Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 40 (2.10.1931)
- Date
- 1931-10-02
- Page
- Seite 473 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Herlin, 2. Oktober 1931 X. Jahrgang ♦ Sir, -Jv Einzelnummer 2S Pfennig O J / A ♦ «*» ( *> . A f nnrz*7irt? 4j»V.w'V jj ■i'v $ y uf^-JR>ü> ' */v v'sf vv/y V*/vVv j-O’v^v/'; mm b 0 0-s> Allgemeine Zeifang desDudenfums Viertelkahrsabonnement 2*50 RM. CEU3Ü5L Bestellgeld). Verlag und SchrlfUeitung: Berlin W 15, Gm[er S!rr. 42. Fcruspre^<r: J2 Olive 5-774. ^ests^e^lonto: Berlin 3-74 72. .:. Denklonio: Dresdner Denk, Drposite.ckage L 2- Berlin-DilrnerLdor? 1. Hohen^ollerndamm 125, und c:n DOttspni7ür - Nvlhschi'.d ^L Co., Berlin V.'8. LlleiniLe Anzeigenanndhrne: Annoncen-Expedition Rutott Moste, Berlin 9^V ICO, und deren Frlirlrn. AnZeigenpreisr: 0.30 tR^. för die 7gr'p2ltenr Zeile nrch Äu:ol^ Dostes kdormalLrileninrster Nr. 4, FarnilienanZeigen und SreOengesuche (nicht Stellenangebote) für Ditglied-er des Centralrereins 0.45 J2*k, die 62 2~m breite Nekirniezgil; 3,50 JlJk. fifjftCir vvvi^ HA |T?rs\wsyzfSSy\a« ffA &/v‘ i7Ifl'M!ln*!f|!l:..;!W|1 m Die Welt scheint aus den Fugen AU gehen; Schnellzüge werden durch verbrecherische Hand in die Lust gesprengt und Von Hochbrücken in die Tiefe geschleudert; düs englische Reich gibt die Goldwährung auf, Deutschland zahlt über Vier Millionen Arbeitslose — all diese erschütternden Tatsachen aber scheinen manchen Journalisten noch nicht zu genügen. Sie halten cs immer noch für notwendig, die Ereignisie zu übertreiben, neue hinzu zu erfinden, nicht für die Verössentlichung bestimmte Tatsachen in alle Welt hinauszuposaunen. Gegen solche Verantwortungslosigkeit sollten sich alle die Journalisten, die sich des Ernstes und der Verantwortung ihres Berufes bewußt sind, zur Wehr setzen. Mehrere derartige Vorgänge in den letzten Wochen veranlasien uns zu dieser Feststellung. Wir wurden vielfach gefragt, weshalb wir von dem Interview mit dem früheren deutschen Kronprinzen über dessen Stellung zum Judentum im Gegensatz zu verschiedenen anderen jüdischen Zeitungen keine Notiz genommen hätten. Nun, es war dieser angeblichen Unterhaltung zweier Oesterreicher mit dem Kronprinzen an die Stirn geschrieben, daß sie nicht für die Oefsentlichkeit bestimmt war, und wir hielten den Abdruck dieser privaten Unterhaltung für eine Taktlosigkeit. Tie Tatsache, daß der Kronprinz die Unterhaltung sofort dementieren ließ, gab unserer Auffassung recht. Wir haben ebensowenig von einer „Stellungnähme" Arthur Schnitzlers zur Judensrage Notiz genommen; denn es gehörte kein besonderer Scharfsinn dazu festzustellen, daß Arthur Schnitzler, eine Persönlichkeit von hohen künstlerischen und literarischen Dualitäten, viel zu klug und überlegt ist, umder erstaunten Mitwelt derartige Anschauungen, betitelt „Das Gute am Antisemitismus", vorzusetzen. Pron-.pt gibt er denn auch (laut Jta vom 23. September) eine Erklärung ab, in der es heißt: „Niemals habe ich einen Artikel versaßt, dem ich den Titel gab: „Das Gute am Antisemitismus", oder irgendeinen Aussatz ähnlichen Inhalts; ich habe keine Zeitschrift, weder eine inländische noch eine fremdsprachige, jemals ermächtigt, einen Artikel unter diesem Titel und unter meinem Namen zu veröffentlichen. Bon den in diesem bei Ihnen abgedruckten Artikel enthaltenen Sätzen habe ich keinen jemals ausgesprochen oder niebergeschriebcn, und leine der darin nicdergelegben Ansichten entspricht den meinen, ja, die meisten Vv^ stehen zu dem meinen in vollkommenem Gegensatz." Und treffend, wenn auch schonend, fährt er fort: „Bedenklich wird die Sache, wenn in solchen Verachten, über Plauderei und Anekdote hinaus, auf Grund von Hörfehlern, Denkfehlern, mangelnder Sprachkennttus. Mißverstandnissen oder auch auf purer Leichsiertigkeit religiöse, Politische, ethische Meinungen der interviewten Persönlichkeit in oberflächlicher oder entstellter Weise wiedergegeben werben." Aus ähnlichen Pfaden wie die Verösfentlicher derartiger „Interviews" wandelt die zionistische „Jüdische Rundschau", wenn sie in einem Aufsatz „Tie Ausschreitungen am Kursürstendaurm" ans einer Denkschrift, deren vertraulicher Charakter ohne weiteres feststeht, Dinge herausliest, die ganz anders anfznfasien sind, und, was das Entscheidende ist, solche Denk'christ überhaupt ohne Ermächtigung des Herstellers ausnutzt. Es muß daher mit vollein Nachdruck festgestellt werden: Selbst im Jahre 1931 müsien gewisie gute Sitten, die im persönlichen Verkehr bestehen, auch für den politischen Verkehr als maßgebend angesehen werden: gerade in dicken gärenden Zeiten muß der Journalist sich stets bewußt bleiben, welche ungeheure Verantwortung er tragt. Tie Berichterstattung nicht nur in Deutschland, sondern auch über deutsche Vorgänge ins Ausland, nicht zuletzt auch über jüdische oder jndenfeindliche Vorgänge, darf nicht von Sensationslust diktiert sein, sondern muß getragen werd-en von einem peinlichen Verantwortungsgefühl d-em deutschen Vaterlande und dem deutschen Judentum gegenüber. Und es ist nicht allein die Angelegenheit der Journalisten, wie sie solche Meldüngen weilergeben, wndern des ganzen Volkes, denn die Fensterscheiben, die leichtfertige Journalisten einwersen, müsien nach einem bekannten Sprichwort „die Völker bezahlen". Schßßi dis AsiHMMNg Mm Ächis? Don Rechtsanwalt Or. Hans Lazarus (Berlin) Seit kurzem erscheint, wie bereits in der „E. V.-Zeitung" Nr. 35 vom 29. August d. I. mitgeteilt, eine nationalsozialistische Juristenzeitung unter dem Titel: „Deutsches Recht". In der Toppelnummer 2/3 vom Juli/August d. I. befaßt sich der Regierungsrat i. R. Ernst von Heydebrand und der Lasa mit der Frage: „Sind in Deutschland a l! g e m e i n e Maßnahmen gegen die Juden ohne Aenderung der N e i ch s v e r f a '' s u n g auf d e m Wege der Gesetzgebung m ö g I i d) 7." -Diese Blätter sind nickst best Ort, um in wiyenschastlichen Darlegungen die Unhalrbarlo:t der von dem Versaüer vertretenen Anschauungen zu erweisen. Für die jüdische O-effentlichkeit ist es jedoch von Jnteres'e zu erfahren, wie eng sich in einem parteipoliti'ch eingestellten Gehirn das Rechtsleben wider-piegelt. Herr von Heydebrand ist der Meinung, daß die verfassungsmäßig verbürgte Gleichberechtigung der deutschen Inden durch einfaches Rckchsgesetz auszuheben wäre. Er stützt dicke Auffassung auf eine neuartige Auslegung des Artikels 109 der Neichsvcrfasfung, der in seinem entscheidenden Satze lautet: „Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich." Er bestreitet, daß diese Gleichheit auch jetzt schon vorhanden sei. Ten „wisienschastlichen" Beweis für diese abwnderliche Bobauptung erblickt er beispielsweise darin, daß Beamte für die Dauer ihres Amtes anderen Boltsgenopen gegenüber erhöhte Rechte besitzen, daß das Lebensalter des Bürgers verschiedene Rechte auslöse, daß Rechtsbrecher sich durch die Strafgesetze eine Freiheitsberaubun (Gefängnisstrafe) gefallen laßen müsien, dw die Steuern in abgestuster Form erhoben wer den u. a. in. Eine derartige Beweisführung verrät in erschreckender Weise die Verwechslung zwischen Grundrechten und Menschenrechten des Staatsbürgers und den durch einzelne Gesetze festgelegten subjekuoen Rechten. Gewiß ist, daß der Seactt es in der Hand hat. das Verhältnis zwischen sich und seinen Angehörigen durch rechtmäßig zustandegekvmmene Gesetze zu regeln. Geschieht dies aber, so ist die Gleichheit vordem Gesetz für alle Staatsangehörigen ohne Unterschied zu beachten. Dies ist auch der wahre Sinn des Artikels 109 der Nckmchverfassung, und cs wirkt befremdlick), wie wenig ein früherer Staatsbeamter die primitivsten Grundlagen des Ve r fa riu n gs recht s beh e rr sck) t. Ter nanonalsozialisti'che Negierungsrat i. R. beruft sich zwar verschiedentlich zur Be- Zum 60, Geburtstage von Georg Hermann schreiben Paul Wiegier und Georg Hermann selbst . . . F. 476