Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 205 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Herlin, 24. Bpnl 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 17^ Einzelnummer 20Pfennig NM'MVSIZMSÄ Allgemeine Zei(un$ des Oudenlums PostfcheckkonÄ: 33erlm 304 72. Vanlksisto: Dresdner Bank, Dexssitrrckrsse H % VierteljahrSabounement 2,50 RM. (3U3Ü0I. Bestellrrld). Verlag und Schriftleitun-: Berün V/15, Einser Str. 42. Fernsprrher: J 2 Olira 5-974. PostscheckkonÄ: Berlin 3<)4 72. Vanlksnto: Dresdner Bank, Derlin.Wrlmersdsrf 1, Hohn^llernddnmr 196, und von Goldschnrrdt - Rothschild L Co., Ver.in ^8. Alleinige Anzeigenannabo-.e: Annoncen-Exoedition Rudolf Mosse, Berlin 8V/ 1ü0, und deren Filialen. Anzeigenpreise:^,^ J?Ji für die 7gespaltene oerle nach Ru Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht SrrllenangeLore) für Liitglieber des Lentralrereins 0,45 <7?^, die 62nun breite Recka.^eze: dolf Moffrs e o,50 c7?cf(t Das WeltsiuZLNtsnwsrk Zur Iuöenfrage!>N!> Conöerberrcht für Sie v.-Aertung" von Serrchtsassessor Hans Lennhsjf „Es bestehen heute an einer Reihe von Hochschulen starke Spannungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Eine oberflächliche Betrachtung lediglich ihrer äußeren Erscheinungsform ohne ernsthafte Berücksichtigung der zugrunde liegenden Liesen Ursachen, wird den Tatsachen nicht gerecht. Die für jeden Losungs- Versuch notwendige klare Erkenntnis kann in jedem Lande nur auf Deur Wege offener Erörterung in akademischen Formen gewonnen werden. Auf beiden Leiten sind Gewalt und beleidigende Herabsetzung Des Gegners als Mittel der Auseinandersetzung unbedingt abzulehnen." Wir hatten uns in Nr. 15 der „C. D.-Zeitung" vom 10. April unter der Ueberschrift„Sind wir schuld?' mit den Derdrehungskünsten des Grafen Reventlow befaßt, der in seinem „Reichswart" den Inden im allgemeinen und dem Centralverein im besonderen die Schuld an der Notverordnung zugeschoben hatte. Graf Reventlow beschäftigt sich in dem Leitartikel seiner Nr. 16 des „Rerchswart" unter der Schlagzeile „Die Ueberfallenen" mit unserer Antwort, indem er sich unser Bild zu eigen macht: „daß Reventlow den für 'chuldig erkläre, der wegen eines Uebersalles um"Hilse ruft, und nicht den, der den Ueberfall ausübt". Reventlow behauptet nun, unserer „kurzen Rede langer Sinn" sei, daß wir uns „ertappt" sehen, und in dieser Aufsagung sieht er sich noch durch die Wiedergabe der „Stürmer"-Dilder, auf die wir zur Unterstreichung unserer Beweisführung in dem erwähnten Artikel hinwiesen, bestätigt. Diese „Stürmer'-Bilder, so folgert er nämlich, seien keinesfalls ein Ueberfall aus die „armen, die unschuldigen und ach so deutschen (!) Juden", sondern angeblich nur die drastische Darstellung testen, was Tatsache sei. Was sagt der Gras Reventlow wohl dazu, daß jetzt der „Stürmer" verboten worden ist, und zwar nicht etwa wegen der bösen Juden, sondern weit er das Zentrum und die Bayerische Lolkspartei in unerhörter Weise geschmäht hat? Ob auch die nur „Ertappte" sind? Wir würden aber trotz alledem dem Grafen Reventlow gar nicht die Freude machen, zu antworten und ihn sein Zwiegespräch viel lieber mit sich allein führen lassen, wenn er nicht in dem Schluß noch einige Sätze schriebe, die immerhin zeigen, daß die Notverordnung, wenn man sie theoretisch noch so sehr ablehnt, praktisch docky nicht so ganz überflüssig ist. Was nämlich Herr Nevenrlow da schreibt, erinnert sehr stark an die Aufreizung zu Pogromen: «rr= „Ebenso wird einmal die Zeit komstM men, wo es möglich sein wird, die Kon- ' ig sequenzen aus diesen Erkenntnissen — 1man muß sich ja heute sehr gewählt aus-; jH drücken — zu ziehen. Das ist es, woran W die Juden nicht glauben, und darin be- 1W ruht, daß sie immer wieder so tun, als - |H ob sie uns nicht verständen. <cxz glauben : W an ihre Mach: in Deutschland, sie glau- : ben an ihre Macht, ihre Geldmacht und ' jn ihre Pressemacht überall in der Welt, sie W glauben auch, es handle sich augenblicklich Fil um eine ,antisemitische Wellest die sich Hl früher oder später verlausen würde. Ter! lg Jude meint, er sei schon so oft im Schlamüsset gewesen und aus dem Schlamassel n herausgekommen, auch diesmal werde es ' W wohl nicht anders stin. Wir sind lueit H entfernt, die Juden von diesem Glauben . D abbringen zu wollen. Mögen sie ihn bi s hs zum letzte u A n ge n bl i ck behalten!" Diese These ist das Ergebnis der Konferenz des Weltstudentenwerks, die vom 13. bis 18. April in Nyon stattsand. Dieses WeltftudenLenwerk ist die internationale Organisation studentischer Selbschilfe. Es beschäftigt sich seit August 192Z n. a. auch mit der jüdischen Frage und veranstaltete um die Jahreswende 1928^29 im Schloß Bierville bei Paris eine erste internationale Konferenz. Die Deranstaltung der vorigen Woche war'die zweite derartige Tagung. Die Konferenz war von etwa 35 jüdischen und nichtjüdischen Studenten und jungen Akademikern aus allen in Frage kommenden Landern beschickt worden. Das klingt sehr selbstverständlich. Wer aber die Verhältnisse an den Hochschulen kennt, der weiß, daß es in den einzelnen Ländern bisher so gut wie unmöglich war, Juden und Nichtjuden an einen Vorhand-, lungstisch zu bringen. Ties gilt wenigstens überall da, wo cs überhaupt eine jüdische Frage gibt. Es ist die große Leistung des Weltstndentenwerks, nun schon zum zweiten Male auf breitester Basis eine solche Tagung ermöglicht m haben. Wenn auch der Erfolg nicht vollständig war — aus Rumänien fehlten die Antisemiten, aus Ungarn waren nur sogenannte assimilatorische Juden vertreten —, so ist das Erreichte doch groß genug, um rückhaltloser Anerkemnmg wert zu sein. Während in Bierville die Probleme eigentlich aller Länder, vor allem aber die von Osteuropa, ausführlich behandelt und erörtert wurden, beschäftigte sich die Tagung von Ryon in erster Linie mit den deutschen und österreichischen Fracen. Ties war wohl nicht eigentlich beabsichtigt, folgte aber aus der Auswahl der wichtigsten Rest reuten, die säst sämtlich aus Deutschland stammten, lieber die Rolle der Juden im politischen Leben sprachen der bekannte völkische Schriftsteller Tr. Wilhelm Stapel und Ministeria.'direktor Tr. Badt. Wesentlich ergänzt wurden deren Referate durch die eindrucksvollen Aus'ühruugen von Tr. Friedrich B r o d - n i i; (Berlins über „Indische Weltanschauung und politische Haltung", lieber die Rolle der Juden im Kulturleben der Völker äußerte sich in außerordentlich temperamentvoller Ausführung Dr. Nahum G o l d m a n n. Es fällt aus, daß die jüdischen Referenten mit einer einzigen Ausnahme Zionisten sind. Wie die Referenten, so war auch die größte Zahl der Delegierten zionistischen Kreisen entnommen. Ties mag sich daraus erklären, daß es große, internationale Bindungen des nichtzionistischen Judentums, die hier in Betracht kommen könnten, nicht gibt, und daß es naturgemäß auch an entsprechenden Organisationen fehlt. Trotzdem sollte das Weltstudentenwerk bei seiner zukünftigen^ Arbeit die nichtzionistischcn Juden mehr berücksichtigen als bisher. ^chon aus der geringeren Zahl nichtzionistischer Telegierter ergibt sich leicht eine falsche Auffassung über das wirkliche Kräfteverhältnis der jüdischen Richtungen. Ties war in Nyon deutlich zu bemerken; der Sache der Konferenz wird es kaum dienlich gewesen sein. Tas grundlegende Material, Andeutimgen statistischer Art über die Verteilung der Juden, eine skizzenhafte Tarstellung ihrer ^Lage in den einzelnen Ländern und Hochschulen, hatte der rührige und außerordentlich interessierte Sludiensekreiär des Weltstudentenwerks, James Parkens, gegeben, und damit alle Teilnehmer in die .rache hineingeführt. Tie großen Referate aber gingen darüber weit hinaus. Sie brachten die Verschiedenheit der Weltanschauungen zum Teil in einer Schäme zum Ansdruck, die keiner Sache dienlich war. Tie An.stchten Tr. Stapels über Politik und über Judentum sind ja bekannt. Er trennt alles Wirtschaftliche srreng inüüitiü:!!!!!:.•rniiüiniMiiinüiiüiüir inüiinc mmilwcc"-!!!! AUS DEM INHALT: Sühne für die Trebnitzer Friedhofs« Schändung.S. 207 Günther Stein: Ueberwlndung der Wirtschaftskrise? . . . S. 208 30 Jahre Hilfsverein der deutschen Juden. Aus der Rede von Mark Wischnitzer ...... S. 210