Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 21 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- Seite 261 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2£ 5.1-3* Serlin, 22. «Tot 1931 X. Jahrgang ♦ Sir. 21 Linz sin uni wer 2Spfenn:g VlMs^kU'VZN pe>* * ^rr........ £» Ijr- J ^*>s> « -eMzö^ M§MMNÄrH.ü«M2 - . MDMAiHS?KKWW^ VÄKdZAK SÄ Allgemeine Zeitung des Jucenlums SBeilaa uni Echrillleituug: Berlin w 15, Cmfec 6tt. 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 5074. .:. Postsche^konio: Berlin 2-04 72. .:. Shnüsnto: Oresdnrr Banch O'exositenkaffe II 2, Berlin-Oilmere-iorf 1, Lohon-zollerndamm löö, und von .Eoldmnüdt - Rothschild & Co., Berlin WS. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Aoffr. Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 f!J{ für die 7:esral:ene Zeile nach Rudolf Mo".;s Slormalreiienrnesser Nr. 4, Familienanzeigen und Ciellena-suche (nicht CtellenangeLoee) für Blieglieder des Lentralvereins 0,45 J2Ji, die GO ein dreite Nekiamezeile 3,50 J2X. Biertelfaürsabonrreniettt 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Die nationalsozialistische Presto hat neuen Cloist mit dem sie ihre sensationshungrigen Leser füttert! Die Wirren in Spanien, Revolution, Neubildung der Negierung, Plünderung und Zerstörung kirchlichen Besitzes füllen seit Beginn der Unruhen die Spalten vieler nationalsozialistischer Zeitungen. Alle Artikel und Berichte, die sich mit diesen Vorgängen befassen, haben, was uns nicht so sehr^ verwundert, eine ausgesprochen scharfe Spitze, — die natürlich gegen die Juden gerichtet ist; sie sollen an der Entstehung der Nevolution schuld sein, sollen den maßgebenden Einfluß in dein neugebitdeten spanischen Kabinett besitzen und sollen sogar die Zerstörung kirchlichen Eigentums zu verantworten haben. Spanien ist ein judenarmes Land. Erst in der neuesten Zeit haben sich kleine jüdische Gemeinden in den größeren Städten gebildet. Marrannen sind Spanier, die von Juden abstammen, die vor Jahrhunderten, um der Vertreibung aus Spanien Zu entgehen. Zum Christentum übergetreten sind. Von solchen Marrannen- Abkömmlingen, die besonders in Spanien auch nicht den leisesten Zusammenhang mit dem Judentum mehr, haben, befinden sich einige unter den spanischen Ministern, — und was macht der „Völkische Beobachter" daraus? Er schreibt in seiner Ausgabe vom 14./15. Mai u. a.t „ . . . aber noch interessanter ist es.Fdaß die neue republikanische Negierung Spaniens von drei Juden beherrscht wird...", wobei er auf den Präsidenten der Republik, Zamora, den Innen- und den Justiznunister anspielt. Daß die völkische Presse sich wieder in den üblichen Berallgemeinerungen ergeht und trotzdem kein Zusammenhang mit dem Judentum besteht, aus den drei Marrannen „Alljuda" macht, entspricht ihrer Gewohnheit. Wer die Stürme auf die Klöster, die jeder Kulturmensch, gleich lvelcher Religion und welcher Nationalität, mit tiefster Empörung verfolgt hat, inszeniert hat, wissen wir nicht. Es ist eine Frage, die uns in diesen Blättern nichts angeht. Was wir ..mit Empörung zurückweisen müssen, ist die Behauptung des „Völkischen Beobachters",^ daß irgendeine als sogenannte „jüdische Presie" verschrieene Zeitung sich über diese Klostersthändungen gefreut hätte. Er versteigt sich zu dem Sah: „Wir rufen ganz Deutschland auf zum Kampf gegen den gesamten Marxismus und das uns alle verhöhnende Judentum. Die Zeichen stehen auf Sturm." Kerne Religion hat so unter Verfolgung ihrer Anhänger und ihrer Cinrrchtungerr zu leiden wie das Judcntunr. Niemand karrn und wird Daher die Verfolgung anderer Religionen mit stärkerem Bedauern mitsühlen als die Juden. An dieser Tatsache werden auch die Verleumdungcn und Hetzereien der völkischen Presie nichts ändern. M MÄRN MM MRxMW Sen Arlur EHlverimr vn. Ter neue Wahlsieg der Hitler-Partei t auf die Gegner des Rechtsradikalismus im eiche weit größeren Eindruck ge mackst als auf die Nationalsozialisten in O l d e n b u r g s e l b st. Tenn diese hatten mit einer absoluten d)l c f] rheit im Landtag bombensicher gerechnet. Die Pessimisten unter ihnen waren der Ansicht, daß wenigstens Nationalsozialisten und Deutschnationale Zusammen die Mehrheit erlangen würden, und. nach dem Ausspruch Oldenburg- Ja n u s ch a u s, der in einer großen deutschnationalen Versammlung über seine Stellung'Zu den Nationalsozialisten gesagt hatte: „Wenn ich nicht Alexander wäre, möchte ich Diogenes sein", konnten sie aus den notwendigen seelischen Kontakt;a auch rechnen. In mehr als tausend öffentlichen Versammlungen glaubten die Nationalsozialisten, die Mittelparteien, bis auf das Zentrum, durch einen Husarenritt völlig aufreiben zu können. Gegen die fast uneinnehmbare Zentrumsfestung liefen Hitler und Neichstagsabgeorduete, die auf den Plakaten in Fettdruck ausdrücklich als Katholiken charakterisiert waren, Sturm. So hofften die Nationalsozialisten, dem Zentrum mindestens zioei bis drei Mandate abnehmen zu können. Weshalb konnte Hitler, desien Wahlsieg nicht im geringsten geschmälert werden soll, der festen Ileberzeugung sein, daß er in Oldenburg das erste „richtiggehende" Dritte Reich würde errichten können? Weil die Nationalsozialisten in den nichtkatholischen Landesteilen Oldenburgs durch ihre Agitation die mittleren und kleineren Bauern ge adczn fanatisiert harten. Und das will bei den Oldenburger Bauern, die schwer aus der Ruhe zu bringen sind, etwas beißen. In dem bei Franz Eher, München, erschienenen Heftchen: „Moderne politische Propaganda" vaird auf Seite 19 verraten, wie man die Demagogie spielen lasten muß, um Erfolge wie in Oldenburg zu erzielen: „Das Thema der öffentlichen Versammlungen ist so zu wählen, daß die Maste ans Neugierde, aus Wut über politische Geschehnipe, in der Hoffnung, eine Sensation zu erfahren, oder nieder Hoffnung, für ihre materiellen Juterepen etwas Vorteilhaftes zu hören, hineingeht." Das Zauberwort, das in kleinbäuerlichen Kreisen Ohren und Herzen öffnete, war: „Gibt cs keinen Peurrg-Tribut mehr. Dann gibt cs auch keine Futtcrzötte mehr!" Man muß den Autopark der begüterten H o ch z o l l großbanern vor den Hitler-Zelten in Jever und Cloppenburg gesehen haben, um die ganze Unwahrhastrgkeit dieser Agitation zu erkennen. Der Kamps gegen die Futtermittelzölle und der wochenlange Einsatz Hitlers sollten die absolute Mehrheit schafstu. Hitler aber war trotz der gewaltigen S.-A.-Aufmärsche als Redner ein Versage r. Als in T e l m e n h o r st ein Mitglied der Volks Partei einen hitlerfreundlichen Mann der Gesellschaft fragte, wie ihm Hitlers Rede gefallen habe, antwortete er: „Mau soll au einen Heiligen glauben und zu ihm b e tenI ihn aber nicht sehen Vom Sozialismus der Hitler-Partei war aus dem Lande wenig zu merken. Ans den Plakaten und in den Zeitimgen vewchwieg man gern den radikalen Namen der Partei und schrieb unter das Hakenkreuz: „Wählt Hitler, L i st e 4". Äuch mit juden feindlichen Ausschreitungen hielt man i m allgemeinen zurück. In einer Versammlung m Cloppenburg wurde ein jüdischer Herr aus Quakenbrück erkannt und von <a.-A.-Leuten au die Lust' gesetzt. Sonst hat mau von Anrenipeteien usw. nichts gehört. Der Oldenburger Bauer ist nie ein Judenfeind gewesen, und dem hachman in der Agitation Rechnung tragen müpen. Er hat aus Haß gegen die F u t t e r m i t t e l zö I l e Hitler gewählt, und nicht a i! § o c b gegen die Juden. Man wird aber jetzt vielleicht an den Wählern „Erziehungsarbeit" zu leisten beginnen, und es wird unsere Ausgabe sein, auszupassen, was geschieht. Mit dem „Dritten Reiche" in Oldenburg ist es den Nationalsozialisten also vorbei gelungen, ^ie werden alle Blühe staben, eine n Vertreter in die Beamtcuregicrimg hineinzubekommen. Nach den Erfahrungen im Wahlkampf wird das ausschlaggebende Zentrum kaum Lust empfinden, such mir einem Nationalsozialiüen an den Regwrungsst'ch zu setzen. Vedingung wäre in jedem Falle, daß der von den Nationalsozialisten präsentierte Minister ein Einheimischer wäre, und von den Oldenburger Lntler-Führeru kommt für ein Beamtenkabinett kaum einer in Betracht. lieber der verhältnismäßig nicht ungünstigen Gesamtlage Oldenburgs auch nach dem 17. Mai darf mau natürlich den Ernst des Wahlergebnisses nicht vergessen. Die Nationalsozialistische AUS DEM INHALT: Rabbiner Dr. Ernst Jacob, Augsburg: Freiheit und Bindung, Betrachtung zum Wochenfest. Seite263 Gertrud Isolani: Arthur Silbergleit. Seite 265 — Emst Schaffer: Das erste Luftschiff steigt . , . Seite 266 Arthur Silbergleit: Psalm. Seite 265