Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 7 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- Seite 73 (sequence 5)
- Language
- German
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73 Verschiebung -er Ziomßentzongrches Die Finanzlage — Heftige Angriffe auf Weizmann — Drr Mierachi tritt aus der Exekutive aus —- Nencrklärung des Weißbuches? Leit Ende des Krieges geht der Zionismus seinen schöneren Weg vom Traum zur Wirklichkeit. Dieser brachte wohl so manches einzelne Wunschbild zur Erfüllung, aber er war reich an Erschütterungen von Anfang an. 2eit August vorigen Jahres, als die bekannten Ara. berüberfälle das Blut zahlreicher Menschen vergossen, die im Heiligen Land Frieden zu finden erhofft hatten, überwogen die Erschütterungen so stark, das; das ganze Palästinawerk zu schwanken schien. Wir haben die einzelnen Etappen dieser Epoche auch an dieser Stelle regelmäßig verzeichnet. Das im Oktober vorigen Jahres vom englischen Staatssekretär für die Kolonien Lord Paßsield dem Parlament unterbreitete W e i ß b i: ch über Palästina ist in feinen einschneidenden, für die Fortführung des nationaljüdischen Palastinaaufbaues schlechterdings verhängnisvollen Bestimmungen eingehend daracsrellt worden. Zu der durch seine Veröffentlichung geschaffenen Lage, die im Rücktritt Weizmanns eine symptomatische Allswirkung erfahren hatte, sollte der für Februar dieses Jahres angcsetzte Z i o n i st e n k o n g r e ß Stellung nehmen. Auf seine alsbaldige- Einberufung drängten insbesondere die Kreise der Opposition, an der Spitze die Revisionisten, die in der im Weißbuch sestgelegten Haltung der englischen Negierung den ossenbarsten Zusammenbruch der Weizmann- Richtung erblickten. Sie erhofften vom Kongreß eine grundlegende Neuorientierung der Zionistischen Politik, eine endgültige Beseitigung nicht nur der Person Weizmann, sondern seines Systems und seine Ersetzung durch eine rnacht- und kraftvolle Vollstreckung der reinen „Judenstaatsidee". Wahrend sich in dieser Weise die Parteien zum Wahlkamps rüsteten und sich dabei bereits die für den Außenstehenden fast unverständlichen Absplitterungen ergaben, durch die sich vor allem die deutschen Nationaljuden hervortun — anscheinend um der jüdischen Allgemeinheit ein lchrreiches Beispiel für die von ihnen so wortreich verfochtene „jüdische Einheitsfront" vorzugaukeln —, trat ein vorläufiger Stillstand ein. Weizmann berief das zionistische Aktionskomitee für Anfang Januar nach London ein und bestimrnte zum Hauptpunkt der Tagesordnung die Beschäftigung mit der kritischen Finanzlage der zionistischen Organisation. Co außerordentlich wichtig diese Frage auch gewesen sein mag — um die gleiche Zeit konnten die von der englischen Regierung bewilligten Einwcmderungszertisikate von der Jewish Agency nicht ausgenutzt werden, weil keine ausreichcndenMittel vorhanden waren!—, entscheidend mag doch ein anderer Grund ge. wesen sein. Aus vielen Gerüchten und ebenso vielen Dementis ergab sich, daß die Erekntive, an der Spitze Weizmann, auf eine D e rschie. bung des Kongresses hinarbeitete. Tie Gründe für diesen Wunsch sind nicht ohne weiteres erkennbar. Es kann nur vermaltet werden, daß sie vielleicht in der Hoffnung be. ruhen, e!n Sommerkongreß werde eine bereits etwas geklärtere und etwas erleichterte innerzionistische Lage vorfinden, als das im Falle eines Februarkongresses möglich gewesen wäre. Welche konkreten Aussichten dafür bestehen, wird noch zu erörtern sein. In jedem Fall sind zlveifellos die ..Regierungsparteien" bestrebt, alle im Keim vorhandenen Chancen ausznnnhen. um die ihnen van der Seite der Opposition wohl nicht ohne Kenntnis der Stimmung in der Wählerschaft prophezeite Niederlage nach Möglichkeit zu mildern. Tie Sitzung des Aktionskomitees beschloß, um die Finanzsorgen 31t beheben, einen sogenannten amerikanischen „drive“, einen großzügigen amerikanischen Finanzierungsfeldzug, der unter Weizmanns persönlicher Leitung alsbald noch geführt werden soll. Sie beschloß zur Frage des Kongresizeitpunktes eine Verschiebung bis zum Fr ü h s 0 m m e r, spätestens bis zum 15.- Juni. Dieser zweite Beschluß wurde mit den Stimmen der Arbeiterpartei und der großen Mehrheit der allgemeinen Zionisten gegen die Revisionisten, Radikalen, Misrachisten und vereinzelte Allgemeine angenommen. Das Echo des Verschiebungsbeschlusses war von einer Heftigkeit, die nur aus den starken unterirdischen Spannungen verständlich ist, die im zionistischen Lager bestehen. Rabbi Meier (Berlin), der Vertreter des Misrachi in der Erekntive der Jewish Agency, legte sein Amt nieder, obgleich innerhalb seiner Partei die Stimmung durchaus nicht einheitlich war. Tie Radikalen erhoben lauten Protest, und die Revisionisten legten in ihren Aeußernngen eine Zügellosigkeit an den Tag. die das so ersehnte Ernstgenommenwerden dieser Opposition sehr erschweren muß. Aber durch alles erregte Durcheinander der Parteien klingen in den letzten Tagen Stimmen, die plötzlich die kluge Taktik des Hinauszögerns in neuem Lichte erscheinen lasten. Seit Monaten werden zwischen der englischen Negierung und der Jewish Agency Verhandlungen geführt, die die Auslegung des Weißbuches zum Inhalt haben. Wenig Gegenständliches über den Verlauf der Verhandlungen ist bisher bekanntgeworden. Jetzt verlautet, vorläufig noch unsicher und ohne Bestätigung, daß eine englische Regierungserklärung bevorsteht, die eine gewisse Revision des Weißbuches in zionistenfreundlichem Sinne zu bringen verspricht. Man versteht plötzlich, was Weizmann zum Abwarten bewog: denn wenn auch noch schwerere Aufgaben als die Haltung der englischen Regierung aus dem Wege des Zionismus der Bewältigung harren, Aufgaben, die in der Beschaffenheit des Landes und seiner Bewohner liegen und diplomatischen Noten Trotz bieten, so würde eine stellenweise Zurückziehung des Weißbuches dock) einen taktischen Sieg Weizmanns bedeuten, der die Zusammensetzung des. Zionistenkongrestes zu beeinflussen in der Lage wäre. Dr. R.-J. SLSWAM in OM Ter Gothaer Stadtrat hat am 6. Februar einen nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbots für Gotha mit 17 gegen 14 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen. Für das Verbot stimmten die NSDAP., die TNVP. und Wirtschaftsparter, dagegen stimmten die SPD., die DDP. und die KPD., die DVP. enthielt sich der stimme. Die Stellungnahme der Wirtschafts- Partei überrascht deswegen, weil sich die in Betracht kommenden Wirtschastsorganisationen, Hellv/iFhemü Facüin^er Ye: sandstelle, Berlin SW 11 Scbüneberger Strasse 10a. Telefon: Lützov 82&>01die der Partei nahesteben. aufs entschiedenste gegen das Verbot ausgesprochen haben, drwch das sie schwere Schädigungen vorausfallen. Die wirtschaft-parteiliche Haltung untersciieidet sich auch von der anderen nationalsozialistischen Koalilionspartei, der Deutschen Volkspartei, die sich wenigstens der Stimme enthielt. Es in für die Rechtskraft des Gothaer Deschlunes nur die G e n e h m i g u n g des thüringischen I n n e n m i n i st e r s notivcndig. die, bestimmtem Vernehmen nach, was bei Minister Tr. Frick ja nicht weiter überrascht, bereits vorher erteilt worden sein soll. Die Gothaer Vorgänge beleuchten in dankenswerter Weise die Erundsatztreue gewisser Parteien und gestatten einen Vorausblick auf die Eesckehnisie im thüringischen Landtag, wo bekanntlich in Kürze ein ' Betau buugsz w a n g s g e s e tz für ganz Thüringen, in klarem Deutsch: ein S ch ä ch t v c r b o t, zur Abstimmung gelangen wird. vnl> Sa E. -B. -Betrachtungen von Artur Schweriner. Karlsrrrhe-Taar brücke«, Anfang Februar 193 i Wer vor dem Kriege die politische Wirksamkeit des nationallib-eralen Reichstagsabgeordneten B a s s e r m a n n im Wallotbau jahrelang aus nächster Nähe beobachten konnte, macht gern vor seinem Denkmal in Mannheim halt und widmet ihm einige Minuten stillen Gedenkens. Bapermann hätte im republikanischen Deutschland an Stresemanns Seite gestanden; denn dieser redebegabte Süddeutsche war ein aufrechter liberaler Mann, den auch Ludwig Frank trotz aller politischen Gegensätzlichkeit in jungen radikalen Jahren achtete und ehrte. Noch heute ist der Name Ludwig Frankin Mannheim und in ganz Baden außerordentlich volkstümlich. Wenn man diesen Frontsoldaten hätte in Mannheim bestatten können — Frank starb im Granatenhagel —, wäre fcta Grabhügel zum Wallfahrt-, ort der Masten geworden, wie der Friedrich Eberks. des ersten Präsidenten der deutschen Republik, in Heidelberg. — Auch an dem viel zu unscheinbaren Gedenkstein, unter Tannen Lin der Chaussee nach Offen bürg versteckt, bleibt der politische Kämpfer dankbaren Sinnes stehen. Kaum leserlich kündet die Tafel, daß hier Erzberger einem politischen Meuchelmord zimi Opfer fiel. Tie Rundfahrt endet am srischen Grabe unseres unvergeßlichen Ludwig Haas. LaßtunstreuscinwiejeneTreuen? Laßt unsheute mit doppelter Kraft für den inneren Frieden kämpfen und ihr Vermächtnis erfüllen! Wer in diesen Tagen seelisches Gleichgewicht zu verlieren droht, dem rate ich, in Baden zu den Gedenkstätten der großen Toten zu pilgern und sich in stiller Andacht wiederzufinden. Und rxiceixii~cxiixxri3rniix”nixiixiiD:xxii^^ NM MWÄMt ___....__ _, .. . 1