Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 6 (6.2.1931)
- Date
- 1931-02-06
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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65 Rings um Rem von Rabbiner Dr. I« Lehmann Berlin) Rcmbrandts Stellung zu den Juden ist bekannt. Tiefer hohe, freie Geist, dieser Genius kannte kein Verurteil. Tas Haus in der Jodenbreetstraat war nicht c?ne Absicht gewählt.' Tie Welt dieser Juden segelte das Blalerherz. Mit dem bedeutendsten ihrer religiösen Führer, mit Manasje ben Israel, war er freundschaftlich verbunden. Tie Blätter, die uns das Bild dieses großen Juden zeigen, wie die Rabbinerbilder und das herrliche Blatt mit den betenden Juden in der Synagoge zeigen liebevolles Verständnis. Taß wir von einer Remb-randt-Bibel sprechen können, offenbart nicht nur die Köngenialitat mit den Meistern der Bibel, sondern auch tiefste Ehrfurcht vor dem heiligen Buche. Mit Dankbarkeit begrüßen wir daher ein soeben erschienenes Buch, das uns von der Meisterhand des bekannten holländischen Schriftstellers Hendrik van Loon geschenkt ist und auch in'deutscher Sprache bald größte Verbreitung finden wird. Tiefes prachtvolle Buch'), ein authentischer Bericht, den der neunte Nachfahr aus den Aus- ----- kreis jildischs Volkshochschule BERLIN N 24 Dritter kontradiktorischer Abend: Dr. Ludwig Holländer - Kurt Blumenfeld nalionaldisci; * Montag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, Logenhaus, Kleiststr. 10 Zeichnungen seines Ahnen, des Arztes und Freundes Rembrandts, herausgibt, wird alle Bewunderer Nembrandts, und wer ist es nicht, ergreifen und erschüttern. Uns interessieren aus diesem reichhaltigen Zeitdokument in besonderem Mlaße die intimen Einblicke in Nembrandts Derhältnis zu seinen jüdischen Zeitgenossen. Wir wandern mit Rembrandt durch das Judenvrertel Klein-Jerusalem. „Ihr werdet", sagt er seinem Freunde, „merkwürdige Tinge zu sehen bekommen." Es war eine Welt, die sich von der übrigen Stadt so unterschied „wie der Mond von der Sonne". „Rembrandt schien diesen Stadtteil wie seine Tasche zu kennen und stand anscheinend mit der Hälfte der Bewohner aus freundschaftlichem Fuße; denn überall, wohin er kam. wurde er unterwürfig begrüßt." Er ist objektiv genug, ihre Ergebenheit seiner guten Kundschaft zu zu schreiben. Das Ghetto scheint ihm „eine wahre Schatzkammer, die mehr Kolorit enthalt als das ganze übrige Amsterdam". Rem- *) Hendrik cm Laon.: „Der Heber Rudolf Dossr LuchvrrlÄg. brandt kennt den Jargon des Ghetto und spricht ihn fließend. Wir solgen auch mit hohem Jnterepe der Charakterisierung der einzelnen jüdischen Persönlichkeiten sowohl durch Rembrandt selbst loie durch seinen ärztlichen Freund. Ban Loon schreibt: „Manage ben Israel war der klügste und weitherzigste Jude in unserer Stadr, gelehrt und erfüllt vom Geiste echter Brüderlichkeit, so daß viele Christen aus Ekel über die Haarspaltereien der eigenen Geistlichkeit häufig zu seinem Gottesdienst in die Synagoge gingen. Und sogar Katholiken von Rang fanden Gefallen au den Predigten ben Israels, irr denen der mit angenehmer Stimme begabte Mann die Tagesereignisse mit unwiderstehlichem Hunwr und so viel Geist behandelte, daß alle Schwierigkeiten sich zn losen schienen wie Morgennebel, d:e von den warmen Strahlen der Sommersoune verjagt werden." Auf einen hebräischen Folianten aus Manassts Truckerei zeigend, sagt Rembrandt: „Ich wünschte, ich könnte so zeichnen wie unser Freund hier". Wir hören von Manap.es kluger Beurteilung der Freiheiten, die die Juden in Holland genauen, lernen ihn auch als Enthusiasten kennen in seinen etwas phantastischen Vorstellungen von der Verbreitung der Juden und in seinen messiauischen Hoffnungen, Meues Licht fällt auf Manasies Bemühungen um die Rückkehr der Juden nach England. „Er ist von dem Gedanken besessen." Schuld an ihrer einstigen Vertreibung aus England haben, nach seiner Meinung, nur die englischen Könige, die reines Geschäftsinteresse leitete. Bei Shakespeares Geburt gab es seit 247 Jahren keinen Juden in England; „trotzdem schrieb er das ungeheuerliche Trauerspiel von Shylock, um die Juden noch verhaßter und sich bei der Königin beliebt zu machen". Manage ist begeistert von Cromwell. Er nennt ihn den edlen Engländer, den zweiten Llloses, den Propheten und Seher, der sein Volk aus Aberglauben und Unduldsamkeit herausführcn werde. Ein Hauptgrund sür Manapes Plan einer Uebersiedelung nach England ist die Intoleranz unter seinen holländischen Elaubensbrüdern, die der allgemeine Glaub.enssanatismus in den Niederlanden angesteckt hatte. „Tie einen wollten ihre Kinder in der Thora, die anderen im Tclnmd unterrichten lauen. Kaum war dieser Zank durch Manage beigelegt, als fick; der Fall Acosta ereignete. Tie grausamen, fast unmenschlichen Demütigungen, denen sich das arme Wesen unterwerfen mußte, hatten dem guten Rufe der Judenschast in unserem Lande sehr geschadet." Und als sich Acosta ob dieser Schmach erschoß, wurde den Juden, obwohl einige Pfarrer dieses Ketzergericht billigten, schärfste Verwarnung aus dem Rathaus erteilt. Nun begann eine neue Tragödie, die Manasse aufs tic'ffte erschreckte: Daruch Spinoza! Sein Bild wird zu wiederholten Malen, immer nur mit wenigen Worten, aber doch höchst fesselnd gezeichnet. „Ein herrlicher Jüngling, übermäßig wißbegierig und selbständig." Manage klagt über die Verfolaunassucht seiner fanatischen Kollegen. die diesem edlen Jüngling an die Gurgel springen wollen. „Solange wir Juden arm sind, sind wir die besten Menschen auf Erden, im Reichtum aber schrecklich." Spinoza, von einem Fanatiker angesallen und verwundet, lucht den befreundeten Arzt auf. „Ich verstehe mich Geheimer Medizinalral Professor ßr.üügo Fanüsnheirn.Kcrsigsöerg 1 J i j . . i\ das Ehrenmitglied and Mitglied des HaaptvorStandes des C. K. feierte am 4. Februar sein goldenes Doktorjubiläum. Dem juge ndjrischen Jubilar ge tten1 unsere herzlichsten Glückn'ansche. schlecht aus Lügen — sagt er — unsere Erziehung war äußerst streng, und Lügen aalt nächst der Arbeit am Sabbattage als die schlimmste Mipetat. So kommt es, daß ich in der guten Gesellschaft immer eine sehr schlechte Rolle spiele, denn die übllcke Unterhaltung besteht zur Hülste aus kleinen Lügen." Und notgedrungen erzählt er, was ihm gckchehen. Ter eingeforderte Bericht protcstanrischer Geistlicher über Spinozas Ketzerei deckt sich mit dem Urteil der fanatischen Rabbiner. Wir ^horen von den Bemühungen der Freunde für Spinozas Sicherheit, von seiner philosophischen Ruhe. .Ich fühle mich nicht zum Märtyrer geschaffen. Für solche Rolle bin ich zu kräftig. Ich will froh sein und am Tage tüchtig sür meinen Lebensunterhalt arbeiten, damit ich am Abend philosophische Studien treiben kann." Es wird erzählt, wie dieftr „bezaubernde schlichte Mensch" „eine Gotteegabe" wird für einen von langer Krankheit Genesenden. „Ter liebenswerte gütige Prophet" erscheint drei Tage hintereinander. bis er endlich in höchst taktvoller Weise das erlösende und heilende Wort findet. Ein Hauch der Erhabenheit umweht Rembrandts letzte Minuten. „Lest mir die Geschichte von Jakob vor, der mit dem Herrn ringt." Tann bewegten sich seine Lippens und lecke hört man ihn flüstern: „Und Jakob blieb allein. Ta rang ein Mann mit ihn), bis die Morgenröte anbrach, aber er gab nicht nach und kämpfte weiter; denn das ist der Wille des Herrn, daß er weiterkämpsen solle, daß er bis zum Anbruch der Morgenröte kämpfen solle." Tann wollte er sich mit einem Plötzlichen Ruck aufrichten. konnte es aber nicht und'starrte hilflos. wie wenn er eine Antwort erwartete, und sprach flüsternd: „Und er sprach, du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Rembrandt", und während seine knorrigen alten Finger, mit Tinte und Farbe beschmiert, ihm aus die Brust sielen, „denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und bist obgelegen." .! r'(o n t( 1 LJ ' i! n ,-~4 \ 0!(' i T3r fW‘ ~_-j n fi;( T“" 7""” s--< | X O I O;/o k ’ Die kühlende und heilende Wirkung der schneeig-weißen Creme Leodor tritt besonders in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte im Winter stark gerötet sind. 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