich die Zeitsichrift schuldig mack-t, könnte man abseheu von ihren rechtsradikalen politischen Konsequenzen. die verhängnisvoll sind und durch ihr eigentliches Wesen nicht gefordert werden, würde vor allem das Gebiet dar Judenfrage in einem anderen Sinne darin, behandelt — wir würden mit vollem Bewußtsein sagen: So muß nationale Kultur gepflegt und gestaltet worden! Aber seit jeher ist uns dicke Desahung unmöglich gem-o.ch worden: denn seit jeher glauben die Mitarbeiter des ..Deutschen Volk-ünins" aus ebenso -tiefen wie falschen Beweisgründen die deutschen Juden von ihrer Arbeit ausschließen zu wüstem. Uw Auseinandrsetzungen über diese vermeintlichen Beweisgründe hat es sich zumeist gehandelt, wenn an dieser Stelle von der Zeitschrift gesprochen wu rd e. Meinu ngsversck.icöcnh ei teil anderer Art. die angedeutet wurden, gehören ja wich: in unsere Sr alten. Wir wollen nicht wieder zur Sache selbst sprechen. Wir wollen nur wiederholen, daß wir immer einen ritterlichen Gegner vor nn.s 'sahen und daß wir uns null ihm in der Meinung zu treffen glaubten, der Stapel in seiner schöner Rede anläßlich der Tagung des Weltstudentenverbandes zum Studium der Judenfrage Ausdruck gegeben hat: Jeder Kampf lfe zur Voraussetzung „klare Fronten und gute, ehrenhafte Was. f en". Die Klärung der Probleme aber wird durch das „S u chen nach W a h r h e i t" herbei ge führt. Dieser Glaube ist uns zerstört worden. Und weil es sich nicht um die erste beste Zeitschrift handelt, sondern uw eine, die wir ernst nahinen und von der wir ernst genommen zu werden beanspruchten, fühlen wir uns verpflichtet, über das Geschehene Rechen'chaft zu geben. Tic empörenden Vorgänge, die sich am Vorabend des jüdisfen Neujahrsfestes am Kurfürstendamm zu trugen, sind nock) in aller Erinnerung. Ohne jede wohltuende Abschwächung brennt der Gedanke an das, was da mit Zustimmung Hund-erter und unter Duldung Tausender von Volksgenossen gegen uns geschehen konnte, in uns. Wir riefen in der ..E. V.- Zeitung" uaä) der ,.Fron: der Anständigen", und unser Ruf ist nicht uugebört verhallt. Aber die, denen cr in erster Linie galt, unsere „ritterlichen Gegner, die behaupten, mit „guten, chrenhasten Waffen" zu kämpfen, die Geistigen iw Lager der Judenfeinde — die sind der Front in den Rücken gc''allen. Im Oktoberhes: des „T-eutschen Volkstums" antwortet Stapel unter der Ueberschrift: „Tie wahren Schuldigen des Kurfürstendamm-Ge» tüwmels" auf einen Anst-atz der „Jüdischen Rundschau", in denn in ähnlicher Weise wie bei uns zu einem Abrücken aller Anständigen von den Ausschreitungen au'gefcrdert worden war. Auf die Fragen der „Jüdisichn Rlmdschau" antwortet Stapel mit Gegenwagen. Eine klare Antwort ist ihm sichtlich nubequem; darum weicht er aus. Aber keine Furcht