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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-03 · 14 (3.4.1931) · p. Seite 165

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
14 (3.4.1931)
Date
1931-04-03
Page
Seite 165 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, A. flprtt 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 14 Clnjelnummer 10 Pfennig lZS LZKsrM'VS^rVS PZi mmZ^LÄößfMZR Blu Allgemeine Zeifung des Dudenfums Bierleliahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin'N'15, Ew.srr Str. 12. Fernsprecher: 3 2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Trrsdner Bank, Deposirenkaffe H 2, Derlin-Wilmersdorf 1, Hohenzollerndamnr 195, und von GolLschmidt. Rothschild L Lo., Berlin ^'8. . _ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-ExpeLition Rudolf S3oiie, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JtJl für die 7rrspalLene Zeile nach Rudol^Mones Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Steüenangedote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JtJi, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 JlJk, VH »fl. ir jlMtlt \ h * j * <- V : U t J t M -U; H \: - I i ti v» 1 *.! V : i f ‘ V1! t ‘: 1!'.*»* V»l 1 \j -1 ■ > * i 11 : U V, l I.i 'v,:«.! W. I{ I. I i; [ A / Ein wlcfungfcsfltr / jiir Mtömvfimg wn llnoeifl un& Terror sMÄ SDO Mlim SE. 5Klie!5 Umm Ortinllurl ll. SU Eine ausfällige Erscheinung bieten dem Leser oder Hörer die zehn Sinai-Worte. Fast alle Gebote unter ihnen tragen in ihren sirtlich-reügiösen Gedanken und Verpflichtungen nach Inhalt und Form einen allgemein-menschlichen Charakter, sind gleichsam über Raum und Zeit und Volk erhaben, besitzen offenkundig universale Bedeutung. Anders "der eine, der erste Ansspruch. Er knüpst an den geistlich umzirkelten, räumlich begrenzten, national bedingten Vorgang dcZ Auszugs der Juden aus Aegypten an. Welch ein Gegensatz! Der ausgeprägte Universalismus wird eingeleitet durch einen partiku-aristischen Nationalismus. Waltet hier gar ein Widerspruch? Ein Widerspruch, in den der gläubige Jude immer aufs neue auch heute noch hineingerissen wird, wenn er ständig in seinem religiösen Brauchtum, mit besonderem Nachdruck Zumal am Pesiachfest, zur „Erinnerung an den Auszug aus Aegypten" gemahnt wird. Oder birgt dieses nationale Ereignis einen universalistischen Kern? Ueberflutct er womöglich die Schranken des Nationalismus? Sicherlich erscheint alle Geschichte zunächst und zuerst eingespannt in den Rahmen des Volkes. Mit ihm hebt sie an, in ihm findet sie ihren Ausgangspunkt. Das ist das „Passah AegyptensN Das „Payah Aegyptens* aber soll münden, so lehren unsere Alten, in das „Passah der Zukunft". Alle Volksgeschichte soll sich weiten zur Menschheitsgeschichte. Israels Werdegang bietet hierfür das bewußt hervorgekehrte, allgemeingültige Beispiel. NiailIjMI!III!UIN:!MlIUI!!'I'IlNIIHIl!IIIil:HM»!!!N!uNnn'::n:!ai!ll! '::!r:!;n>!!,|ll! Aus dem Inhalt: Thomas Mann: Das bunte Kleid, 8. 172 Dr. Max Osborn: Das Berliner „Jüdische Museum“ . . . 8. 173 Julius Bab: Paul WieglersLiteraiurgeschidite.8. 175 li::i:!I'!!!niill!iili;i!illiinil!:!!l!llillll!!!illllllll!!!!I!!U;i!!Ii!iiUim;inii:::!in:'.-!li!!!lliiU So wollte es Mose, der große Befreier nicht der Juden nur. vielmehr aller Volker, die sich seiner Wahrheit zuwenden. Gewi st hat Mose dem einzelnen in seinem Volk Rech: und Freiheit, Menschenwert und Menschenwürde geschenkt. Er gründet den Sabbat, hebt in ihm und durch tfjtf das Sklaventum auf und errichtet auf religiösem Fundament den Bau seiner Sozialgesetzgebung. Aber diesem überragenden Lehrer der Menschheit ging es um ein Größeres, ein Umfassenderes. Von vornherein ist es gar nicht seine Absicht, Aegypten für immer zu verkästen. 'Er will für die Gemeinschaft der Seinigen das Recht und die Freiheit, ihrem Gotte, der nicht der Gott der Aegypter ist, zu dienen, ihrer Religion zu leben, die nicht die Das Präsidium des Eentralvereins deutscher Tlaasbürger jüdischen Glaubens hatte, wie wir in der vorigen Nummer der „E. V.-Zeitung" berichteten, in seiner letzten Sitzung beschlossen, in einer Reihe von Kundgebungen die Dessentlichkeit aufzurütteln und über die schamlosen Uebergriffe der Nationalsozialisten zu informieren. Hamburg, die Stadt, in der im Anschluß an die beiden Bluttaten gegen Regierungsrat ..Lassally und gegen den Kommunistenführer die Empörung über den nationalsozialistischen Terror hoch aufgelodert war, bot ein günstiges Feld für eine derartige Ausklärungsaktion. So wurde die Kundgebung, zu der der Eentralverein für den 26. März in die Aula des Heinrich-Hertz-Realgymnasiums eingeladen hatte, wie vorauszusehen war, zu einem starken Erfolg. Das Thema: „Gegen den Ungeist — die Saat geht auf!" hatte Vertreter aller Schichten, aller Parteien und aller Religionen angelockt. Sie alle vereinten sich in dem Protest gegen die hemmungslose Verrohung des politischen Lebens und in der Bekundung von dem — trotz allem — immer wachen deutschen Gewissen. Die Leitung der Versammlung lag in den Händen von Rechtsanwalt Dr. U r i a s. Landtagsabgeordueter Otto Nuschke rechnete in seinem Referat mit den nationalsozialistischen Volksverhetzern ab und zeigte deren Schuld am Niedergang unserer Wirtschaftskrise und am Steigen der Arbeitslosigkeit. Daun gab Syndikus Tr. Alfred Wiener (Berlin) ein erschütterndes Bild von der antisemitischen Hetze der Nationalsozialisten, stellte ihren Rohheiten die Knlturleistnngen des deutschen Judentums gegenüber und rief auf zu einem Kampf für den inneren Friederr. Vürgeriiulster Dr. Petersen, Podehn, der Vorsitzende der sozialdemokratischen. Frak- Religion Aeguptens ist. Von Pharao verlangt er die Erlaubnis, mit allen Juden, alt und jung, groß und klein, draußen in der freien Wüste „ein Fest deni Ewigen" zu feiern, um dann mit ihnen zurückzukehren. Das Recht der religiösen Minderheit wird von Mose gefordert, von Pharao abgelehnt. Lion der Hamburger Bürgerschaft, der Dolksparteiler Dr. B e h n , Dr. Ä l t e w i s ch als Vertreter des Zentrums, der Radikal« demokrat Dr. B a u e.r und ein Vertreter des Reichsbanners gaben dann für ihre Organisationen Erklärungen „Gegen den Ungeist" ab. Bürgermeister Dr. Petersen leitete mit einer menschlich schönen Rede sein Bekenntnis ein, des lautete: „Das deutsche Volk ist an sich nicht das Volk, das für Ungeistigkeit und Ungerechtigkeit vorbestimmt wäre, aber ich empfinde es als meine Memchenpslicht, als Deutscher zu protestieren gegen oas, was . jetzt in Deutschland geschieht. Für uns alle gilt es. sich Zu bekennen zu einem gerechten geistigen, Humanitären'Deutschland und damit das Urteil zu sprechen über alles, was jetzt an Leidenschaft, Haß und Kleingeistigkeit unser geliebtes Vaterland durchzittert." Ter gleiche Geist erfüllte die Reden der anderen Parteivertreter, die alle, insbesondere der Volksparteiler Dr. B eh n , in einer scharfen Absage gegen den Nationals o 3 i a l i § in u % gipfelten. Zwei Vertreter des Judentums, Direktor Engel vom D-eutsch-Jsraelitisü^n Gemeindebund und Alfred Lisse^r als Mitglied des Eentralvereins, schlvge^ sich in kurzen Ansprachen dem Geist und Sinn der Versammlung an. Tann gedachte Tr. U r i a s in einem ehrenden Nachruf des Reichskanzlers Hermann Müller. Tie Kundgebung endete mit der Annahme einer Entschließung, die ein Treugelöbnis für das deutsche Vaterland und die Kampfansage gegen die verletzenden Umtriebe der Nationalsozialisten bedeutet. Sie schließt mit den Worten: ..Tie Fron: aller anständig Tankenden verwirft mit Abscheu jene verantwortungslose Form des politischen und kulturellen Kampfes. Sie erwarten vom Staat die nachdrückliche Einsetzung seiner Machtmittel, um dem zügellosen Treiben Einhalt zu bieten." Hier setzt der große Kampf ein. Ta Mose sein Begehren nicht ermllt sieht, taucht in ihm der Plan aus, Aegyptens Kulturgebiet ganz zu verlassen, im „gelobten Land" der Bäter deren Nachkommen erst einmal nationales Sein und volle Entfaltung der eigenen Kulü.rkräfte zu sichern. Tie Gen-alt der Geschichte, von ihm und

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