Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 32 (7.8.1931)
- Date
- 1931-08-07
- Page
- Seite 393 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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13. 8.1931 Berlin, 7. August 1931 X. Jahrgang * Hr, 32 Einzelnummer 2Spfennig / S V^y £<->'v Kr*rJ .L; V'^ J V V *A (O <*-) iLG)<D J1 -4 ii L® cD Ü Tie Kapitel der Döllergeschichte sind im Gründe nur durch die Namen und Jahreszahlen vers-chieden; der eigentlich wesentliche Inhalt ist überall derselbe. Schopenhauer in „Tie Welt als Lille und Vorstellung". Vor hundert Jahren befanden sich die jüdischen Deutschen in einer rech: kritischen Lage. -Im Anfang des Jahrhunderts hatte Preußen ihnen die Gleichberechtigung verliehen. Andere deutsche Länder machten allmählich Miene, jenem Beispiel zu folgen. Ta fetzte die judenfemdliche Reaktion, die ihre geistigen Waffen aus dem Arsenal dar politischen Romantik bezog, ebenso hestig ein wie heute der Terror des Nationalsozialismus. Tie Juden, so verkündeten die Lautsprecher der damaligen ^nationalen Opposition", feien nicht nur nicht Deutsche, sondern Schmarotzer am deutschen Dollskörper, die deshalb unter besondere Staatsaufsicht — unter das Kuratel einer rlusnahmegefeügebung. eines „Fremdenrechis" — gestellt werden müßten. Mit denselben Mitteln wie heute stachelten sie die niedrige Leidenschaft der Menge auf. bis ihre Wühlarbeit sogar in tätlichen Verfolgungen blutige Früchte trug. Im jüdischen Lager herrschten Trauer und Verwirrung. „Ta", so berichtet Hnnrich von Treitschle, „hatte das deutsche Judentum einen tapferen, beredten Dorkämpstr gestruden an dem hamburgischn Juristen Gabriel R i e ß e r, einem edlen, vaterländisch gennnten Manne, dem seine Freunde nachrühmten, in ihm sei das Recht Gemüt geworden." — Worin bestand Rießers Tat? Er ries nick: bloß seine jüdischen Mitbürger wir Abwehr, sondern das gemmtc dentsch Volk zur nationalen Selbsthilfe gegen die Kulturschande des Autistiuili-mus auf. Im Jahre 1831 vero'stnllickte er seine.wichtigste Tchrrft „U eber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens r n Deutschland". Welch G: Sie wandte fessionen und jüdischen Teu! Unterdrückung scheu als eine sich der wirist Judenhck Wechsel, {ofcn forderte den Mischen Teu regung zur sp Vereins'). _ Dieser Au Juden, sonde mächtigen E undgedanken vertrat die Schrift Ich an die Teuttcheu aller Kor stellte damit die Tcutschheit de schn fest. Sie verurteilte di einechMck.derhcit wie der jüdi stttü.ch? Feigheit. Sie entdeckt .gastlichen -^-chel'uckt eine Duell es. Sie verwart den Glnubenc : er -aus Eigennutz erfolge. Si Politischen Znsamnicnschlnß de tschen und gab damit die Ar teren Gründung unseres Central stuf binterneß nicht nur bei de :n auch bei den Nichtjuden eine indruck W-onn Rießers übric ,^bricl „Nein Libcnch t.'W^Vo I 1 |/ ■ i;1 ' ) V/\‘ - f > ‘-.7 O vä?!/ \ v..- '' ' s J fron M r. * i Ws/ i j \; < . . J Ir *s7 *s/;> ^)iv4iei ir'* £j * f v~* £r l Sr J » «4/ jf « 9&4 4 ivi &■} k I? b) tz - V S f J i irZr j * .-sst v-^7 v? s* „Ist es notwendig zu sagen, dass für die aussichtsreiche Fortsetzung der Internationalen Verhandlungen Freiheit von innerpolitischen Störungen, Aufrechterhaltung Ton Ruhe und Ordnung im deutschen Volke unentbehrliche Voraussetzung ist? In einem Augenblick, wo alle Volkskralt der gemeinsamen und verstehenden Arbeit an der U eher Windung der 'Wirtscliaftsnot gehört, müssen selbstzerflei sehende politische Kämpfe, die in der Geschichte so oft Leid über Deutschland gebracht haben, zurücktreten. Und wenn Sie, meine Damen und Herren, in Fortführung dieses Gedankens mich nun fragen, was ich vom Volksbegehren über die Auflösung des preussisehen Landtags halte, so muss ich Ihnen erwidern, dass es sich staatsrechtlich hier um keine.Reichs-, sondern um eine preussisehe Angelegenheit handelt. Als Staatsbürger — nicht al3 Parte i - Politiker — aber erkläre ich Ihnen, dass Sie mich nicht an der Wahlurne sehen werden." (Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Rundfunkrede am 4. Augusf.) Am Sonntag, den 9. August, wird dem vom Stahlhelm eingeleiteten Volksbegehren der Volksentscheid folgen. Es geht um die Frage, ob der preußische Landrag anstzelöst werden soll. Wenn auch formell der Stahlhelm für den Volksentscheid verantwortlich zeichnet, die Agitation in den Wählermassen ist ihm von den Nationalsozialisten längst aus der Hand genommen worden. In erster Linie wird die Mobilmachung der Hakenkreuzler für den Erfolg entscheidend sein, auf den sie wie aus den Vorabend ihres Tritten - Reichs - Beginns warten. Selbst das Berliner Rundfnnkprogramm wird von den Nationalsozialisten angegriffen. weil es für den Beschinß der Woche ein lirstiges Programm ankündigt, um von dem Volbeentscheid abzulenke'n. „Aber wir werden es ihnen", so schreibt der „Angriff" vom 1. August d. I., „am 9. August schon besorgen!" 13K Millionen Stimmen sind notwendig. um am Sonntag den Volksentscheid dnrchznbringen. Tie hinter dem Volke-entscheid stehenden Parteien unter Führung der stcationatsozialisten konnten Schriiten beute nur nech von gesttstchllichcun Belange sind, so sollte wenigstens jene schritt, die den Leitgedanken unserer E. V.-Venoegnng foriunlierte. uns nnvertoren bleiben, stamentlich die deulsä)-jndiiche Jugend bat die Pflicht, sie in ihren Arbeitslikrsen Wort für Wort und Satz für Satz dnrchzunehmen. Wir sind es dem Andenken Gabriel Rießers schuldig, daß wir unsere Sache unerschrocken und opferbereit vertreten. Tie Erinnerung an sein Aufn-eten. das die politische Atrnosphäre reinigte, ist ein Trost in dieser trostbedürstigen Zeit. Dr. Fr. beim Volksbegehren nur rund sechs Mil? lionen Stimmen erlangen. Tie Niederlage am 9. August wäre daher eine sichere gewesen, wenn die Kommunisten sich nicht entschlossen hätten, für den Volksentscheid einzutreten. Wir wrssen nicht, in welchem Umfange die kommunistischen Wähler der Parole ihrer Leitung folgen werden. Wie wir aus den Versammlungen der Nationalsozialisten ersehen können, ist man durch die Nllthils'e der Kommunisten, die Herr (Goebbels m seinem „Angriff" noch am 30. Juli als „Judenclique" bezeichnet, hosfnungsfroh gestimmt worden. Wer von tmferen freunden diese wenigen Feststellungen liest, weist, wohin der Kurs geht, ob mit oder gegen den Willen derjenigen, denen antisemitische Regungen bei ihrer Abstimnrnng scrrrliegen. Wer gegen den Volksentscheid ist, mrrs; der ^tbstirnurrrng fernbleiben oder, falls er gezwnrr^genermastcrr sich der Ltbftirnnnrrrg nicht entziehen knurr, den StirnurzetLel dirrchstreicheu oder eilt Kreuz in den Nein-Kreis machen. AU5 DEM INHALT: Das Märchen vom „verjucJeten Sowjetrussland“ — Assessor Hans Lennho£f:\Vas kommt nach Graz? — Dr. Hans Lazarus: In erfolgreichem Kampf gegen den Boykott — Dobriner — Fritz Engel: Wolzogen äussert sich. — Hilfe nach innen.