Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2N Mitteilung, daß der im^ vorigen ^a!jrc verstorbene berühmte Bakterieloge Vrofcsior Waldemar Hajfkinc, ein gebürtiger Nus'-?, dem Hilssverein — gleichsam" ale Vergeltung für sein gutes Werk — Milliopeu Schweizer Franken vermacht babe, deren Ertrngm'se der Förderung den Talmudl-echschulerr i.Jeschiwo:) in Osteuropa bestinunt sind. Ter interessante Tätigkeitsbericht, den Generalsekretär Dr. Mark W i s ch n i tz e r erstattete, ist weiter unten auszugsweise wiedergegeben. Nachdem der stellvertretende Schatzmeister, Dr. Sigmund Wasser m a n n (Berlin), den Finanzbericht verlesen hatte, dem Vorstand Entlastung erteilt und den Vereinsorganeil der Dank für die im stillen geleitete opferfreudige Arbeit ausgesprochen war, entwarf Dr. Bernhard Kahn, der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, in kurzen Strichen ein Bild von der Tätigkeit des Hilssvereins in den ersten drei 'Jahrzehnten seines Bestehens. Er rief die Erinnerung an die fürchterlichen russischen, rumänischen und galizischen Pogrome und ihre zahlreichen Opfer wach, kennzeichnete die großen jüdischen Wanderungen nach dem Westen als die Struktur der Juden in der ganzen Welt grundlegend ändernde Geschehnisse und gedacht vor allem der durch den Weltkrieg für die Juden eingetretenen Erschütterungen. In allen diesen Fällen, zu aller Zeit habe sich die humanitäre Arbeit, die materielle Hilfe, die moralische Unterstützung, die der .Hilfsverein vielen Hunderten und Tauseilden nrrleidcn.dcr Juden und N'.chnjuden zuteil werden liest, bestens bewährt. Und weu.n auch heute die Lei'tnngssähigkeir der deutschen Juden geschwächt unö ihre Bedeutung gemindert sei. der Hilfsverein ruw sie an 'feinem <0. Gründungstage dennoch zu weiterer tatlrästiger Mitarbeit und Unterstützung aus. 'Bankier' Mar M. W a r b u i g (Hamburg) gab in launigen Worten und unter lebhaftem Beifall der zahlreichen Anwesender als Üeberraschung die Errichtung einer „James Simon-Snftung" bekannt. Me sei das Geschenk einiger Frcrrnde zum bevorstehenden 80. Geburtstag des ehrwürdigen Vorsitzenden und Mitbegründers, ein Zeichen der Dankimrkeit für seine aufopferungsvolle 30jährige Tätigkeit im Hilssvereirr, und solle insbesondere der Förderung des jüdischen Lchulwerks in Osteuropa dienen. Warbnrg erklärte bei dieser Gelegenheit, da st unser Wohltnn unbeschadet unserer engen Verbundenheit mit dem deutschen Venerlande keine politischen Grenzen kennen dürfe. Zum Schluß richtete Justizrat Dr. Julius Blau (Frankfurt a. M.) im Namen zweier befreundeter Organisationen, des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. und der lle^üsb Colonisation Xssooiaiiou (JCA) an den Hilfsverein Worte des Dankes für die Vertiefung der jüdischen sozialen Arbeit und sprach seine herzlichsten Glückwünsche zum Jubiläum aus. —ist— Das Werk öes Hilfsverekns öer deutschen Juden Aus der Ansprache von Tr. M a r k W i s ch n i h e r, Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden Die Arbeit des Hilfsvereins erstreckt sich aus einen großen Teil der Welt, auf Teutschland, auf Osteuropa, ja. sie reicht sogar bis an überseeische Länder heran. In Polen herrscht neben der allgemeinen wirtschaftlichen Krise eine spezielle jüdische Not, erzeugt durch Steuerdruck, Verstaatlichung von Betrieben, übermäßige Konzessionspolltik. Tie Juden werden aus bestimmten Gelverben verdrängt. Die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern hat 80 v. H. und mehr erreicht. Es herrscht eine wahre Epidemie von Selbstmorden, Schulkinder brechen vor Hunger zusammen. Die Juden find gezwungen, die Sonntagsruhe einznhalten. In Litauen, wo 8000 jüdische Staatenlose leben, wurde gedroht, zum Schutze der Arbeit der einheimischen Bevölkerung Ausländer auszuweisen. Nach den beruhigenden Erklärungen der Negierung scheint die Gefahr obgewandt zu sein. Im ganzen gesehen, hat sich die Loge der Juden in Osteuropa in den letzten Jahren dauernd verschlechtert; sie wird durch verscksiirste Pauperisierung und Untergang des Mittelstandes am deutlichsten gekennzeichnet. Bor fünfundzwanzig Jahren war die Massenauswanderung ein Ausweg. Hunderttausende konnten sich in Bewegung setzen. Heute ist keine Möglichkeit gegeben, eine nennenswerte Zahl von Juden in überseeischen Ländern unterzubringen. Nach einem im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten eingebrachten Antrag soll sogar die bisherige Ouote auf 10 v. H. reduziert werden. Kanada, Brasilien und Argentinien bleiben den Juden so gut wie verschlosien. Trotz der neuen Negierung Pilsudski ist in Polen der wirtschaftliche Druck noch immer sehr groß. Für die rumänischen Juden war 1930 ein sehr schweres Jahr. Wieder haben Erzepe stattgefunden, die durch die antisemitische Hetze des ins Parlament gewählten Professors Cuza veranlaßt wurden. Wie im Jahre 1907 hängen auch die jetzigen Unruhen in Rumänien mit der Agrarkrise zusammen. Damals haben Dr. James Simon und Tr. Paul Nathan beim Auswärtigen Amt zugunsten der verfolgten Juden in Rumänien interveniert. Auch als im vorigen Sommer die Wellen des Antisemitismus hochgingeu, hielt der Hilfsverein es für seine Pflicht, im Namen der deutschen Juden zu protestieren und darauf aufmerksam zu machen, daß cs eine politische Gleichberechtigung in Rumänien gibt. Treu dieser ungebeuren Schwierigkeiten ist der Hil'srerBn auch im vom! o stemm Jabr cm gute- Stück vorwärts gekommen. Die E m i - g r a n t c n s it r f o r g e allein beansprucht mehr als den dritten Teil des Budgets. Am Schlesischen Bahnhof in Berlin wurde 22 000 durchwandernden Menschen, Männern, Frauen und Kindern, Inden und Nichtjuden, die Unterstützung des Hilssvereins zuteil. Tie Zentrale in Berlin, die -Komitees in Hamburg und Bremen. Vertrauensleute an den Grenzen und im Reiche leincten wertvolle Arbeit. Nur durch planmäßige Fürsorgearbeit, durch Kooperation um gleichartigen ausländischen Körperschaften gelingt es in vielen Fällen, Hindernisse zn beseiügen, die für den einzelnen Auswanderer mt unüberwindlich sind. Aber im Osten, wo die Not ungeheuer groß ill, bleibt noch sehr viel zu tun. Für schwache und unterernährte Kinder in P ölen wird durch Errichtung von Ferienkolonien gesorgt. In Litauen wird der Vau des uiedergebrannten Kinderhauses in Kowno unterstützt. In Rußland wurden drei Ambulatorien erbaut, eines in der Ukraine und zwei in der Krim. Tie Fürsorge kommt Juden und Christen, den Bewohnern der deutschen, 'ukrainischen und jüdischen Kolonien zugute. In Rumänien ist das Kulturwerk des Hilssvereins wieder ausgenommen worden. Zwölf Anstalten, Schulen aller Art, werden vom Hilssvcrein unterstützt. Das alles ist dem starken A u s bau dieser Organisation während der Ickten Jahre zu verdanken. Zahlreiche neue Freunde wurden geworben, neue Beitragsleistungen wurden erzielt. Ter Hilssverein steht ü b e r den Parteien, er "wirkt in seiner fachlichen Arbeit aufbauend und a u s g l e i ch e n d. Profeüor H a s s k i n e ist gleichsam ein Symbol der Hilssvereinsarbeit. Dieser Manu, der seine Heimat verlassen mußte, weil er Jude war, der, weil er sich nicht taufen lassen wollte, in die Fremde ging, um seine Studien fortzusühren, kam zu Größe und Ansehen und schuf eine Stiftung, mit deren Durchführung er den Hilfsverein der deutschen Juden betraute. Hasskines Beispiel sollte alle anspornen, in tatkräftiger Weise, das Werk des Hilfsvereins zu unterstützen, das jüdisch und menschlich ist, das zur Stärkung des Judentums und zur Verbreitung und Hebung menschlicher Gesinnung beiträgt und weiterhin beitragen soll. Zulius Tchwarz, der Fünfzigjährige Dir begrüben den jugendlichen Julius Schwarz und wollen es nicht glauben, daß er bereits 50 Iohrs clt ist. Dir wünschen ihm die Erhaltung seiner freundlichen, freudigen und von Menschenliebe grlra' genen Geinesart, seines Humors und seiner Hil-sbereiv schaft. Als Mitglied unseres Hauptvorstandes steht er uns stets treu zur Leite, durch Rat und Tat uns fordernd, die.Pflicht anerkennen-. Laß der, der gehoben in der bürgerlichen Gesellschaft dasteht, als Jude dir doppelte Pflicht hat, mit aller KraftZür Glauben und Heimat einzutreten. Glück und Erußl L. EU n (2) A , «n ( ß 3 r'V y Tatsachen sagen mehr als 1000 schöne — man raucht seit dreiundvierzig Jahren n 0 I h f | EuJ L-i § MöNCHENI