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Central-Verein-Zeitung · 1931-02-27 · 9 (27.2.1931) · p. Seite 101

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
9 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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10.1 Eseine Leser, die nur die „Jüdische Rund- , nicht aüer die „C. V.-Zeitung" kennen, unvollkommen. Nicht der Sieg des reliliberalen Gedankens war für uns der Sieg des E. D.-Gedrinkens — wir sind religiös völlig neutral und stehen dem kowervativen Gedanken genau so nah wie dem liberalen —, sondern die Tatsache, daß dir übcrwr.'.ngrnde Mehrheit der Berliner Juden den nationckljüdischen Gedanken als ein Unglück für das deutsche Judentum ablehnt - — ganz ebenso w i e der E. B. IV, Die geringe Substanz in sachlichen „Richtigstellungen" mnklndet Herr Karefki nun mit „geistvollen" und Persönlich gehaltenen Witzen. In DoI ksve r ja mra 1 u n g c « mirft so etwas erheiternd, als Zeitnngsinhalt traurig. So ist Herr Kareski zum Beispiel überrascht, daß jenrand den Florian Geyer kennt. Sern engerer Bekanntenkreis müßte gegen diese Minderbewertung Protest erheben. So behauptet er, der G. B. wäre für fette Bissen auch heute noch empfänglich, falls die Zubereitungsart geändert würde — und hat damit fast recht, deim der E. B. braucht für seine ständig wachsende Arbeit ünmer Mittel. Nur irrt er sich, wenn er damit Die Vorstellung vom Ge sinn u ng-s kan f verbindet. Gr irrt sich auch, wenn er den Berwsier dieser Zeilen als durchgesallenen Kandidaten der Posttivliberalen bezeichnet, der, da die Liberalen siegten, den Sieg des C. D.-Gedankens über sich selbst bejubele. Daß der Vertaner gar nicht kandidierte, ist natürlich belanglos für die Richtigkeit der Karelischen Polemik. Herr Kareski witzelt darüber, daß der Verfasser „ehemaliger Geschäftsführer des Reichstagsroahlausschunes 1930" Unterzeichnete: ein etwas großer Titel für eine etwas winzige Sache — als ob es auf den Titel ankäme und nicht uns die Kenntnis der Zusammenhänge, über^die der. Geschäftsführer uotwendigermatzen bester Bescheid wissen muß als Horr Kareski, der sich rühmt, in den Ausschuß gar nicht hineingegangen zu sein. Herr Kareski meint, an anderer Stelle die entscheidend wichtige Feststellung, daß die Gemeinde ihn und Kollenjcher gar nicht ebberuftn habe, sondern daß sie als Parteileute unberechtigtermaßen für die Gemeinde Erklärungen abgogebQi hätten, als eine „Negistratursorge" abtun zu können. Das spricht für die Bewertung technischer Tinge durch Herrn Kareski — nur daß er sie diesmal in ein falsches Fach gelegt hat. Herr Kareski har heute wenig mehr politisch zu verlieren und begeht den — bei ihm eigentlich überraschenden — politischen Fehler, aus Verärgerung heraus den Standpunkt der permanenten Opposition einzunehmen. Es ist fraglich, ob das deutsche Judentum! in seiner Notzeit hierfür^ Derständtüs haben ustrd. Was es will, ist positive Tat, Haudanlegen. Aessbau. Herr Kareski will sich anscheinend ausfchalten — er muß wißen, was er tut. Vielleicht darf man ihn, der so literaturkundig von „Büchse der Pandora" schreibt und das Wort „wed e k i rr d¬ Lc 2 n 3 vsr s f ül: 3 ni r; c b G35 s 3 H s r;: I n \ n n V’ y i \J U £J g^Kründei 1 hj2 Vcrtragsgcsdlschafi grosser jüdischer \ Organisationen! Versicherungsbe^tanJ.1 iMKbarü'a £13 Mi^^asn Goldmark : Oarantiernittel. ca. 1S 3 ,T „ j 2seazu.^ang 1ck29.. ü5"*er SSO „ „ I Lebens-, ligsstsusr-, SKIuna]:!-, C:n'3nyorsic’:sfun:sn; Schulz der Fern Hie —! Sicherung des Alters — durch Phonix, l i ch" bildet, an den Schlußsatz des „Marquis von Keilh" eriimern: „Das Leben ist eine Rutschbahn". Nicht nur das Leben, Herr Kareiki, sondern auch, und vor allem, die Politik! Purim Eine in Kupfergestochene Esther- Nolle aus -er Universitätsbibliothek zu Rostock. Hcraus-gegcbcn und eirrge leitet vou .Landesrabbirrer Tr. Siegfried Silverstcitt, Nostock 1SZ0. In Kommission bei Carl Hinstorsfs Verlag. Preis 20 Mark, irr Nollcuform 25 Tlark. Ein seltener Fund ist dem Lar-.desrabbiner Tr. i 1 b c r Tt c i n unter den der Rrstockcr Universitütsbibliothek von dem gelehrten Crientaliucn T y ch s c n (gest. iLlö) vrrnrachckn Handschriften und Trucken geglückt: eine ans vom Anstng des 18. Jahrhunderts von einem füduchrn Künstler in Schrift und Lild gestochene Esthertll o l l e, bisher einzigartig und nur einmal vorhanden. Wir kannten bisher Esther-Rollen, denen Kupferstiche cmgckügi sind, aber keine, die auch gestochene ^christ anfweist wie die st. Tr. ^ilbersUin bringt in einer ausführlichen Einleitung die notigen Angaben aus Tychstns ^christen und Brichm über die Dlegilla herbei und untersucht ne im Zusammenhang mit anderen bekannten Esther-Rollen. Tie Kicksiersckche, die die Rollen zieren, sind in einer gemütlichen Naivität gehalten. Teß zu Zeiten der seligen Perser im Bilde die Schießprügel knallen, erzählen die Leistungen des braven Stechers ebenso - unbedenklich, wie, daß die zehn ^ähne Hamans an rinom Galgen vom Ausmaße eines Wolkenkratzers übereinander anfteknüpst werden. Ter Fund Tr. Silbersteins hat weit über den Kreis jüdischer Interessen Beachtung gefunden, so im „Archiv für Buchgewerbtck, Heft 11/12 29S0, mit sachverständige Angaben der bekanntesten in Buchstaben und Bildern gestochenen Wecke des 18. Jahrhunderts. Tie Veröiistntlichung der einzigartigen Rolle wildem Gelehrten Tr. Wllbersrein den Tank jüdischer wie ^nichtjüdischer Kunswer ständiger, und darüber hinaus aller derer, denen Purim und Megilla lieb und wert sind, mit Recht eintragen. W. Walter Mehring über öen Antisemitismus in DeutschranZ Walter Mehring, der bekannte Dichter, der unter der jüngeren Generation beule eine führende Rolle €innimmt, wurde beim Erscheinen seines letzten größeren Weckes „Ter Kaufmann von Berlin" in seiner Einstellung zum Judentum zu seinem eigenen Erstanrum, wie er in Nr. 3-8, Jahrgang 1929 dieser Blätter darlegte, von einigen rVvas skeptisch beurteilt. Tstst Skeptiker werden jetü eines B-woren belehrt und der Nckinnng derer znneigeu. die, wie der Schreiber dieser Zeilen, Wacker Btchriug seit stiner Jugend kennen und über ferne Trellung zum Judentum nie im Zweifel waren. Bei einem Meeting, das die lligae üa ln äesenLL eontre in der §alw IVa^ram in Paris abhielt und das von IMll P^ersvnen besucht war, protestier len Mare Saugnier im Kamen der Kaihnäckn und Piarrer Verwarn im Zkamcn der Protestanten dagegen, daß Menchen, die sich Ehristen nennen, sich anckistmitnch gebärden. Tann machte Präsident Üoearde gewissen sranzösi'chen Kveistn eine scharfe Abstge wegen ihres Anlssemitismus in Maier und trat nach einer warncherzigen Mu'prache dev Schriftstellerin für die Indien, die Dor'ämvser der größten Ziele der Blenschheit, ein. Walter Mehring begann seine Rede mit einer scharstn Abrechnung mir dem Antisemitismus jeder Richtung. Tann traß er als Teusscher für die allgemeine deuvche Not vnen rrnd mannbar ein. Gr sprach zneckt in knrzcin historischen Ncberblick von der mvst'ckchcn schuld, die man den Inden aufgebürdet, um eigenes 'Mißgeschick, eigenes Versagen und eigene schuld zu verdeckelt, ging dann über zu der „Blurhochzcit des Antistmitismns mit der heimlichen Tck'atur hitlersscher Provenienz" und zeigte die Aehnlichicit in den Zielen bei den Feinden der dritten Republik im Tvctzsus-^Lreit mit der neuen Reaktion in Tcuckchland. Tie wahren Ziele der av.tistmitisch-on Agitation sind für Mehrivlg: rrnrrbsttllcher Haß gegen jed-e Friedensliebe, gegen d'ch Mens chonrechte, gegen alle Freihcitsgrund'ätze, die nch ebenso in der französischen Revolution wie in den Werken der großen dLntsäxn Denker stadem Ganze Kultuckreise und Kulkurgebstte ststn bedroht. Nicht gegen den verhetzten Arbeitslosen solle man Vorwürfe richten, „(wn Fieber, das nur Swnt'tom ist, läß: sich nicht bekämpfen, bevor man nicht den Kranckvvcksherd erkannt hak. And der Antisemitismus, wie jeder llkassen-, Völker- und Religienshaß, ist nur das ä'aßere 'Anzeichen einer rrgani'chon Erkrankung im Körper der Mcrn'chhckt. Kein Arzt — kein Kranker wird aus dem Fieber euren Kult Machen —, ober die Menschheit handelt sock lind dann ein^warmer Appell an den Verstand und an das Gewitzen seiner französischen Zuhörer, der dem Deutschen Walter Mehring Ehre macht: .stSagen Sie nicht: Die Arbeitslosigkeit eines anderen Landes geht uns nichts an! Not kennt keine Grenzen! Und es gibt noch ein anderes Deutschland, friedliebend, sozialistisch, nicht antisemitffch. Guten Willen?, aber geschwächt durch d-ie Krise. Helsen Sie ihm — und Sie helfen sich selb-stl Und Sie: Juden und 3!ich:jud'en, Künstler, Männer der Wi^n'chast, des Bottes, der Politik, brürgen Sie in Ihren Reden! Schriften, durch die Praris Nun Ausdruck: nur mit diesem Deutschland wollet wir zu schasten haben! Machen Sie ^ront gegen jeden, der Saß gegen irgendeine JRumu gegen irnenbein Volk predigt! Fordern ^ie die Freiheit für stde Ucbcrzeu;AML die den Anlistmitismus-, die die Ursachen der Llricge bekämpstck 50 PFENNIGE PACKUNG 60 PFENNIGE

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