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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-15 · 20 (15.5.1931) · p. Seite 245

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
20 (15.5.1931)
Date
1931-05-15
Page
Seite 245 (sequence 1)
Language
German
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20. 5.1331 A - - , Herlin, 15.!Nai 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 20 Einzelnummer LSpfennig ZU/ GL-MZH / MHZWLWMW . .SSKZVMWll lOMSMWZeMsUMZN KMÄMS's.V. AUtzsmeins 2siiunH äss Öucisniums BkerLeljahrsabovmement 2,50 RM. (znzügl. L-stellge'.O). Verlag und ^chriftlritung: Dcrlin V/15, Emscr Str. 42. F?:nspreäer: d 2 Oliva 5074. .:. P2stscheckkon.lv: Berlin. 304 72. Bankkonto: Dresdner Dank, Drposttenkaffe H 2, Berlin-Wilmersdorf 1, Hohonzrllerndamnr 196, und von (SoldschmidL - Äorhscheld & Lo., Berlin W8. Alleinige Anzeig^nannahmr: AnnIncen-Expedition Rudolf Woi«e, Berlin 8M' 1l>9, und deren Filialen. Anreirenprei'e: 0,90 JtcM. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Srormalzeilenme-^er Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebore) für Mitglieder des Ce^ntralvereins 0,45 J?J(, die 62 illru breite Reklamezeils 3,50 2>JL $ ff K-inAü, ^2 AM- V-3' Ein ganz großes Erlebnis — eines, das in dieser Wucht und Ge'chlosscnheit das jüdische Breslau noch nicht Zeichen hatte — war diese Kundgebung des Cemralvercins. Schon vor Oeffnung des Saales standen die Menschen in Mauern. Tann waren im Nu die Sitzplätze des großen Konzerthrussaales gefüllt. Und noch vor Beginn der Veranstaltung sperrte die Schutzpolizei den Raum, und Hunderte muhten leider umkehren. Kundige schätzten die Teilnehmerzahl ans weit über 2000. Und das Bezeichnende: Alle Schichten, alle Nichtnngen der Dresdner jüdischen Bevölkerung waren vertreten: Umversitätsprofessor und -Kaufmann, Arzt und Handwerker, Großindustrieller und Angestellter, alt und jung. Unter den Vertretern" der Reichs-, der staatlichen, der städtischen Behörden, den Rektoren der Schulen, den Lehrern und Lehrerinnen, den maßgebenden Beamten sah man den Polizeipräsidenten von Breslau, den Kommandeur der Schutzpolizei, den Bürgermeister der Stadt Breslau und viele andere. Warum dieser Zustrom? Bei vielen Bewuchern spielte sicher der Wunsch eine Rolle, den ,m Kampf ge-gen nationalsozialistische Beleidigungen und Uebergriffe so mutigen Berliner Polizeivizepräsidenten Tr. Bernhard Weiß persönlich kennenzulernen. Entscheidend aber war das elementare Bedürfnis, dem gepreßten Herzen Luft zu machen, 31t raren, was die Berliner Redner als -Sprachrohr deutsch-jüdischen Gefühls über die uiederriächtigcn Friedhosssckchndüngen, die unaufhörlichen Beschimpfungen der jüdischen Religion, der religiösen Schriften, Oer jüdischen Sittenlchre, des jüdischen Familienlebens zu sagen hatten. Die Erbitterung und Entrüstung von mehr als 2000 deutschjüdischen Menschen ü'eer die Zügellosigkeiten und Gewalttätigkeiten des politischen Kampfes, wie sie nur Deutschland kennt, sollte übergehen auf die'christliche Umwelt in der Erkenntnis, daß der Krieg gegen Niedertracht und Roheit nicht nur ein jüdisches, sondern ein deutsches Erfordernis sei. Der Massenbesuch war aber auch wesentlich ein VerLrauensbekennmis zum Centralverein und seinen Grundansthauungen. Er ist und bleibt die gewaltige und unersetzliche Rotgemeinschaft der Det::rcfjeit Indern Welchen überragenden Einfluß er hat, wie Hunderte und mehr als zweitausend seinem Rufe folgten — das lehrte der Blick vom Vorstandstisch in den Riellnraum, der vorn Parkett bis zur Decke von Menschen wimmelte. In dieser Kundgebung wurde nicht, wie bei unseren Gegnern so rft, geschimpft oder gar gehetzt. Ruhig und würdevoll vertraten wir unsere Sache. Daß diese Kundgebung in ein Theorie und Praxis rr. L? u Bon Dr. Sans Wieder einmal hat Herr Hitler einen Reinignnaseid Killen dürfen. Vor dem Schwurgericht III in Berlin, das gegen Nationalsozialisten wegen Totschlags und Landsriedensbrnchs verhandelte, sollte er als Zeuge Auskunft geben, ob seine S.'nrmabteilnngen „Rollkommandos" gebildet harten. Er hat die Frage verneint und die Sturmabteilungen als harmlose Propagandatruppgeschildert. Tie blutigen Znmmmenftöße Zwischen Nationalsozialisten und ihren. Gegnern seien immer nur auf Notwehrakte der S.-A. znrückznsnhren, die auweizenden Redewendungen der Kampfschriften und Agitatoren nur symb 0 lis ch gemeint gnr-esen. <ro ill auch Tr. Goebbels' Ausspruch „Man muß die Gegner zu Brei zerstampfen" für Hitler nur eine „srmbolisch-e" Aufforderung zur gänzlichen Vernichtung der Idee und Organisation des politischen Gegners. „Tie Legalität der Partei ist die laffäckuiche Realität, — wir stehen grau Allst ans denn Boden der Legalität", heißt das Schlagmorr. auf dessen eidliche Erhärtung sich Hitler nunmehr bei allen künftigen Bemühungen um Ministersessel berufen wird. Zwar hat sich im gleichen Prozeß der frühere Stnrmabteilungsiührer Wetzel, der von der Mutterpartei abgefallen ist und jetzt zu der Stennes-Bewegung zählt, über die allzu radikalen Töne der Bersanmulungsreden beklagt. Tiefe radi¬ Rcichmamr. kale Haltung peitsche die Leidenschaften der Hörer auf. „Wir S.-A.-Führer stehen aus denn Standpunkt. d-aß die Führung verantwortlich bleibt für das, was die einzelnen Leute tun; nicht die Leute sind verantwortlich, sondern diejenigen, die in Wort und Schrift die Leidenschaften der Menge aufpcitschen." chAber Hitler will diese durchaus richtige Ausfachung nicht wahrhaben, obwohl gerade er die Methode seiner Trabamen kennen müßte, sich feige hinter doppelsinnigen Wendungen zu verschanzen und indirekt zu hetzen. Hitlers Eid wird lebhast diskntllr:. Tie Sturmabteilungen sollen über den Verrat ihres Meisters nicht gerade sehr erfreut sein. Jahrelang hat man .Die deutsche Revolution" gepredigt. den Umsturz alles Bestehenden, und Plötzlich ist man lammfromm „legal bis ans die Knochen". Tie revolutionären Sozialisten haben schon im Frühsommer 1900 die Partei mit Tr. Ltto S t r a s s e r vertanen: S t e n n e s ist vor einigen Wochen abgefallen, und es werden ihm noch andere. gerade die ältesten Mitkämpfer Hitlers, folgen. Weiß der „allergenialste Seelenkenner', wie Hitler sich selbst einmal genannt hat, nicht um die Stimmung seiner Garden, daß er vom warmes Bekenntnis zum deutschen Vaterlande in all feiner Not mündete, ist bei der Grimdeinstellungder deutschen Juden etwasZwanglämigcs. Tiefe Kundgebung war aber auch eine Anerkennung des Jüdischen, das in uns lebt, dessen Pflege niemandem zuliebe und niemandem zuleide vielen in unserer Zeit wertvoll ist. Mögen andere mit verhetzenden Schlagworten und blutigem Schlagring Politik machen — wir deutschen Juden lasten uns weder Arbeit und Leben auf deutscher Heimaterde verekeln noch unser Iudmlnm beeinträchtigen. Wir sind keine Schntz-uden mehr und wissen uns selbst zu verteidigen. Heber hundert geschändete jüdische Frieda-oll und ähnliche Heldentaten in Wort und Bild treffen nicht die Angegriffenen; diese Schmach füllt auf die Angreifer und besonders aus die zurück, die Haßgeist zu säen für Lebenszweck und politische Klugheit halten. Ten schaden aber tragt das gesamte deutsche Volk. Ueber den Verlauf der Kundgebung be~ rich'cn wir auf Seite 247, | AU S DEM INHALT: 1 Johannes Fischer M.d.L, 1 Stuttgart: Der National-! so/ialismus in "Württem- | herg.S. 247 1 PolitischeGrosskampftage | in Oldenburg ..... . S. 249 1 Rechtsanwalt Dr. Gri'm- I peter, Gelsenkirchen: | Sind die Schächtverbote 1 rechtsgültig?.S. 251 1 Julius Bab:GeorgBrandes’ I „Jude oder Europäer“ . . S. 253 1

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