Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 142 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 TaMSZmchmchrM Die Hamburger Mtentate Von. unserem dorthin entsandten Sonderberichterstatter. Hamburg, den 18. Marz. Die Schüsse, die in Hamburg einen Rcgierungsrat nicderstreckten und einen konmuumstischen?lbgeordneren töteten, knellten nicht lauter als die Revolver, die täglich, ja fau stündlich im Deutschland von heute aus politische Gegner abgedrückt werden. Die Hamburger Schöffe wurden nur deutlicher gehört, weil die Tat umstände die Deffentlichkeit in besonderem Maße aufmerken ließen. Der Mordversuch des Oberwachtmeisters Pohl an Regierungsrat Lassa ly bedeutet den Versuch eines nationalsozialistisch verhetzten Menschen, seine Vorstellung vom Dritten Reich wenigstens meinem Punkt in die Wirklichkeit umzusetzen: ein Jude dürfe nicht Beamter in Deutschland sein. Seit Wochen berichten wir an dieser Stelle von der planmäßigen Ablehnung jüdischer Richter durch Nationalsozialisten. Hier wird, um mit Hitlers Worten zu sprechen, der „legale' Versuch gemacht, einen nationalsozialistischen^ Programmpunkt zu verwirklichen. Die Schüße des O-berwachtmeisters Pohl haben, wie zahllose andere Fälle, bewiesen, wie die Anhängerschaft das Gerede von der Legalität eufsaßt und wie sie die Konsequenzen aus der Lehre ihrer Führer in ihrem eigenen Temperament und ihrem persönlichen Haßempsinden mehr entsprechender Weise, d. h. durch die verbrecherische Tat, zieht. Es ist für die Beurteilung des Sachverhalts unerheblich, daß Oberwachtmeister Pohl nicht eingeschriebenes Mitglied der NSDAP, sein soll und daß Regierungsrat Laffaly selbst seit seiner Kindheit der jüdischen Gemeinschaft nicht mehr angehort. Man weiß aus anderen Fällen, daß eine nationalsozialistische Geheim kartothek besteht, in der die Zellenobleute für die Staats- und Reichsbetriebe, insbesondere für Polizei und Justiz, unter Decknamen geführt werden. Laffalys Taufe ist für den Nationalsozialisten Pohl kein Hemmnis gewesen. Ter „Raffe" nach blieb Laffa'y für ihn Jude. Und Pohl schoß, weil Lassaly Jude war. * Ein erst jetzt festgestellter neuer Umstand wirft noch ein besonderes Licht au? den Mordversuch: Pohl, aus gut bürgerlich-akademischem Hause, hatte vor längeren Jahren den Versuch gemacht, das Examen für die höhere Beamtenlaufbahn abzulegen. Er war durchgefallen. Nun stand er dem — glücklichen oder begabteren — Juden gegenüber, deffen Posten auch er hätte bekleiden können. Ter Protest gegen die gehobene Stellung des Juden war ihm durch bessere berufliche und geistige Leistung nicht möglich. So kam ihm die Theorie des Nationalsozialismus zu Hilfe und gab ihm als entscheidendes Argument seiner rassischen Ueberlegenheit den Revolver in die Faust. Das Attentat auf den kommunistischen Llbgeordneten ist durch die kaum faßbare Roheit seiner Durchführung von Bedeutung. Es zeigt, was das gesamte deutsche Volk, nicht nur die deutschen Juden, zu erwarten hak, wenn diese Rohlinge, ohne au? Widerstand der Staatsgewalt gu stoßen, nach Herzenslust quälen und töten könnten. Die Kognakslasche spielt den ganzen Tatabend und die Tatnacht hindurch eine wichtige Rolle und viele Glas Bier verstärkten die Wirkung des Alkohols. Auch hier wieder als „moralische" Entschuldigung persönlicher Roheitsgelüste: politische Gegnerschaft. Die Hamburger Oeffenttichkeit hat in sehr charakteristischer Weise auf beide Verbrechen reagiert. Es zeigte sich, daß sogar solche Untaten nicht hinreichen, um die bürgerliche Presse eines ganz bestimmten Typs zu einer scharfen Frontstellung gegen den volkszerstörenden Nationalsozialismus zu veranlagten. Man entrüstet sich sehr wohltemperiert und verteilt seine Tadel in genau ausgewogenen Mengen auf Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Ueberschriften sind auffallend jn ibrem Bestreben, die Schuldsrage ungeklärt zu ja sogar zu entschuldigen und zu begründen. Die Auffassung der breitesten Bevölkerungs'chichten dagegen ist einheitliche Ablehnung solcher politischen Methoden, und die Maßnahmen des Senats finden allgemeine Zustimmung. Es ist ein trauriges Kennzeichen der innerdeutschen Lage, daß der A u 8 n a h m e zustand verhängt luerben muß, um den Nor m a l zustand zu erreichen. Die nationalsozialistische Antwort auf die Entrüstung der Oesfentlichkeit ist interessant. Die Hamburger Nationalsozialisten, in unmittelbarer Berührung mit den Ereignissen, versuchten nach den Derbrechen, möglichste Distanz zwischen sich und die Täter zu legen. Je weiter jedoch nationalsozialistische Blätter und schließlich am weitesten der oberste S. A.-Führer, Adolf Hitler 5mö!)ofsfü)anöuns in WMeim. MiMlWMM M llct MlNt Auf dem jüdischen Friedhof in Schriesheim an der Bergstraste wurden in der Nacht vorn 5. zum 6. März zwei Grab st ei ne auf Kindergräbern um geworfen und ein weiterer Grabst e i n beschmutzt. Tie Täter konnten bereits ermittelt werden; es find zwei Mitglieder der N.S.D.A.P. in Schriesheim. Die Jüdische Gemeinde Schriesheim hat gegen die jugendlichen Rohlinge Strafantrag gestellt. O j Sie rechtzeitig für Ihre Familie und für Ihr Alter durch Abschluss einer an suerslcüi ans m £) bei unserer seit fast 100 Jahren bestehenden Gesellschaft! Schreiben Sie noch heute unter Benutzung der beiliegenden Anfragekarte an die Vereinigte Berlinische und Preussische Lebens’Versicherungs-Aktien-Geseilscfrafi BERLIN SW 68 gegründet 1836 Markgrafenstrasse 11. RUDOLF MOS9E ANNONCEN-EXPEDITION JederWare eine individuelleReklame! Budolf Mossc hat die Vielseitigkeit ln der Reklame und dem Reklamestli zu hoher Vollkommenheit entwickelt. Das Ist eine der Ursachen für die verkau'skräftige Wirkung unserer Wcrbefeldzüge. » Reichsmark K RinOunciDnQ P Fn T~1 O lv. n ii li Innr^rrn Reichsmark S7./263. 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