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Central-Verein-Zeitung · 1931-02-13 · 7 (13.2.1931) · p. Seite 69

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
7 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
Seite 69 (sequence 1)
Language
German
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SerUn, 13 Zebruar lHZI X. Jahrgang * Kr. 7 Einzelnummer 20pfennlg ölättsrfürösrrWrLrm» unü IrrssAiWW. Biertekiahrsabonnement L.LV AM. (zuzagl. Bestellgeld). KZs tsRüeKWZksmS öZMZCZtz, ZeMMMZN UsNZSIIS e.V. /^Utzsnneine ZsNunZ des Dudentums Verlag und Schriftleilung: Berlin W 15, Grr.fcr Sit. 42. $Jerr.fpref>er: J 2 Oliva 5074. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Dank, DeposiLenkassr H 2, Berlin-Wilmersdorf 1, Ho^enzouerndamnr 196, und von Goldschnridt - Rothschild & Co., B:r!in V.'8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Dloue, Berlin SW ioo, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,9^9 JiJL für die 7gel?alLene Feile nach Rudolf Bloffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Ltellengrfuaie (nicht (Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 31-X, die 62 hl in breite Reklamezsile 3r>3 JIJk, Neues Liebt über das vaterländische Wirken des Hamburger Reeders In diesen Tagen erscheint im Verlage Ullstein der dritteBand der Bülow- Erinnerungen. Wir sind in der Lage, aus diesem Bande die iiusserst interessante und geschichtlich wichtige Darstellung Bülows über Ball in, dessen Beziehungen zum früheren Kaiser und dessen Ted, über der noch manches Dunkel schwebt, hier wiederzugeben. Völkische Zeitungen und völkische Schriften konnten sich eine Zeitlang nicht genug darin tun, Ballin als den verhängnisvollen Ratgeber des früheren Kaisers, als den, wie die berüchtigten „Weisen von Zion" schreiben, Verfrachter von Deserteuren und Freudenhausniadchen darzustellcn. Welcher wahre Patriotismus diesen weitblickenden Hamburger Kaufmann erfüllte, welche für Volk und Vaterland unausdenkbaren Folgen es gehabt hatte, würde man wirklich auf seinen Rat gehört haben, zeigt Bülow in neuem Lichte. Auch dass Ballin, dieser grosse jüdische Deutsche, in einen jähen Tod ging, ist lediglich das tragische Ergebnis seiner Einstellung zu Volk und Vaterland. Albert Ballin gehörte, wie Bülow sagt, zu den wenigen, die ihm, auch nachdem er bei Wilhelm II. in Ungnade gefallen war, die Treue hielten imd die wieder und wieder versuchten, ihm an verantwortlicher politischer Stelle ein neues Tätigkeitsfeld zu verschaffen. Im Juli 1914, vor dem Eintritt Italiens in den Krieg, nach dem Rücktritt Bethmanns, nach Michaelis wenig ehrenvoller Berabschiedung, nach Hectlings Abgang und noch im November 1918, als Prinz Mar von Baden die Geschäfte übernahm, dachte man an ihn. und man wird sich auch noch erinnern, daß gewisse Kreise ihn nach Eberls Tod als Reichspräsidenten aufstelleu wollten. Nichts von alledem geschah. Außer der Mission in Nom 1914/15 ist Bülow nicht mehr in der politischen Arena erschienen. Tas hat er nie verwunden, und so ist es nicht erstaunlich, daß seine „TenkwürdigkeiterV eine einzige Anklage gegen seine „unfähigen" Nachfolger geworden sind, und der Versuch, zu beweisen, daß er in jeder Situation anders und natürlich richtig gehandelt hätte. Zu denen, die u'nbcdingt an seine Zähigkeiten und an seine diplomatische Geschicklichleit glaubten, zählte Albert V a l l i n. Und so kommt c?, daß er zu den wenigen Personen gehört, über die Bülow nichts Abfälliges zu äußern weiß. Selbst bei Nathenan ist er nicht immer ganz frei von Gehässigkeit. Ter neue Band beginnt mit der Schilderung des Empfangs, den die Hamburger Bevölkerung Bülow bereitete, als er, vom Amt geschieden, sich dort'für kurze Zeit vor der Uebersiedlung nach Nom zur Nutze setzte. Ballin erwartete ihn am Bahnhof, und noch dm gleichen Abend bespricht Bülow mit ihm und anderen Freunden die politische Lage. Baltin, der stets aus eine deutsch-englische Verständigung in der Frage des Flottenbaus gedrängt hatte, der mit dem Scheiden Bülows die Situation aufs neue kompliziert sah, schlug vor, Tirpitz zur unmittel' baren Verhandlung mit dem englischen Seelöwen Lord Ficher, der im 8ommec nach der Schweiz kommen sollte, zu bevollmächtigen. Er ging dabei von der Voraussetzung aus, daß das Militär sich nie gern von den Tiplomaten habe bevormunden lasten, daß es aber immer gern diplomatische Erfolge anderer für sich in Anspruch genommen hätte. Wenn die Militärs direkt miteinander verhandelten, seien sie es ihrem Prestige schuldig, nicht ohne Ergebnis kuseinanderzugehen. Ballin unterbreitete seinen Plan sowohl Wilhelm II. wie Eduard VII. Beide Souveräne stimmten zu. Er scheiterte schließlich, immer nach Bülow, am Widerstand Bethmann- Hollwegs, der seinerseits den Ruhm der Verständigung nicht seinem Kollegen von der militärischen Leite überlasten wollte. Vom Anfang des Krieges bis zu seinem Tod hat Bat!in wieder und wieder versucht, seiner warnenden stimme Gehör zu verschaffen. In zahlreichen Briefen und Unterhaltungen, die Bülow zitiert, tritt er als Warner, der das Unheil Heraufziehen sah, auf. Und so schildert Bülow Ballinö Mission im Groszerr Harrptqrrarticr. „Ballin, immer verständnisvoll für andere, meinte, als er mir von seinem Mißerfolg (den Kaiser aufzuklären) erzählte: dJch will weder die Kaiserin noch den KabineLLsrat von Berg tadeln. Tie Kaiserin ist die beste Frau von der Welt, das Ideal einer deutschen Hausfrau. Berg ist rin anständiger und patriotisch gesinnter Mann. Aber beide sind der lieberzougung, daß der Kaiser, wenn er die Situation so sähe, wie sie in Wirklichkeit ist, vollständig zusammenbrechen würde, und sie fragen sich beide, was uns mit solch einem Kollaps geholfen wäre. Tie Folge ist, daß der Kaiser mehr denn je a iooFs paradise lebt und ein großer, ja, der größte Teil des deutschen Volkes mit ihm? Was H i n & c n * bürg n n b LudenOorff wich: gelungen war, dem Kaiser reinen Wein einzuschenken, gelang auch ihm nicht, weil es ihm nicht möglich gewesen war, den Kaiser ohne Zeugen zu sprechen." Im Anschluß hieran kommt Bülow auf die Persönlichkeit Vallins zu sprechen: „Es war bei unserer letzten Unterredung, daß Vallin so zu mir sprach, mit dem ich während zwei Jahrzehnten oft Gedanken: ausgetauscht, viel erlebt hatte. Wenige Menschen sind mir so sympathisch gewesen, f ü r w e n i g c habe ich eine so aufrichtige A6)- tung gefühlt. Dallin war sehr klug, er hatte aber nicht nur einen scharfen Verstand sondern auch, was in Teutschland seltner ist als in Italien, einen Verstand voll Ressourcen. Er suchte und fand meist einen Ausweg. Er war durch und durch praktisch, was der Deutsche seltner ist als der Engländer, als der Amerikaner und selbst als der Franzose, und dabei hatte er. ganz Autodidakt, tiefes ' Verständnis für geistige Kultur. Er hatte vor allem ein goldenes Herz, und groß ist die Zahl derer, denen er mit Rat und Tat geholfen hat, ohne jemals eine Gegenleistung zu verlangen oder auch nur Aufhebens davon zu machen. . . Er verkörperte wie k a u m ein anderer den k ü h n e n, wage m utigen, immer von neue nt s i ch a u f r i ch t e n d e n, immer vorw ä r t s st r e b e n d e n Genius der mächtigen deutschen Hasen- und Handelsstadt, des alten und i m mer j n u g cn H amb u r g." lieber den Tod Ballins bei Ausbruch der Revolution 1918, desien Ursachen nie voll geklärt wurden, äußert sich Bülow so: „Mau sagte, er wollte sterben. Und doch war nach meiner Ueberzeugung von einem Lesen Sie in dieser Nummer Zur jüdisdien \\ irtsdhaftsnot (Tatsachen und Ziffern) . . S. 71 August Rohling.S. J2

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