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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 239

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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239 Merkwürölge Vorgänge am Rostocker Staöttheater Tie „M e ck le n b u r g i} d) e n Blätter" bringen in der Nr. 6 ihres 3. Jahrganges einen Leitartikel „Was geh: hier vor? Kunst, Politik oder Hetze?" Wir entnehmen diesem Aufsatz folgende Angaben, die wir in ihrer Nützrigkest überprüfen konnten: „Ausschlaggebend für ein Theater sind in allererster Linie Fragen der Kunst. Ter Jwendant des Rostocker StadtthcaUrs hat niemals einen Zweifel darüber getanen, daß für iöu die Kunstausübung allein maßgebendes Gesetz ist. Und er hat dieser seiner Anpassung durch sein künstlerisches Walten Jahre hindurch Eclaung und Anerkennung verschafft. Jetzt soll das Rostocker Stadicheatei zum Tummelplatz unausgegorener Wün'che aus dem Kreise geistig und moralisch Verlüuunener gemacht werden. Tie unglückftlige, in zwo neu in die Brüche geHangene Aiechtskoa'ätinu iimerhalb der Rostocker Stadtverordnetenversammlung hat die Stärke des Eirislusies der Nationalsozialisten weit über Cedühr erhoben. Insbesondere ist den Nationalsozialisten ausgerechnet da ein Eiu'luß eingcräumt worden, wo sie, wie in der Ttzcatcrkonnnission, ungeheuerlichen Unfug cnsriften. roerden, während sie sich auf der anderen Seite in richtiger Erkenntnis ihrer völligen Unfäbigkest aus der Aatwirkung bei den Etaweratungan öerausgeauotscht hoben, um weiterhin mit dem a geglichen Schlagworten den Seist ihrer bedauernswerten Anhänger zu verwirren." In der Tat sind die ausschlaggebenden Vertreter der Theaterkonnnission der Sehrts ebner Apotheke und der Gehilfe in einem Friseurge schüft. Nun soll ein bedeutender Künstler, der ^it 15 Jahren erfolgreich an großen de eschen Bühnen gearbeitet hach zuletzt sechs Ja?re in Rostock engagiert war. eutlaperr rverden. „Ter Intendant hat mit allen guten S-oünden. sich für die Erhaltimg dos Künstlers beim Rostocker Ltadiihcater eingesetzt. Tom Zwang aber' hat er sich fügen müssen, der unter dom Truck der Nazis entstanden ist. Tiefem inneren Zwamwonhang der Tinge find wir verpflichtet ans den Grund zu gehen, weil hier in der nied-erträcheigsten Weist mit der Würde und der Existenz eines Mensäzen Schindluder getrieben wird^ Tos Rätzels Lösung ist, daß der betreffende Künstler Jude ist. Zu den.berüchtigten Programmpunkten der eine gesunde Ennoicklung des deutschen Volkes gefährdenden Natftnalso'ialisten gehört die Forderung, die Kunstinstirute von land- und artfremden Personen zu .säubern'. Tie Bestrebungen der Nazis in Rostock gelten nitzt nur diesem einen Mitglieds des Sladttheaters, ftndern sie wellen auch die anderen drei hier beschäftigten Mischen Künstler aus dem Ensemble rntsernt wissen. In ihrer blöden, blinden Wut hoben sie sich sogar dazu verstiegen, den Heldentenor eine jemitiiche Karikatur' zu neunen, einen Mann, der als aktiver Lsfizicr eine schwere Verwundung im Kriege erlitten hat." Wie uns aus bestinformierter Quell? mitgeteilt wird, ist die Einstellung bc-s betreffenden Intendanten, wie die „Mecklenburgischen Blätter" richtig angeben, völlig einwandfrei. Sr hat alles getan, was in seinen Kräften stand, um die wertvolle Kraft dieses jüdischen Opernsängers seiner Bühne zu erhalten. Tie ungünstige Entscheidung rührr dcher, daß in der aus acht Personen besteöcn.den Theaterkrmmission nur die sozialdemokratischen Stadtverordneten für den Künstler stimmten, während die beiden Nationalsozialisten, ein Teutschnationaler und ein Wirtschaftsparwiler gegen ihn entschieden, wo rauch in sich der Vorsitzende seinen Gegnern anschloß. Es geschieht in Berlin . . . Arthur Holitschers neuester Nomon. — Bois und Hausens „Dienst am Kunden" in der „Komödie". Es mag erstaunen, wenn im folgenden Arthur Holitschers neuer Roman „Es geschieht in Berlin" (Verlag S. Fischer) und Eurt Bois' und Max Hansens Schwank „Dienst am Kunden", der zurzeit in Reinhardts Komödie Halbwolle Hauser erzielt, in einem Atem genannt weiden. Es unterliegt keinem Zweiset, daß Arthur Holitschers geistreiche Plauderei über das gesellschaftliche Leben in den Krcistn des Berliner Westen - Publikums und der rmstschen Emigranten schon um seiner Zielsetzung willen auf einem anderen Niveau steht als'der fade schwank des Komrkerpaares. Es so -! auch hier nicht die literarische Qualität von Holitschers Roman, der den zweiten Teil einer Erikogw bildet, untersucht werden, da man aus das Werk, wenn es in seiner Ccfamtheib ftwrlient, ausführlich wird zürückkommen müsten. Auch vom „Tienst am Kunden" ei lediglich festgestellt, daß in ihm eine Rolle nr Eurt Lois enchalren ist, die er, unbeschadet hier Banalität und Abgedroschenheit, mit dem ganzen Eh arme, die seiner Person eigen ist, herunterspielt. Liber festgestellt muß werden, daß sowohl Holitschers Roman wie dieses Lustspiel deswegen zu fchär'stern Widerspruch von unserem Standpunk: aus herausfordern müssen, weil sie beide scheinbar von der Boraus'setzung ausgehen, daß es in Berlin überhaupt nur Juden gibt. _ Bei dem Lchueank muß man es deswegen anuehmen, da in ihm die Hauptrolle Herr Alexander Pelopouos spielt und weil sich zu ihm noch W. C. Mo. Keilest gesellt, zu denen wiederum Herr Thomas Nebel stößt. Alle drei auf der Bühne deutlich als jüdi'che Tropen gekennzeichnet und alle drei bemüht, das Publikum auch durch jüdischen Witz zu unterhalten. Daß die ganze Angelegenheit nicht noch widerlicher wird, wir wollen aus Einzelheiten hier nicht eingehen, ist lediglich dom dezenten Spiel von Eurt Bois und Max Ehrlich zu verdanken. — Wie weit ist es mit der Theatorkunst in Berlin gekommen, wenn unter der rlegide Mar Reinhardts in seiner „Komödie" eine solche Kost dem Publikmn vorgesetzt werden darf. Gewiß,'es ist Sommer, aewiß, man hat diesnml deutsche Schwankautoren französischen vorgezogen. Aber das scheint mir auch das einzig Positive in dieser Sache zu sein. Und wenn allerseits über den Niedergang des einst so tzrch gepriesenen Berliner Thcatcr?- ocsprochen wird, w wird der Spielplan. den oft Rcrnhardl'lchen Bütznen in die-'em Winter ausgestellt basen, nach: die geringste Schuld dmür zu tragen haben. Ta ist also Holitschers Roman. Er will eine Zustand''childeruug rom heutigen Berlin geben und such: dieses Ziel dadurch zu erreichen, das uns verschiedene Ernvpen von Menschen in ihrer Eostllhchastsatmosphäre gezeigt und in ihren Tiskunronon rorgesührt werden.' Es entsteht so eine lose Reihe von Guckkästen, in denen Marionetten, die vom Autor gewollten Worte chrechen. Aus ihren Reden aber soll der Le'er chlicßeu. daß der nächste Krieg vor der Tür teht, .der Eistguskrieg, der notgedrungen die Bourgeoisie vnd mit ihr die verbvnzte Sozialdemokratie Hinwemftgen müsse. Tas Peinliche aber ist, daß Holiesthcr nur eine Schicht von wenigen Tausend porträtiert, die zr:r Häffte russische Emigranten, zur anderen Hälfte obne zwingenden Grund, wtarierte jüdische Geschäfts¬ und Jndustriemagewten und ihre mehr ober minder mißratenen und verstiegenen Sprötzlinge find. Kaum anders als jüdische Namen findet man dort und ihre Träger leben in einem ^urnpf sittlichen und geistigen Niedergangs, der gewiß in dieser Schicht vorhanden sein mag. Aber wo bleiben die Millionen anderer^ die Namenkostn, die nicht im heute auch schon sehr zerrauften Westen wohnen, die ein dürftiges Tmein im Esten führen, die ihre Angestelltenenftenz in harter Arbeit tagtäglich zu verteidigen haben? Wo bleiben die Salons des Nationalismus, wo bleib: die moralische Korruption der Jünger vom Tritten Reich? Nichts, nichts von clled-em erfahren wir. Arthur Holst'cher ist zu llug, um zu übersetzen, welch? Wirkung sein Buch ausüben kann und airsüben wird. Es erhebt sich daher die Frage, ob ein Schriftsteller seines Ranges nicht Verpflichtungen hat, die ihm gebieten, seine Worte mit Vorsicht und mit Bedacht in eine Zeit zu schleudern, die nicht gewillt ist. sachlich atzznwägen, sondern die demagogisch jedes Mittel benutzt, das ihren Zielen dienlich sein kann. - Or. FrrgenZsröei't öes C. V. Am 20. April wurde in Karlsruhe nach einem gut dcrlaustnen Vortrag-abend, bei dam Rechtsanwalt Berchotd Cuthmann <Wiesbaden'! das Referat hielt, eine Jugendgruppe d-es C. D. gearündeü Wir wünschen den jimgen Freunden erfolgreiche Arbeit iw. Sinne des E. D. Am!. Mai fand in Leipzig unter Leitung von Tr. Herbert Lindemann eine gut bc'uchte Jugendversammlung statt. Nachdem Werner R o s e n st o ck die Grüße des Rerchsjugendaus-' schusses übcibracht harte, wurden in Rcftraten ron Tr. Kurt E o h n . Leter D l a cfi ft e i n und Paul (5Mt ein die po'.iti'tze imb soziale Situation des deutschen Judcnimns und die praktischen Arbeitsmöglichkesten der deutzchjüdischen Jugend behandelt. Am Nuchmitür-Z stellte der neugebildete Jugendausschuß des Landesverbandes wachsen unter Vorsitz von Dr. Kurt Cohn einen Plan über die in tet nächsten Zeit zu leistende Arbeit auf. K Tatsachen sagen mehr als schöne ¥/orfe — man . raucht seit dreiundvierzig Jahren nnr l y l o E~"3 . . . Ü i .3 u'\x y München-!

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