Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- Seite 369 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2a 7.1931 Serlin, 17. Juli 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. L9 CinjeJnunmcr 20Pf:nni3 V vv V wv? y v'w VwWvvv ' -ft? < -^2> iywv>P ÜrV -.^..-.-,.-.-.••7?,v-^--?ft'7;-^. ir •J' V V V VV/IX </ <i/ v^V >>^*OrV>S/vi " **>_ tmOM^^WKKÄM MWOSE'«F UWl) JUKSMÄAM. Virrteljahrsabonnernent 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und CchrlftleiLung: Berlin ^15, Einser Str. 42. Fernsprecher: J2 01:3^5074. .:. PostscheSkonio: Serlin .304 72. .:. £;n!!dnfo: Dresdner D^nk, Dexrsttenkasir 8 2, Berlin-Wilmersdorf 1, HshenZollerndan-.nr ISS, und rsn DoldschnridL- Nochschdd L Lo., Berlin W 8. Tlleinigr Anzeigenannahme: Ännoncen.C^edition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. - Anzeigenpreise: 0,8!) JLH für die Tgcfpattene Zeile nach Rudolf Mostes Kormalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeiaen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 J?«.«, die 62 mm breite Lleklaenezeile 3-0 J?c*. Allgemeine Zeifunö des ^Judentums :y L. H, In dem Augenblick, in dem dieser Aufsatz niedergeschrieben wird, läßt sich die Entwicklung der nächsten Stunden und Tage noch nicht übersehen. Tie Tageszeitungen haben unsere Leser über das, tvas vorgegangen ist, unterrichtet. Wir wollen nicht den Versuch machen, zu prophezeien,' sondern nur einige sür die Beurteilung der Gesamtlage wichtige Feststellungen treffen. . Die letzte unglückliche Entwicklung in Deutschland begann mit der Wahl vom 14. September. Die zügellose Agitation nationalsozialistischer Demagogen fiel auf fruchtbaren Boden, weil die Masse der Menschen immer noch nicht einzusehen gelernt hatte, daß nach dem traurigen Verlust des Krieges nicht so schnell wieder goldene Zeiten kommen können. Ihre Kritik an den gesamten bestehenden Verhältnissen war alles andere als aufbauend. Kein Schreckgespenst war ihnen zu grauenhaft, um es dem verängstigten Hörer oder Leser als wahrscheinliche Folge der bestehenden Zustände vor Augen zu führen. So spielten sie, wie wir in diesen Blättern häufiger brandmarkten, immer wieder mit dem Gedanken der Inflation und machten diese Frage zum Thema ihrer Versammlungen. Die gesamten Verhältniste in Deutschland bezeichneten sie als einen Sumpf, einen einzigen Tümpel von Korruption, als eine gefährliche Jauchegrub-e, gefüllt mit den übelsten Eigenschaften, die Menschen haben können. Gegen dieses verbrecherische Spiel ist die Negierung nicht mit der nötigen Scharfe vorgegangen, zumindest hat sie es unterlassen, die geäußerten Unwahrheiten in Presse und Versammlungen zu unterdrücken und richtigzustellen. Wenn aber ein Teil des Volkes immer nur von einer Seite bearbeitet wird, ohne daß ihm in ausreichendem Maße die Möglichkeit objektiver Beurteilung gegeben wird, wenn man jahrelang die Unterdrückung der Wahrheit duldet und sich aus falsch verstandener Noblesse zur Erzwingung von Berichtigungen nicht entschließen kann, dann muß es so kommen, wie es gekommen ist. Und was war dann die weitere natürliche Folge? Wenn schon in Deutschland kein Vertrauen zur Negierung, zu den führenden Männern im sceiche und in den Landern aufkommen konnte, ^ann das Ausland Vertrauen zu uns haben? Zu allem übrigen kam noch die Kulturschande des Antisemitismus, die das Ansehen Deutschlands in der Welt erschütterte. Oft genug ist in diesen Blättern darauf hingewiesen worden, daß mit dem Schrei „Juda verrecke', der aus den Märkten und auf der Straße ausgerufen wurde, ein Kulturzustand legalisiert worden ist, der in Wirklichkeit einen Zustand schlimmster Unkultur, schlimmster Barbarei darstellt. Tie Wirtschaft eines Volkes basiert aus dem Vertrauen zu dem Volke und seiner Negierung. Nachdem das Vertrauen der Masse der Bevölkerung immer wieder und wieder durch diese nationalsozialistische Agitation erschüttert worden war, kam cs zum Hamstern von Devisen und zur Kapitalflucht in verhängnisvollem Ausmaße. Blätter wie das „W e st d e u t s ch e Grenzblatt' und der „W estdeutsche Beobachter' reizten dazu in geradezu ungeheuerlicher Weise auf. Tort waren Ueberschriften wie:' „Bleibt die Mark stabil?' — „Droht eine neue Inflation?" — „Die Finanz-Hyänen wittern Morgenluft!' an der Tagesordnung. Das „ W e st d e u t s ch e Grenzblatt' Nr. 140 vom 19. Juni d. I. hatte die sensationelle Schlagzeile: „Eine neue Inflation?' und schrieb: „Es könnte so weit kommen, daß eine neue Währungsinflation entsteht (oder gefingert wird!!), wenn sich auch die sogenannte Neichsbank krampfhaft bemüht, diese Möglichkeit adzuleugnen.' Und der nationalsozialistische Abgeordnete Wagner sagte am 10. Juni d. I. im bayerischen Landtag: „Wir Nationalsozialisten warnen jedenfalls nachdrücklichst jeden ausländischen Geldgeber, in dieses bankrotte System einen Pfennig hmeinzusteeken! Tie nationalsozialistische Negierung wird nicht daran denken, etwaige Kredite, die diesem verfallenen System gegeben worden sind, zurückzuzahlen.' Was war natürlicher, als daß die Bevöllerung, die so etwas immer wieder las und hörte, ihr Geld ins Ausland brachte! Jetzt suchen die wahrhaft Schuldigen nach einem Sündenbock: Man versucht, Jakob Goldschmidt, den Inhaber der Tanatbank, für das Unglück verantwortlich zu machen. Wir haben nicht die Aufgabe, die Wirtschaftspolitik der Tanatbank und Jakob Goldschmidts zu beurteilen. Das werden Sachverständige tun. Auf eines aber müsstn wir Hinweisen. Seit langen Jahren gilt Jakob Goldschmidt als einer der bedeutendsten Kenner der deutschen Wirtschaft. Auch demschnatwnale Blatter haben ihm dies ost bescheinigt. So, schrieb die konservative „Schlesische Zeitung' in Breslau im Oktober 1926, es stünde um Deutschland besser, wenn es mehr solche Wirtschastssührer wie Tr. Jakob Coldschmidt besäße. Goldschmidt wollte die Konkurrenstähigkeit Deutschlands im Auslande unter allen Umständen sicherstellen und den Er- Port fördern. Ob die Mittel und Wege, die dazu angewandt wurden, um Deutschlands Ausmhr ä tont prix steigend zu gestalten, volkswirtschaftlich richtig waren, kann hier rnch: entschieden werden. Aber wenn Herr Eoldschmidr sich in der Wahl seiner Mittel geirrt haben sollte, so teilt er diesen Irrtum mit Hunderten, ja mit Tausenden anderer Wirtschastssührer. Jetzt wird auch noch der beispiellos Zusammenbruch der Norddeutschen W o l l - Iämmerci in nationalsozialistischen Kreisen als ein Hauptverbrechen des Herrn Gold'chmidt bezeichnet. Das Ergebnis des staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens in Bremen wird zeigen, ob es nicht gerade Machenschaften der Leiter der Norddeutschen Wollkämmerei, der Brüder L a h u s e n , waren, durch die der entscheidende Anstoß zur Jlliquidität der Tanatbank gegeben wurde. Diese Brüder La stufen sind leine Juden; sie standen — obschon sie eine direkte Subventionierung der NSDAP, offiziell dementierten — unbestrittenermaßen politischen Krei'en sehr nahe, die gewiß alles andere als jüdi siche Interessen wahrnastnen. Die Tanatbank war mit den Kreisen der Großindustrie besonders verbunden. Die Vertreter der Tanatbank scheu in vielen Dutzenden von Aussichtsräten der großindnstriellen Unternehmungen; anderseits.bezeugen Vertreter der 1;| Beachten Sie j| die Beilage;| „Von deutsch-jüdischer i Ü B| Jugend”