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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-16 · 3 (16.1.1931) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
3 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
Seite 29 (sequence 9)
Language
German
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Mu s / Sesprochen von Dr. Hugo Hahn lEssen) Karl Dreher: „Die religiöse Godaukenwell des Salomo Jbn Oabirol." (Verlag Eduard Pfeiffer, Leipzig 1930.) Eine ausgezeichnete Studie zur Aufhellung der religiösen VorstellungZwelt des jüdischen Mittelalters. Ter Titel ist zwar etwas irreführend. Man vermutet unwillkürlich,, eine Erörterung über die Religwnsplsilosophie Gnbirols geboten zu bekommen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine sehr eingehende Analyse der religiösen Gedichte dieser „frommen Nachtigall^, nrie Heine zutreffend Gübiro! genannt hat. Unter den Stichwörtern: Galut, Messias (ein besonderes instruktives Kapitel), Sünde und Gott werden die religiösen Gedanken Gabirols sehr übersichtlich angeordnet, ihre sprachliche Einkleidung mit viel Verständnis gewürdigt und ihr Zusammenhang mit der zeitgenössischen religiösen Literatur ausgedcckt. Es stellt sich dabei heraus, daß Gabirol, unter möglichster Vermeidung der talmudisckM Dialektik, vom Bibelwort seinen Ausgang nimmt und, unbeschwert von philosophischen Spekulationen, seinem religiösen Empfinden einen einfachen und natürlichen Ausdruck zu verleihen versteht. Tie dankenswerte Arbeit ist eine Veröffentlichung des Forschungsinstituts für vergleichende Religionsgeschichte an der Universität Leipzig. Eanaan Tansik: „Dämonengtaubc im Lande dev Bibel." (I. G. Hinrichssche Buchhandlung, Leipzig 1929.) Das hier gebotene solkloristische Material, das der Verfasser unter der arabischen Bevölkerung Palästinas selbst gesammelt hat, zeigt deutlich, daß das ganze Leben des Fellachen und Beduinen von dem Glauben an die Macht der Dämonen angefüllt ist. Diese verdienstvolle Sammlung ist deshalb für uns so wertvoll, weil manche Stellen im Alterr und Neuen Testament aus Grund dieser Funde viel verständlicher werden. Diele volkstümliche Vorstellungen, die hier ausgesührt sind, können auf ein hohes Alter zurückblicken und beherrschten das Landvolk etwa zur Zeit des Paulus ebenso, wie heute noch die arabische Bevölkerung Palästinas. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Verfasser zu Dergleichszwecken immer die entsprechenden Stellen aus der Bibel heranzieht. Er hält sich dabei von allzu phantastischen Hypothesen bewußt fern und läßt das reiche Material für sich selbst sprechen. I. M. Jäter: „Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft." (Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M« 1929.) Tie Ileberschrift bedeutet ein Programm. Es soll gezeigt werden, wie die Juden, einst Ackerbauer im Heiligen Lande, keinesrvegs prädestinierte „Händler und Sckzacherer" sind, sondern zu allen Zeiten gern den Boden bebauten, sofern man ihnen die Möglichkeit dazu bot, uue das erfreulicherweise in unseren Tagen wieder in gewissen Landern der Fall ist. Reben den genauen statistischen Angaben, die das ganze Buch durchziehen, sind am interessantesten die Kapitel über die jüdischen Ackerbaukolonien in Rußland und die jüdische Siedlungstätigkeit in Palästina. Der Bersasier steht auf dem Standpunkt, daß cs nicht angeht, um des neuen Palästina willen die Rückbewegung der Juden zum 'Ackerboden etwa in Rußland hintanzustellen, obgleich er anderseits die Gefahren des russischen Erperiments sehr wohl sieht und nicht unterschätzt. Bedeutsam ist die sehr klar vor- . getragene Erkenntnis, daß die Entwicklung der modernen landwirtschaftlichen Betriebe der Geistesart des aus der Stadt kommenden Arbeiters sehr entgegenkommt, so daß dieses schwerste Bedenken gegen den Umschichtungsprozeß der jüdischen Jugend immer mehr in Wegfall kommt. Ehajim Bloch: „Priester der Liebe. Tie Wett der tzhasiidim." Amalthca-Verlac», Zürich—Leipzig—Berlin. Seitdem Martin Tuber uns die Welt des Chassidismus erschlossen hat, ist das Interesse für diese Verlebendigung des jüdischen Mystizismus bei Juden und Christen in stetem Wachsen begriffen. Chajim Bloch vereinigt in dem vorliegenden Buche eine große Anzahl noch nicht veröffentlichter Geschickten chasftdischer Rabbis, u. a. auch solche vom Baal-Schem-Tow, die auch Buber nicht bekannt Ovaren. Schon vor Jahren hat er einen Teil seiner Sammlung Joief Poppe- Lynkeus, der den Titel des Buches erfand, und Walther Raihenau vorgelegt, der sie „wie Psalmen las" und „in jeder Erzählung ein Erlebnis, in jedem Ausspruch einen tiefen Gedanken" fand. Und tu der Tat müssen diese Geschichten jeden Menschen—nicht nur jeden Juden — einen Hauch von jener glutvollen Gottes- und Menschenliebe verspüren lassen, die in ihnen lebt. Bon der tiefen Menschlichkeit, die diese Geschichten erfüllt, möge folgende Betrachtung von Rabbi Lewi Jhzchak von Berdytschew erzählen: ,Lie Leute bemitleiden einen Menschen, wenn sein Hab und Cut verbrannt ist, oder wenn er auf andere Weise um sein Vermögen gekommen ist. Sieht man aber einen eine Sünde begehen und eine Seele vom Feuer der Leidenschaft verzehren, da rührt dies niemand: men bedenkt nicht, daß da der Mensch verlorengeht." Den Gesäsichten geht eine anschauliche Einführung in die Geisteshaltung des Chassidismus voraus. Ü. 8t. Iugenö und Religion Vortrag von Rabbiner Tr. Daeck. Im Nahmen der Vortragsreihe des Jüdischliberalen I u g e n d b u n b c s /Ili) Wrack) Rabbiner Tr. Baeck am 8. Iamiar^nn Verlra^ssaal in der Fasanenstiaße über das Themas „Jugend und Religion." Tcr y.tfcrciif ging von der verschiedenen Bewertung des Jungseins in den einzelnen Zcitepochen unserer Geschichte aus und hielt es für ein Charakteristikum unserer Zeit, daß in ihr die Jugendlichkeit als Vorzug bewertet werde und der einzelne daher die Tendenz bade, als jung zu gelten. Ter Redner ging dann auf die psychologischen Besonderheiten des Jungseins ein und kam zu dem Ergebnis, daß zwei Tinge den jungen Menschen besonders auszeichneten: der Hang Jum Verstehenwollen (Intellektualismus) und das Streben zum „Superlativ des Guten"' (Idealismus). Beide Spezifika seien bei der jüdischen Jugend besonders stark ausgeprägt. Diehange init der einzigartigen Geschichte der jüdischen Gcmeimchast .zusammen, die, seit langem durch das Chettvleben der Naturhaftigkeit entrückt, stets in besonders enger Berührung mit dem Grilligen gestanden habe- Tiese gesteigerte Form des Intellektualismus und des Idealismus beim jüdischen jungen Menschen bedürfe aber, um nicht unfruchtbar zu wirken, eines Komvenses. Und hier setze die Religion ein. Sie setze dem Fragen und Forschen das „Geheimnis" des Un^wrschbaren gegenüber. Und sie schränke die MiLte!. mir dcnen der Idealismus getätigt wird, ein durch das Gebot des sittlichen Handelns. Geheimnis und Gebot als Korrektiv zu Intellektualismus und Idealismus seien das. was die Religion dem jungen jüdischen Menschen zu geben habe. Tie formvollendeten Ausführungen sowie ^die Beantwortung der Fragen, die in der Diskussion gestellt wurden, .haben den zahlreichen jugendlichen Zuhörern bestimmt riet Wertvolles gegeben. W.—ck. 10 Jahre Verband der russischen Juden. Aus Anlaß des 8 0. Geburtstages des Führers der russisch-en Juden in Deutschland, Staatsrat Jacob Teitek, und des zehnjährigen Bestehens des Verbandes russischer Inden in Deutschland fand am Sonntag, 11. Januar, im Brüderverein Berlin eine Feier statt, die außerordentlich eindrucksvoll verlief. Alle großen jüdischen Sraanisationen sowie die Jüdische Gemeinde hatten ihre Vertreter entsandt, die nach Ansprachen von Tr. Leo SrQßijon, Tr. A. Goldenberg, Tw. B. ^chirmann und Tr. Josef Kahn über das Wirken des Verbandes und die Persönlichkeit seines Führers Jacob Teitel dem Hilsswerk der russischen Juden ihre Glückwünsche überbractzten. Als Vertreter des Centralvercins gab denen Vorsitzender. Justizrak Tr. Julius Vrodnitz, seiner Verehrung für den großen Juden und Menschen Teikel Ausdruck. Justizrat Brodnitz koöte di? jüdische Hilfssolidarität, die die Grenzen zwischen Cft und West überschreite. Ter russische Jude hänge, wie der deutsche Jude und der Jude überall, treu an der alten heimatlichen Erde. Ern bodenständiges Judentum dränge Männer wie Teilet hervor, die ihrer Zeit Symbol sind. Ten russischen Brüdern rufe cr ein herzliches Glückauf zu. honcheni RAUCHEN SIE MEMPHIS... so pf ROSENKAVÄLIER... sorr III. SORTE.'...«OFT KHEDIVE.so pf die flnJjcltspatöung. Die Oualitätsmar&en der Oefterretdüfdien Cabafcregie in München, in allen guten beschälten erhältlich.

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