Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 12 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 —NM /— nur Mm KLeliebigmMchMe/!u? eäE8 g mußessM.». OerGchaliMchttz/ bischofs Kopp eine Hrenpforte errichtete, deren Transparent hebräisch und deutsch den Vers trug: ..Sind wir nicht alle Kinder eines Vaters, hat uns nicht alle ein Gott geschaffen" — und der damals so selbstverständlichen Zustimmung zu dieser religiösen Friedenskundgebung? Wie heimatlich wurde mir zumute, als icb bei der Herreise die ersten harten oberschlesismen Laute vernahm und das erste .LVasserpolmsch" wieder hörte, diesen aus ältestem Kirchenpolnisch und Deutsch geformten Dialekt, der seine derbe Ursprünglichkeit auch heute noch bewahrt hat und den wir als Kinder beim ,Knöpsespielen" so gut beherrscht haben! . Der Tag der Entscheidung, der 20. März, kam heran. Voller Zuversicht gingen wir zur Urne und gegen Mitternacht zogen wir mit unseren Gästen aus Mainz, Frankfurt a. M., Hamburg und Dortmund zum Kattowitzer Rathcuis, von dessen Balkon die Abstimmungsergebnipe verkündet wurden. Mit Jubel nahmen die dichtgedrängten Vollsmasien die Meldungen entgegen. 707 000 Stimmen für Deutschland, 479 000 für Polen! Noch hatte man keine rechte Vorstellung über die künftige Gestaltung des Landes, aber wie kennte man daran denken, dieses, durch familiäre. wirtschaftliche, kulturelle Bande unlösbar zusamu'Lngeschmiedele Gebiet könnte je auseinandergerigen werden? . Nur zu rasch vergingen die Tage gemeinsamer Freude, gemein sanier Hoffnung. Unsere Freunde hatten ihre Pflicht erfüllt, sie kehrten ins Reich zurück. Für uns aber begann nach - der endgültigen Entsckieidung der Karnpf um die Erhaltung unseres deutschen Kulturgutes. Einmütig haben die ostoberschlesisckM Juden ihr Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt und durch diesen Akt dm Leidensweg beschriften, den im Nachkriegseuropa 20 Millionen Menschen gehen müssen, den Weg der nationalen Minderheit. Im Vertrauen auf die vom polnischen Staate feierlich übernommenen Verpflichtungen blieben die meisten Juden der Heimat treu, in der sie durch die Tradition vieler Generationen und Jahrzehnte eigener Arbeit verwurzelt waren. Ihre Haltung hat bei den Polen Verständnis und Achtung, bei den Deutschen volle Anerkennung gesunden. Hassen wir. daß das zweite Jahrzehnt der europäischen Geschichte nach den großen politischen Umwälzungen im Zeichen der Verständigung und des friedlichen Zusammenlebens der beiden großen Nationen stehen wird, ohne die eine gedeihliche Entwicklung Europas nicht zu denken ist! Von HMsMrZ nach OppsM Von Eva Reichmann-Zungmann Ich hatte vorher lauge mit dem Gedanken gespielt, das Sommersemester 1921 in Freiburg zu verbringen, also in derjenigen deutdeutschen Universität, die von meiner oberschlesischen Heimat am weitesten entfernt lag. Tie Abstimmungssahrt stand ja bevor, und es reizte mich, sie aus einer möglichst langen Strecke auszunutzen, die ganze Diagonale durch Deutschland hindurch sollte es sein! Am Ende jedoch siegten Vernunft und Stndien- Plan, und schließlich war ja auch Heidelberg noch weit genug, um eine lohnende Fahrt in Aussicht zu stellen. Schon wochenlang vorher begann die Sammlung der versprengten Oderschiesier in dem Verein der Heimattreuen, und es war für mich eine stete Quelle des Erstaunens, wie aus allen Ecken und Winkeln der geliebten Universitätsstadt Landsleute sich zusammenfanden, die entschlossen waren, .den Weg zur Erhaltung der Heimat zu gehen. Nicht für ' alle war das eine so selbstverständliche und vergnügliche Angelegenheit wie für mich. Tie ' Verbindung Zwischen dem äußersten Osten und _ dem deutschen Südwesten ist und war besonders damals äußerlich recht locker. Keine Spur von den engen, persönlichen Beziehungen, wre sie zwischen Oberschlesien und Berlin,. Oder- . Schlesien und Mitteldeutschland, ja sogar bis hin zum Rheinland bestehen. Die Abstimmungsberechtigten in Heidelberg waren vereinzelt, eigentlich recht zufällig dorthin ge- - kommen, oft genug vielleicht, weil verwandtschaftliche und heimatliche Bindungen nicht fest genug mehr gewesen waren, um sie an ihren ursprünglichen Wohnsitzen festzuhalten. Dazu kamen dann wir paar Studenten. Ich wußte wohl: Wir waren keine echten Abstimmungsreisenden, keine, die aus einer neuen Heimat in die alte fuhren. Wir hatten ja unfern Wohnsitz noch in unfern oberschlesischen Vaterstädten, und nur unsere -Studien hielten uns zeitweilig fern. Aber das war nur eine äußerliche Unterscheidung. Im Grunde aber fühlten wir uns genau so stolz, genau so sehr als „Heimkehrer" wie unsere Landsleute. Am 16. März ging die Fahrt los. Alle ohne Ausnahme waren erschienen. Die zurückbleibenden, nichtabstimmungsberechtigten Angehörigen brachten uns ein fürstliches Geleit. Musik, Gesang und — nicht zu vergessen — eine Flasche Wein Pro Person sollten uns die Reise aus dem schon in wärmster Frühlingssonne lachenden Neckarland in unsere strengere, kargere Heimat erleichtern. Unsere erschien allgemein als ein großes Wagnis. Uebertricbene Nachrichten von polnischen Unruhen hatten die Gemüter in Aufregung versetzt. Ohnehin kann kein Westdeutscher an Oberschlesien denken, ohne daß ihm dabei die abenteuerlichsten Vorstellungen von halbasiatischer Unkultur aufsteigen. Nun aber erst, da es sich Mn ein hartumkämpftes .Land, handelte, ein Land, in das wir fuhren, um sein Schicksal zu entscheiden -— nun erst recht erschien unser Tun in einem ganz ungerechtfertigt heroischen Licht. Wie Helden wurden wir behandelt. In Mannheim wurde unser Zug zusammengestellt. Tie Heimattreuen aus ganz Baden stießen zu uns. "Nun waren wir schon eine stattliche Menge. Das hob Stimmung und Siegcsgewißheit, und man sing langsam an, sich in die Ehrungen hineinzusinden und sie als etwas Wohlverdientes zu empsinden. Bevor die Reise weiterging, wurden wir zum ersten, aber nicht zum letzten Male bewirtet. An Riesentafeln nahmen wir Stärkungen entgegen. Tann wieder Musik und Zurufe, und die Eisenbahn setzte siel) in Bewegung. Ter Zug iuhr langsam durch die deutschen Lande.' Ich hatte Zeit genug, auch ohne die Strecke Freiburg—oeibelberg, die Fahrt zu genießen, und ich tat es in vollen Zügen. Nicht, daß ich der Schicksalssckzwere vergehen hätte, die immer und immer den Hintergrund bildete. Aber ich war jung genug, und der Himmek war blau genug und meine Zuversicht unerschütterlich genug, um das ernste historische Geschehen, vor dem sich unser Tun abhob, vielmehr in seiner Größe als in seiner Tragik zu empfinden. Zum erstenmal in meinem Leben durfte ich mit Geschichte machen! Mehr als einmal drängte sich mir in Wehmut dev Gedanke an die Kämpfer auch die einst im gleichen Bewußtsein - ins Feld gezogen waren. Aeußerlsch ähnelte unsere Reise in vielfacher Beziehung dem -ersten Ausmarsch unserer Feldgrauen. Neberall der gleiche Jubel, die Fülle der Liebesgaben, die gleiche Hoch-stimmunc; eines echten deutschen Gemeinfmastserlebnisses. Achtundzwanzig Stunden sauste unser Zug quer durch deutsches Land, und jeder Ort, den wir berührten, wetteiferte mit dem nächsten in dem Bemühen, uns Liebes und Ehrenvolles zu erweisen. An' Nachtruhe war natürlich nicht zu denken. Als ich einmal gegen drei Uhr nachts gerade den schüchternen Versuch gemacht haue, mich etwas hinzulegen, weckten uns Volkslieder und Klampsentöne: Trotz schwärzester Nacht hatte es sich eine Wandervogelgruppe nicht nehmen lagen, uns beim Uebergang über die schlesische Grenze ihre Grüße zu bringen. Wieder jlogen Süßigkeiten und Erfrischungen in unsere Wagen. Der Schlaf war endgültig dahin, aber wer hätte darum trauern mögen? Jede Minute wollte ja bewußt durchlebt werden. Jedes Gespräch mit Mitreisenden vermittelte Einblicke, bleibende Werte. Viel zu schnell waren die Stunden dahin und mit ihnen ein großes, einmaliges Erlebnis. Als dann der begeisterte und begeisternde Empfang in der Heimat die Reiseeindrücke beschloß, aber nur um eine neue Kette von Geschehnis en einzuleiten, da hatte ich einen inneren Besitz gewonnen, von dem ich wußte, daß ihn mir nichts, auch nicht die drohende Ungewißheit des Wahlausfalles würde rauben können: das Erlebnis meiner Abstimmungsreise quer durch Deutschland. Gutschein Nr, 2004 Sie erhalten gegen Einsendung dieses Gutscheines und Beifüung von Messmer-Tee- Imüllungen d, Originalpackungen von zusammen 4 Pfund 1 ediijapanische Teevase oder 1 Teekanne Vh Pfund 1 Tceiasse oder t Sahnegießer oder 1 Zuckerdose 14 Pfund das vollständige Tee- Service poHoil verpackungsfrei durch EdMessmerGjnJbM. Frankfurt c. M. 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