Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 13 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- Seite 149 (sequence 1)
- Language
- German
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-a 4.1831 Serlin, 27. März 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 13 Einzelnummer 20Pfenntg \ rs/ Zu öen SluttüLen von Hamburg uuö preußisch-Hsllanö 1! s i? i? i 11 n »www Das Präsidium des CeuLral-Bereius deutscher Staats« bürger jüdischen Glaubens hat aus Anlatz Der jüngsten juDenfeinDlicherr Exzesse Die politische Lage und ihre Auswirkungen auf Die Situation Des Deutschen Zuventums in einer besonDercn Sitzung erörtert. Es gibt Der Hoffnung Ausdruck, Das; Bluttaten wie Die in Hamburg unv Pr.-Holland Einzelerscheinungen bleiben werden, wenn Der Staat seine Machtmittel mit aller Energie einsetzt. Attentate, Neberfälle, FrieDtzofsschänDuugen, Beschimpfungen ungeheuerlichster Art gegen Inden und Judentum sind Die Folgen einer von nationalsozialistisch - antisemitischer Seite systematisch betriebenen PrcsseunD Versammlungstätigkeit, Die mit politischer PropaganDa nichts mehr zu tun hat. Es gilt jetzt. Die grosze. Lesfentlichkeit auf Die Ergebnisse dieser maszlosen Hetze in besonders eindringlicher Form hinzuweisen und sie aufznrütteln. Schritte bei Den Zentralbehörden im Reich und in Den Ländern, Wachrüttlung Der Lesfentlichkeit Durch eine Reihe von Kundgebungen, Einleitung einer Die wertesten Kreise erfassenden Anfklärungsaktion Liber die schamlosen Uebergriffe und Roheiten Der JuDcnhetze sind zunächst in Aussicht genommen. llei. Wir jüdischen Deutschen haben unser Interesse an einer Niederzwingung des zügellosen Judenhasses in Würde und nationaler Zurückhaltung betont. Wir haben unsere besondere Not nich! immer so hinausgeschrien, wie es unserem Fühlen entsprochen hätte. Wir wissen anders als die Künder des Tritten Reiches das Gebot der R ü ck s i ch t auf das Ganze zu wahren. Aber: Jetzt ist es genug des Blutes, der Hetze und desTerrors! I e tz t v e r l a n g e n w i r die Solidarität aller ethisch empfindenden Menschen! Jetzt ordern wir. daß man die Judenetze nicht mehr als untergeordnetes „Agitationsmätzchen" bagatellisiert. Tenn diese täglich anwachsende fudenfeindliche Propaganda — mag sie auch un Einzelfall vielleicht nicht ernst genreint sein — nährr den Habglauben einer irrenden Jugend. stachelt die Blutinstinkte labiler Menschen auf, peitscht verbrecherische Subjekte zu Ge- Walttaren. die mit der Glorie nationaler Taten umkleidet werden. Heute können die mit der Hitler-Bewegung (hmpathifierenden „nationalen Kreise" judcneindliche Pogrompropaganda nicht mehr als ne Tat minderwertiger Parteianhanger abschütteln. Die ganze Partei Hort ans die Pogrompaiole und der frühere Vizepräsident des Reichstages. Herr S t o e h r, gefallt sich in der gleichen Tonart wie der „fpinncte" Schulmeister Streicher aus Nürnberg. Es gibt keine Scl)am und keine Grenzen mehr. Tie „nationale Grneuerungsbewegung" ist mit Blut befleckt: ihre Führer tragen das Stigma des Verleumders, des brutalen Aufpeitschers aller niedrigen Instinkte, an der Stirn. Die mit ihnen sympathisieren, müssen jetzt eindeutig und klar Stellung nehmen. In Kreisen, die sich selbst als „nationales Bürgertum" zu bezeichnen pflegen.' hat sich die Formel herausaebildet: „die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei sei der nationalen Kräfte willen, die in ihr wurzeln. zu unterstützen. Sozialismus hin. Antisemitismus her: der glühende nationale Wille der Hitler-Bewegung sei anzuertennen; deshalb hinein in die NSDAP.!" So beruhigt sich das deutsche Gewissen und sieht nicht die Gefahr, die in der ständig sich steigernden radikalen Agitation liegt. Schon ist das Wort vom „Köpferollen" allein nicht mehr zugkräftig. Herr S t o c h r, den die 107 als würdigen Repräsentanten für den Vizepräsidentenstuhl des Deutschen Reichstages auscrsehen hatten, steigert die Parole seines Meisters Hitler: „Dann kann man sich nicht wundern, wenn einmal vor dem höchsten Staatsgerichtshof des Reiches auch die .Köpfe der Novemberverbrccher gefordert werden. Wir sind keine Mörder, aber wir werden uns der Vollstreckung eines solchen llrteils nicht entziehen. Vielleicht erlebt dann die deutsche Hausindustrie einen ungeahnten Aufschwung." (Berliner Versammlung der Sektion Eneisenau am 18. Marz.) Das deutsche Gewisien ist abgestumpft, sehr abgestumpft. Man stelle sich vor. wie solche Parolen im Jahre 1912 gewirkt hätten. Vor drei Wochen haben wir dargelegt, aus welchen Gründen etwa seit Tezember 1930 das alte Judenlatein wieder gelesen wird. Herr Hitler, der die murrenden Parteigänger beruhigen wollte, hat in einer Führertagung im Dezember 1930 die Parole ausgegeben: „Schärfster Kampf gegen die Sowjets und Juda ist wieder aufzunehmen.^ In dem Hepp- Hepp der Judenhatz würden die rebellierenden. Arbeit, Freiheit und Brot fordernden Protestrufe der S. A. untergehen. Man konnte zu dieser primitivsten Art der Propaganda Zurückkehren: denn die Hoffnungen aus die Ministersessel waren gescheitert, und Hitler durfre dcu Tiplomatenfrack, den er im Oktober und November 1930 feierlichst angelegt harte, wieder ausziehen. Jetzt brauchte man keine Rücksicht mehr auf das Ausland zu nehmen, und der Pogromknüppel, den man zwei Monate lang in die Ecke gestellt hatte, mußte feine Schuldigkeit wieder tun. Hw«' ii £* ■ ,J -f «Ji Li ü 62 X.zJ <L'! *1 Li ii auf Postscheckkonto Berün 115501 (Sonderkonto) — Erspart uns unnötige Erinnerungsspesen!