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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-17 · 16 (17.4.1931) · p. Seite 193

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
16 (17.4.1931)
Date
1931-04-17
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 17. April 1931 X. Jahrgang »Nc.lb Einzelnummer 20Pfennig X \ovom WMÄWM #w % Z. «SVUMMI W BierteljahrSabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Echriftleitung: Berlin 15, ^.st^btr. 42.^ Fernfprec^r: 5 Alleinige Anzeigenannahme: Normalzeilenmeffer Nr. 4 ~ Allgemeine Zei/ung des Dudertfums Püftfchecklonio: Berlin 304 7 33an!fonto: Dresdner Bank, Depositenkasse Ll L, nach Rudolf Moffes Reklamezeile 3,50 ftJk. Von Do. Leo Löwenslein, Hpim. d. Ves. a. D., Leckn-Lichierselde Solange unsere Ahnen in Palästina noch in völkischer und staatlicher Selbständigkeit und Geschlossenheit lebten, waren sie durch das ganze Volk hindurch von sehr wehrhafter Ccsinnung. Dazu wurden sie schon durch ihre politische und strategische Lage erzogen. Sie hatten sich das Land mit Wassengewalt erobern müssen. Dann saßen sie dauernd mitten unter kriegerischen Stämmen, als Pufferstaat zwischen den großen vorderasiatischen Reichen und Aegypten, in einer Schlüsselstellung des römischen Weltreiches. Selbst als sie ihren Tempel erbauten, hatten sie neben der Kelle das Schwert bereit. Seit den Kreuzzügen ins Ghetto gesperrt, änderte sich ihre Einstellung. Gegen die von Fanatismus aufgepeitschten Massen war die bewaffnete Gegenwehr einer verschwindenden Minorität vergeblich. Vorbereitungen dazu wurden auch nicht geduldet. Die Versenkung in Glauben und Wissen ließ die ständige Lebensgefahr, in der sie ungeschützt schwebten, vergesien und sie sogar verachten. Für ihre Einstellung ist charakteristisch gerade das zu:.. Pessachfest seit Jahrhunderten jedes Jahr im Kreis der Familie gelesene Büchlein mit den alten Bildern. Da werden an einer Stelle die vier hauptsächlichen Charaktere in Wort und Bild dargestellt. Neben dem überlegenen Weisen, der am liebevollsten gezeichneten Figurl, steht der Gewalttätige, Böse, dargestellt als K r i e g s m a n n , den sie nur zu oft in den zu ihrer Vernichtung das Ghetto stürmenden Massen hatten wahrnehmen müssen. Aber wann und wo die Ghettomauern fielen und der Gleichberechtigung Platz machten, so änderte sich die Einstellung erstaunlich schnell. Nur zwei Stimmen von nichtjüdischer Seite über das Verhalten der deutschen Juden bald nach ihrer Gleichberechtigung Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Staatskanzler Fürst Hardenberg schrieb am 4. Januar 1815 an den Grafen Grote: „ . . . Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffeugefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich angeschlossen..." In einer ausführlichen Denkschrift des preußischen M i n i st e r s des Innern vom Jahre 1847 über die Militärpflicht der Juden, die damals dem vereinigten Landtag vorgelegt wurde, heißt es in Zusammenfassung der Berichte der einzelnen Generalkommandos: „Faßt man den Inhalt dieser Ermittlungen zusammen, so darf man als ersahrungsmäßiges Resultat annehmen, daß die Juden des preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben; daß ferner insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgends als ein Hindernis beim Kriegsdienste hervorgetreten sind." Daß in den späteren Zeiten, insbesondere aber im Weltkrieg, die deutsä-en Juden ihre Pflicht getan haben wie ihre nichtjüdischen Volksgenossen, dafür braucht nach dem, was bekannt ist, kein Beweis mehr geführt zu werden. Ich weise ja auch aus das Vorstehende nicht deswegen hin, um überhaupt derartiges zu beweisen, sondern um die Grundlagen darzulegen, aus denen ihre Einstellung zur bewaffneten Macht im .deutschen Staate -sich ergibt. Es gibt ein Scherzwort, das besagt, die Mäuse, die Offiziere und die Juden hätten eines gemeinsam, nämlich, daß, auch wenn ein einzelner von ihnen etwas ganz Vereinzeltes tut, man dennoch iminer im Plural spricht. In diesem Sinne verfahren aber auch die beiden Gemeinschaften gegeneinander. Wenn ein Angehöriger der Reichswehr eine Differenz antisemitischer Art mit einer jüdischen Persönlichkeit hat — es geschieht auch in der verhetzten heutigen Zeit nur selten und erfährt fast immer schavfe Mißbilligung bei der Reichswehr selbst —, so ist man auf jüdischer Seite leicht geneigt, weitestgehend zu verallgemeinern AU5 DEM INHALT: BertholdWeinberg-.Neuesüber Theorie und Praxis des Nationalsozialismus . . . S.194 Rabbiner Dr. Baerwald (München): Kirche und Politik. 5.195 Dr. Hugo Hahn (Essen): Aufklärungsvorfräge in jüdischen Gotteshäusern. 5.199 und in jedem Offizier und Soldaten einen Antisemiten zu sehen. In anderer Richtung geht es ähnlich. Im Jahre 1920 schrieb mir General Lndendorfs: „Der Antisemitismus im Heere wird ohne weiteres aufbören, wenn die Zeitungen, die unter jüdischem Einfluß stehen, die Hetze gegen den Offizier und die Verunglimpfungen dessen, was vielen Deutschen heilig ist, einstellen." Auch hier wieder eine ungerechtfertigte Verallgemeinerung von taktlosen Angriffen einzelner Juden, die vielleicht ihrerseits sogar, so weit ihnen dies möglich ist. die Gemeinschaft mit dem Judentum aufgegeben haben, aus die jüdiscl)e Gesamtheit. Es muß aber dazu gesagt werden, daß das Heer von 1920, von dem General Ludendorff spricht, nur noch Trümmer des alten Heeres darstellte. Es war weder maßgeblich für das wirkliche große alte Heer noch für die 1921 begründete kleine, aber ausgezeichnet geführte und militärisch überaus hochiverlige Neicl)swehr von heute. Hierhin gehört es auch, daß einerseits jüdische junge Leute, die an sich gern den Soldatenberuf ergreifen möchten, nicht zur Reichswehr gehen, weil sie dort allgemeinen Antisemitismus vorausschen, der in Wirklichkeit an vielen Fabriken, Danken, Geschäften, selbst solchen unter jüdischer Leitung, viel stärker ist. Ans der anderen Seite staunt man darüber, daß sich in unserer Reichswehr nur ganze acht jüdisck-e Soldaten besindeu, obschou unserem Anteil an der deutschen Bevölkerung 34 Offiziere und 864 Mann entsprechen würden. Daß wir nicht imstande wären, diese in tadellosem Format zu stellen, wird niemand annehmen nach der letzten Kriegsleistung des deutschen Judentums, das mit 540 000 Seelen 100 000 Mann

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