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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-16 · 3 (16.1.1931) · p. Seite 21

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
3 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
Seite 21 (sequence 1)
Language
German
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tverlm, 16 Januar 1931 X. Jahrgang ♦ Sir, 3 Einzelnummer sopfennig Hrumng rückt von öen NarionalsoZiaÜstLN üb „Das dritte ist das Reich des groben Geheimnisses." Maxin-us zp Julian in Ibrens t.Koiser u. Galilaer*e. A. H. Die Front gegen den staats gefährdenden Nationalsozialismus beginnt sich zu verbreitern. Reichskanzler Brüning hat die Herausforderungen von nationalsozialistischer Leite während seiner Ostmarkenreiie mit erfreulich kräftigen Worten beanllvortet. Ihre ungeschminkte Deutlichkeit wirkte in der politischen Welt wie eine Fanfare. Die Schläfer wachten auf, die Erstarrung wich, und viele, die im Traume hinter die Zipfel des Geheimnisses vom Dritten Reiche geblickt hatten, haben die ent- (cheidende Erkenntnis gewonnen, der Nationalozialismus, wie er in die Erscheinung tritt und wie er auf die deutsche Politik einzuwirken versucht, ist nicht einmal zur Persönlichkeitsforntung in seinen eigenen Reihen imstande oder dazu, die Menschen, die seiner Parole in den lehren Wahlen hoffnungsvoll oder verzweifelnd gefolgt sind, zu einer politischen Einheitlichkeit zu bringen. Um wieviel weniger kann chm da die Kraft zugesprochen werden, das deutsche Volk in seiner vielgestaltigen Gesamtheit. das Deutsche Reich mit seiner Welt- Verbundenheit zu dem zu machen, was er Phrasenhaft verspricht? Gerade die deutschen Wähler, die am 14. September Parteien ihre Stimme gaben, die das Prinzip der Demokratie ablehnen und starke Würmer mit diktatorischer Führeroewalt begrüßen, werden die energische Sprache des deutschen Reichskanzlers versieben. O Mus Herr Morten öes Kanzlers In Königsberg: Wir haben manchmal den Eindruck von Stimmungen aus dem Lande, daß hinter dem Begriff her starken Taten gewisse experimentelle Entschliche liegen oder der Wunsch nach ihnen, zunächst einmal alles zu zerschlagen. um eine tabula rasa zu schassen imb dann alles von neuem wieder aufzubauen. Meine Herren, gegen diese Stimmung mutz ich mich mit aller Schärfe wenden. Es gibt nur Zeines für uns, klar zu sehen, frei von Illusionen zu sein und uns auf die Lcben?- möglichkeiten zurückzuziehen, die uns zurzeit gegeben sind, und mit dem Vorhandenen haus- -uhalten. In R a116 o r : Das ganze Land mutz aus der Agitation heraus und zur Verantwortlichkeit in allen tU*! Don EemeMLrLlÄiM Dr. Aemhold Lswrn (Königsberg!. A.) Die Qsttandfahrt des Kanzlers, die neben Pommern und Oberschlesien in der Hauptfachs Deutschlands noch „einziger Kolonie*, dieser vom Mutterland abgetrennten, von der polnischen Flut uinbrandeten Insel, galt, hat sinnfällig und gebührend das ostpreutzische Problem wieder einmal herausgehoben. Nach der Rheinlandräumung konnte es nicht ausbleiben, daß die Aktivität der deutschen Politik ihr Augenmerk den blutenden, brennenden Ostgrenzen zuwandte. Daß aber hier Ostpreußen eine tragifdye Sonderstellung behauptet, daß in Deutschlands durch den Krieg grausam und vernunstlos aufgerissener Flanke dies gänzlich lvsgerissene, in vollkommene Isolierung hineingeschleuderte Stück erner vordringlichen Beachtung und Heilung bedarf, mutz zur allgemeinsten Erkenntnis werden, die, lauter und lauter nach irgendeiner Lösung verlangend, sich nicht übersehen, sich nicht ungestraft unterschätzen läßt. Selbst wenn in absehbarer Zeit die Weltwirtschaftskrise beschwichtigt und Deutschland ökonomisch in sein Gleichgewicht zurückgebracht wird, bleibt hier eine politische Problematik zurück, an deren aktueller Gefährlichkeit die jetzige Reich slciiung nicht vorübergel>en konnte. Es war eine Selbstverständlichkeit bei der Weltanschauung und Parteizugehörigkeit des gegenwärtigen Kanzlers (kaum in Königsberg angelangt, verabsäumte ev'.ncht, die Kirche anszu suchen und zu Ehren der heiligen drei Könige die Messe zu hören), daß zu allen Empfängen und Besprechungen der Ostlandsahrt auch die Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft hinzugezogen wurden. Hätten sie Wert daraus gelegt, wären etwa ihnen voran neben Wirtschaftskreisen und Berussstanden die Repräsentanten der christlichen Bekenntnisse mit Sonderklagen und Sonderwünschen hervorgetreken, so hätte man gleichermaßen ein reichliü>es. begründetes Material dem führenden deutschen Staatsmann unterbreiten können. Eine spezifisch oft preußische Judennot, Kreisen der Bevölkerung geführt werden. Ich kann die Verantwortung nur weiter tragen. Ivenn es möglich ist, dem deutschen Volke den Sinn für Wahrheit und Ehrlichkeit wieder restlos beizubringen. In Breslau: Wir werden mit ollen Mitteln gegen solche Saboteure Vorgehen . . . Wir miiffert zur llllahrheit in der Politik kommen. Wir werden das Volk nickst den politischen Agitatoren ausliesern lassen und mit allen Mitteln den Kampf aufnehnien gegen Agitation. Verhetzung und Vernebelung der Wirklichkeit und der Wahrheit . . . Es ist Zeit, mit allem Ernst und mit allem Nachdruck daran zu erinnern: es gibt nur einen Staat, nur eine Pflicht ihm gegenüber, das ist. sich ihm hingeben ohne Rücksicht aus die Person, auf die eigene Partei, hierzu schreibt das führende Berliner Zentrumsblatt, die „G e r m a n t am: „Weder die katholische Kirck^e noch das Zentrum werden sich durch die Angrifte der nationalsozialistischen Presie, - wenn sie auch noch so heftig und maßlos sind, beirren, oder etwa gar in Furcht versetzen lasten. Solange der Nationalsozialismus über seine Phra'eowgie. die sich in Allgemeinheiten erßchöp't, nicht hinanskomnrt und solange er selbst darauf verzichtet, von der politisch geistigen und praktischen Seite her ganz eindeutig und klar zu bestimmen und zu sagew wo er in den konkreten Fragen des poltischen Lebens im einzelnen steht und wie er sie zu meistern gedenkt —- also mehr zu sagen, als Latz er nur die politische Macht erobern will — so lange fehlt dem Nationalsozialismus jede Berechtigung, sich darüber aufzuhalten. Latz es andere gibt, die der Meinung sind, es sei bester und für das deutsche Volk bekömmsicher, das Experimentieren mit unbekannten Größen zu vermeiden/ LESEN SIE: Oberlandesgericht Jena gegen national« sozia’isttschen Terror, S. 23. — DipL- Volkswirt Erwin Simon (Erlangen) und Heinz Levy (Charlottenourg): Gibt es einen Ausweg aus der Wirtschaftsnot? S. 25. — Dr. Müller-Claudius: Gegen das Schlagwort: Krisis, S. 26.

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