Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-4 -erlin, 27. Februar X. Jahrgang * Nr. - Einzelnummer LSPsennig Allgemeine Zeitung des Judentums BierteNadrSabonnement 2,50 RM. (Luzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin W 15, Grnfet Gtr. 42. Fernsprecher: J2 Oliva 5074. Postschecklonlv: Berlin 304 72. VanNonLo: Dresdner Ban?, DspOsirenkasse H t, Berlin-Wilmersdorf 1, Hohsnzollerndamm 196, und von Gsldfchmidt - Rothschild & Go., Berlin W8, Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin S^V 109, und deren Filialen. An;rigenpreise: 0,90 JML für die Tgefpaltene Zeile nach Rudolf MoffeZ Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienan-eigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Cen^raloereins 0,45 die 62 mm breite Reklamezeilr 3//) .’ i/. l '.Vyi I? i h i 1 ly: P'J Pi' PjMM /-) Kd AK FA-Mg?' Profelisr trinrlA GlbLtgkllZ ffaffffirösf V§r? und ßanöksrtt - StelgWZs Zahl her AngOLllkm slliietzmenhZ A'LlLlürzßsmng Zieht man eine Bilanz des Wirtschaftsjahres 1930, so zeigt sich, daß von der schweren Wirtschaftskrise, in der sich Deutsch« land befindet, keine Berufsschicht und kein Stand verschont geblieben ist. Das Riesenheer der mehr als 4,5 Millionen Arbeitslosen rekrutiert sich aus allen Lagern. Mit 18 339 Konkursen und Vergleichsverfahren weist 1930 die Verlustliste der Wirtschaft 3650 Jnsolnmzen mehr als im Jahre 1929 auf. Am meisten haben sich die Zusammenbrüche im Groß, und Einzelhandel erhöht. Sie übertresfen erheblich den allgemeinen Durchschnitt. Bei den Auseinandersetzungen über die Wege aus der Krise, die in diesen Blättern in den letzten Wochen stattgefunden haben, sind sich alle Autoren in dem einen Dünkte einrg gewesen, daß die Wirtschaftsnot die jüdische Bevölkerung besonders hart getroffen hat. Ter Verfasser hat an dieser Stelle immer wieder aus oie Bedeutung der wirtschaftlichen Umwälzung für das Schicksal der deutschen Juden hingewiesen. Die Erfahrungen, die wir jetzt aus der Wirtschaftskrise ziehen, scheinen diese Be- Häuptlingen zu bestätigen. Schon die Ziffern über die Konkurse im Handel deuten darauf hin, daß eine Erschütterung des Handelsstandes die Juden in Deutschland besonders in Mitleidenschaft ziehen mußte. Aber während wir bisher unsere Behauptungen nur rein empirisch aufstellen konnten, sind wir jetzt in der Lage, sie wissenschaftlich zu stützen. Nach jahrelangen Vorbereitungen erschien vor kurzem auf Grund amtlicher Materialien der erste Dano der „Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaften des Judentums, Sektion für Statistik lmd Wirtschastskunde* über „Die BevölkerungsundBerufsverhältnissederJuden im Deutschen Reich* (Akademie-Verlag. Berlin, 348 Seiten Großquart), bearbeitet von dem früheren Direktor des Statistischen Amts der Stadt Berlin, Professor Dr. Heinrich Silbergleit. Wenn auch bei dem rasenden Tempo der Entwicklung viele Ergebnisse dieses umfangreichen statistischen Werkes in den sechs Jahren seit der letzten Berufs- und Betrwbszähluug vom 16. Juni 1925 überholt sind, bleibt die Herausgabe dieser Arbeit ein großes Verdienst SLlbergleits und seiner Mitarbeiter. Denn sie schafft Aufklärung über viele Fragen, die sich bisher nur schwer beantworten ließen. Der erste Band behandelt nur Preußen. Da aber in Preußen mit über 400 000 Personen fast zwei Drittel aller deutschen Juden wohnen, können die statistischen Ergebnisse, zu denen Silbergleit kommt, in ihren Grundzügen als maßgebend für ganz Deutschland angesehen werden. In einer ausgezeichneten Uebersicht über die geschichtliche Entwicklung macht Silbergleit auf die Bedeutung der Judenemanzipation von 1812 aufmerksam. Erst als Bürger des Staates sind die Juden in der Lage, voll an ihren Geschicken teilzunehmen. Erst die Emanzipation führt sie immer stärker in alle Zweige der Wirtschaft ihres Vaterlandes. Silbergleit ergänzt seine statistischen Feststellungen über die letzte deutsche Berufs- und Betriebszählung in dankenswerter Weise durch historisck)e Vergleiche. Nur so gewinnt man ein Bild von den Veränderungen der Wirtschafrsfituation der Inden in den 120 Jahren, die seit der Emanzipation verflossen sind. Nach einer Statistik, die der damalige Direktor des Königlich Preußischen Statistischen Büros, der Wirkliche Geheime Dberregierungsrat und Universtrarsprosessor Tr. I. G. Hofsmann, unmittelbar nach dem Defrciungsedikt im Jahre 1813 ausgestellt hat, lebten von den 12 306 Juden, die das Smatsbürgerrecht erhalten hatten, allein 11 295 von Handel und Gastwirtschaft, 566 vom Handwerk, 386 von wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten und 59 von der Landwirtschaft. Es hätten also nach dieser Statistik 9 2 P riMcnt aller preußischen Juden ausschließlich im Handel ihre Nahrung gesunden. Hoffmann selbst hält, wie Silbergleit mitteilt, die Unterlagen seiner Statistik für nicht sehr genau, glaubt auch, daß der Anteil der Juden am Handel zu hoch geschätzt worden sei. Trotzdem steht die Tatsache fest, daß der Handel der Hauptberuf der jüdischen Bevölkerung unmittelbar nach ihrer Emanzipation gewesen ist. Dieses Resultat kann natürlich nicht überraschen, denn vor ihrer Befreiung konnten die Juden in Preußen wie im übrigen Deutschland jahrhundertelang kaum einen anderen Berus ergreifen als den des Händlers oder Geldleihers. Es waren ihnen damals auch nicht alle Handelszweige als Beruf gestattet. Jüdische Fabrikanten Pind Handwerker wurden nur in sehr beschränktem Umfange zugelasien. Da sie keinen Grund und Boden erwerben dursten, war das Arbeitsfeld des Landmannes ihnen völlig verschlagen. Wenn wir diesen Zahlen von 1813 die Ergebnisse der Statistik von 1925 gegenüberstellen, so konstatieren wir den ungeheuren Fortschritt, den die deutschen Juden in diesem Zeitraum gemacht haben. Immer inniger werden die Juden mit dem Geschick ihrer Heimat verflochten, immer stärker nehmen sie Anteil an feiner politischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Silbergleit betont deshalb mit Recht: „Als ein erstes Ergebnis unserer Berufsstatistik ist hervorzuheben, daß die Inden rrrr preußischen Staate an jedem einzelnen der 106 Felder beteiligt sind, in die Las gesamte Arbeitslebcn der Nation durch die angewandte Systematik zerlegt wird, das; es nicht einen Wirtschaftszweig gibt, in AUS DEM INHALT: Rabbiner Dr.Hugo Hahn (Essen): Jesus, der Arier . . . S. 95 Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger (Stuttgart) und Dr. Müller- Claudius: Wir sind Deutsche .S. .96 Aus der Arbeit des Centralvereins .S. 98 Dr. Alfred Hirschberg: Kareskis Antwort an den C.V. S. 100