Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 39 (25.9.1931)
- Date
- 1931-09-25
- Page
- Seite 467 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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467 waren ein Verbrechen an der Nation; ihre gerichtliche Sühnung ist eine nationale Notwendigkeit. Das Urteil stellt ferner die Nödelsführerschaft der Berliner S.-A.-Leitung fest, indem es schon jetzt den Chauffeur des Grafen Helldorf wegen Beihilfe zur Radolssührerschast verurteilt. Das ist das politisch wichtigste Ergebnis dieses Prozesses. Graf Helldorf, der als Zeuge vernommen, ein noch kindlicheres Märchen als seine S.-A.-Jungons erzählte, — eine in der Berliner S.-A. bestehende große Spitzelorganisation soll die Unruhen provoziert haben — wird, wenn er in wenigen Tagen vor dem gleichen Gericht steht, schweren Stand haben. Den Vorsitzenden, Landgerickstsdirektor Schmitz kennzeichnet eine bezeichnende Episode des Prozesses: als der Verteidiger Dr. Zarnack das Strafmaß der staatsanwaltschastlichen Anträge als einen „Sonderschutz für eine bestimmte Nasse" bezeichnete, erwiderte ihm der Vorsitzende: „Herr Rechtsanwalt, jetzt issis genug! Das geht mir über die Hutschnur. Niemand hat in diesem Prozeß bisher von Nasse gesprochen. Nun sprechen Sie hier vom Sonderschutz einer Nasse, wahrend das Gericht hier nur bemüht ist, die Unverletzlichkeit der Person nrrd des Eigentums Zu schützen. Durch Ihre Ausführungen erreichen Sie nur, daß daZ Gericht zu härteren Strafen kommt, als es vielleicht sonnt der Fall gewesen wäre. Ich verspreche mir wenig vom mechanischen Strafvollzugs Er muß unterstützt werden durch den erziehlichen Wert der Hauptverhandlung. Diesen erzieherischen Einfluß der Hauptverhandlung, Herr Rechtsanwalt, haben Sie' mit den — ich kann nicht anders sagen — grotesken Gedankengängen Ihres Plaidohers, vor allem aber mit Ihrer Bemerkung über den Sonderschutz einer Rasse einfach wegeskamotiert!" So sensationell dieser Prozeß an sich war, so spannnngsarm. ja. so monoton lvar sein äußerer Verlauf. 34 Angeklagte. Alles junge Burschen, Arbeitslose, Angestellte, Arbeiter, Studenten: Nationalsozialisten und Jung- Stahlhelmer, einige an Jahren reifere Männer, Unterführer, der Radelsführerschaft bezichtigt. 34 Angeklagte, 34 faule Sextaneransreden. Keiner dieser „Helden" hat den Mut zum Bekenntnis. Keiner hat an den groben Ausschreitungen teilgenommen, oder etwa nur an einer politischen Demonstration. Das äußere Prozeßbild wird durch drei Gruppen von Aussagen charakterisiert. Die Angeklagten und ihreEntlastungszeugen sind die Harmlosigkeit selbst. „Ja, gewiß, ich bin ausgerutscht und habe mich an einem Mann festgehalten!" Auf Vorhalt, daß er aber diesen Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll, erklärt der Angeklagte zynisch: „Das sei doch ungefähr dasselbe." Die zweite Ausfagegruppe rührt von den vernommenen Polrzeibeamten her. Sie haben ausreisende Ruft gehört. Zusammenrottungen zerstreut, randalierende oder verdächtige Personen festgenommen, bei einzelnen von ihnen Schlagwasfen gefunden. Die erschütterndsten Aussagen .endlich machen die Opfer dieses „harmlosen Abendspaziergangs". Ein 63jähriger schildert, wie er von einer Rotte junger Burschen überfallen, mit Fäusten und Stöcken geschlagen, niedergerissen und getreten wird. Der Easetier Reimann und ein Angestellter von ihm erzählen von der vandalischen Zerstörung des Cafes Reimann. Andere Zeugen, Juden und Rickstjudan, darunter mehrere Astisländer, Aegypter, Rumänen, Armenier, berichten, wie sie mißhandelt wurden. Das Niederdrückendste ist, daß die Angeklagten sich der Verwerflichkeit ihrer Roheit?- akte auch heute noch nicht bewußt sind. Vergnügt tuscheln sie miteinander, winken ihren Freunden und Mädchen nn Zuhörerraum zu, fühlen sich m einer intern stauten Rolle oder als unschuldige ^pier vorgeblicher „polizeilicher Brutalität", Kampf gegen den Radikalismus Am 27. September finden die Wahlen zur Hamburger Bürgers q a f t statt. Das letzte Parlament, das aus den Wahlen vom 19. Februar 1923 hervorgc gangen ist, zählte insgesamt 160 Mitglieder; darunter -befanden sich 60 Sozialdemokraten, 27 Kommunisten, 22 Teutschnationale, 21 Demokraten, 20 Volksparteiler und 3 Nationalsozialisten. Ter Nest verteilte sich auf das Zentrum, die Mittelsiändlcr und die Bolksrechtspartcü Das Stürkeverhältin.s der Parteien wird in der neuen Bürgerschaft anders eussehen wie bisher. Der Wahlkampf ist bereits in vollem Gange. Die Wahl wird deshalb allgemein mit besonderer Spannung erwartet, weil ihr Ergebnis bis zu einem gewipen Grade als Maßstab für die Beurteilung der künftigen gesamtpolitischen Entwicklung Deutschlands angesehen wird. 'Tie großen Parteien sind seit Wochen tatkräftig an der Arbeit. Tie Na t io n also z i allsten entsandten bereits ihre Prominenten: Hitler, Goebbels, Prinz August W i l h e l m und andere Führer als Bersammlungsredner nach Hamburg. Allerdings stößt ihre Agitation aus heftigen Widerland. Die Front der Menschen, die jeden Radialismus verabscheuen und für die Ausrechterhaltung d-es inneren Friedens energisch einkreten, ist doch erfreulich breit. Tie S o z i a l d e m o k r a t e n, die gleichfalls schon zahlreiche Wählerve rsammlungen veranstalteten, erklären in einem ihrer Wahlsugblätter u. Q.: „Voraussetzung für eine vernünftige Wirtschasts- und Außenpolitik mit dem Ziel wirklicher Verständigung ist entschiedener Kampf gegen Nationalsozialisten und Kommunisten, die alle Hoffnungen aus den Zusammenbruch setzten." In einer gewaltigen Reichsbannerkundgebung rieftn^d-er Berliner Polizeipräsident G r z e s i n s k i und der Vizepräsident der Bürgerschaft, Landahl, zur Einigkeit auf. Ter Hamburger Bürgermeister, der bekannte Demolratensührer und Staatsparteiler Tr. Carl P e t e r s e n, schließt seinen im „Hamburger Anzeiger" vom 12. September veröfftntUchten Artikel „Deutsch und sozial" mit der eindringlichen Warnung an alle Wähler, keine Stimme den radikalen Parteien zu geben: denn, so heißt es da, „unsere hamd u r g i s ch e n B ü r g e r s ch a s t § w a h l e n am 2 7. September werden in der gegenwärtigen Lage Deutschlands von der ganzen Welt daraufhin geprüft werden, ob sie beweisen, daß die radikale Welle in De u r schlau dabebbtoder nicht. Vondieser Prüfung hangt viel für V a t e r st a d i u n d Vaterland ab. Viel, ja für uns Hamburger vielleicht alles!" In einer von der Frauen gruppe des Eentralvereins Hamburg veranstalteten Wahlversammlung sprachen am 16. September Frau Adele Reiche, Mitglied der Bürgerschaft (S.P. Th. Frau Klare" F r icke (D. St.P.) und Frau Maria uvtesrann (D.B.P.). Wie sehr es bei der Wahl um Hamburgs Wirtschaft und Wohlstand geht, zeigt am besten die in diesen Tagen im Johann "Trautmann Verlag, Hamburg, erschienene, außerordentlich beachtenswerte Broschüre, deren Titel „Haltet das Tor offen!" einen letzten Warnungsrus an die Hamburger Bürger darstellt. „Hamburg ist Deutschlands Tor zur Welt! Radikalismus von rechts und von links kämpft mit allen Mitteln um die Macht. Nationalsozialismus heißt: das Tor schließen, Kommunismus heißt: das Tor schließen. Haltet das Tor zur Welp haltet den Hasen offen! Wacht aus, Bürger Hamburgs! Zurück vom Träumen zur Wirklichkeit, zu freier Wirtschaft, Arbeit und Wiederaufbau!" —In— Politisch nicht ganz uninteressant wenigstens di? „Führer". Ter Sturmführer Fischer, hilflos, nicht imstande, sich klar auszudrücken, sich selbst zu verteidigen: der Truppführer Schubert dafür um so redseliger. Der „Student" (er besucht irgendeinen Abendkurs) Soy durch die ziemlich einfache Vernehmung „geistig angestrengt". Er ist übrigens der einzige, der einiges über die Absichten der Aktion durchblicken läßt und der die Berliner S.-A.- Führung schwer belastet. Ter Angeklagte Gewehr mit dem Titel „Führer der S.-A.- Stabswache Berlin-Brandenburg" spielt den Harmlosen. Zwar saß er mit in dem Auto der S.-A.-Führung. die die Krawalle dirigierte, aber er hat natürlich nichts gesehen und noch weniger etwas getan. Das gleiche gilt von denn Stahlhelmingenieur Brandt, dun Führer des Charlottenburger Jung-Stahlhelms. Auch er fuhr in Begleitung einiger Kameraden mit seinem Wagen den ganzen Abend Len Kurfürstendamm und seine Nebenstraßen entlang. Er verplappert sich eimnal und gibt zu. von "einem bcvorstchenden „Klamauk" gewußt o11 haben. D-as erste Ziel seiner Autofahrt ist bezeichnenderweise die Synagoge in der Fasanenstraße. Im Gerichtö'aal hält er politische Reden, erhebt schwere Anklagen gegen die Polizei. Er hat sich an jenem Abend mit seinen Freunden „köstlich amüsiert". Er begrüßte die auf dem Kurfürstendamm weilenden Jung- Etahlhelmer von seinem Wogen aus. Immer wieder erscholl der Ruf: „Chef, Chef, Chef!" Und dann trat irgendein Jnng-Stahlhelmer an den Wagen. Man tausche höhnische Bemerkungen über die „jüdische Neujahrsseier" aus. Aber gehetzt, angestifiet, dirigiert hat man beileibe nickst. Es war ja ein „ganz gewöhnlicher Bierulk". Reichlich dunkel ist noch die Rolle des Grafen Helldorsund seiner Begleiter. Graf Holtdorf, der Führer des Berliner S.-A.-Gausturms, ist mit seinem Stabsleiter Ernst und dem Angeklagten Gewehr während der Unruhen im Auto den Kurfürstendamm auf und ab gefahren. Tie Reitpeitsche in der Hand (sie wurde im Wagen gesund-en und liegt auf dem Richwrtisch), beobachtete er die Demonstrationen. Passanten sahen, wie aus seinem iwagen heraus Anweisungen gegeben wurden, und veranlagten seine Feststellung. Für jeden Einsichtigen isßer der Organisator des Ganzen. Seine Opfer sind es, die als Zeugen ihre Mißhandlungen schildern, ^eine Opfer sind auch die Angeklagten. Aber nicht nur seine. Don den nur zu gut bekannten Verantwortlichen sprach niemand. AVer ihr Schatten sck/webte über der Angeklagtenbank. Tort saß unsichtbar, aber jedem' erkenntlich, die crntifemitifdje Hetzpressr, in lenen Redaktionen die Stimmung erzeugt wurde, die sich am Kurfürstendamm so roh entlud. Dort saßen die Agitatoren, die L e e r s , Pfister und Fischer, die Abend für Abend in den nationalsozialistischen Versammlungen di? verzweifelten Opfer der Wirtsckpstskri'se zu Judenhaß und Gewalttätigkeiten ausreizen. Tort faßen die „großen" Führer der NSDAP., die Goebbels, Streicher. Ley, die einer wie der andere planmäßig und jahrelang juden'eindliche CoEd Jfta?) Igrg*üi Suchen endlich bas Nichtige für meine Zähne. Nach dreimaligem Gebrauch blendend mei'zr Zähn:, troRem dieselben durch vieles Rauchen braun und unschön wullen. Ich werde nichts anderes mehr gebrauch tn, als LhlorodonL."B.,Zors! Lern. Wan verlang: nur dl: echte Chlerodont.Zahnpasie. Tube 54 Pf. und L0 Pf.» und weift jeden Ersatz dafür zurück.