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Central-Verein-Zeitung · 1931-09-11 · 37 (11.9.1931) · p. Seite 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
37 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
Seite 443 (sequence 3)
Language
German
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rn T\>. l-J V! "TTJ\ WJ 1* LksMr ©fiä'fsfn ll-W M s) EKrO"-N^KÄrH Im MZKA Der Londoner ,,S u n d a y Expreß" lpev in seiner Nummer vom 24.1Hai d. I. einen umfassenden Aussatz über Professor Einern und insbesondere über jien Beziehungen zum deutschen Volke und zum Judentum veröffentlicht. der ein starkes Echo auch in der deutschen Preise gesunden hat. Durch eine rechtsstehende Korrespondenz wurden angeblich charakteristische Sätze au? dem Interview in eine ganze Reihe von Zeitungen übertragen, die großenteils mit gehässigen crknngen versahen. Solche Darstellungen befinden sich z. V. in der „Esicuer Nationalzeitung' vom 2ll. Juli, im „Westbcirkscheu Greinblatt" vom 27. Juli, im „Anzeiger für da? Harlinger Land" vom 4. August, in ben „Ereizer Neuesten Nachrichten" vom 3. August, in der „Preußisch- Litauischen Zeitung" vom 5. August, in der „Krouzzeilnng" vom 9. August. Professor E i n st e i n ermächtigt uns, dazu das Folgende zu erklären: „Es wurden mir schon wiederholt Auszüge aus einem Artikel der ,Sunday E r p r e sch zugesandt, aus denen ich ersehe,^daß es sich rrm eine glatte Fälchung handelt. Ich habe in Oro r d überhaupt kein einziges Zeiturgsintcrview gegeben. Der gnhalr ist eine böswillige Entstellung eines vor elf Jahren geschriebenen, nicht für die Lesfentlichkeit bestimmten Briefes." Erst hLW Uh ßr ... Am 5. und ß. September fand der Reichsgründungstag des deutschen Frauenordens „R o t e s Hakenkreuz" in Potsdam statt. Es ist hervrrzuheben, daß jede judengegnerische Note bei den Veranstaltungen vermieden war. Damit diese aber nicht fehle, sangen die S. All-Leute in den Zwischenpausen allerlei Lieder, und an einer Stelle hieß cs deutlich: „E r st wenn die Juden bluten, erst daun sind wir befreit." Das Lied wurde von t~:n Anwesenden begeistert beklatscht. Im amtlichen S. A.- Liederbuch steht diese Stelle selbstverständlich nicht. Sonst käme der Staatsanwalt. Aber man duldet, daß ste gesungen werden-, und die Tatsall)?, daß sie gesungen, daß sie geduldet, daß ~ sie" beklatscht werden, zeigt deutlich, was man von dem Gercde über den harmlosen und ständig verfolgten Nationalsozialisten zu halten hat. Sid58ltnlkeuzf!a8Se mi? dem SrteMrmr Amnaüum Die „Deutsche Zeitung" und der „Angriff" hatten berichtet, das; die Schülerschaft des Hmdenburg- Gynrna'iums in Lrtelsüurg am Verfaimnastage die Hakenkreuzfahne auf dem Gymnasium gehißt hätten. Sie wannten das eine „Willenskundgebung von eindrucksvoller Bucht". Wie wir erfahren. sind drei Schüler deshalb von dem Ortelsburger Gymnasium verwiesen worden. Sie' sind ferner durch das Provinzialschullollegium vom Besuch sämtlicher ostpreußiich e n Lehranstalten ausgeschlossen und es ist gegen sie ein gerichtliches Verfahren eingeleiter worden. _ Eine weitere Anzahl von Schülern hat bei dem Untersuchung zugegeben, dem nationalsozialistischen <ochülerbnnd anzugehöreu. Lrullär „««" im Der deutsche Gelehrte, Profestem Robert Eisler, hat eine zweibändige umfangreiche Untersuchung in der Religionswisteuschaftlichen Bibliothek des Verlages Winter in Heidelberg über „Tie messianische Unabhängigkeirsbewegung" veröffentlicht, in der es ihm gelungen ist. für die Wissenschaft wichtige Entdeckungen durch Vergleichen der verschiedenen Uebersehungen des jüdistchen E>csc:jtehts[ehrcibers I o - s e p h u s F l a v i u s , der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte, zu erreichen. Es handelt sich besonders um einen gereinigten Text des Kapitels „Tie Eroberung von Jerusalem" des in Griechisch überlieferten „Jüdischen Krieges" des Josephus. Eisler hat der; Text in mühseliger Forschungsarbeit und geistreicher, aber schlagender Kombination aus verschiedenen alten slawisthen Uebersetzungcn des Iosephns-Tcrtes neu hergestellt. Diese Forschungen werfen neue? Licht aus die Entstehung des Ehristentumö itnb das Leben ihres Stifters. Professor D. Walter Windsuhr in Hamburg nennt in der „Philologischen Wochenschrift" die Forschungen Eislers eine „bedeutende Geistesarbeit", und andere Gelehrte von Ruf schließen sich ihm an. So liegt der Tatbestand. Tie „N ai:o n al'e zialisti scheu M on a tsheste" (Heft 17, Herausgeber Adolf Hitler), die dem Ernst dieser Forschungen-so sernstehen wie der Mensch den Sternen, nehmen die abmllige Kritik irgendeines englischen Geistlichen — die Ouelle wird vorsichtigerweise nicht angegeben — zum Anlaß, Eic-ler als „frivolen Juden" zu beschimpfen, verseb.on ihre Schimpferei mit der lieber schr ist „Wie die moderne indische Ehristenverwlgung in En.glaud wirkt", und feilen zum Schlune fest, daß — „das fromme deutsnste Zentrum noch inn.ner Arm in Arm mit Juden und Marristen geht". So wird beute in Deut sch tan.d, 1931, „Po link" getrieben. HÜMM» in Aus 9)1 c cf l e n b u r g wird uns geschrieben: JhrechchcstsLellung, daß auch in dicstun ^onuuer der parteivolitiscste Burgfriede in den Sftseebädern keineswegs gehalten wurde, muß ich als genauer Beobachter leider bestätige!;. Folgende Einzelfälle mögen ihre Festwellung bestätigen: Aiif der Kurpromenade in Bruushaupten wurde erst vor einigen Tagen einer älteren jüdischen Dame aus angesehensten Kreisen, die sich dort mit ihrem Sohn und dessen Freund ein Paar Schritte ergingen, von vier uationalsozialistis chen Bursch en das hetzerische Hepp-Hepp uachgerusen. Als die beiden Begleiter der Dame die Burschen stellen wellten, erwählten diese den besseren Teil der Tapferkeit. Ein jüdischer Badegast verfehlte am Strande beim Ballspiel seinen Partner, so daß der Ball in die Burg einer fremden Familie siel' die' Familienmutrer ermahnte ihre Kinder, sich ja sofort die Hände zu waschen, denn die Ballspieler seien Inden. In einem Gase Ln Rostock wurde ein junger jüdischer Herr, der sich dort in Unterhaltung mit zwei anderen Bekannten befand, von einem hakenkreuzbehängten Rowdy ausgesordert, mit ihm hinauszugehen, er habe ihm etwas zu sagen. Die Weigerung quittierte der Hakenkreuzler mir einem Faust sch tag. so daß der junge Mann blutüberströmt ohnmächtig vom Stuhl sank. In einem Strandrestaurant in W tune m ü nde pöbelten Rofteder Damen weibliche südncste Badegäste am. Nebentische mit der Bemerkung an. man wüste sie in einen Käsig stecken. Juden ^gehörten überhaupt nicht nach Warnemünde. Weitere derartige Fälle ließen sich unschwer mittellcn,' und es ist Tatsache, daß manche und keineewegs nur jüdische Badegäste, durch dieses Treiben angewidert, den Sommerammthast kurzerhand vorzeitig abgebrochen haben. Wer von diesen „nationalen' Helden weiß wohl, daß in beiden Mecklenburg einschließlich der Frauen und Kinder nur sechshundert Juden wohnen, und daß ein großer Teil dieser jüdischen Familien seit hundert Jahren und mehr im Lande ansässig, also mit dessen wirtschaftlicher und politischer Entwicklung inniger verflochten ist als viele von diesen Helden selbst. Wenn die mecklenburgk sichen G-aftwirte stöhnen, daß ihre Einnahmen zurückgegangen seien, so kann man ihnen nur raten, sich auch gegen dieses Hakenkreuzlerunwesen, das die anständigen Nichtjuden in gleichem Maße empört wie die Inden, energnch znr Wehr zu setzen. R. W. KlPÄWr W-ÄZ Eli §WW. In dem mit bischöflicher Genehmigung versehenen „Märkischen Kalender für die Diözese Berlin" für 1932 (Buchverbng Germania - A. - G.), befindet such (3. 99) eine beachtliche, kenutmsrcicljc und nwhladgewogene Au seinandersetzung der katholischen Kirche mit der Hitler-Partei, betitelt: „Der Irrtum des Nationalsozialismus" von llpektator. Nach einer allgemeinen Würdigung der Grunde, "die das Anschwellen des Nationalsozialis m u s h e r bc i r ü h r * ten, besaß: sich der Berfasier mit der Schrift des Universüäwproscssors Tr. Johannes ^tark, der eine Annäherung zwischen katholischer Kirche und Nationalsozialismus anzuüahnen sucht. Voraussetzung für eine derartige Annäherung sei aber, so schließt der Aussatz von Spektator, daß der Nationalsozialismus „sein heidn:\dj unZebärdiges Wesen vorchristliche. seine Agitation?- rmd Arbeitsmethoden würdiger gestalte, sein Programm begrifflich klarer und ehrlicher faste, in wichtigen Punkten entsprechend seiner crhossten inneren Wendung ändere. Vor allem muß er sein gesaintes Schrifttum säubern und läutern lind sieh von den Kulturpolitik un trennen, die ihn in die setzioc Sackgasie geführt haben. Bio'dahin ist aber noch cm weiter Weg und bis dahin haben rurscre Bischöfe von ihren Warnungen und Nllahnungen nichts z'arüllz.inehmen." Mn jMlWtt M In einer der letzten Nummern dieses Blattes hatten wir Mitteilen müssen, daß die berüchtigte nationalsozialistische Wochenschrift „D er S t ii r m e r" in Nürnberg sich über das j ü -

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