Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1ä 4 '1531 HerUn, 10.?!pril 1931 X. Jahrgang ♦ Ar. 15 Einzelnummer LSpfennig ]\ Von Artur Schweriner M <m fini^cjuH i ijfij vm^i-r Jvjj -S' 4 wW t/fi/4%> VvS»v Vor Monaten hat Hitler mit tränenerstickter Stimme Herrn StenneZ beschworen, die Berliner Palastrevolution der S.-A. gegen Goebbels abzublasen, und ihn „für immer" seiner Freundschaft versichert. Am 4., 5., 6. und 7. April beschimpft Hitler in vielen hundert Zeiten seines Leibblattes seinen Freund StenneZ: „Während Herr StenneZ von Loyalität redete, war seine Handlung ein fortlaufender Verrat an der nationalsozialistischen Bewegung. Jeder Versuch zu einer aufrichtigen Verständigung wurde mit Hohn beantwortet. Gewiß, Herr StenneZ kann nicht begreifen, daß ich, wenn es sich um das Schicksal meiner Bewegung handelt, auch bewegt sein kann. Dem Herrä StenneZ war diese Bewegung innerlich vollkommen fremd. Er kennt nur sein Ich und seine ebenso verlogenen wie undurchsichtigen Ziele." („Völkischer Beobachter" vom 4. April.) Was ist in Berlin und in Teilen Norddeutschtands, die dem Osas Stennes unterstanden, in den letzten Monaten vor sich gegangen, um Hitlers Herz dennoch in Eisenklammern zu zwingen? Betrachten wir die Dinge sachlich, ruhig und nüchtern. Der Wahlerfolg des 14. September war zweifellos zum allergrößten Teil auf das Konto der Sturmabteilungen zu buchen. Tagaus, tagein, in Sturm und Regen waren wochenlang vor der Wahl S.-A.-Kolonnen auf Lastwagen unterwegs, stießen bis ins kleinste Dorf vor, sicherten unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens m den Arbeiterzentren der Großstädte Parteiversammlungen, damit die Revolutionäre der Feder und des Wortes unbehelligt die Masten verhetzen konnten. In diesen Tagen wurde die S.-A. durch die politische Leitung in München bei guter Laune erhalten. Die Unsummen von Kampfschahspenden und Eintrittsgeldern — Hitler brachte fast von jeder Zweistnndenrede über die „Not im ausgeplünderten Deutschland" 5000 bis 10 000 Mark „Remverdienst" nach München — kamen in verhältnismäßig großem Maße den S.-A.-Leuten zugute, die bis zu 50 v. H. dein Arbeitslosenheer angehörten und sich an ein richtiggehendes gutes Landsknechtsleben gewöhnt hatten. Diese Zeit war sicherlich auch wirtschaftliche Hochkonjunktur für die S.-A.-Führer, denn Hitler betont in seiner Auseinandersetzung mit Steuues, daß der Herr Osaf keinen Schritt gegangen sei, den er sich nicht habe bezahlen lasten. Die Bedeutung der S.-A. als Stoßtrupp der Hitler-Partei wurde nach den Wahlen immer geringer, die Enttäuschung der S.-A. immer größer. Die S.-A.-Leute hatten geglaubt, daß das, was die revolutionä-en Trommler um Goebbels den fanatisierten Masten während der Wahl vorgaukelten, waha sei: „Das Tritte Reich steht vor der Tür." — Die S.-A.-Leute hatten an Goebbels, wenn er ihnen aus dem Auto zurief: „Ihr seid die Zukunjtsgarde des Dritten Reichs", geglaubt. Und die S.-A.-Leute hatten schließlich das für ernst genommen, was ihnen die Unterführer Zur Aufmunterung so oft vertraulich gesagt hatten: „Wenn Hitler regiert, dann ist für euch ausgesorgt! Schaut doch nur, wie Frick und Frantzen schon heute bemüht sind, ihre Macht durch eure Fäuste lebendig zu erhalten!" Die politische Entschlossenheit der Männer Brüning, Wirth und Severing gegen den Rechts- und Linksradilalismus beschränkte naturgemäß das Arbeitsfeld der S.-A., die unablässig nach München schaute, von wo das Heil kommen sollte. „Wird Hitler alles über sich ergehen lasten? Wozu sind wir denn da, wenn er „in bürgerlicher Sattheit die Faustschläge des verhaßten Systems widerstandslos hmnimmt?" Man wartete in der S.-A. mit fiebernder Ungeduld auf Hitlers Befehle und sah in München einen geruhsamen Mann, der sich den Kopf zerbrach, ob karrarischer Marmor geeignet sei, das braune Prnnkhaus in München Zn tragen. Festes Znpacken — nicht zuletzt auch der bayerischen Regierung — hatte Hitler legal gemacht; staatspolitillh kluges Verhalten der Sozialdemokratie irn Reichstag verwandelte die letzte revolutionäre Geste der Hitler-Lente, ihren Auszug aus dem Reichstag, in eine Fastnachtskornödw. Es unterliegt keinem Zweistl, daß nach dieser Lage der Dinge der mUielbegaöte Stennes vollständig ausreichte um ein Heer von Unzufriedenen um sich sammeln. Die Gelder für die S.-A. flössen immer spärlicher, und die milden Gaben der Frauenarbeitsgemeinschaft waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In einer Erklärung vom 6. April, in QL SEN SIE: Rechtsanwalt Dr. Julius Blüth (Eisenach): Die Aera Erich und ihr Ende...... 8. 182 Sind wir schuld? Zu der Not-! Verordnung des Reichspräsidenten .. . . S. 183 Rabbiner Dr. Italiener (Hamburg): Gabriel Riesser S. 185 Religiöse und nationale Minder- I beiten in Polen.S. 186 der er ankündigt, daß er Hitler Gelegenheit geben werde, seine Beschuldig un gen gegen ihn vor Gericht zu beweisen, spricht Stennes recht deutlich aus, wie es ihm und der S.-A. ums Herz war, als sie gegen Hitler aufftanden. Das Gütler-Programm für die deutsche Arbeiterschaft, für die Lösung der sozialen Frage, „habe weniger enthalten als das Programm de - Deutschen Staatspartei". Welchem Schafsenden sollte man da zumuten, sein Leben für die 'NSDAP, einzusetzen. Und dann sagt Stennes wörtlich: „Eine völlige Verkennung der Gesamtlage d:s deutschen Volkes und der Aufgaben einer slarteiführung bedeutet die Geldpolitik in München. In einer Zeit, wo^ Millionen d.'utscher Volksgenossen nicht wincn, wovon fe und ihre Familien leben sollen, wo für tringendste organisatorische Aufgaben kein Geld zur Verfügung steht, werden Hundert- .au sende für den Kauf und die Ausschmückung eines Palastes in München ausgegel>en. Noch niemals hat in der Geschichte eine Armee gesiegt, deren Führer im Trommelfeuer in erster Linie an Pflichten der Repräsentation dachten, anstatt sich um die Not ihrer Mannschaften zu kümmern." Stennes sah also, daß die Unzufriedenheit der S.-A. mit Hitler immer größer wurde. In den Verkehrslokalen der Neichshaupsttadt, auf den Appellen, bei Ausmärschen, immer wieder: „Huormgua tanckem . . . Wie lange, Stennes, wird deine Geduld noch dauern?" Tie Antwort des Parteidiktators auf eine bescheidene Anfrage: „Du hast nicht zu fragen, du hau bedingungslos zu gehorchen!" war der Funke, der die Explosion veranlaßte, über die die Tageszeitungen ausführlich berichtet haben. Bleibt die Frage, ob der Sieg Hitlers über Stennes, der von jedem cmgeweihten Politiker voranszusehen war — Hitler ist reich und