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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 217

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 217 (sequence 1)
Language
German
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-L ais3i L Serlin, 1. Mai 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. IS Einzelnummer LSpfennig GZLVZOS öM§MG' MrDS^IKKAMM WMÄMZ e.V. /^lltzenneins ^eikunZ des Dudertfums BierkeljahrZabonnemeut 2,50 RM. (zuzügU Bestellgeld). Verlag und Schriftleiwng: Berlin W15, Eniser Skr. 4L. §ernspreck<r: J2 Oliva 5074. .:. Postscheckkonto: Berlin SC4 7Z Bankkonto: Dresdner Dank, DeposiLenkasse 8 L, Derlin-Dilmersdorf 1, Hoh^nZolerndamln 136, und von Soldfchnridt« Rothschild L Co., Berlin W 8. Peinige Anzeigenannahme: Armoncen-ExpediLiorr Rudolf Mozze, Berlin 8^V100, und deren Filialen. Anzeisenprei'r: 0,90 JIJ. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moff^ NormalZeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralv-reins 0,45 3LH, die 62 nun breite Rellamezrile 3,50 JiAL \*r 0 a |ji|i l's, Ov i/y' V\) ■v9vV?^ O/ f' :i Ul;;;'v4 r| A (ty^v/v 5Vvi fiMH li^yir i "niv yüilü M / M MÄs AMAr 1.A 4 M. E. Die Auseinandersetzung über die Judenfrage, die unter dem Thema „Kunstbetrieb und Judenfrage' in der „Deutschen Rundschau' im Januar mit einem Aufsatz von Tr. Paul Fechter begonnen und in den folgenden Nummern durch Antworten von Jacob Wassermann, Eduard Behrens und anderen fortgesetzt wurde (vgl. „E. B.-Zeitung' Nr. 10 vom 6. März d. I. und Nr. 15 vom 10. April d. I.), ist inzwischen auch in anderen Blättern lebhaft ausgenommen worden. Die „Literarische Welt' ist in mehreren ihrer Nummern mit Dr. Fechter in eine Erörterung getreten, in der sie durch Anführung von Tatsachen und Beispielen den geistigen Schlußfolgerungen Tr. Fechters den Boden zu entziehen sucht. Der Herausgeber der „Literarischen Welt', Willi Haas, setzt den Angriffen Fechters gegen das entwurzelte jüdische Literatentum und den angeblich antigermanischen jüdischen Kunstbetrieb das positive Schassen deutscher Juden für deutsches Geistesleben entgegen. Er weist nach, daß gerade solche Schriftsteller, die Träger „betont und bewußt deutscher Weltoetrachtung' sind, vielfach von Juden entdeckt, gefördert oder zuerst verstanden wurden. „Wissen Sie, wer für die Erstlingswerke Hermann Steyrs als Erster, man mutz schon wirklich sagen: mit Leib und Seele eingetreten ist? Der Jude Moritz Hermann. Er hat diesem grossen deutschen Dichter die ersten entscheidenden Publikationsmöglichkeiten verschafft- Und zwar bei S. Fischer . Der ,Mölkische Beobachter", vor die Verpflichtung gestellt, in feinem Feujlletontoil einen Fortsetzungsroman zu bringen, der unzweifelhaft rein germanisches Fühlen darstellt, hat sich für Emil Strautzens „Engelwirt' entschieden. Wissen Sie, wer diesen Roman zuerst vor Jahrzehnten als Buch herausgebracht hat? Ein Verlag in jüdischen Händen . . . Sie selbst schreiben Ihre Aufsätze, Herr Fechter, in der noblen, konservativ-preußischen „Deutschen Rundschau", in der einstmals fast alle großen deutschen Geister des 19. Jahrhunderts, von Gottfried Keller und Louise von Francois, Theodor Fontane, Eonrad Ferdinand Meyer bis zu dem genialen Meister der deutschen Prosa Feldmarfchall Helmuth von Moltke zuerst publiziert wurden. Und wissen Sie, wer der Begründer und damalige Herausgeber dieser Zeitschrift war? Ein Jude: Julius Rodenberg In der soeben erstmalig erschienenen „Freien jüdischen Monatsschau' greift Dr. Gustav Krojanker das vielgestaltige Thema auf und behandelt es in der gleichen umfassenden und grundsätzlichen Weise, in der es von Fechter ausgerollt worden ist. Er begegnet sich teilweise mit den nach, stehend wiedergegebenen Gedankengängen von Dr. Ludwig Holländer, die gleichzeitig in der Mainummer der „Deutschen Rundschau' erscheinen, insbesondere streift er die für Ludwig Holländers Ausführungen grundlegende Abweisung des von Fechter ungeprüft übernommenen Begriffes Antigermanismus. Aus Krojankers gedankenreichem Aufsatz erwähnen wir noch seine Auseinandersetzung über die Unsicherheit des deutschen Nationalgefühls, die die Deutschen im Gegensatz zu den Bürgern älterer Nationalstaaten empfindlicher gegen vermeintliche Störungen macht. Daß Krojanker von seiner nationaljüdischen Grundeinstellung schließlich zu einer anderen Therapie gelangt als Ludwig Holländer, versteht sich von selbst. Mag man aber auch einzelne Punkte der Diskussion bejahen oder nicht — uns scheint die Tatsache, daß eine solche Aussprache in einem neutralen Blatte begonnen und in Blättern verschiedenster Richtungen fortgesetzt wurde, für die Verständigung über dieses für die deutschen Juden wie für die verständigungsmilligen nichtjüdischen Deutschen gleichwertige Thema außerordentlich wertvoll. L. H. Die außerordentlich dankenswerte Erörterung, die Dr. Paul Fechter zu dem Thema des inneren Friedens insbesondere in der Judensrage angestellt hat, soll durch die nachfolgende Betrachtung einer weiteren Klärung zugesührt werden. I. Dr. Fechter bedauert einen starken Antigermanismus, der sich insbesondere bei jüdischen Schriftstellern gezeigt haben soll. Hierüber kann ich um so eher in eine Untersuchung eintreten, weil ich mit der Erörterung all der im einzelnen ausgesührten beklagenswerten Erscheinungen durchaus einverstanden bin und mich weltanschaulich auf einer Linie bewege, die der von Dr. Fechter im wesentlichen gleichläust. Man muss zunächst einmal zu einer Klärung des Begriffes „Antigermanwmns" kommen. Unter Antisemitismus versteht man diejenige Bewegung, die Abkunst und Wesen der Judenheit schlcchchm für diejenigen Erscheinungen verantwort.tch macht, die das öffentliche Leben in jedem Umfange vergiften. In der Tatsache, daß jemand Jude ist. wird vom Antisemitismus das Abzuwertcnde, das Gefährliche und das unbedingt Abzulehnende gesehen. In gleicher Weise wird man unter den Bestrebungen, die Fechter mit Antigermcmismus bezeichnet, alles das zu erblicken l>rben, was sich in Rede und Schrift gegen das dem deutschen Volte Eigentümliche und Wesenhafte richtet. Es ergibt sich also zunächst die Frage, ob es wirklich das deutsche Wesen in einer letzten, von allen guten Deutschen anerkannten Bedeutung ist, welches von den in Frage kominendcn jüdischen Schriftstellern beschmutzt und verächtlich gernacht wird. In dieser Beziehung klafft zwischen Antisemitismus und Antigermanismns ein grundsiitzlicher Uuterschied. Ter Antiseinitismus verurteilt jeden Juden, die von Dr. Fechter gekennzeichnete und van mir ebenfalls verworfene Gesimmngsart jedock, setzt sich in Gegensatz Zu Erscheinungen des deutschen Volkslebens, die keineswegs von allen Deutschen in gleicher Weise anerkannt werden, und deshalb keineswegs auch nur im wesentlichen von jüdischen Köpfen kritisiert werden. Man wird unter unbestrittenen nationalen Forderungen nur diejenigen verstehen können, die zur Erhaltung. Stärkung und Altsweitung deutscher Kultnrideale dienen. lieber den Inhalt dieser Kulturideale, ebenso wie über den Inhalt der politischen Ideale bestehen aber unter den Besten des deutschen Voltes -erhebliche Meinungswerschiedcicheiten. Viele behaupten, daß das Unglück, in dem wir leider heute alle leben. Inhaltsangabe Seife

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