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Central-Verein-Zeitung · 1931-06-12 · 24 (12.6.1931) · p. Seite 301

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
24 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
Seite 301 (sequence 1)
Language
German
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X. Fahrgang ♦ Nr. 24 Cinjtlntimmer 20pfennig \/ v vv/y <y g>«*i/ v* v »4/1 m ‘ BrertelrahrZabonnement V >^0 Allgemeine ^eiranQ 065 JUaeniU IIUJ 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin W15, E^.ser SW. 42. Fernsprecher: J2 Oliva 5074. .:. Postscheckkonio: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Dexositenkaffe H 2, Derlin-Dilmersdorf 1, Hohenzollerndamm 196, und von SolLschnriüt - Rothschild & Lo., Berlin W 8. — or—*-*--°»—-—— ca,,x*r; cn>rt,*r. oa«vr;« oiv rnn .—K hör«-. ct;r;^',r, . n an 7?.L/ fn. Nt*, v^-r^^^»--ns Nndnlk / f Ä. Sehr. Wir befinden uns in einem $rifcn[ctnn:cr ersten Ranges. Die neue Not- Verordnung — nicht ohne Absicht nach Schluß des sozialdemokratischen Parteitages und vor Beginn der Aussprache in Ehequers — erlassen, droht politisch alles aus den Kopf zu stellen. Man hofft durch die Einberufung des Reichstags ein Notventil zu öffnen, uni die erregte Stimmung der Schassenden und der durch Wirtschaftsnot zur Untätigkeit Verurteilten abzudämpfen. Betrachtet doch selbst die „Cermama". das dem Reichskanzler nahestehende Blatt, die Lage bitter ernst. Sie schreibt: „Tie Grenze dessen, was unserem Volke an Entbehrungen auserlegt werden kann, ist nicht erreicht, sie ist überschritten." Schon werden aus zumeist dunklen Quellen Gerüchte verbreitet, die Sozialdemokratie habe Herrn Brüning die Freundschaft aufgekündigt und sei mit Hugenberg, Klaß und Thälmann für eine sofortige Beseitigung der jetzigen Reichsregierung. Diese Hoffnungen macht der „Vorwärts" in seiner Dienstag- Nummer zuschanden: „Die Sozialdemokratie ist nicht dazu da, die Diktaturpläne der Rechten zu fördern. Das überläßt sie den Kommunisten. Sie wird aber versuchen müsien, der Notverordnung die Gistzähne auszubrechen." Die Aussprache zwischen Brüning und MacTonald in Ehequers war streng vertraulich: auch ohne an der Tür gelauscht zu haben, weiß man, daß Herr Brüning seinem Kollegen MacTonald selbstverständlich ein ungeschminktes Bild der innerpolitischen Lage Deutschlands gegeben haben wird, dis sofortige Wirtschaftshilfe notwendig macht. Wer die nationalsozialistische Presse in diesen Tagen liest, kann eine förmliche Angstpsychose bei den Nationalisten feststellen, von Ehequers her könnte eine Linderung der Wirtschaüsnot kommen und dem Feuer unter ihrem Agitationssüppchen die Heizkraft entziehen. Tenn bisher hatte die Not dieses Sommers'in Sicbenmeilcnfticfeln für sie gearbeitet! Eine Atempause wollen sie dem „verhaßten" Kabinett Brüning keinesfalls gönnen. Wie so oft, kommen die Kommunisten den Rechtsradikalen durch unerhörte Mordüberfälle auf Stahlhelmer und S. A.-Leute agitatorisch zur Hilfe und erreichen dadurch zweierlei: daß das eigene große Schuldkonto des Rechtsradikalismus in Dergesicnheit gerat und daß die NSDAP.-Reichstagsfraktion jetzt eine billige, flammende Entschließung an den Reichspräsidenten senden kann, in der es heißt: „Die Nationalsozialistische Neichstagsfraktion erachtet es für ihre Pflicht, den Reichs- Uiif 1>C^ Wir veröffentlichen nachstehend eine politische Betrachtung aus der Feder eines jungen volkskonservativen Politikers. Sie scheint uns wichtige politische Ausblicke zu enthalten, wenngleich wir dem Verfasser nicht in allen Feststellungen und Schlüssen zu folgen vermögen. Insbesondere scheint uns die Gleichstellung von Faschismus und Nationalsozialismus unrichtig zu sein. Der Nationalsozialismus stellt u. E. nicht einmal eine Nachahmung des italienischen Faschismus dar. Die Schriftleitung. Man wird auch heute noch nicht sagen können, daß das Trommelfeuer der einzelnen Parteien, Gruppen, Richtungen gegen die Hitler-Bewegung sonderlichen Erfolg hat. Gerade nach dem Sturze Fricks und der Rebellion der Stennes-Leute empfiehlt es sich, wiederum die Gegenaktion auf ihren Wert hin zu prüfen, zu fragen, ob die Art des'Kampfes, der Tenor der Gegenrede, das Ziel der Beweisführung dem Gegenstände der Bekämpfung gemäß und infolgedessen wirksam sind. Ist die Verwirrung im Hnler-Lager das Ergebnis gegnerischer Agitation? Ist sie die Folge wohlüberlegter und überzeugender Leitartikel? Die Konsequenz vernunftgemäßer Deduktionen? Ist der faschiüische Nationalsozialismus in Erregung und Wirrwarr, weil die Geistigen ihn auf allen Gebieten und mit Glanz widerlegt zu haben meinen? Gerade heute empfiehlt es sich, einzugestehen: wenig Frucht trug diese Propaganda. Wenig Frucht die anti-an!isemitische Propaganda der Sozialdemokratie und ihre akademischen Erörterungen über den „Sozialismus". Wenig Frucht die Appelle m i t t e l p a r t e i l i ch - liberaler Zeitungen, der Appell an die Anständigkeit, den gesunden und sauberen Sinn der Bürgerlichen und die Gemeinsamkeit der Ausgaben. Wenig Frucht endlich auch die Kritik des Eh r ist li chs'ozia l en Bol ks d i e n st es an der nationalsozialistischen Vergötzung des Menschen, der unchrisilichen Betonung'der Rasse und der christentumssremden Kulturpolitik der Hitler-Partei. Und doch hatte dieser tägliche Kamps, dies Sperrfeuer der Parteien eine Wirkung. Kein Krieg läßt eine Kampftruppe, eine Nation an ihrem Ort. Zeder Krieg gibt einem Volke eine neue Gestalt. Und aus diesem Kleinkriege ging die Hitler-Bewegung hervor als Filiale des Faschismus. Es ist nicht wahr, daß die Nationalsozialisten — wie uns die Sozialdemokratie erzählte — von Anfang an dem römischen Faschismus wesensverwandt waren. Erst die letzten Jahre brachten diese Wendung. Und diese Wendung bedeutet für die kapitalistischen Präsidenten von Hindenburg und die Reichs reg ierung auf die hierüber von Tag zu Tag wachsende ungeheure Erbitterung nationaler Kreise aufmerksam zu - machen, die sich schutzlos diesen Verbrechern ausgeliesert fühlen, und macht sie für alle daraus mit Notwendigkeit entstehenden Folgen schon heute verantwortlich." Auf eine Formel gebracht, sieht die heutige Politische Lage so aus: „Kommen wir nicht zu einer schnellen Revision des Dotmg- Planes — nicht nur zu einem Moratorium —, dann h a t Hitler Oberwasser, w i e er es nie vor und nach dem 14. September gehabt hat." Nicht ohne innere Erschütterung liest man, wie selbst republikanische Polizeibeamte sich mit ernsten, sorgenvollen Worten gegen die neue Notverordnung wenden: „Wo in aller Welt hat je ein Staat in Zeiten der Not und Gefahr den Hütern der staatlichen Sicherheit und bewaffneten Garanten der staatlichen Ordnung, die Mittel zum Leben gekürzt und eingeschränkt?" Gerade in diesen Tagen, die man Schicksalstage des deutschen Volkes nennen kann, haben wir jüdische Deutsche die Pflicht, alles zu tun. um einer echten nationalen Ausbaustimmung, die von Ehequers unterstützt werden muß, wenn nicht das Chaos kommen soll, den Boden zu ebnen. Wir halten es mit dem greisen Reichspräsidenten Hindenburg, der bei allen Gelegenheiten das deutsche Volk beschwört, den politischen Hader zurückzustellen und sich als Schicksalsgemeinschaft ohne Unterschied des Standes und der Konfession zu fühlen. Selbst wenn andere schlechte Beispiele geben, wie das bei der Einweihung des Kriegsge'allenen-Ehrenmals für Preußen durch den Stahlhelm geschehen ist, der seine'Beteiligung abgelehnt hat, weil Reichsbanner und jüdische Frontsoldaten eingeladen waren, — wir deutschen Juden wissen, daß wir auch in diesen sommerlichen Krisentagen auf Gedeih und Verderb mit dent Schicksal des deutschen Volkes verbunden sind. AUS DEM INHALT Dr. Alfred Hirschberg: Rechts und links vom Rednerpult. Seife 303.1 Hans Herzfeld: Politische Zielsetzung der jungen C. V.-Generalion. Seite 304. Ludwig Holländer*. Politik und Wirtschaft. Bücher« anzelgen. Seife 305.

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